Diese Köpfe haben 2020 Luzern und Zug den Stempel aufgedrückt
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Sie und andere Personen haben 2020 unsere Region geprägt: Norbert Schmassmann, Ylfete Fanaj und Rudolf Hauri.

Visionäre, Skandale und Hoffnungsträgerinnen Diese Köpfe haben 2020 Luzern und Zug den Stempel aufgedrückt

8 min Lesezeit 1 Kommentar 31.12.2020, 05:00 Uhr

2020 war in unserer Region viel los. Auch Ereignisse, die nichts mit Corona zu tun haben, dürften für die kommenden Jahre prägend sein. Positiv, aber auch negativ. Wir haben die wichtigsten Köpfe des Jahres und ihr Wirken in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zusammengetragen.

Vorweg: Eigentlich war es ja das Corona-Virus, das 2020 den Stempel aufdrückte. Um dessen Bekämpfung haben sich viele Menschen abseits der grossen Bühne verdient gemacht: die Verkäuferin, der Pfleger, die Buschauffeurin oder der Nachbar, der freiwillig Einkäufe machte.

Im Rampenlicht standen derweil einige Personen, die – nicht nur wegen der Pandemie – 2020 viel zu tun hatten. Wir präsentieren die Köpfe, die in Luzern und Zug, aber auch national das zu Ende gehende Jahr geprägt haben. Wiederum war in unserer Region viel los und es wurden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

Rudolf Hauri: berühmtester Kantonsarzt der Schweiz

Wer kannte letzten Januar den Namen des Zuger Kantonsarztes? Wohl kaum einer. Heute jedoch ist Rudolf Hauri in der ganzen Deutschschweiz ein bekanntes Gesicht. Der oberste Kantonsarzt des Landes berichtete an zahlreichen Medienkonferenzen in Bern über den Stand der Dinge, gab Interviews, trat im Fernsehen auf. Mit seiner ruhigen und nüchternen Art gelang es ihm stets, Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen.

Ylfete Fanaj: erste Seconda als höchste Luzernerin

Auch sie erhielt über Luzern und die Zentralschweiz hinaus Aufmerksamkeit: Ylfete Fanaj. Die SP-Kantonsrätin ist im Juni zur höchsten Luzernerin gewählt worden – als erste Seconda in diesem Amt. In einer so berührenden wie staatsmännischen Rede hat die gebürtige Kosovarin darauf aufmerksam gemacht, welche Bedeutung ihre Wahl zur Kantonsratspräsidentin hat: «Die Schweiz ist ein kleines Land, aber die Schweiz macht ganz grosse Träume möglich.»

Für ihr Präsidialjahr hatte sich Fanaj zum Ziel gesetzt, den nicht immer einfachen Dialog zwischen Stadt und Land zu fördern. Die Verkehrspolitik lässt grüssen. Ein starkes Zeichen setzte sie diesbezüglich, indem sie als Vertreterin des Kantonsrats in der letzten Sitzung des Luzerner Grossen Stadtrats eine Rede hielt. Fanaj folgte damit der Einladung des abtretenden langjährigen Grossstadtrats und Ratspräsidenten Albert Schwarzenbach (CVP). Eine Geste, die in verschiedener Hinsicht Symbolkraft haben könnte.

Christine Kaufmann-Wolf und der Stadtrat: neuer Schwung für Kriens

Es rumpelte gewaltig diesen Frühling in Kriens. Vier amtierende Stadträte nahmen nach der Wahlschlappe im ersten Durchgang den Hut oder wurden im zweiten Wahlgang abgewählt. Das Fazit der Bevölkerung war klar: Kriens will frischen Wind. Stellvertretend dafür steht die neue Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf (CVP). Sie stieg erst nach dem zweiten Wahlgang ins Rennen und holte prompt die nötigen Stimmen.

In den darauf folgenden Abstimmungen, die über die Entwicklung der Stadt entschieden, musste sie als Kapitänin zusammen mit ihrer neuen Regierungsmannschaft das Krienser Polit-Boot durch stürmische Gewässer führen. Dies ist ihr nicht immer gelungen. Mit der Annahme des Einzonungsmoratoriums im September mussten Kaufmann-Wolf und der Stadtrat eine erste Niederlage einstecken.

