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Diese Zugerinnen und Luzernerinnen gehören auch auf Wikipedia!
  • Gesellschaft
Na nu? Auch von Angela Rosengart steht auf der freien Enzyklopädie keine Biografie. (Bild: ida)

Aktion kämpft für Geschlechtergerechtigkeit Diese Zugerinnen und Luzernerinnen gehören auch auf Wikipedia!

6 min Lesezeit 08.11.2019, 18:30 Uhr

Seit diesem Donnerstag gibts auf Wikipedia mehr Biografien über Frauen. Länderübergreifend fand der Edit-a-thon statt, an dem Biografien über Frauen geschrieben wurden. Wir zeigen, welche Zugerinnen und Luzernerinnen neu auf Wikipedia stehen – und welche es auch verdient hätten.

Klicken und scrollen wir uns durch die freie Enzyklopädie Wikipedia, merken wir vor allem eines schnell: tendenziell männlich. Nur gerade 20 Prozent aller Biografien sind über Frauen. Und das bei über 50 Millionen Einträgen.

Um das zu ändern, haben SRF-Wirtschaftsjournalistin Patrizia Laeri, Katia Murmann, Chefredaktorin von «blick.ch», und Muriel Staub vom Vorstand Wikimedia Schweiz das Projekt «Frauen für Wikipedia» ins Leben gerufen.

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Damit Wikipedia weniger von Männern dominiert wird, wurde am Donnerstag länderübergreifend in die Tasten gehauen. Beim sogenannten Edit-a-thon wurden die Biografien von Frauen geschrieben, die selbst Geschichte schreiben. Über 80 neue Wikipedia-Frauenbiografien sind allein in Zürich entstanden.

Wir haben nachgeforscht, welche Frauen aus Luzern und Zug neu auf Wikipedia sichtbar sind – und welche es auch verdient hätten.

Diese Luzernerinnen und Zugerinnen haben neu einen Wikipedia-Eintrag:

Helene Meyer-Jenni, Luzerner SP-Kantonsrätin

Die Krienserin wurde dieses Jahr als SP-Kantonsrätin wiedergewählt. Helene Meyer-Jenni ist ausgebildete Krankenschwester und seit 2015 Geschäftsleiterin der KinderSpitex Zentralschweiz.

Sie steht für eine pragmatische sozialdemokratische Politik. 2014 liebäugelte sie mit dem Sprung in die Regierung – am Ende entschieden die SP-Delegierten aber, Felicitas Zopfi als Kandidatin für die Regierungsratswahlen 2015 zu nominieren.

Franziska Inauen

Auch sie ist neu zu finden: Sie rennt, als ob es kein Morgen gäbe. Die Rede ist von der Nottwiler Langstreckenläuferin Franziska Inauen. Die 33-Jährige gewann vier Mal den Swiss City Marathon in Luzern. Zuletzt triumphierte sie drei Mal in Folge (zentralplus berichtete).

Susanne Rüegger

Das Laufen ist auch ihre grosse Leidenschaft und als fester Bestandteil ihres Tages-Programms kaum mehr wegzudenken: Susanne Rüegger. Ihren grössten Erfolg feierte sie 2016 als Schweizermeisterin im Marathon in Luzern.

Monica Gschwind

Monica Gschwind ist seit 2015 Baselbieter Regierungsrätin (FDP). Die 56-Jährige ist im Kanton Luzern geboren und polarisierte mit ihrer Politik im Baselland: Als Bildungs- und Kulturdirektorin verärgerte sie mit ihrem Sparkurs die Linken.

Diese Luzernerinnen und Zugerinnen hätten es auch verdient.

Doch von vielen weiblichen Persönlichkeiten aus Luzern und Zug fehlt auf Wikipedia immer noch jede Spur.

Ina Karr

Zum Beispiel von Ina Karr. Ab 2021 darf sie sich oberste Intendantin des Luzerner Theaters nennen. Die gebürtige Stuttgarterin amtet momentan noch als Chefdramaturgin für Oper am Staatstheater in Mainz, tritt aber schon bald in die Fussstapfen von Benedikt von Peter (zentralplus berichtete).

Nach ihr sucht man auf Wikipedia leider vergebens. Zum Vergleich: Benedikt von Peter hat einen Eintrag. Aber bei Ina Karr wird sich das bestimmt bald ändern …

Ina Karr kommt als neue Intendantin vom Staatstheater Mainz nach Luzern.

Angela Rosengart

Nanu? Auch die Biografie der grande Dame der Kunst Luzerns vermissen wir in der freien Enzyklopädie – Angela Rosengart. Die Direktorin und Stifterin der Sammlung Rosengart lernte in jungen Jahren den spanischen Maler Pablo Picasso kennen. Nicht weniger als fünf Mal zeichnete Picasso sie.

Was ein Künstler oder eine Künstlerin haben muss, damit er oder sie den Ansprüchen Rosengarts entspricht? «Es muss hier drin zu zittern anfangen», sagte sie in einem früheren Gespräch zu zentralplus und legte dabei ihre Hand auf die Brust (zentralplus berichtete). Kunst bedeutet Angela Rosengart alles. Dank ihr sind im Luzerner Museum zahlreiche Meisterwerke der Klassischen Moderne und des Impressionismus öffentlich zugänglich – und an regnerischen Tagen wie diesen zu bestaunen.

