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Dieser Ex-FCL-Präsident heizte einst für Radiohead ein
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Der Musiker ist auch Fan: Mike Hauser mit signierter LP von B. B. King. (Bild: hae)

Musik ist die unbekannte Seite von Mike Hauser Dieser Ex-FCL-Präsident heizte einst für Radiohead ein

6 min Lesezeit 19.07.2018, 15:16 Uhr

Er ist Luzerner Hotelier, seine Leidenschaften sind Fussball und der FCL – doch sein Herz schlägt im Takt der Rockmusik: Mike Hauser ist an drei grossen Musikfestivals passionierter Konzertbesucher. Auch jetzt, am Blue Balls, ist er Stars ganz nah. Welchen Musikern ganz besonders?

Seal am Blue Balls, Otis Clay am Lucerne Blues Festival und Bonnie Tyler am Retro-Festival. An all diesen Konzerten sah man den Kopf des Schweizerhof-Hoteliers Mike Hauser (46) über die Massen ragen. Und an zahllosen weiteren auch. Weil der 1,96 Meter grosse Musikfan am liebsten stehend den Live-Sounds lauscht und sich nicht, wie viele erwarten würden, in den bequemen und anonymen VIP-Sitzen verdrückt.

Lieber Bier statt Cüpli

Gut, Mike Hauser hat bekanntlich kein Sitzleder. Denn er war schon immer der Impulsive der drei Brüder, die in der fünften Generation das Hotel Schweizerhof im Zentrum der Stadt führen. Und er ist gerne unter Menschen. «Ich trinke lieber Bier statt Champagner. Und an den Cüpli-Anlässen findet man mich auch selten», sagt Hauser.

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Blue-Balls-Chef Urs Leierer hat eine Suite im Schweizerhof und ist im Buch des Hauser-Hauses verewigt.

Blue-Balls-Chef Urs Leierer hat eine Suite im Schweizerhof und ist im Buch des Hauser-Hauses verewigt.

(Bild: zvg)

Wir sitzen im Zimmer Nummer 30 des Fünfsternhauses Schweizerhof, einer Suite, die auf den Namen des Blue-Balls-Chefs Urs Leierer getauft ist. Mike Hauser blättert in seinem Buch zu Ehren des Umbaus, bei dem alle Zimmer vor vier Jahren nach Persönlichkeiten benannt wurden, die einst im Hotel logierten oder an den Luzerner Musikfestivals auftraten: Die Zimmer heissen etwa Seven, Söhne Mannheims und ZZ Top. Oder Stephan Eicher, Anastacia und James Blunt.

«Hotelier, Schlagzeuger und Teamplayer»

«Blick»-Titel zu Mike Hauser

Mike Hauser hat allen die Hände geschüttelt, mit vielen ein Selfie gemacht, auf denen man ihn im Anzug alles überragen sieht, und überdies hat Mike Hauser keine Berührungsängste. «Hotelier, Schlagzeuger und Teamplayer», betitelte der «Blick» einst treffend ein Porträt über Hauser, diesen Mann des Volkes.

Gar von Musiker gesegnet

Viele dieser Musiker hat Mike Hauser im Hotel empfangen, sie begleitet und versorgt – und zu einigen pflegt er ganz engen Kontakt. Solomon Burke beispielsweise, ein 2010 verstorbener US-Soulgigant und Pfarrer, hat Mike Hauser und seine Gattin Gabriela bei der Abreise gesegnet. «Das ging uns sehr unter die Haut», erinnert der Hotelier sich.

Oder Bonnie Tyler, die sich nach einem Totalabsturz am «Eurovision Song Contest» 2013 trotz unsäglich magerer 2 Punkte wieder aufrappelte und nochmals ihre Hits sang, nahm Hauser eng in den Arm: «Unglaublich, welche Freude diese Sängerin auf der Bühne des Schweizerhofs entwickelte!» Diese Leidenschaft erinnert den Hotelier an zwei seiner liebsten Sängerinnen, Aretha Franklin und Céline Dion.

Freundschaft zu Foreigner

Gerne erzählt Hauser von seiner neusten Freundschaft: Foreigner gastierten im Mai 2017 zweimal in Luzern und waren von der Musikstadt dermassen begeistert, dass sie ihre Zusammenarbeit mit Orchester und Chor gleich für die Nachwelt konservierten und das KKL-Konzert auf DVD und CD bannten (zentralplus berichtete). 

«Diese Energie und Freundlichkeit der Band haben mich umgehauen», so Hauser. Im Mai 2018 war die Band wieder hier, und aus Hotelkunden wurden Freunde. Kein Wunder, steht jetzt die Einladung in die Heimat der Band an – Hauser möchte dann in Los Angeles neue Sounds entdecken.

Im Schulunterricht Feuer gefangen

Musik ist schon seit Langem Hausers Leidenschaft, mehr noch, als der Fussball und der Luzerner FC es dem ehemaligen FCL-Präsidenten immer noch sind. Fasnacht war immer schon wichtig, dort spielte Mike als Pubertierender einst unmotiviert Flöte und fing dann im Schulunterricht Feuer: bei Fausto Medici in der Sekundarschule, der sein Klassenlehrer war.

In der Vorband von Radiohead

Einmal in der Woche übte Hauser mit Meister Medici an den Drums, und bald schon spielte er hinter einer grossen «Küche» bei der Luzerner Gruppe Midwest. «Wir durften als Anheizer von Radiohead ran, die am Anfang ihrer Weltkarriere in der Schüür auftraten, zudem spielten wir dreimal im rustikalen Stadtkeller.»

