<p>Aka Unknown aus Zug auf der Bühne.</p>
  • Kultur
Aka Unknown aus Zug auf der Bühne. (Bild: Rolf Fassbind)

Galvanik: Zuger World-Jazzer taufen ihr Album Diese Musiker machen eine katastrophale, galaktische Erfahrung

4 min Lesezeit 08.12.2017, 14:48 Uhr

Sie tun so, als seien sie wilde Rapper, klingen aber so abgeklärt und entspannt wie Weltmusiker: die vier von AKA Unknown, die zentralplus im Keller einer Holzhütte in Zug gefunden hat.

Hinter dem hässlichsten Hochhaus in Zug im Keller einer Holzhütte brodelt es gewaltig. Inmitten von Instrumenten, Effect-Boards und Kabelsalat probt dort die Zuger Band AKA unknown für ihre Plattentaufe in der Galvanik. 

Wie die Band zum Namen kam

Die Band – das sind Linus Meier am Bass, Dominik Zäch an der Gitarre, Colin Bos am Schlagzeug, Daniel Gieger an den Keys, Trompete und Flügelhorn und Oskar Arnold am Altsaxophon. Kennen tun sie sich schon länger, zur Band formiert haben sie sich 2013.

«Der Bandname stammt noch von früher aus unserer Zeit an der Musikschule Oberägeri», erzählt Colin Bos. «AKA unknown deshalb, weil ich den Film ‹8Mile› gesehen habe und dort die Rapper immer mit ihrem Namen und dann AKA der Künstlername angekündigt wurden.»

Die restlichen Bandmitglieder brechen in Gelächter aus, und so richtig glauben mag man die Geschichte auch nicht, ist doch in der Musik nicht ein Hauch von Rap oder Hip-Hop zu hören. Überhaupt wird während der Probe viel gelacht. Gut vier Monate nach den Studioaufnahmen sitzen die Songs schon fast zu gut und die Solos werden ein wenig zu übermütig und klingen plötzlich nach Worldmusic.

Für Film-Soundtracks geeignet

«Cataclysmic Galactic Experience»  – auf Deutsch: «katastrophale, galaktische Erfahrung» – ist das erste Album von AKA unknown. Die Songs darauf sind teils aber schon älter – wie etwa «Sinus vom Linus», der erste Song auf der Platte. «Der Titel stammt noch von unserem damaligen Musiklehrer», erklärt der namensgebende Linus Meier. «Ich hatte damals den Song zwar komponiert, aber den Titel vergessen und so wurde er aus praktischen Gründen nach mir benannt.»

Der Song selber zeigt, dass die fünf Musiker bereits sehr früh wussten, welche Art von Musik sie in Zukunft spielen wollten. Klangteppiche und modifizierte Gitarrenklänge, neo-klassische Klavierpattern und langausgehaltene Saxophontöne vermischen sich zu einem minutenlangen Intro, nur um auf Kommando zu einem beatlastigen World-Jazz-Song mit verzerrtem Gitarrensolo zu werden. Im neueren Song «Hectic» werden Zitate aus «Schacherseppeli» und «Star-Spangeled Banner» in Pink Floyd-eske Höhepunkte eingebettet, während «Imperial» gut auf dem Soundtrack von «Lupin III» oder «Cowboy Bebop» zu finden sein könnte.

Musik wie eine Lawine

Mit «Low & Heavy» schlägt die Band aber auch düstere Töne an. «Der ursprüngliche Titel war Barryvox, benannt nach dem Lawinensuchgerät», erklärt Linus Meier. Unerbittlich wie eine Lawine beginnt das Stück, sich ewig wiederholende Melodiefetzen steigern sich, bis die Lawine vorbei ist, alles unter sich begräbt und nur noch die Atemgeräusche langsam verklingen.

Die ingesamt sechs Songs auf dem Album sind ein Sammelsurium verschiedenster Einflüsse, welche penibel ineinander geflochten wurden und so zur Handschrift von AKA unknown mutierten.

Einen eigenen Stil schaffen

«Die Entscheidung, das Album zu produzieren war vor allem eine Praktische», erzählt Daniel Gieger. «Wir sind fast alle am Studieren, Militärdienst steht auch noch an – aber mit dem Album als Meilenstein bleiben wir motiviert für die Zukunft.»

Letzte Vorbereitungen zur Plattentaufe: Aka Unknown im Proberaum.

Letzte Vorbereitungen zur Plattentaufe: Aka Unknown im Proberaum.

(Bild: Laura Livers)

Die Zukunft – das heisst für Aka unknown Konzerte spielen und den eigenen Sound wachsen lassen. «Unser Sound ist schwierig zu beschreiben, also auch schwierig zu etablieren», erklärt Dominik Zäch. «Aber wir haben beschlossen, den steinigen Weg auf uns zu nehmen und unsere eigene Nische zu erschaffen, egal wie anstrengend es ist.»

«Wir wollen mit all den verrückten Leuten aus Zug feiern.»

Oskar Arnold, Aka Unknown

Bevor sie sich aber in die ungewisse Zukunft aufmachen, wird erst noch das Album getauft. «Wir sind natürlich stolz auf dieses Werk und wollen das auch gebührend feiern», sagt Colin Bos nach der Probe, während er Einladungen zur Plattentaufe in Couverts einpackt. «Der Abend soll vor allem eine grosse Party werden.» Um das zu erreichen, haben sie Rec.Design VJ Crew und den Klangkünstler Luca Koch eingeladen. «Wir wollen mit all den verrückten Leuten aus Zug feiern und uns für all die Unterstützung bedanken», fügt Oskar Arnold an und zählt Plakate ab, die es noch zu verteilen gilt. «Und dann machen wir uns zum nächsten Schritt auf.»

Plattentaufe AKA unknown: «Cataclysmic Galactic Experience», Support: Orgaan (ZH), 9. Dezember, 21 Uhr, Galvanik Zug.

 

 

 

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