Dieses Luzerner Hotel ist bereit für die Energiewende
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Spart dank grossen Investitionen sehr viel Energie: Alessandro Pedrazzetti, Inhaber des Hotel Continental Park an der Murbacherstrasse. (Bild: bic)

Strom sparen dank Überzeugung und Digitalisierung Dieses Luzerner Hotel ist bereit für die Energiewende

5 min Lesezeit 14.11.2018, 16:15 Uhr

Das Luzerner Hotel Continental Park nimmt an einem städtischen Programm zur Senkung des Energieverbrauchs teil. Dank Investitionen von mehreren Hunderttausend Franken hat der Inhaber seine Ziele erreicht, ohne dass die Gäste etwas davon merken. Die Senkung des Stromverbrauchs bleibt jedoch eine Herkulesaufgabe.

«Energisch optimieren». So lautet der Titel eines Förderprogramms der Stadt Luzern. Das Ziel: Durch finanzielle Unterstützung und Beratung sollen Unternehmen ihren Energieverbrauch langfristig massiv senken. Das Projekt läuft seit 2013.

Diverse Unternehmen haben bislang am Programm teilgenommen. Eines davon ist das Hotel Continental an der Murbacherstrasse in Luzern. Das Gästehaus mit dem dazugehörigen Restaurant Bellini zwischen Vögeligärtli und Bahnhof hat mehrere 100’000 Franken investiert, um seinen Stromverbrauch zu reduzieren. Mit einigem Erfolg.

Sensoren überwachen Luftqualität

Inhaberin des Hotels ist die Familie Pedrazzetti. «Gerade im Bereich Gastro und Hotellerie ist es natürlich schwierig, den Stromverbrauch zu senken», sagt Hotelier und Geschäftsführer Alessandro Pedrazzetti. Denn die Hotelgäste wollten den grösstmöglichen Komfort und ein tolles Ambiente, wo man sich wohl fühlt. 

Eines der Kernelemente in Pedrazzettis Energiekonzept sind Sensoren in der Küche. Diese funktionieren ähnlich wie eine Lichtschranke, wie man sie zum Beispiel von Lifttüren kennt. Die Idee: Die Lüftung läuft immer auf kleinster Stufe. Erst wenn der Dunst zu- und somit die Luftqualität abnimmt, reagiert das System und die Lüftung wird hochgefahren. Gut 16’000 Franken hat Pedrazzetti dafür ausgegeben.

In der Küche stehen aber auch neue Induktionsherde, stromsparende Geräte, um Fleisch und anderes zu braten, sowie eine topmoderne Abwaschmaschine. «Das Wasser wird im Gegensatz zu älteren Geräten pro Abwasch viermal verwendet. Die Abwärme wird anschliessend sogar noch zum Trocknen des Geschirrs genutzt», erzählt Pedrazzetti. Dank der neuen Maschine verbraucht er nur noch rund ein Viertel so viel Wasser wie zuvor.

Einer der sechs Sensoren in der Hotelküche.

Einer der sechs Sensoren in der Hotelküche.

(Bild: bic)

Kann sich das auszahlen?

«Gesamthaft haben uns nur schon die Installationen in der Küche rund 800’000 Franken gekostet», rechnet Pedrazzetti vor. Hinzu kämen Verbesserungen bei den Klimaanlagen in den Zimmern, Sonnenstoren für zusätzlichen Schatten oder eine bessere Isolation der Wände. Rund 10 bis 15 Jahre werde es dauern, bis man finanziell etwas spüren wird. «Vorläufig geht es aber gar nicht rein um den Faktor Geld», so der Hotelier.

«Wenn man eine topmoderne Infrastruktur aufweisen kann, hat man auch einen zusätzlichen Trumpf in der Hand, wenn es darum geht, gute und qualifizierte Mitarbeiter zu finden.» Denn die Arbeit in der Küche, dem Service sowie der Hotellerie werde um einiges angenehmer, wenn die klimatischen Bedingungen im Gebäude stimmten, ist Pedrazzetti überzeugt.

