Diese neuen «Zahnrad-Bähnli» fahren künftig auf den Pilatus
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Sind stolz auf die neuen «Bähnli»: Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen AG (links) und VR-Präsident Bruno Thürig. (Bild: bic)

Neue Triebwagen für 55 Millionen Diese neuen «Zahnrad-Bähnli» fahren künftig auf den Pilatus

4 min Lesezeit 2 Kommentare 02.02.2021, 14:00 Uhr

Zwischen Alpnachstad und Pilatus-Kulm verkehren künftig acht topmoderne neue Triebwagen. Dafür greifen die Pilatus-Bahnen trotz Corona tief in die Taschen. Man rechnet fest damit, dass die ausländischen Touristen schon bald wieder zu uns kommen.

Seit mittlerweile 80 Jahren fahren die heutigen Triebwagen der Pilatusbahn während der Sommermonate zwischen Alpnachstad und Pilatus-Kulm. Dabei überwinden sie jeweils das steilste Trassee einer Zahnradbahn, das auf der Welt je gebaut wurde. Hunderttausende Gäste von nah und fern brachten sie sicher auf den Luzerner Hausberg und wieder runter.

Nun gehen die Fahrzeuge in die wohlverdiente Rente. Ersetzt werden die Triebwagen durch acht topmoderne Nachfolger, die eigens für den Einsatz auf der – technisch betrachtet – global einmaligen Strecke entwickelt wurden. Gebaut werden sie von der Firma StadlerRail. Der erste soll bereits diesen Sommer seine Jungfernfahrt absolvieren. Danach werden bis 2023 die restlichen Fahrzeuge nach und nach in Betrieb genommen.

55 Millionen investiert

Bevor es losgeht, wurden die neuen «Bähnli» am Dienstag den Medien vorgestellt. «Beim Ersatz der Wagen handelt es sich um ein Generationenprojekt, bei dem wir die zehn alten, mittlerweile störungsanfälligen Fahrzeuge, für die es keine Ersatzteile mehr gibt, durch neue ersetzen», erklärte Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen, die Beweggründe.

55 Millionen Franken würden dafür investiert. Das meiste Geld stammt aus Rückstellungen, die in den vergangenen, sehr guten Jahren, für die Erneuerung der Anlage gemacht wurden. «60 Prozent können wir deshalb aus Eigenmitteln finanzieren. Der Rest wird aus Aktionärs- und Bankdarlehen stammen», sagte Verwaltungsratspräsident Bruno Thürig. «Dies, weil wir coronabedingt Umsatzeinbussen zu verkraften hatten. Wir sind aber überzeugt, dass wir das in den kommenden Jahren wieder aufholen können.»

Ein Modell der neuen «Pilatus-Bähnli» (Bild: bic).

Mehr Kapazität, weniger Stromverbrauch

Die neuen Triebwagen werden künftig in einer sogenannten «Doppeltraktion» unterwegs sein. Es werden also immer zwei Wagen miteinander gekoppelt (siehe Video). «Mit den neuen Fahrzeugen können wir die Kapazität leicht erhöhen und auch in Spitzenzeiten einen Halbstundentakt anbieten und so die teils langen Warteschlangen verkürzen», sagte Koch. Dafür werde in Alpnachstad auch ein zweiter Perron gebaut. Das Rangieren der Züge, das heute zum Alltag gehöre, falle künftig also weg. 48 Personen fassen die neuen Wagen.

Designer Thomas Küchler erklärt im Video, wie die neuen Triebwagen entworfen wurden.

Aber auch das Behindertengleichstellungsgesetz habe Auswirkungen auf das Projekt, hielt Godi Koch fest. «In der Station Pilatus-Kulm bauen wir dafür einen Liftturm inklusive Passerelle, damit Rollstuhlfahrer barrierefrei in die Bahn gelangen.» Und dank der Digitalisierung können die Weichen in Zukunft von einer zentralen Leitstelle bedient werden. Heute müssen die Lokführer diese jeweils per Knopfdruck manuell stellen. Laut Koch kann dadurch die Sicherheit erhöht werden. An den über 100 Jahre alten Schienen und am Trassee muss hingegen fast nichts verändert oder ersetzt werden, da diese nach wie vor in tadellosem Zustand sein sollen.

«Wichtig ist auch, dass die neue Anlage eine hohe Energieeffizienz aufweisen wird. Bei der Talfahrt wird die beim Bremsen entstehende Energie per Stromabnehmer ins System eingespeist. Gesamthaft werden wir in Zukunft mindestens 30 Prozent weniger Strom verbrauchen», rechnete Koch vor. Trotzdem werden die neuen Kombinationen gut drei Kilometer pro Stunde schneller unterwegs sein als die heutigen.

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Hoffen auf die Rückkehr der ausländischen Gäste

«Beim Start in diesem Jahr werden wir wohl noch hauptsächlich Schweizer Gäste haben. Wir rechnen aber fest damit, dass spätestens 2023 wieder zahlreiche Gäste aus der ganzen Welt in die Region Luzern und somit auch auf den Pilatus kommen», so Koch. Denn langfristig könnten Tourismusdestinationen wie Luzern nur überleben, wenn neben den Einheimischen auch genügend ausländische Touristen kommen. Denn diese würden in Randzeiten Geld bringen, wenn die Schweizer nicht unterwegs sein könnten. Apropos Geld: Preisanpassungen sind trotz der hohen Investitionskosten aktuell nicht vorgesehen.

«Vor Corona hatten wir 50 Prozent Schweizer Gäste. Von den Touristen aus dem Ausland kommen 75 Prozent als Individualreisende zu uns. Wir leben also nur zu einem Viertel von Gruppenreisenden», ergänzte VR-Präsident Thürig.

So sehen die heutigen Triebwagen aus.

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2 Kommentare
  1. Konrad Zingg, 03.02.2021, 16:58 Uhr

    Ob das neue «Bähnli» künftig auch nur mehr «Persönli» transportiert….

  2. Mount Pilatus, 03.02.2021, 07:16 Uhr

    Naja, hoffen wir, dass so viel Glas in steinigem Gebirge nicht zum Rohrkrepierer wird.

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