Taktgeber: Mike Hauser (Zweiter von links) als Drummer bei einer Jamsession mit Blueser Bob Stroger.

Taktgeber: Mike Hauser (Zweiter von links) als Drummer bei einer Jamsession mit Blueser Bob Stroger.

(Bild: zvg)

Sehr gut erinnert Hauser sich auch an den schmerzhaften Auftritt im legendären Basler Musiklokal Atlantis: «Es war ein Aschermittwoch nach einer wilden Fasnacht, und ich musste den Abend mit einer argen Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk bestreiten.»

Er lacht, denn das war keine wirkliche Panne. Fasnacht lehrt einen einzustecken, und da hat Hauser Erfahrung: Jahrelang spielte er in Guuggemusigen, er sass auch in diversen Komitees, unlängst wurde er gar zum Präsidenten des Luzerner Fasnachtskomitees gewählt.

Lieblingsband Toto

Erlebte er auch als Veranstalter Pleiten? «Holz berühren, denn wir wurden zum Glück über die Jahre von Gröberem verschont», erzählt er. Beim Retrofestival, dessen Programm er mit Sänger Phil Dankner zusammenstellt, hatte man in den bisher sieben Ausgaben noch gar keinen Ausfall.

«Das sind alles Topmusiker mit dem Instinkt, Songs für die Ewigkeit zu komponieren.»

Mike Hauser über seine Lieblingsband Toto

Stolz ist Hauser als Veranstalter vor allem darauf, dass er den ehemaligen Chicago-Sänger Peter Cetera erstmals in die Schweiz gebracht hat. Andere hat er noch im Ärmel, bei Huey Lewis etwa oder bei seiner liebsten Band, Toto, ist er seit Jahren am Weibeln. Immerhin hatte er Letztere schon in seinem Schweizerhof beherbergt, als sie mal am Open-Air-Festival Eschenbach spielten. Hauser: «Das sind alles Topmusiker mit dem Instinkt, Songs für die Ewigkeit zu komponieren.»

Beim Blues-Festival passierte es doch immer mal wieder, dass einer der Altherren wegstarb – Ersatz wurde da aber meist problemlos gefunden. Die Musikfans kommen selten wegen bestimmten Künstlern: «Sie geniessen vielmehr die einmaligen Stimmungen im Casino.» 

20 Jahre im Blues-Vorstand

Und dieses Lucerne Blues Festival hat Mike Hauser auch entscheidend mitgeprägt: Seit über 20 Jahren waltet er dort im Vorstand. Das Blue-Balls-Festival hat die Öffnung seines Fünfsternhauses mitbegründet, «auch wenn ich keine offizielle Funktion habe. Obwohl ich auch dort schon 15 Jahre dabei bin.»

Hausers Top 3

Von den 120 Events auf acht Bühnen, die vom 20. bis 28. Juli rund 100'000 Fans ums Luzerner Seebecken anlocken und unterhalten, hat Mike Hauser natürlich seine Favoriten. Es sind dies: Seven & Rose Ann (20. Juli), Gary Clark Jr. (22. Juli) und Beverley Knight (23. Juli). Hier gibt's mehr Infos.

Ist dieses Mitmischen bei den Festivals denn Kalkül, um das Hotel zu füllen? Böse, wer da Böses denkt. Hauser winkt ab: «Weil natürlich in den Sommerwochen kaum geschäftliche Anlässe in Luzern stattfinden, ist weniger los im Hotel – das passt doch wunderbar, dass wir dann die Blue-Balls-Fans bei uns haben.» Zudem sei Urs Leierer bei der Gründung bewusst ins Sommerloch gesprungen, wenn sonst eh wenig in der Stadt läuft.

Kompliment von Stars

Welches war das schönste Kompliment an Hauser? Das gab’s vom ehemaligen Genesis-Musiker Mike Rutherford. Mike Hauser: «Mike and the Mechanics kamen am Tag nach ihrem Auftritt in der königlichen Londoner Royal Albert Hall und lobten den Zeugherrsaal im Schweizerhof über alles. Weil sie hier jeden einzelnen Zuschauer erlebt und gespürt hatten.»

«Jeden Fan erlebt und gespürt»: grösstes Kompliment an Hauser von Mike Rutherford, ganz links, hier mit seiner Band.

«Jeden Fan erlebt und gespürt»: grösstes Kompliment an Hauser von Mike Rutherford, ganz links, hier mit seiner Band.

(Bild: zvg)

Aber Hauser mag auch Klassik: «Diese zeitlose Musik schätze ich sehr. Beim Foreigner-Dirigenten Ernst van Thiel hatte ich grössten Respekt, denn der kam bei uns mit 18 Kilo Partituren an, mit denen er auf Tour ist.» Gut für Hauser, dass er als Drummer keine Noten lesen muss.

Ansprüche der Diven

Was er aber immer wieder durchackern muss, sind seitenlange Verträge der Stars: Welche Blumen wo, wie viele Flaschen Wein und welches Food für die Schosshündchen – die Ansprüche vor allem von Diven wie Barbra Streisand sind legendär.

Hauser erinnert sich an Natalie Cole, die in Luzern sang und in seinem Hotel nächtigte: «Die Tochter von Legende Nat King Cole wollte Mondavi-Wein, einen separaten  Kühlschrank – und am Schluss hat sie das alles gar nicht einmal angerührt. Kaum war sie hinter einer grossen Sonnenbrille versteckt den Journalisten entwischt, setzte sie sich mit ihrer Partnerin auf die Terrasse und genoss Pommes frites …»

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