Knapp wurde es im November auch bei der Pilatusarena und der Weinhalde. Und es dürfte auch in den kommenden Jahren nicht ruhig werden im Südwesten der Stadt Luzern. Es braucht nun versöhnliche Worte und Taten, um die gespaltene Krienser Bevölkerung wieder zu einen.

Gerhard Pfister: der Totengräber des «C»

Für ihn und die Parteioberen war es ein Sieg, als die nationalen Delegierten der CVP der Namensänderung in «Die Mitte» und damit der Fusion mit der BDP zustimmten. Damit will sich die Partei einen moderneren urbaneren Anstrich geben und junge Wählerinnen anziehen. Erste Prognosen von Politkennern deuten darauf hin, dass diese Strategie mittelfristig aufgehen könnte. Tatsächlich freuen sich junge Parteiexponentinnen über den Schritt.

Doch in einigen der Stammlande der Christdemokraten brodelt es seither. So auch im Kanton Luzern. Im Sommer wurde ein Komitee rund um den ehemaligen Luzerner Grossstadtrat Albert Schwarzenbach ins Leben gerufen, das sich gegen die Namensänderung stellte. Die Gegner befürchten den Verlust der Identität der CVP und warnen vor einer Abwanderung älterer Wählergruppen. Das Komitee hat angekündigt, dafür zu kämpfen, dass die Luzerner Kantonalpartei künftig unter dem Label «CVP – Die Mitte» in die Wahlkämpfe steigt. Die Luzerner haben noch bis 2025 Zeit, über den künftigen Namen zu diskutieren.

Hunkeler und Schmassmann: im Sturm des VBL-Skandals

Seit mehr als 20 Jahren ist VBL-Direktor Norbert Schmassmann im Amt. Im September gab er seinen Rücktritt aufgrund seiner Pensionierung im Herbst 2021 bekannt. Doch zu Beginn des aktuellen Jahres förderte eine weitere mediale Enthüllung rund um den Subventionsskandal bei Postauto zutage, dass möglicherweise auch bei den VBL mit buchhalterischen Tricksereien Subventionen erschlichen worden waren.

In der Folge kam es zum Bruch zwischen dem Luzerner Stadtrat und der VBL-Führungsriege um Schmassmann und Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler. Beide Seiten haben Gutachten in Auftrag gegeben, die sich widersprechen. Die geforderte Summe von 16 Millionen Franken wurde bis heute nicht an Kanton und Gemeinden rückerstattet. Eine Klärung vor Gericht erscheint derzeit unumgänglich. Mehrere Verwaltungsräte und auch Verwaltungsratspräsidentin und Kantonsrätin Hunkeler waschen ihre Hände zwar in Unschuld, sind aber mittlerweile von ihrem Amt zurückgetreten.

Guido Graf: in den Fängen der Pandemie

Der Luzerner Gesundheitsdirektor hat – wie alle Amtskollegen in diesem Departement – ein strenges Jahr hinter sich. Auch er musste sich viel Kritik anhören. Sei es wegen umstrittener Corona-Massnahmen, wegen des Contact Tracing, das zu Beginn der zweiten Welle total überfordert war, oder wegen des Aufrufs an Fachkräfte, freiwillig mitzuhelfen. Wiederholt liess Graf hinter vorgehaltener Hand durchblicken, dass er sich niemals ausgemalt habe, dass er einst einer Herausforderung dieser Art entgegentreten müsste. Die Belastung ging ihm persönlich sichtlich nahe.

Zum Jahresende folgte dann aber der versöhnliche Abschluss: Im Kanton Luzern wurde schweizweit die erste Person, selbstverständlich aus einer Risikogruppe, gegen das Coronavirus geimpft. Der Gesundheitsdirektor stand im medialen Rampenlicht und durfte endlich wieder etwas Erfreuliches verkünden. Das alles brachte Graf und seinem Team viel Lob und Anerkennung ein. Seine erste persönliche Bilanz, so sagte der Regierungsrat Ende Oktober zu zentralplus, wolle er über die Festtage ziehen.

Schüür-Chef Marco Liembd: der Optimist in der Krise

Aus der Not das Beste machen: Das scheint die Devise von Marco Liembd zu sein. Der Schüür-Chef stellte sein Konzerthaus in der Corona-Krise kurzerhand Musikerinnen und Bands für Proben zur Verfügung. Bereits zuvor hatte die Schüür kreativen Tatendrang an den Tag gelegt, indem sie das Konzerthaus in drei Teile gestückelt hatte, um den Vorgaben zu entsprechen.

