Doch was machte der Tee auf der Bühne?
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Soul-Gesang trifft auf Beats und Synthie-Flächen: Sohn überzeugte am Blue Balls.

Kwabs und Sohn am Blue Balls Doch was machte der Tee auf der Bühne?

3 min Lesezeit 1 Kommentar 28.07.2016, 11:55 Uhr

Der Mittwochabend am Blue Balls im Luzerner Saal stand ganz im Zeichen des Soul und der elektronischen Musik. Vor einem überschaubaren Publikum performten die beiden Briten Kwabs und Sohn im Luzerner Saal und hinterliessen dabei sehr unterschiedliche Eindrücke. 


Pünktlich, ganz nach Blue-Balls-Manier, eröffnete Kwabs den Mittwochabend im Luzerner Saal. Sofort war klar: Der Brite kann singen. Geschmeidig und elegant schwebte er über die Bühne. Das überschaubare Publikum reagierte anfangs verhalten und auch Kwabs wirkte noch müde. Seine Soulstimme jedoch berührte und auch die Besucher kamen immer mehr in Stimmung. Sicher auch dank der beiden Backgroundvocals, die mit ihren Stimmen und der Choreografie Power auf die Bühne brachten. Teilweise zogen sie die Aufmerksamkeit so sehr auf sich, dass Kwabs daneben etwas in den Hintergrund rückte. Die Band unterstützte und brachte mit Drums, Synthesizer, E-Gitarre und Piano jeden Song auf den Punkt und animierte das Publikum immer wieder zum Tanzen. Da war ein tolles Team auf der Bühne

Teekränzchen und Luft nach oben bei Kwabs

Nicht allzu oft kommt es vor, dass Künstler auf der Bühne Tee aus ihrer eigenen Thermoskanne trinken – so aber Kwabs. Das erklärte wohl auch seine Müdigkeit, die schon vorher bemerkbar war. War er vielleicht gar nicht vollkommen fit für den Auftritt? Auch seine Stimme wirkte im Verlauf des Konzerts immer angeschlagener. Trotz allem gelang es Kwabs aber, das Konzert auf einem hohen musikalischen Niveau zu halten. Das Publikum bestätigte dies mit lautem Applaus nach jedem Song. Für etwas Verwirrung sorgte der Sänger, als Justin Biebers «Love Yourself» ertönte, jedoch waren die Zuhörer sofort angetan und begeistert von Kwabs Interpretation des Songs. Alles in allem also ein musikalischer Genuss, mit etwas Luft nach oben, was seine Performance angeht.

Sohn in seinem Element

Im Gegensatz zu Kwabs schien Sohn im zweiten Teil des Abends auf der Bühne völlig in seinem Element zu sein. Er wirkte entspannt und spielte seine Songs souverän. Zwar war da nichts Neues dabei, sein Album ist 2014 erschienen, jedoch schien dies das Publikum nicht weiter zu stören. Die Show war reduziert auf ein paar Lichteffekte. Die drei sitzenden Musiker fokussierten ihr Tun auf die Musik und das war gut so. Die elektronischen Klänge animierten zumindest die vordersten Reihen des Publikums zum Tanzen und irgendwann entstand sogar etwas Clubstimmung im Luzerner Saal. Trotz eines Wirrwarrs aus Kabeln und Knöpfen waren die Instrumente so präzise aufeinander abgestimmt und abgemischt, dass musikalisch nichts auszusetzen war. Und dann war da noch seine Stimme, die klarer, heller und passender nicht sein könnte.

Sohn plaudert aus dem Nähkästchen

Vor seinem Auftritt am «Meet the Artists» erzählte Sohn gut gelaunt über seine Zeit in Wien, seine positive Einstellung zum Leben und wie ihn die Landschaften in seiner Umgebung beim Liederschreiben beeinflussen. Den Einfluss der österreichischen Bergwelt erkennt man tatsächlich, wenn man sich seine Musik anhört. Dann sind wir mal gespannt, wie denn sein neues Album von Los Angeles, seiner neuen Heimat, beeinflusst wird – Sohn meinte, dass es vielleicht schon nächsten Monat erscheinen wird.

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1 Kommentare
  1. Thomas Graf, 28.07.2016, 14:20 Uhr

    Liebe Lea,
    Sassen wir in den gleichen Konzerten? Beide Bands leben von den herausragenden Stimmen. Beim Kwab Konzert störte anfangs der Verstärker des Sinthesyzers, was sich in einem brummenden Störton merkbar machte. Generell waren die elektronischen «Instrumente» zu dominant und übersteuert eingestellt. Dadurch drangen die guten Stimmen der Backgroundsänger und diejenige von Kwab nur zu schwach durch. Kwan verliess relativ abrupt und ohne Zugabe, lustlos die Bühne. Vielleicht war er als Künstler gleich frustriert wie ich als Zuhörer…

    Bei Sohn, das gleiche Problem. Diese sphärische Musik lebt eigentlich von der mönchshaften Engelsstimme von Sohn, die zeitweise von der zu lautstarken Elektronik erdrückt wurde. Ursprünglich wäre dies ein sehr beruhigender Sound. Die Ueberlautstärke, die nicht nur die KKL-Boxen vor allem auf der Tribünenseite überforderten, sondern auch die Körper der Konzertbesucher unangenehm vibrieren lies, veranlasste viele Konzertbesucher, die Halle vorzeitig genervt zu verlassen.

    Ich habe beide Bands beim Apple Festival in London live gehört. Die Soundqualität im Vergleich war wie Tag und Nacht.

    Da diese Soundprobleme leider auch beim letztjährigen Lianne La Havas Gig schon vorkamen, drängt sich natürlich die Frage auf , ob im KKL kein Soundcheck gemacht werden kann oder ob es im Luzerner Saal an der Akustik oder Infrastruktur/Anlage liegt?

    Eigentlich sehr schade. Denn das tolle Blue Balls Festival hätte Besseres, als disharmonische Töne verdient.

    Liebe Grüsse

    Thomas

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