Sie alle haben das verrückte Jahr 2021 mitgeprägt.
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Sie alle haben das verrückte Jahr 2021 mitgeprägt. (Bild: Montage)

Eine hält gar das FBI auf Trab … Diese Menschen haben 2021 das Leben in Luzern geprägt

6 min Lesezeit 30.12.2021, 11:58 Uhr

Der Kampf gegen das Coronavirus und das Hochwasser haben in diesem Jahr für besonders viele zentralplus-Schlagzeilen gesorgt. Wir haben die acht Köpfe herausgepickt, über die Luzern 2021 gesprochen hat. Menschen, die das Leben wesentlich geprägt haben.

Bald schon blättern wir die 365. Seite des Buches, welches das Jahr 2021 geschrieben hat, um. zentralplus hat sich durch die Schlagzeilen dieses Jahres geklickt und die acht Menschen herausgepickt, die Luzern in diesem Jahr den Stempel aufgedrückt haben.

Lisa Zanolla: Die Schaustellerin, die trotz Corona für Chilbi sorgte

Nach dem Knoblibrot den Magen mit gebrannten Mandeln, Churros und Zuckerwatte mästen, bis man seinem Körper den freien Fall aus 80 Meter Höhe zumutet: Der Gang zum Inseli, wo alljährlich die Lozärner Määs steigt, ist in den Agenden vieler Luzernerinnen markiert.

Rund 350’000 Besucher zieht die Määs im Herbst jeweils an. Umso grösser war die Trauer, als die Stadt die Määs dieses Jahr abgeblasen hat. Zum zweiten Mal in Folge. «Die Absage tut weh, ist aber ein Vernunftentscheid», begründete die Stadt (zentralplus berichtete).

Zwei, die sich die Chilbi-Stimmung nicht nehmen wollten, war das Schaustellerpaar Lisa und Eugen Zanolla. Kurzerhand stellten sie eine «Schützenchilbi» auf die Beine – die erste Indoor-Määs Luzerns (zentralplus berichtete). Diese war ein voller Erfolg. Damit haben die Zanollas gezeigt, dass eine Määs auch trotz Schutzkonzept und Zertifikatspflicht möglich ist (zentralplus berichtete). Das Määs-Feeling im Inseli konnte die alternative Chilbi zwar nicht ersetzen – aber sie hat zweifelsohne vielen Luzernern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Und die Schaustellerinnen hatten Freude, endlich wieder arbeiten zu können, wie die SVP-Politikerin Lisa Zanolla sagte. Eine Win-win-Situation für alle.

Das Ehepaar Zanolla in der Kassenbox der «Putschibahn» – hier an der Baarer Chilbi vom November 2021.

Fabio Celestini: Der FCL-Trainer, der den Chöbu nach Luzern brachte

Im Sport gibt es im Kanton Luzern vor allem eine Figur, mit dem das Jahr 2021 für immer verbunden bleiben wird: den 46-jährigen Fabio Celestini.

Der Trainer des FC Luzern hat die sportliche Institution Anfang 2021 nicht nur zum Ligaerhalt geführt. Fabio Celestini hat mit den Luzernern auch zum ersten Mal seit 29 Jahren den Pokal wieder auf die Allmend gebracht. Die Festlichkeiten haben nicht nur die Fans, sondern auch die Politik und Justiz elektrisiert. So feierten gegen die 10’000 FCL-Fans ihren Fussballverein als neuen Cupsieger – als ob es kein Corona gegeben hätte (zentralplus berichtete). Das hatte auch juristische Konsequenzen (zentralplus berichtete).

Aber zurück zu Celestini: Der ehemalige Schweizer Nationalspieler aus Lausanne wurde in der darauffolgenden Super- League-Saison nach einer Reihe von Niederlagen trotz weiterlaufendem Vertrag bis 2023 gefeuert (zentralplus berichtete).

Der FCL hat kurz vor Weihnachten Mario Frick als neuen Cheftrainer ernannt. Er soll den Klub und dessen Führung vor einem sportlichen Desaster, dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse, bewahren (zentralplus berichtete).

Pure Glücksgefühle: Trainer Fabio Celestini (Luzern) küsst den Rasen nach dem gewonnenen Cupspiel. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Tillie Kottmann: Die Hackerin, die vom FBI gejagt wird

Über Nacht wurde sie ins Rampenlicht dieser Welt kapituliert: Tillie Kottmann. Die Luzernerin hat vertrauliche Daten grosser US-Firmen publiziert. Damit hat sie Sicherheitslücken in zentralisierten Überwachungssystemen in den USA enthüllt. Ihr Kollektiv hatte im Frühling Zugriff auf über 150’000 Überwachungskameras. Es waren Schulen, die laut Kottmann «praktisch voll mit Überwachungskameras» waren, Intensivstationen von Spitälern, die gefilmt wurden. Unter anderem sah man einen Streit im Spital oder eine Polizeibefragung mit Ton oder konnte etwa in Gefängniszellen blicken.

Sie will die «radikale Transparenz», wie Kottmann sagte. Von den amerikanischen Medien dafür gefeiert, drohen der Hackerin nun 20 Jahre Haft.

