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Dieser Pianist steckt hinter «Lucerne Times»
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Den Pianisten Tomasz Trzebiatowski zog die Musik nach Luzern. Mittlerweile ist er zur Hälfte Fotograf. (Bild: zvg)

Tomasz Trzebiatowski fotografiert Luzern Dieser Pianist steckt hinter «Lucerne Times»

4 min Lesezeit 01.12.2015, 12:00 Uhr

Die Fotografie-Seite «Lucerne Times» kennen und verfolgen tausende Luzerner. Die Bilder zeigen die Stadt mit ihren Details, mit ihren schönen und weniger schönen Seiten. zentral+ hat den Fokus umgedreht und den Mann hinter der Kamera getroffen.

Schwarz-weisse Fotografien aus Luzern, die im ersten Moment viele Einheimische stutzen lassen: Etwas Bekanntes, und doch oft auf den ersten Blick nicht einzuordnen. Die Perspektive anders, der Fokus auf ein Detail gerichtet.

Der Luzerner Fotograf, der hinter den Luzerner Bildern steht, ist eigentlich ein Musiker und ursprünglich Pole. Tomasz Trzebiatowski lebt seit dem Jahr 2000 in Luzern. Der klassische Pianist ist an der Musikhochschule Luzern als Dozent angestellt. Die Ausbildung dafür machte der 40-Jährige in Polen. «Die Musik war das Magnet, das mich hierher zog. Für einen klassischen Musiker ist diese Stadt ein explosiver Ort», so Trzebiatowski.

Zum Fotografieren kam er jedoch erst hier. Obwohl sein Vater in Polen viel fotografierte. «Er hatte sogar in unserem Badezimmer die Dunkelkammer eingerichtet. Ich bin quasi damit aufgewachsen.»

«Lucerne Times» (Bild: Tomasz Trzebiatowski)

«Lucerne Times» (Bild: Tomasz Trzebiatowski)

Trotzdem begann Trzebiatowski erst in Luzern, sich auch selbst für die Fotografie zu interessieren. «Ich kaufte mir damals, vor 13 Jahren, eine Kamera und begann in Luzern auf die Pirsch zu gehen.» Nach kurzer Zeit schon habe es Klick gemacht. Beigebracht hat er sich alles selbst. «Ich bin ein Autodidakt. Und ich bin überzeugt, dass man die Dinge am besten lernt, wenn man sie auf seine eigene Art und mit dem eigenen Fokus angeht.» So sei es ihm auch bei der Musik oft gegangen.

50 Prozent Musiker, 50 Prozent Fotograf

Mittlerweile arbeitet Trzebiatowski zur Hälfte als Pianist und zur Hälfte als Fotograf. Gleich zwei Dinge, die andere als Hobby ausüben, konnte er zu seinem Beruf machen. «Ich liebe beides und kann mir ein Leben ohne eines davon nicht vorstellen.» Einen Bürojob auszuüben sei für ihr gar nicht vorstellbar. «Ich weiss aber natürlich, dass das eine luxuriöse Situation ist, und ich bin sehr glücklich darüber», sagt Trzebiatowski.

Mit den Jahren begann er auch, die beiden Jobs miteinander zu verbinden. Eine Konzertreihe entstand, die Kammermusik mit Foto-Projektionen verbindet. «Es geht aber nicht um eine Dia-Show mit Musik. Es soll eine Symbiose entstehen, eine Reise der Gedanken ausgelöst werden.» Die Bilder bleiben länger stehen, passend zu ganzen Teilen der Stücke. Live dazu spielen verschiedene Musiker im Raum. «Es geht um ein Experimentieren mit der Verbindung von Bild und Musik. Die Fotografien sind oft abstrakt und verändern sich beinahe durch die Verbindung mit der Musik», beschreibt Trzebiatowski.

«Lucerne Times» funktioniert

Immer wieder packt den Fotografen eine neue Idee. «Mittlerweile sind es fast zu viele Projekte», sagt er lachend. Aber es kämen immer wieder neue dazu. Eines davon ist «Lucerne Times». Die dazugehörige Seite auf Facebook betreibt er seit drei Jahren. Mittlerweile gefällt sie über 5’000 Menschen. «Die Plattform läuft sehr gut. Ich erhalte viele Rückmeldungen», bestätigt er.

«Die Stadt ist perfekt für ein solches Projekt. Luzern hat alles.»

Erwartet habe er das zu Beginn nicht. «Aber die Stadt ist perfekt für ein solches Projekt. Luzern hat alles. Es ist nicht zu gross und nicht zu klein. Die Leute erkennen die Ecken oder Objekte auf den Fotos, und trotzdem gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Und die Luzerner lieben ihre Stadt», so Trzebiatowski.

Luzern durch die Fotografie kennengelernt

Er selbst habe seine jetzige Heimat auch durch die Fotografie kennengelernt. «Wenn es mich packt, dann ziehe ich los. Es ist wie ein Hunger. Dann gehe ich mit der Kamera aus dem Haus und entdecke die Stadt aus einem anderen Blickwinkel.»

Doch neben der Stadt fotografiert Trzebiatowski auch die Menschen in ihr. Am 14. November machte er 100 Portraits von Luzernern innerhalb eines Tages. Wie ist das möglich? «In der Schweiz ist sowas möglich. Hier sind die Leute so pünktlich und organisiert», meint er schmunzelnd. Natürlich sei ein solches Projekt extrem anstrengend. «Aber es ist auch schnell wieder vorbei», sagt Trzebiatowski lachend. Denn eben – das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern.

Privates Projekt nimmt am meisten in Anspruch

Ein weiteres Projekt ist ein Buch, welches er in naher Zukunft herausgeben möchte. Die Kosten dafür will er über eine Crowdfunding-Kampage decken. «Viele Leute machten mich auf diese Möglichkeit aufmerksam. Ich schätze, das sollte klappen», so Trzebiatowski. Trotzdem komme damit wieder ein neues Projekt auf ihn zu.

Viel Schlaf bekomme er aber momentan sowieso nicht, sagt er grinsend. Seine Frau, die als Geigerin arbeitet, und er haben vor knapp einem Jahr eine Tochter bekommen.

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