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Zwischen bösen Blitzen und bravem Blau: Die Plakate zum Stadttunnel. (Bild: slam)

Plakate zum Zuger Stadttunnel «Diese Propaganda ist billig und einfallslos»

4 min Lesezeit 10.06.2015, 15:40 Uhr

Bald ist das Ringen vorbei, am Sonntag steht die Entscheidung fest. Bis dahin allerdings wird der Kampf um den Stadttunnel auch auf Plakatwänden heftig geführt. Wie kommt das bei der Bevölkerung an?

Den kommenden Sonntag erwarten viele in Zug mit Spannung. Die meisten Stimmzettel sind schon verschickt, die Meinungen im langen Leserbriefkampf gemacht. Aber die Argumenteschlacht tobt immer noch, in den Vorgärten und auf den öffentlichen Plätzen: Von grossen Plakatwänden prasseln die abschreckenden Parolen auf die Bevölkerung − genau wie die träumerischen Visionen. Wie kommen sie bei den Zugern an? Wir machen die Umfrage. 

 

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Plakatwand Nummer 1: Beruhigendes Blau

(Bild: slam)

Die Macht des beruhigenden Blaus haben sowohl Gegner als auch Befürworter für sich entdeckt. Die Nuancen machen den Unterschied: Hellblau soll wohl den aufgeklärten Freigeist zum rationalen Nein überzeugen, Dunkelblau steht vielleicht für solides Vertrauen in die Zukunft.

Und das sagen die Passanten dazu: «Ich habe Nein gestimmt», sagt Beni R. «Ein Stadttunnel für Zug, das ist einfach too much. Zug ist dafür zu klein. Der auf dem Plakat gezeigte Postplatz wird am Ende recht leer sein, glaube ich», sagt er und meint die dunkelblaue Variante. Claudia M. hat für die Nein-Seite aber noch deutlichere Worte: «Diese Propaganda ist billig und einfallslos. Das Wort bürgerlich stimmt mich nicht gerade positiv. Es ist nicht so gut wie das andere, das vor den horrenden Kosten warnt.»


Plakatwand Nummer 2: Zu viel Information vs. Böse Blitze

Zwischen bösen Blitzen und bravem Blau: Die Plakate zum Stadttunnel.

(Bild: slam)

Hier gleich zwei diametral unterschiedliche Strategien: Möglichst viel Information vs. Dampfhammer-Plakat mit Grossschrift und Warnrot. Was klappt besser?  Die Information kommt nicht an: «Der darauf abgebildete Plan ist zu klein gedruckt und unübersichtlich», sagt Passant Fabian P. Und das trotz positiver Haltung zum Stadttunnel: «Ich bin zwar nicht aus Zug, würde aber ganz klar mit Ja stimmen. Wahrscheinlich eben deshalb, weil ich dann schneller unterwegs wäre.»

Das Dampfhammer-Plakat kommt aber ebenfalls nicht sehr gut an: «Ich empfinde es als negativ», sagt Meret B. «Ich bin aber zu jung, um abzustimmen. Aber man fühlt sich davon sicher entweder bestätigt oder sehr abgeschreckt, je nach dem wie man zum Stadttunnel steht.»


Plakatwand Nummer 3: Roter Kontrabass – roter Stadttunnel

(Bild: slam)

 

Hier kämpfen gleich mehrere rotgefärbte Informationen um Aufmerksamkeit − am sympathischsten ist dabei wohl der rote Kontrabass im Hintergrund. Den haben wir die Passanten aber nicht bewerten lassen. Wie wirkt das Plakat in der Mitte, das ganz auf rote Fläche setzt? «Ich darf nicht stimmen, weil ich Ausländerin bin», sagt Passantin Barbara T. «Es ist sicher eine komplexe Frage, ob es einen Stadttunnel braucht. Für die Bewohner würde mehr Ruhe einkehren, aber die Bauarbeiten wären nicht angenehm und die Kosten hoch.»

Und das Plakat, wie kommt das bei ihr an? «Ich denke nicht, dass der Tunnel die Finanzen der Stadt gefährden würde. Die Frage ist, wie er sich auf die Geschäfte auswirken wird.»


Plakatwand Nummer 4: Wer ist Peter Kolin?

(Bild: slam)

Hier werden altehrwürdige Autoritäten heraufbeschworen − aber kennt die noch wer? «Das Plakat mit Kolin sagt mir nichts», sagt Matthias O. «Es bestätigt mich jedoch schon in meiner Meinung für einen Stadttunnel. Das rote Plakat sieht eher nach SVP aus und schreckt ab. Dasjenige mit dem Bild einer autofreien Stadt ist ansprechender, weil offensichtlich eine Vision dahinter steckt.»

Gerade diese Vision allerdings finden nicht alle realistisch: «Diese Plakate beinflussen mich nicht», sagt Anita F. «Ich finde die dargestellte Vision aber illusorisch. Der Verkehr wäre nicht einfach weggefegt.»


Plakatwand Nummer 5: Die idyllische Aussicht

 

(Bild: slam)

Hier haben wir zwar nur ein Ja-Plakat − die Aussicht dahinter dürfte aber eher die Nein-Sager befeuern: Vision und echte Stadt sehen ungefähr gleich aus. Klar, es ist keine Stosszeit. «Aber es wird trotz einem Stadttunnel noch immer Auto gefahren», sagt Judith B. «Eine autofreie Stadt ist illusorisch. Ja, das wäre Wahnsinn.»

Auch David M. ist skeptisch: «Eine Milliarde ist viel Geld. Ich weiss nicht wie weit der Tunnel überhaupt durch die Stadt reicht. Ich bin nicht von hier, finde Zug aber eigentlich jetzt schon schön.»

 

Plakatwand Nummer 6: Ein gutes Gefühl

(Bild: slam)

Und hier noch ein Mal das ganze Programm: von Blitzgewitter bis Idylle. Und dazu eine erfrischend gleichgültige Passantenstimme: «Ich habe Ja gestimmt. In Zukunft fahren sowieso nur e-Autos auf den Strassen. Der Stau bliebe dann zwar im Tunnel aber das ist mir egal», sagt Karin B.

Sie findet die Vision auf dem rechten Plakat zumindest wohlfühltechnisch überzeugend. «Ich fühle mich durch die abgebildete Vision bestätigt, denn sie vermittelt ein gutes Gefühl. Mehrere Generationen werden daran bauen, aber es lohnt sich sicher.»

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