Angela Rosengart im Jahr 2002.

Frauen in der Politik

Und wie siehts in der Politik aus? Wir zählen uns auf Wikipedia durch die Liste der Regierungsräte Luzerns. 133 Namen und eine Kaffeetasse später stossen wir auf die erste Regierungsrätin des Kantons Luzern: Brigitte Mürner-Gilli. 1944 betrat sie als erste Regierungsrätin das Regierungsgebäude – das können wir auf Wikipedia nachlesen.

Auch die Biografie von Yvonne Schärli (SP), die 2003 bis 2015 im Regierungsrat sass, finden wir. Keinen Wikipedia-Eintrag hat hingegen Margrit Fischer, die 1999 für vier Jahre als Regierungsrätin amtete. Von den insgesamt 147 aufgeführten Regierungsräten haben 48 einen eigenen Eintrag. Will heissen: 46 der 144 ehemaligen Regierungsräte des Kantons Luzern sind auf Wikipedia zu finden, zwei der drei Regierungsrätinnen ebenfalls.

Auch nach den beiden aktuellen Luzerner Stadträtinnen Franziska Bitzi Staub (CVP) und Manuela Jost (GLP) suchen wir auf Wikipedia vergebens. Wir bleiben aber fair: Auch die Biografien von Adrian Borgula (Grüne) und Martin Merki (FDP) sind nicht zu finden. Anders diejenige von Beat Züsli (SP), der seit 2016 als Stadtpräsident amtet.

Ein Blick auf Zug: Den Werdegang der Kantonsrätin Tabea Zimmermann Gibson (ALG), die um den zweiten Sitz im Ständerat buhlt, können wir auf Wikipedia nicht nachlesen. Peter Hegglin (CVP), der den Einzug bereits im ersten Wahlgang schaffte, hat einen Eintrag. So auch Matthias Michel (FDP) und Heinz Tännler (SVP). Dies wohl aufgrund ihres Einsitzes in der Regierung. Wie Zimmermann Gibson wollen auch sie ins Stöckli einziehen.

Von den 117 aufgeführten Regierungsräten Zugs haben 33 einen Wikipedia-Eintrag. So zum Beispiel Manuela Weichelt-Picard (ALG). Sie sass 2007 bis 2018 im Regierungsrat. Dieses Jahr gelang ihr als erster Zugerin der Einzug in den Nationalrat (zentralplus berichtete). Mehr erfahren wir auch über die ehemalige Regierungsrätin Monika Hutter.

Ruth Schwerzmann (FDP), Brigitte Profos (SP) und die aktuelle Regierungsrätin Silvia Thalmann-Gut (CVP) hingegen fehlen. Thalmann-Gut verhinderte 2018 mit ihrem Einzug eine reine Männerregierung (zentralplus berichtete). Sie und Andreas Hostettler (FDP) sind die Einzigen, die von den sieben aktuellen Regierungsräten keinen Wikipedia-Eintrag haben.

Tabea Zimmermann Gibson (ALG) möchte in den Ständerat.

Michelle Kalt

Die Aargauer Komikerin Patti Basler hat es dem Edit-a-thon zu verdanken, dass die Trefferquote nicht mehr auf 0 zeigt, wenn man nach ihrem Namen auf Wikipedia sucht.

Anders bei Michelle Kalt: Die Anwältin aus Zug gilt als Newcomerin (zentralplus berichtete). Sie bezeichnet sich selbst als Analytikerin, selbsternannte Flachländerin und kommt aus einer «Zuger Bünzlifamilie».

Sie sei eine Analytikerin, sagt Michelle Kalt.

Starke Frauen aus der Geschichte

Werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit. Von der Luzernerin Katharina Morel (1790–1876), finden wir auf Wikipedia nichts. In den Augen von alt Nationalrätin Cécile Bühlmann (Grüne) war sie eine «Wahnsinnskämpferin» (zentralplus berichtete).

Morel leitete das Grand Hotel Schweizerhof in seiner Anfangszeit und später noch das Hotel National in Luzern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begleitete sie ihren Mann in französische und holländische Kriegsdienste und ging mit auf den Russlandfeldzug.

Auch von Nina Eigensatz, welche die erste Kinderkrippe in der Stadt Luzern gründete, erfahren wir auf Wikipedia nichts. Ein Blick in den Stadtführer «Mis Lozärn» von Yvonne-Denis Köchli, der von Cécile Bühlmann und Eva Bachmann herausgegeben wurde, bringt Klarheit. Im März 1896 soll die Hebamme ihre Wohnung im weissen Haus am Franziskanerplatz verlassen haben, um an einer Vorstandssitzung des Gemeinnützigen Frauenvereins Luzern vorzuschlagen, eine Kinderkrippe zu gründen. Tatsächlich eröffnete der Verein ein Jahr später die erste Kinderkrippe im Neustadtquartier.

Haben wir noch weitere Frauen vergessen, die es verdient hätten, auf Wikipedia zu stehen? Schreibe es uns in die Kommentare!

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