Dobostorten in Luzern: Ungarinnen eröffnen ein Kuchenhaus
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Klara Dalmay (links) und Timea Kiss-Jaszoly (rechts) bringen ungarische Kuchenspezialitäten nach Luzern. (Bild: zvg)

Während Corona den Lebenstraum erfüllt Dobostorten in Luzern: Ungarinnen eröffnen ein Kuchenhaus

4 min Lesezeit 19.09.2021, 11:58 Uhr

Mit Originalrezepten aus der K. u. K.-Monarchie wollen zwei Ungarinnen in Luzern eine Kuchenkultur etablieren. Dafür wurde sogar ein Profi aus Ungarn eingeflogen. zentralplus hat sich auf den Weg zum Kuchenhaus in der Altstadt gemacht, um sich der süssen Versuchung auszusetzen.

Es war ein Sommer zum Vergessen. Die Badesaison wurde entweder verhagelt oder fiel buchstäblich ins Wasser. So oder so, die mühsam antrainierte Strandfigur konnte heuer nur selten präsentiert werden. Grund genug also, die Vorsätze über Bord zu werfen und sich stattdessen etwas fürs Gemüt zu gönnen. Kuchen zum Beispiel. Zwei Ungarinnen schaffen hierbei in Luzern jetzt gerne Abhilfe.

Als wir an diesem regnerischen Nachmittag das Kuchenhaus «Annamelie» betreten, stechen uns zwei Dinge ins Auge. Die kunterbunte Kuchenauslage direkt gegenüber des Eingangs und die vollen Tische bei der breiten Fensterfront. Hätte Betreiberin Timea Kiss-Jaszoly nicht einen Tisch für uns reserviert, hätte das Gespräch im Stehen stattfinden müssen. «Derzeit haben wir wegen Corona nur fünf Tische. Später möchten wir auf acht erweitern», sagt uns die Geschäftsführerin.

«Am Nachmittag sind wir immer ausgebucht, vor allem bei schlechtem Wetter», sagt Kiss-Jaszoly. Kein Wunder läuft der Betrieb, schliesslich gab es in den vergangenen Monaten bekanntlich genug davon. Auch die Zertifikatspflicht sei gemäss Kiss-Jaszoly kein Hindernis. «Wir sind sehr zufrieden, wie das Geschäft läuft. Wir konnten uns ein solches Interesse nur wünschen.»

Glücksgriff Luzern

Aber drehen wir die Uhr um ein bisschen mehr als ein Jahr zurück. Timea Kiss-Jaszoly arbeitet in einem Geschäft am Flughafen Zürich im Bereich Marketing und Management. Als Covid-19 zu toben beginnt, verliert sie ihren Job und steht vor einer Entscheidung. Eine neue Stelle suchen oder ihren Traum verwirklichen – den Traum eines eigenen Geschäfts.

Mit ihrer Freundin Klara Dalmay – die beiden kennen sich, weil ihre Kinder miteinander befreundet sind – hat sie die passende Partnerin für das Unterfangen gefunden. «Klara hatte schon früher die Idee, ein Kuchenhaus zu eröffnen», erzählt Kiss-Jaszoly. Eine Idee, mit der sie sich schnell anfreunden konnte.

Los ging die Suche nach einem geeigneten Lokal. «Wir wollten ein Geschäft in Luzern eröffnen», erinnert sich Kiss-Jaszoly. Die beiden Frauen sind – nachdem die Kuchenidee gut durchgebacken war – in die Leuchtenstadt gefahren und haben sich nach einer passenden Räumlichkeit umgesehen. Als sie schliesslich an der Löwenstrasse 12 waren, wo noch ein Souvenirshop seine letzten Tage geöffnet hatte, wusste Kiss-Jaszoly: «Hier fühle ich mich sofort wohl.»

Rezepte aus der alten Heimat

Im Januar haben die beiden dann die Räumlichkeiten übernommen und in Eigenregie den Umbau zum Kuchenhaus «Annamelie» vorangetrieben. «Viel schwieriger war es, eine Lokalität für die Produktion zu finden», erzählt die ehemalige Marketingmanagerin. Denn im Laden selbst hätte es nicht genug Platz gegeben. Fündig wurden sie schliesslich in Ebikon, wo sie auf rund 180 Quadratmeter eine Backstube eingebaut haben, die in einer Zeit nach Corona auch als Eventlocation gemietet werden kann.

Backen tun die beiden Damen nicht selbst. Für die Tortenkreationen haben sie mit Terezia Kusdra eine Meisterkonditorin aus Ungarn eingeflogen. «Uns war es wichtig, den echten ungarischen Geschmack zu haben», erzählt Kiss-Jaszoly. Das habe viel Herumprobieren und Testen erfordert, vor allem, weil sie ausschliesslich mit Schweizer Zutaten arbeiten. Die ersten Torten gingen Ende Juli über die Theke.

Mit den Ergebnissen sind sie zufrieden – und das Umfeld auch. «Wir kriegen viel gutes Feedback aus der ungarischen Community – und den anderen Gästen.» In der Kuchen-Auslage finden sich neben der klassischen Dobos-Torte auch Eckler und Sachertorte, sowie Gebäck wie Nussgipfel und Quarktaschen.

Es gibt auch Wein und Geschirr

Um der Tradition eines klassischen Kaffeehauses, wie sie in Ungarn häufig zu finden sind, weiter gerecht zu werden, kann vor Ort auch ungarischer Tokaji-Wein und traditionelles Geschirr der Edelmarke-Herend gekauft werden. Die beiden Betreiberinnen widmen dem Geschirr gleich mehrere Vitrinen im Laden. Das Hauptgeschäft sollen aber die Torten sein.

«Ich bin endlich da angekommen, wo ich sein möchte.»

Timea Kiss-Jaszoly, Mitinhaberin

Darum wollen Kiss-Jaszoly und Dalmay in Zukunft noch weitere Rezepte ausprobieren. Spezielle Monatstorten sollen für regelmässige Abwechslung sorgen. Aktuell wäre das die Mohntorte, die wir in der Auslage aber nicht sehen. Aus gutem Grund: «Sie ist bereits ausverkauft», sagt Kiss-Jaszoly. Zusätzlich tüfteln die zwei Betreiberinnen zusammen mit der Konditorin an zucker- und laktosefreie Alternativen, damit sich auch Gäste mit Intoleranzen an den Kreationen versuchen können. Hinzu kommt ein Online-Shop, der im Oktober live gehen soll.

Die Freude, die Kiss-Jaszoly und Klara Dalmay an ihrem Geschäft haben, ist spürbar. Sie begrüssen jeden Gast persönlich und erklären den Kundinnen gerne das Angebot. Eine Rückkehr in den alten Beruf kann sich Kiss-Jaszoly nicht mehr vorstellen. «Ich bin endlich da angekommen, wo ich sein möchte», sagt die 41-Jährige.

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