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Dieser wirblige Skicrack soll die Rigi zur Ruhe bringen
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Noch freut er sich am Schnee oberhalb Engelberg: Frédéric Füssenich. (Bild: hae)

Designierter Geschäftsführer der Rigi-Bahnen kommt aus Engelberg Dieser wirblige Skicrack soll die Rigi zur Ruhe bringen

7 min Lesezeit 1 Kommentar 15.12.2019, 11:30 Uhr

Frédéric Füssenich wird im Mai 2020 neuer Geschäftsführer der Rigi-Bahnen. Er hat Grosses vor mit seiner Erfahrung als Chef des Tourismus-Büros in Engelberg. Doch ist er keineswegs Verfechter eines Wachstums um jeden Preis. Wie gross ist der Aufstieg des Managers, der ein passionierter Freerider ist? Ein schnelles Interview im kalten Tiefschnee.

zentralplus: Frédéric Füssenich, die Saison läuft hier am Titlis seit ein paar Wochen, wir haben uns für ein spezielles Interview während des Freeridings entschlossen. Wie viele Skitage haben Sie pro Saison und wo fahren Sie am liebsten – Laub oder Steinberg?

Frédéric Füssenich: Das hängt immer von den Verhältnissen ab wie Schnee, Wind und Temperatur. Bei guten Verhältnissen ist das Laub etwas ganz Besonderes. Über 1’000 Höhenmeter im perfekten Gefälle, und dazu ein Restaurant, das eine hervorragende Käseschnitte macht. Meine Skitage habe ich noch nie gezählt.

zentralplus: Sie wechseln im Mai 2020 auf die Rigi, da kommen Sie wohl kaum mehr auf die Hälfte der Skitage. Traurig?

Füssenich: Auch auf der Rigi kann man hervorragend Ski fahren, aber halt nicht von Oktober bis Mai. Mein neuer Verwaltungsrat Urs Wullschleger ist auch ein begeisterter Freerider und er hat mich bereits eingeladen, die Rigi zu erkunden. Hoffentlich meint es Frau Holle gut mit uns.

zentralplus: Weshalb der Wechsel nach zehn Jahren in Engelberg?

Füssenich: Die Aufgabe als Tourismusdirektor hat mir viel Freude gemacht. Insgeheim war es aber schon seit längerem mein Wunsch, bei einer erfolgreichen Bergbahn an vorderster Front zu wirken. Dass es jetzt bei der Königin der Berge geklappt hat, freut mich sehr. Es ist in diesem Sinne kein Entscheid gegen Engelberg – sondern einer für die Rigi.

Abstieg oder Aufstieg? Frédéric Füssenich wechselt vom Titlis auf die Rigi.

zentralplus: Die Öffentlichkeit hat das Gefühl, Sie seien auf dem Abstieg: Wie ist es, von der Nummer eins der Region Zentralschweiz, in der sich oft halb Europa im Pulverschnee balgt, auf den Hausberg von Arth bis Weggis zu wechseln? 

«Die Rigi ist ein Mythos, sozusagen der Hausberg der Schweiz.»

Füssenich: Da unterschätzt man die Rigi aber gewaltig. Die Rigi ist ein Mythos, sozusagen der Hausberg der Schweiz. Die älteste Bergbahn Europas, ein Ort der Kulturgeschichte mit Besuchen von Mark Twain, Goethe, Victor Hugo und weiteren Persönlichkeiten. Oder denken Sie an die herrlichen Bilder von Maler Turner. Die Rigi ist ein sehr emotionaler Berg.   

zentralplus: Als Tourismus-Verantwortlicher in Engelberg verwalten Sie ja vorwiegend Kurgelder mit rund drei Dutzend Angestellten. Wie gross war Ihr Budget am Fusse des Titlis? 

Füssenich: Unser Umsatz bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 7 bis 9 Millionen Franken. 

