Diesem Mann sollen die Luzerner während des WEF ihre Wohnung vermieten
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Sucht für während des WEF hunderte Wohnungen im Raum Luzern: Der Niederländer Hans Cuijpers. (Bild: bic)

Hunderte Unterkünfte gesucht Diesem Mann sollen die Luzerner während des WEF ihre Wohnung vermieten

5 min Lesezeit 3 Kommentare 03.11.2020, 05:00 Uhr

Während des WEF auf dem Bürgenstock und im KKL brauchen tausende Besucher aus aller Welt eine Unterkunft. Nun soll den Luzernern das Vermieten ihrer Wohnungen schmackhaft gemacht werden. Sagt man zu, können die eigenen vier Wände kurzerhand zum Hotelzimmer mit Komplettservice mutieren.

Es war ein Paukenschlag, als im Oktober bekannt wurde, dass das WEF nächstes Jahr auf dem Bürgenstock stattfinden wird. Neben dem Luxusressort wird auch das KKL eine wichtige Rolle spielen. Die Stadt Luzern wird damit fast zum Zentrum des Grossevents.

Deshalb hat sich am vergangenen Wochenende ein Mann von den Bündner Bergen in die Leuchtenstadt aufgemacht. Zusammen mit seinem Sohn hat er am Samstag und Sonntag rund 1’000 Flyer in die Stadtluzerner Briefkästen flattern lassen. Ziel: Die Luzernerinnen sollen ihre Wohnungen zwischen den beiden Samstagen rund um das WEF an die zehntausende von Gästen untervermieten.

Unterkünfte für tausende Personen

Hans Cuijpers ist gebürtiger Holländer. Seit gut elf Jahren lebt er mit seiner Familie aber in Davos, da seine Frau eine Stelle bei einer Asthma-Klinik angetreten hatte. «Ich bin studierter Informatiker und habe im Bündnerland zusammen mit einem Partner eine eigene Firma gegründet», erzählt er bei einem Kaffee im «Le Piaf» im KKL. «Für verschiedene Botschaften haben wird IT-Lösungen angeboten. Doch mit der Zeit begannen die Vertretungen der Staaten uns anzufragen, ob wir während des WEF in Davos nicht auch Unterkünfte organisieren könnten.»

«Am Montag hatte ich in Luzern schon drei Besichtigungen.»

Hans Cuijpers

Die Geschäftsidee war geboren. Seither kümmert sich Cuijpers mit seiner Firma «DavosHome» hauptberuflich darum, dass viele der WEF-Gäste in Davos ein Dach über dem Kopf und ein warmes Bett haben. Meistens seien es mehrere tausend Personen, denen er während des Events eine Bleibe vermittelt. Die hohe Zahl erklärt sich dadurch, dass Firmen oft mit einer ganzen Entourage anreisen. Die Unternehmen aus aller Welt würden sich oft gleich bei ihm persönlich melden, um eine Unterkunft für die Mitarbeiterinnen zu finden.

«Das WEF alleine hat rund 2’500 Unternehmen als Mitglieder. Die grosse Mehrheit dieser Firmen kommt jedes Jahr an das Forum. Diese buchen oft gleich ganze Etagen in den Hotels. Hinzu kommen noch tausende weiterer Besucher», schildert Cuijpers die Dimensionen des Anlasses und die Nachfrage nach Unterkünften. Das habe natürlich unweigerlich Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen. Auch in Luzern rechnet er folglich mit einigem Mehrverkehr während des WEF. Seine Arbeit macht Cuijpers auf eigene Faust. Vom WEF besitzt er kein offizielles Mandat.

Dieser Flyer landete am Wochenende in vielen Luzerner Haushalten.

Bewerben kann sich grundsätzlich jeder

Anbieten könne man grundsätzlich jede Wohnung. Viele WEF-Besucher würden zwar einen gewissen Komfort verlangen, doch es gebe auch Gäste, die in erster Linie nach einer erschwinglichen Unterkunft suchen. Dazu gehöre zum Beispiel die Heerschar anreisender Journalisten.