Emil Steinberger: 88 Jahre und noch immer zum Spassen aufgelegt

Unsere Eltern und Grosseltern wuchsen mit den Witzen der Kabarettlegende auf. Und zeigen ihren Kindern und Enkeln auch heute noch mit voller Stolz die Kabarettnummern Emil Steinbergers – weil das eben noch echter Humor mit Charme sei.

Der Luzerner Emil Steinberger hat sich als Kabarettist in den frühen 70er-Jahren einen Namen gemacht. Seine alten und neuen Kabarettnummern sorgen aber auch heute noch für gute Stimmung. Zwar feiert er bald seinen 89. Geburtstag – wie er uns am besten zum Lachen bringt, hat er aber in den all den Jahren nie verlernt.

Und er ist umtriebig wie eh und je. Vor einem Jahr wagte er sich auf neues Terrain – und zelebrierte seine Premiere auf Twitter. Und er versüsst uns den Alltag mit seinen spontanen Kabarettnummern, die er von seinem Homeoffice aus macht. Und nebenbei schreibt er an seiner Autobiografie.

Corina Schwingruber Ilic und Nikola Ilic: ein Film, der berührt

Dida: So heisst die Mutter von Nikola Ilic. Dida wohnt mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in Belgrad. Sie hat Lernschwierigkeiten und ist abhängig von der Hilfe ihrer Mutter. Nikola, der vor 15 Jahren von Serbien in die Schweiz kam, wird immer mehr in Belgrad gebraucht. Darüber hat er gemeinsam mit seiner Frau Corina Schwingruber Ilic einen Dokumentarfilm gedreht. Dieser zeigt, wie der Sohn seiner Mutter helfen kann, ihr Leben zu leben, ohne seine eigene Unabhängigkeit zu verlieren.

Mit dem Film «Dida» hat das Luzerner Filmemacher-Ehepaar schon diverse Preise abgeräumt. Unter anderem den Zürcher Filmpreis in der Sparte Dokumentarfilm oder die goldene Traube des Publikums des internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. Zu Recht, wie wir finden. Denn der Film bringt uns das intime Leben von Dida und ihrer eigenen Welt näher – und wie sich ein Sohn und seine Mutter im Erwachsenenalter zwischen zwei Städten und zwei Kulturen neu kennenlernen.

Michel Ziegler: Game-Designer wurde mit Horrorspiel international bekannt

Ein Videospiel aus Luzern hat Seltenheitswert. Und dann noch ein Horrorgame. Plus handgezeichnet. Wer nicht spielen will, der kann wohl auch einfach in die düster gezeichnete Welt des Luzerners Michel Ziegler eintauchen.

Das Horrorgame «Mundaun» überzeugt aber auch Kennerinnen vollends. An den diesjährigen Swiss Game Awards wurde Zieglers «Mundaun» als «Best Entertainment Game» gekürt – also in der Königsklasse ausgezeichnet (zentralplus berichtete). Ziegler hat mit seinem Game darüber hinaus die Schweizer Gamebranche auf den internationalen Schirm gebracht – und weltweit die Charts gestürmt.

Svenja Fölmli: Spitzenfussballerin für Blauweiss

Cupsieger-Girls! Nach den Männern haben sich auch die Frauen bis zuoberst an die Spitze gekickt. Im Juni 2021 haben die Fussballerinnen des FCL die Frauen des FC Zürich besiegt. Mittendrin im Siegestrubel: Svenja Fölmli. Die 19-jährige Topstürmerin hat im Cupspiel die beiden Tore für Luzern geschossen.

Das Cupspiel war das letzte Spiel, das Fölmli für Luzern angetreten ist. Nun kickt sie in der deutschen Bundesliga für den SC Freiburg (zentralplus berichtete). Der Abschied schmerzte die Luzerner. «Svenja Fölmli hinterlässt menschlich und sportlich eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist», sagte Robert Schürch, Präsident des FC Luzern Spitzenfussball Frauen.

Guido Graf, der Mann der nicht fehlen darf

Nein, wir haben ihn keineswegs vergessen: den Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf.

In einem Jahr, das von der Corona-Pandemie geprägt war, darf er natürlich nicht fehlen. Er musste Kritik einstecken –für die einen waren die Massnahmen im Kampf gegen das Virus zu streng, den anderen zu locker. Zuletzt wurde er für den Zickzack-Kurs gerüffelt (zentralplus berichtete).

Als Mensch in einem politischen Amt hat man es nicht immer leicht. Schon gar nicht in Zeiten, in denen eine globale Pandemie bekämpft werden muss. Guido Graf hat ein weiteres strenges Jahr hinter sich – wie alle Ärztinnen, Pfleger und Spezialistinnen in den Spitälern, auf den Intensivstationen, in den Impf- und Testcentern. Der Kampf gegen das Coronavirus wird uns wohl oder übel auch nächstes Jahr auf Trab halten. Und all jene, die sich fürs Bekämpfen der Pandemie einsetzen – ob im Rampenlicht oder abseits von grossen Bühnen – haben Grosses geleistet.

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