Liembd sorgte zudem mit der Ankündigung, dass die Schüür fürs 30-Jahre-Jubiläum vergrössert und umgebaut wird, für Aufbruchstimmung inmitten dieser für die Kultur düsteren Zeit. Zuvor hatte der Schüür-Geschäftsleiter gezeigt, dass er durchaus auch kritische Worte findet, wenn es nötig ist: Mit einem offenen Brief an Regierungsrat Guido Graf machte er die Sorgen der Kulturstadt Luzern medial zum Thema.

Michelle Kalt: die Anwältin bei Deville

Die Zugerin Michelle Kalt sorgt seit diesem Jahr in der Sendung des Luzerner Comedians Dominic Deville dafür, dass die Zuschauer auch über Paragraphen lachen können. Sie ist bissig und spricht zum TV-Publikum wie eine professionelle Anwältin vor Gericht, was das Ganze oft umso komischer macht.

Die Juristin schafft es also, auf den ersten Blick trockene Materie für alle verständlich darzulegen – fast immer mit dem einen oder anderen Seitenhieb gegen die Mächtigen dieses Landes und der Welt. Auch der regelmässige Blick auf teils absurde Bestimmungen in unseren Gesetzbüchern dürfte der einen oder anderen im vergangenen Jahr immer mal wieder ein Schmunzeln entlockt haben.

Das FCL-Aktionariat: ein unrühmliches Theater

Mit Bekanntwerden des schon jahrelang dauernden Streits begann der Abstieg des FCL-Aktionariats im Ansehen der Öffentlichkeit. Der runde Tisch der unversöhnlichen FCL-Streithähne hat es Ende September verpasst hat, eine sich selber gesetzte Deadline für eine neue und tragfähige Lösung einzuhalten. Dieses Versäumnis wurde erst noch mit einem nichtssagenden Communiqué kommuniziert – damit haben sich die Aktionäre grossem Spott ausgesetzt.

Die «Sieberianer», also Marco Sieber und seine Gefolgsleute Samih Sawiris und Hans Schmid, wollen aussteigen und suchen nach einem Käufer ihres Aktienpakets von 34,1 Prozent. Aber bis heute war noch niemand bereit, einen annehmbaren Preis dafür zu bezahlen.

Hans-Peter Strebel: Lebenswerk der Region geschenkt

Das Spitzensportzentrum «OYM» in Cham wird für die kommenden Jahre unsere Region sicher auch prägen. Realisiert wurde es vom ehemaligen Pharma-Unternehmer und EVZ-Präsidenten Hans-Peter Strebel. Finanziert hat Strebel, der durch einen Wirkstoff gegen Multiple Sklerose reich geworden ist, das Projekt aus der eigenen Tasche. 100 Millionen liess der Unternehmer dafür springen. Wegen Corona konnte sein Lebenswerk bislang nicht offiziell eröffnet werden. Geplant war die Eröffnung für März.

War ursprünglich nur ein zweites Eisfeld für die Nachwuchsförderung des EVZ geplant, wurde später eine multifunktionale Mehrfachturnhalle gebaut. Dies, damit das Zentrum auch Spitzensportlerinnen aus anderen Sportarten zur Verfügung steht. Für Strebel ist klar, dass der Spitzensport eine grosse Breitenwirkung hat. Dem Eishockey-Club bringt die Realisierung des Projekts einen sportlichen Vorteil, da auch neben dem Feld ein absolut professioneller Betrieb möglich ist. Die Vision ist also klar: Vom «OYM» soll letztlich die ganze Region profitieren.

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1 Kommentare
  1. Kaufmann, 01.01.2021, 16:13 Uhr

    Ehre wem Ehre gebührt,
    Nationalrat Franz Grütter, der Millionär von Eich
    Wie konnte man/frau die peinliche Affäre mit dem
    Brokerage-Trick vergessen.
    Als angeblich legaler Abzocker geht er mit satten Provisionen bei seiner Pensionskasse Aetas zulasten seines eigenen Personals (Green-Firmen) in die Geschichte ein.
    Eine Wette, Herr Franz Grütter
    wird aus dem Aetas – (Latein=erlebte Zeit, Lebensalter) Verwaltungsrat zurücktreten und spielt auf Vergessen und Zeit bis zu den nächsten Wahlen 2023.

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