Entsprechend kann Cuijpers auch keinen offiziellen Preis für die von ihm vermittelten Wohnungen nennen. «Das hängt natürlich davon ab, was die Gäste bereit sind, für die entsprechende Wohnung zu zahlen. Das schauen wir von Fall zu Fall an», führt er aus. Die Preise seien in der Regel aber etwas höher als bei Ferienwohnungen. Einen Teil der Miete behält Cuijpers für die Vermittlungsdienste für sich.

Die persönliche Wohnung wird zum Hotel mit Komplettservice

Dass die Preise höher sind habe auch damit zu tun, dass er, im Gegensatz zu Anbietern wie Air-Bnb, für jede Person, die während des WEF in der Wohnung lebt, einen Schlüssel verlangt. «Hinzu kommt der Schlüssel für die Reinigungskraft, die täglich vorbeikommt und neben dem Putzen je nach Bedarf auch andere Dienstleistungen, wie beispielsweise das Vorbeibringen zusätzlicher Frotteewäsche, übernimmt», erklärt Cuijpers.

«Dies wird alles von mir organisiert. Ich arbeite mit Dienstleistungsfirmen zusammen, die ich kenne und mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Es handelt sich also um langjährige Geschäftspartner», hält er fest. «Nur so kann ich garantieren, dass es sich um Top-Dienstleistungen handelt.» Wenn möglich, versuche er aber auch entsprechende Anbieter aus unserer Region zu finden.

Ungeachtet des Preises und des Services seien indes die Erschliessung und die zeitliche Erreichbarkeit des KKL und des Bürgenstocks wichtig für den Preis und die Nachfrage. Beim KKL wenn möglich zu Fuss. Wer beispielsweise in Luzern Süd wohnt, kann sein Glück aufgrund der ÖV-Anbindung folglich aber durchaus versuchen.

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Persönliche Besichtigung

«Ich gehe jede Wohnung persönlich anschauen. Oft trinke ich mit dem Vermieter einen Kaffee und wir besprechen zusammen die Möglichkeiten der Untervermietung. Am Montag hatte ich in Luzern schon drei Besichtigungen», sagt Hans Cuijpers. Weitere Anfragen seien bereits eingegangen. Wie viele Wohnungen er letztlich benötigt, kann er noch nicht sagen, da noch nicht klar sei, wie gross das WEF auf dem Bürgenstock und in Luzern letztlich sein wird.

Vorgaben, wie die Wohnung an die WEF-Gäste zu übergeben ist, macht Cuijpers grundsätzlich nicht. Wer will, kann seine persönlichen Gegenstände wie das Foto der verstorbenen Grosstante auf der Kommode folglich stehen lassen, falls dies die Kunden nicht stört. «Es gilt aber zu bedenken, dass die Gäste aus verschiedenen Kulturkreisen stammen und die Privatsphäre nicht überall gleichermassen interpretiert wird», betont Cuijpers.

So könne es sein, dass beispielsweise eine Flasche Wein aus dem privaten Regal getrunken wird, weil die Gäste davon ausgehen, dass dies zum Service gehört. Wer auf Nummer sicher gehen will, verstaut seine persönlichen Dinge also besser im Keller.

Auch für das Einhalten der Hausordnung ist Hans Cuijpers persönlich besorgt. Solche Hinweisschilder werden den Vermietern zugestellt.

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3 Kommentare
  1. CScherrer, 03.11.2020, 11:13 Uhr

    Zum Glück ist der grosse Teil der Luzerner Bevölkerung intelligent genug um zu erkennen, dass das WEF für die Region Zentralschweiz keinen Nutzen hat. Zudem werden so oder so nur Wohnungen in Frage kommen, welche über einen entsprechenden Standard verfügen. Und für die andere Heerscharen soll es dann günstig und verkehrstechnisch gut gelegen sein.
    Die Heuschrecken sollen also in Luzern einfallen. Als Hausbesitzer untersage werde ich solche Untervermietungen auf jeden Fall nicht tolerieren.

  2. Kasimir Pfyffer, 03.11.2020, 09:07 Uhr

    Ah ja, das beliebte Heuschrecken-Modell aus Davos, das hat uns gerade noch gefehlt. Zum Glück wird dieser sinnlose Anlass wegen Corona sowieso abgesagt.

    1. CScherrer, 03.11.2020, 11:15 Uhr

      Achtung Satire: Die FDP wird dann schon gucken, dass es auf dem Bürgenstock kein Corona gibt.

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