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Dolfis Erbe: Barbara Gysel greift nach dem Zuger Stadtpräsidium
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Sie birngen die SP in Front: Karin Hägi (links) Präsidentin der Zuger Stadtpartei, Barbara Gysel Stadtrats- und Stapi-Kandidatin und Dolfi Müller, Stadtpräsident von Zug. (Bild: mam)

Stadtzuger SP wartet mit Überraschung auf Dolfis Erbe: Barbara Gysel greift nach dem Zuger Stadtpräsidium

4 min Lesezeit 24.02.2018, 00:37 Uhr

Viele hatten erwartet, dass die Zuger SP ihre Parteipräsidentin Karin Hägi für die Wahlen in die Stadtregierung aufstellt. Aber nein: Stattdessen kandidiert Barbara Gysel – und will auch gleich Dolfi Müller als Stadtpräsidentin beerben. Die Sozialdemokraten spüren Aufwind.

Die Kommunalwahlen in der Stadt Zug werden im kommenden Herbst spannend wie selten: Immer mehr Kandidaten balgen sich um einen Sitz in der Regierung und immer mehr wollen auch gleich Stadtpräsident werden. Am Freitagabend nominierten die Zuger Sozialdemokraten in der Burg Zug ihre Kandidaten für die nächsten Wahlen – also die Partei des populären Stapis Dolfi Müller, dessen angekündigter Rückzug aus der Politik den aktuellen Run auf Polit-Mandate in Zug erst ausgelöst hat.

Viele hatten im Vorfeld erwartet, dass Karin Hägi, Gemeinderätin und Präsidentin der Stadtzuger SP die Nachfolge von Dolfi Müller antreten würde. Aber die Genossen – herausgefordert duch die frühe Lancierung des Wahlkampfs durch bürgerliche Konkurrenten – haben sich ihre eigenen Gedanken gemacht. Sie stellen Barbara Gysel (41) für die Wahl in den Stadtrat auf – und sie wollen mit ihr auch gleich das Amt des Stadtpräsidiums in den eigenen Reihen behalten, das ihnen seit sieben Jahren gehört.

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Werden es am Ende sieben Stapi-Kandidaten?

«Wir trauen es Barbara Gysel zu, dass sie eine gute Stadtpräsidentin wird – und wir trauen es uns als Partei zu, dass wir das Amt verteidigen», sagte Karin Hägi. Somit haben die Zuger nun im Herbst die Qual der Wahl: Neben Gysel wollen auch alle amtierenden Mitglieder der Stadtregierung Präsident werden: Karl Kobelt (FDP), Vroni Straub (CSP), André Wicki (SVP) und Urs Raschle (CVP).

«Im städtischen Zug gehört uns ein Sitz in der Regierung.»

Dolfi Müller (SP), Zuger Stadtpräsident

Und das Kandidatenkarussel dreht sich weiter: Offen ist, ob die grünalternative Gemeinderätin Astrid Estermann, die in die Stadtregierung möchte, nicht auch für’s Amt des Stapi antritt. Und die Grünliberalen haben ebenfalls noch nicht entschieden: Traditionell treten sie für die Wahlen in die Exekutive an – es wird gemunkelt, dass sie es heuer auch mit einem Stapi-Kandidaten versuchen könnten.

Gysel ist bereits bekannt

Klar ist, dass sich bei bis zu sieben Kandidaten, die Dolfi Müller als Stapi beerben wollen, das Interesse der Medien auf den Kampf ums Stadtpräsidium konzentrieren wird. Wer nur in die Stadtregierung oder in den Gemeinderat will, kämpft in der zweiten und dritten Reihe. In diesem Licht ist auch die Kandidatur von Barbara Gysel zu sehen: Sie ist seit vielen Jahren in der Politik und sie ist bekannt – als Präsidentin der kantonalen SP oder als Kantonsrätin. Sie war im Vorstand der nationalen Mutterpartei und hat auch schon als Ständerätin des Kantons Zug kandidiert. Selber macht sich die Kulturmanagerin und Politikwissenschaftlerin, die derzeit im Bereich Management doktoriert, keine Illusionen: «Es wird kein Spaziergang werden. Sondern ziemlich hart.»

Die SP ist die einzige Regierungspartei, die einen neuen Kandidaten in die Stadrat hieven will. Dennoch gibt sie sich kämpferisch. «Wir haben im letzen Jahr in der Stadt Zug 10 Prozent mehr Mitglieder gewonnen», sagte Karin Hägi. Und bei den letzten Kommunalwahlen sei die SP jene Partei gewesen, die am meisten Wähleranteile hinzu gewinnen konnte.

SP hat Mitglieder hinzu gewonnen

Im Aufwind sieht auch Stapi Dolfi Müller die SP – und die Sache der Frau. «Wir haben nun die einzigartige Chance,  dass zwei Frauen in den Stadtrat gewählt werden – zwei linke Frauen». Das habe es noch nie gegeben. 25 bis 30 Prozent betrage das Wählerpotential der Linken in Zug, «den Rest muss man sich zusammensuchen, wie beim Curling», sagte er. Es sei wichtig, dass die Linke eine «angemessene» Vertretung im Stadtrat habe, «um die Balance in der Gesellschaft zu wahren. Schliesslich leben wir im Kanton Zug seit 170 Jahren unter bürgerlicher Dominanz.»

Grosse Fusstapfen: Barbara Gysel vor einem alten Wahlplakat von Dolfi Müller, den sie beerben will.

Grosse Fusstapfen: Barbara Gysel vor einem alten Wahlplakat von Dolfi Müller, den sie beerben will.

(Bild: mam)

Historisch gesehen sind die Sozialdemokraten bereits seit 100 Jahren in der Zuger Stadtregierung vertreten – einzig unterbrochen durch eine Legislatur in den 1970er Jahren. «Es ist klar: Im städtischen Zug gehört uns ein Sitz in der Regierung», fand Müller. Und setzte auch gleich zu einer Lobrede auf Barbara Gysel an: Sie sei durch ihr «grenzenloses Engagement» und ihre Ausbildung bestens für den Posten qualifiziert, habe als Kantonalpräsidentin schon manch schwierige Aufgabe gelöst. Am besten gefiel ihm ihr Leitspruch «Offen bleiben, wenn andere zumachen». «Genau – so muss es sein», sagte Dolfi Müller.

Olivia Bühler gibt Comeback

Die Stadtzuger Sozialdemokraten nominierten am Freitag auch gleich ihre Kandidaten fürs Kantonsparlament und das Gemeindeparlament – beide Listen sind schon voll, was ihnen weiteren Anlass zu Optimismus gibt. Wichtigste Neuerung auf der GGR-Liste: Die Gemeinderätin Barbara Stäheli tritt nicht mehr an. Dafür gibt die frühere Chamer Kantonsrätin Olivia Bühler ihr Comeback – sie ist in die Stadt gezogen und will nun in den Grossen Gemeinderat.

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