Bochum und Hess-Dynastie

Frédéric Füssenich, 45, ist seit Februar 2010 Direktor der Engelberg-Titlis Tourismus AG. Sein Vater stammt aus Bochum, seine Mutter ist eine Engelbergerin. Der begeisterte Skicrack begann seine Karriere für eine Wintersaison in Engelberg als Nachtportier im Hotel Hess, um tagsüber Ski fahren zu können. Vor seiner Tätigkeit bei der Engelberg-Titlis Tourismus AG war er Direktor bei Disentis-Sedrun Tourismus. Füssenich ist verheiratet und Vater von einer Tochter und einem Sohn.

zentralplus: Was machte Ihnen vor allem Spass, was sind Ihre Erfolge? Ein paar Zahlen auch dazu, bitte! 

Füssenich: Tourismus ist Teamwork und Eigenlob stinkt. In den letzten zehn Jahren hat sich einiges in Engelberg getan. Sowohl die Hotelübernachtungen als auch der Umsatz der Bergbahnen – egal ob klein oder gross – sind markant gestiegen, und auch der Steuerumsatz der Gemeinde ist auf einem Allzeithoch. Wir dürfen seit sechs Jahren Wolfenschiessen vermarkten und haben mit den Buiräbähnli-Safaris ein sehr erfolgreiches Produkt lanciert. Unser Team von Engelberg-Titlis Tourismus hat seinen Teil zur Erfolgsgeschichte beigesteuert.    

zentralplus: Und jetzt auf der Rigi: Wie viele Angestellte haben Sie da, wie gross ist ab Mai Ihr Budget?

Füssenich: Die Rigi-Bahn beschäftigt über 140 Vollzeitstellen mit total rund 240 Mitarbeitenden. Im Geschäftsjahr 2018 wurde ein Umsatz von mehr als 29 Millionen Franken erwirtschaftet. Umsatz ist das eine – aber noch wichtiger sind Erträge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mit 7,7 Millionen Franken. Das gibt Spielraum für die grossen Investitionen. 

zentralplus: Was sind Ihre Pläne? 

Füssenich: Es gilt, die Vorgaben des Verwaltungsrates umzusetzen, und das bedeutet nicht weniger als die gesamte touristische Infrastruktur zu erneuern. Der Hochperron Goldau ist bereits saniert, momentan laufen die Umbauarbeiten in Vitznau. Eine erste Tranche des neuen Rollmaterials wird im 2021 auf die Schiene kommen, und auch die Luftseilbahn Weggis/Vitznau wird ersetzt. Die Rigi bekommt ein königliches Gewand! 

Hier schmiedet Frédéric Füssenich seine Pläne: Büro in Engelberg.

zentralplus: Eine neue Gondelbahn mit neu noch elf Masten soll dort gebaut werden (zentralplus berichtete). Der Plan dazu stösst in Umweltschutzkreisen auf Kritik, die geplante Entwicklung gehe nicht in Richtung Nachhaltigkeit. Was macht da Sinn?

Füssenich: Sinn macht es, eine Bahn aus den 1960er-Jahren, bei welcher die Konzession ausläuft, zu ersetzen. Selbstverständlich gibt es verschiedene Interessenvertreter, und es gilt, einen guten Kompromiss zu finden. Was möglich ist, wird das Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission aufzeigen. Die Infoveranstaltung am 11. Dezember hat gezeigt, dass viele Anwohner das Projekt unterstützen.  

zentralplus: Aber nicht alle sind davon begeistert …

Füssenich: Das ist auch ihr gutes Recht! Es gibt jene, die am liebsten keine Bahn mehr hätten und andere, die eine viel höhere Kapazität haben möchten. Tourismus ist Teamwork und wir sind als Tourismusunternehmen auf eine gute Zusammenarbeit auf dem und um den Berg mit den touristischen Leistungsträgern, Behörden und Anwohnern angewiesen. Hier gilt es, den Dialog zu suchen und gemeinsame Lösungen umzusetzen. Im Tourismus neigt man mitunter dazu, sich zu sehr mit sich selber zu beschäftigen, anstatt die Bedürfnisse des Gastes in den Mittelpunkt zu stellen. 

