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«Dörf ich inesitze?»
  • Gesellschaft
«So einen will ich auch mal haben», sagen die Kinder, und steigen gleich selber ein. Ein Star an der WAVE Trophy 2014: Der «Tesla Roadster». (Bild: zvg: Oberägeri / Claudia Häusler )

Rallye in Oberägeri «Dörf ich inesitze?»

4 min Lesezeit 05.06.2014, 17:37 Uhr

Grosse Kinderaugen und schnelle Elektroautos: Die WAVE Trophy macht Halt in Oberägeri, und die Fahrer lassen ihre Wagen von Schulkindern bewerten. Was Kinder cool finden? Schnelle Sportwagen, kleine Flitzer und tote Kühe.

Wer an Autotreffen geht, erwartet Benzingeruch und lautes Donnern, plus Bratwurst. Gibt’s alles nicht in Oberägeri: Die WAVE Trophy 2014 machte heute morgen früh halt in der Gemeinde. Und hören konnte man bloss die begeisterten Kinder. «Dörf ich inesitze?» ist die meistgestellte Frage an diesem Morgen. Es sind Elektro-Autos aller Formen und Grössen, die da in der Berggemeinde Halt machen, bevor es leise über den Furka geht, und man muss als Besucher schon aufpassen, dass man keinem in die Fahrbahn läuft: So viel Auto und so wenig Lärm, das passt im Kopf noch nicht zusammen.

Ein Flugzeug ohne Flügel

Die Rallye macht in Oberägeri ihren 30. Halt, «weil wir Energiestadt sind», sagt Andrea von Allmen, die Umweltbeauftragte der Einwohnergemeinde. «Und auf erneuerbare Energien aufmerksam machen und diese fördern wollen.» In Koblenz gestartet, geht’s bis auf die Rigi, mit einigem Umweg übers Wallis. Die Batterien sind hoffentlich vollgeladen, aber erst müssen die Fahrer hier noch ihre Bewertungen sammeln. Und die Schiedsrichter haben klare Kriterien: Die Kinder der Primarschule Oberägeri haben sich Formular und Bleistift geschnappt und verteilen den Fahrzeugen je nach Coolness ihre Punkte. «Mir gefällt der Kleine da am besten, der aussieht wie ein Flugzeug ohne Flügel», sagt Max Hassle (10) und zeigt auf ein Twike. «Und der hier», sagt er gleich darauf und steigt in den leuchtorangen «Tesla Roadster», einen der Stars der Rallye, zumindest in Sachen kindlicher Begeisterung.

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Denn da fahren auch noch andere Argumente durchs Dorf als dessen 400 Kilometer Reichweite und wahnsinnige Beschleunigung, aber die sind den Kindern noch egal. Dem massentauglichen Serienmodell «Nissan Leaf» eines französischen Rallyeteams wird die Show gestohlen. Von einer toten Kuh, die ein Bauer mit schlechtem Timing gerade an den Kindern vorbei in die Kadaver-Abgabestelle fährt.

Schweben mit dem Grashüpfer-Roboter

Aber die Autofaszination überwiegt. «Kann man per Schnelladung in einer halben Stunde auf achtzig Prozent aufladen», sagt die Fahrerin noch, und dass sie damit schon 50’000 Kilometer ohne Panne gefahren ist. Dann ist schon der Nächste dran. Und der beherrscht die Show perfekt: Hans Hammerschmid fährt mit seinem E-Bike «Johammer» vor, es sieht aus wie ein Grashüpfer-Roboter und blinkt mit den Rückspiegel-Lichtern. Und vor allem saust es so still auf den Platz, dass man neidisch wird: «Damit durch die Landschaft zu schweben, das ist wunderbar», sagt Hammerschid, «es fehlt alles, was sonst vom Fahren ablenkt, der Lärm, das Schalten, die Vibration, und das schlechte Gewissen wegen dem Benzinverbrauch.» Dass er das Ding in Österreich selber herstellt und vertreibt, tut der Faszination keinen Abbruch.

Wie ein Flugzeug ohne Flügel. Der Twike wird von seinem Besitzer als einziges Sportauto der Rallye angekündigt - weil man darin auch in die Pedale treten kann.

Wie ein Flugzeug ohne Flügel. Der Twike wird von seinem Besitzer als einziges Sportauto der Rallye angekündigt – weil man darin auch in die Pedale treten kann.

(Bild: zvg Gemeinde Oberägeri / Claudia Häusler)

«Es gibt sie, die massentauglichen Elektroautos»

Von Koblenz bis auf die Rigi fahren die Elektromobile, gerade sind sie von Einsiedeln her über den Raten gekommen. Warum das alles? «Da ist etwas in Bewegung, da geschieht gerade ein grosser Wandel, und man merkt es noch nicht», sagt der Organisator der Rallye, Louis Palmer. «Es gibt sie schon, die Elektroautos, die massentauglich sind. Und es werden noch Fahrzeuge auf uns zukommen, die sich heute noch niemand vorstellen kann. Wie das iPhone vor ein paar Jahren. Dann sind die Elektroautos von heute museumsreif.» Nur müsse man die Bevölkerung für den Wandel sensibilisieren: «Das ist noch nicht angekommen.» Dass er gleich bei den Kindern damit beginnt, das sei sinnvoll, obwohl die sich erst in zehn Jahren ein Auto kaufen können: «Das ist ihre Zukunft, sie müssen diese Autos auch mal selber sehen.» Sagt er und steigt in seinen selbst umgebauten Elektro-Tourbus.

Jubel im Elektro-Speedster

Offensichtlich klappt’s: Kajus Balciauskas (11) etwa ist heute schon überzeugt. «So ein Auto will ich auch mal haben», sagt er, gerade noch mit seinem Kollegen Max im Tesla Roadster gesessen, steigt er jetzt in den «63-Speedster», umgeben von einer faszinierten Kindertraube. «So cool, dass die in Oberägeri durchfahren.» Der Speedster ist ein Replikat, Glasfaser-Carosserie macht ihn leicht und der Elektromotor ist vom Fahrer selber eingebaut: «Fährt 200 Kilometer pro Stunde.» Sagt er noch und schnellt so leise davon wie ein Lichtfleck an der Wand, von der Uhr am Handgelenk hingeworfen. Fährt rund um den Block, mit Kajus auf dem Beifahrersitz. Und das Einzige, das man von den beiden hört, ist das begeisterte Jubeln des zukünftigen E-Mobil-Fahrers. Wunderbare Zukunft, denkt man. Und wird gerade noch gestoppt, bevor man vor den Speedster läuft, der in dem Moment schon wieder um die Ecke braust. So viel Auto und so wenig Lärm.

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