Abwägen von Risiko und Nutzen

Natürlich habe er zwischen Kosten und Nutzen abwägen müssen. «Da uns und insbesondere meiner Frau die Umwelt aber sehr wichtig ist, haben wir uns trotz der unternehmerischen Risiken dazu entschieden, am Programm teilzunehmen», schildert Pedrazzetti seine Beweggründe.

Untermauert wird sein Konzept durch die strikte Trennung des Abfalls. Ausserdem serviert er im Restaurant kleinere Portionen, um auch dem «Food-Waste» zu begegnen. «Die Leute können bei uns bei Bedarf nachschöpfen, wenn ihnen die Portion nicht reicht.» Dies habe sich bewährt und die Idee sei auch bei den Gästen auf viel positives Echo gestossen, zeigt sich Pedrazzetti stolz. Langfristig liessen sich dadurch sogar Kosten sparen.

Stromverbrauch bleibt gleich

Trotz den zahlreichen Massnahmen könne er seinen gesamten Energieverbrauch aber nur bedingt senken, zeigt sich Pedrazzetti realistisch. «Die Menschen und somit auch unsere Gäste brauchen immer mehr Strom. Jeder hat heute zum Beispiel ein Smartphone, das er täglich aufladen will.»

Und auch sonst würden die Ansprüche an die Hotels stetig steigen, was immer auch mit energietechnischem Aufwand verbunden sei. «Die Leute möchten rund um die Uhr heisses Wasser und eine tolle Beleuchtung. Und das in 92 Zimmern», sagt der Hotelier. Und im Sommer müssten die Klimaanlagen immer mehr leisten.

Doch gerade beim Wasser gebe es nur wenig Spielraum, um Energie zu sparen. Hauptsächlich aus hygienischen Gründen. «Das Problem sind sogenannte Legionellen, also krankmachende Bakterien, die sich bilden können, wenn das Wasser nicht genug erhitzt wird», erklärt Pedrazzetti. Deshalb musste er die Idee, das Wasser in den Boilern statt auf 60 nur noch auf 50 Grad zu erhitzen, fallen lassen. Denn erst ab 60 Grad werden die Bakterien abgetötet.

Das Hotel Continental Park an der Luzerner Murbacherstrasse.

Das Hotel Continental Park an der Luzerner Murbacherstrasse.

(Bild: bic)

Strom dort hinführen, wo er gebraucht wird

Obwohl Pedrazzetti seinen Stromverbrauch generell nicht senken kann, so kann er mithilfe der Digitalisierung verhindern, dass alle stromintensiven Geräte im Hotel gleichzeitig im Einsatz sind.

«Dank unseren neuen Geräten und vielen weiteren kleinen Massnahmen können wir die Energie gezielt dorthin umleiten, wo wir sie brauchen», sagt Pedrazzetti. Zum Beispiel von der Küche in die Hotelzimmer oder die Wäscherei. «Weil das System den Energieverbrauch intelligent steuert, haben wir keine Spitzenzeiten mehr, in welchen der Verbrauch massiv ausschlägt», so Pedrazzetti. Insgesamt konnte er seinen Verbrauch im Bereich der Hauswirtschaft so um gut 53 Prozent senken.

Tiefbahnhof würde neue Lösungen ermöglichen

Der Hotelier denkt bereits in grösseren Dimensionen. «Super wäre es natürlich, wenn wir uns zusammen mit Dutzenden anderen Gebäuden dereinst ans System des Tiefbahnhofs anschliessen könnten, sollte dieser realisiert werden.» Die Nutzung energietechnischer Synergien hätte jedenfalls grosses Potenzial, um noch effizienter zu werden. 

Auch wenn der Tiefbahnhof künftig seinen Teil zur Energieeffizienz beisteuern soll, so schränkt er die Immobilienbesitzer in seinem unmittelbaren Umkreis momentan bei deren Entwicklung noch ein. «Bis Klarheit über den Tiefbahnhof herrscht, dürfen wir keine Tiefenbohrungen vornehmen und Erdwärmesonden installieren», sagt Pedrazzetti.

Sein Energiekonzept und dessen langfristige Weiterentwicklung seien derzeit darauf ausgelegt, dass der Tiefbahnhof kommt. «Wenn nicht, muss ich mich anderweitig umschauen», sagt der Hotelier.

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