«Ein Riesenrad auf der Rigi? Vielleicht noch eine Achterbahn, dann ist es nicht mehr weit bis zum Disneyland.»

zentralplus: Jeder Berg braucht heute doch ein Alleinstellungsmerkmal. Wie wäre es mal mit etwas Verrücktem: ein Riesenrad auf dem Gipfel! 

Füssenich: Ein Riesenrad? Vielleicht noch eine Achterbahn, dann ist es nicht mehr weit bis zum Disneyland. Das würde nicht zur Rigi passen. (lacht) Im Ernst: Wenn wir uns den Gipfel mit der Antenne und den alten Infotafeln anschauen, ist das keine Augenweide und der Rigi unwürdig. Da müssen wir gemeinsam ansetzen. Wie auch immer man den Gipfel entwickeln möchte, es muss die Geschichte und die Werte der Rigi spiegeln. Schwingen, Landwirtschaft, Kultur und Literatur sind da eher passende Themen als ein Riesenrad.

zentralplus: Um die Rigi gibt es viele Diskussionen. Kritiker reden von der «Rigi, die im globalen Billigtourismus verhökert wird». Welches ist Ihre Lösung zur Beruhigung?

Füssenich: Fragen Sie mich in einem Jahr nochmals, ob sich die Lage beruhigt hat. Fakt ist, dass die Rigi-Bahnen in den letzten fünf Jahren eine rasante Entwicklung gemacht haben. Einerseits machte dieses Wachstum die umgesetzten und geplanten Investitionen erst möglich, andererseits gab es grossen Wiederstand gegen dieses Wachstum. Man hat sich an einen Tisch gesetzt und mit der Rigi-Charta eine Basis geschaffen, wie man in Zukunft zusammenarbeiten möchte. Das sind gute Voraussetzungen, auf denen wir miteinander aufbauen sollten. 

zentralplus: Touristen oder Natur, fordert Kulturwissenschaftler René Stettler in seiner Petition «Rigi: 800’000 sind genug». Fast eine Million Touristen waren es 2018, dieses Jahr wohl noch mehr. Interims-CEO Marcel Waldis sagte: «Die Rigi verträgt mehr als eine Million Gäste.» Was wollen Sie – totales Wachstum?

Füssenich: Die Vision für die Strategieperiode 2020 bis 2024 lautet «Qualität schafft Mehrwert» und nicht «Wachstum um jeden Preis». 

zentralplus: Bald müssen Sie aus der Ferne zuschauen, wie die Leuchtturmprojekte in Engelberg – Fünfsternhotel Palace und Herzog/De-Meuron-Bau auf dem Titlis – durchgezogen werden. Bedauern?

Füssenich: Von der Rigi hat man einen wunderbaren Blick auf den Titlis, und ich freue mich für Engelberg über diese Entwicklung. Sowohl das Fünfsternhotel als auch das Projekt auf dem Titlis sichern den langfristigen Erfolg des Klosterdorfes und steigern die Attraktivität der Zentralschweiz.

Schon auf der Bahn zappelig: Frédéric Füssenich, ob im Schnee oder im Büro.

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1 Kommentare
  1. gustaaf smeets, 16.12.2019, 22:21 Uhr

    Unsere Rigi ist keine Massentourismus Destination. Der Massentourismus passt nicht in die Schweiz-/Vierwaldstättersee-Tourismus Landschaft.

    Mein Ziel: Einen von den Rigi Bahnen aktiv geförderten und kontrollierten massvollen -d.h. mit einer anzahlmässigen jährlichen Obergrenze ausgestatteten- qualitativ hochstehenden und nachhaltigen Rigi Tourismus.