Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Dolfi Müller: «Ich fühle mich nicht als lahme Ente»
  • Politik
  • Stadt
  • Stadtratswahlen
Weltenbummler auch ohne Bitcoins: Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller. (Bild: mbe. )

Zuger Stadtpräsident zum Leben nach der Politik Dolfi Müller: «Ich fühle mich nicht als lahme Ente»

5 min Lesezeit 18.09.2017, 05:07 Uhr

Dolfi Müller ist noch über ein Jahr im Amt. Dennoch verspürt der Zuger Stadtpräsident bereits jetzt ein Gefühl von Leichtigkeit. Warum das so ist und was er für Pläne für die Zukunft schmiedet, hat er zentralplus verraten.

«Es ist kein Geheimnis: 16 Jahre im Zuger Stadtrat, davon 12 Jahre als Stadtpräsident, sind genug für mich», sagt Dolfi Müller. Das habe er seiner Partei, der SP Zug, schon länger mitgeteilt. Und er fügt hinzu: «Es war eine unglaublich spannende Zeit.»

Auch wenn er bald von der politischen Bühne abtrete, fühle er sich nicht als «Lame Duck» (lahme Ente); so nennt man den US-Präsidenten in der letzten Phase seiner zweiten Amtszeit. Im Gegenteil: Viel gelöster ist der Zuger Stadtpräsident. «Man ist befreit, wenn der Druck der Wiederwahl wegfällt, und das ist ein schönes Gefühl», sagt Müller.

Unterstütze Zentralplus

«Man ist befreit, wenn der Druck der Wiederwahl wegfällt. Ein schönes Gefühl.»
Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident

Hat der «Stapi» weitere politische Ambitionen nach dem Ende seiner Amtszeit? Man munkelte, dass er Ambitionen auf Bundesbern habe, als Nationalrat. «Bitte nicht!», sagt Dolfi Müller dazu, «das tue ich mir nicht an!» Ein weiteres Amt strebe er nach 35 Jahren Stadtpolitik nicht mehr an. Von 1983 bis 2003 sass Müller für die SP im Grossen Gemeinderat.

Doch in den Ruhestand will er auch noch nicht treten. «Es wird weitergehen, vielleicht werde ich meine Lehrerfahrung in Wirtschaft und Recht als Berater von Gemeinderäten einbringen?». Es gebe ja immer mehr Internet-Netzwerke, wo Senioren ihr berufliches Knowhow für alle Interessierte schweizweit anböten. «Einem solchen Netzwerk würde ich eventuell beitreten, wenn ich Lust habe.»

Rentnerband und Weltreise geplant

Ausserdem will Müller, der 2018 sein 64. Altersjahr erreicht, mit seiner Frau Ursula eine sechsmonatige Weltreise unternehmen: «Wir planen, Richtung Osten zu reisen. Malaysia, Japan, Australien wollen wir uns ansehen, die Südsee, und weiter bis nach Chile. Das war schon lange unser Traum.»

Ein weiteres Projekt Müllers ist, wie er uns verrät, mit Zuger Kollegen eine «Rentnerband» zu gründen. «Es soll Richtung Folk und Jazz gehen», erklärt der Stadtpräsident, der Geige und Banjo spielt. Am liebsten, sagt er augenzwinkernd, würde er natürlich die Stadtratsband wieder aufleben lassen.

Im übrigen werde er die neue Freiheit geniessen, sein Basislager aber in Zug behalten; das Ehepaar Müller lebt zur Miete am Rosenberg. Die Kinder Tobias (31) und Martina (28) sind längst ausgezogen.

«Es braucht Mut, hinstehen zu können und eine Meinung zu vertreten. Das musste ich lernen.»
Dolfi Müller

Wen wünscht sich Müller eigentlich als Nachfolger oder Nachfolgerin im Stadtpräsidentenamt? Zu den Ambitionen seiner Stadtratskollegen will sich der Stadtpräsident nicht äussern, er lobt jedoch das heutige Team und seine Zusammenarbeit. «Ich habe ein gutes Gefühl, dass ein guter Nachfolger oder eine Nachfolgerin in mein Büro einziehen wird.» Ob es jetzt zwei oder gar vier Kandidierende gebe, sei ja noch offen. Müller glaubt aber, dass es einen zweiten Wahlgang fürs Stadtpräsidium geben wird, weil niemand den «Stapi-Bonus» haben wird.

 

Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller mit Gattin Ursula.

Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller mit Gattin Ursula.

(Bild: mbe.)

Zum Anforderungsprofil äussert sich das amtierende Stadtoberhaupt so: «Es braucht einerseits Einfühlungsvermögen. Und ausserdem braucht es Mut, hinstehen zu können, ohne Wenn und Aber eine Meinung zu vertreten. Das musste ich lernen.» Politiker hätten die Tendenz, sich «abzuseilen», sich hinter nichtssagenden Formulierungen zu verstecken.

Keine faulen Kompromisse abschliessen

Manchmal setze es halt dann ein politisches Hagelwetter ab, wenn anderen die Meinung nicht gefalle. «Doch das muss man aushalten.» Als junger Politiker suche man oft nach Lösungen, die jedem gefielen, das funktioniere aber oft nicht, so der Stadtpräsident. «Kompromisse Ja, aber keine faulen. Das rächt sich früher oder später.»

Gab es auch Situationen, als er eine Meinungsäusserung nachträglich bedauerte? Dolfi Müller denkt lange nach. Es fällt ihm keine ein. Doch es gebe auch viele Situationen, in denen er lieber schweige. «Ich war immer vorsichtig, dass ich meine Zunge im Zaum gehalten habe.» Auch wenn er durchaus etwas zu sagen hätte.

Rechtsstaatlichkeit versus Einzelinteressen

Es gebe auch Fälle, wo Leute versuchten, einen Politiker auf ihre Seite zu ziehen. «Wenn in meinem Quartier eine Handyantenne aufgestellt wird, erinnert man sich gerne daran, dass ich ja auch da wohne», sagt Dolfi Müller. Man frage ihn dann, ob er «nicht etwas machen kann».

Da müsse er hart bleiben und aufs übergeordnete Recht verweisen. Wenn die rechtlichen Bedingungen erfüllt seien, müsse die Behörde eine Antenne bewilligen. «Da kann ich euch leider nicht helfen, musste ich dann oft sagen.»

Der Stadtpräsident ist stolz aufs Zuger «Crypto Valley»

Dolfi Müller ist stolz darauf, dass die Stadt Zug seit 2014 ein Standort von «intelligenten Softwarelösungen» geworden ist. Er meint damit die Ansiedlung der Block-Chain- und Bitcoin-Firmen in Zug. «Da ist Zug am Puls der Zukunft. Aber das ist bei Weitem nicht nur mein Verdienst», sagt er. Digitalisierung und Globalisierung stellten Zug und die Schweiz vor Herausforderungen, denen man sich öffnen oder verschliessen könne. Zug habe sich fürs Erste entschieden. Er findet diese Entwicklung – auch als Mensch – faszinierend und spricht von «neuem Denken».

Zug habe bereits einmal in der Geschichte eine Marktlücke gefüllt, fügt der ehemalige Kantonsschullehrer hinzu. Das war im 16. Jahrhundert, als viele Zuger sich in Deutschland als Silberschmiede ausbilden liessen. «Der Grund war die Reformation in Zürich. Die Zürcher konnten Einsiedeln nicht mehr mit Silberwaren für die Kirchen beliefern, da sprangen die Zuger stattdessen in die Lücke.» Müller vergleicht die Situation damals gerne mit der Globalisierung von heute.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare
Mehr Politik