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Diese fünf Hochhäuser haben’s nicht auf den Pilatusplatz geschafft
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So mannigfaltig waren die Projekte für die Brache am Pilatusplatz. (Bild: Montage wia)

So hätte es auch kommen können Diese fünf Hochhäuser haben’s nicht auf den Pilatusplatz geschafft

4 min Lesezeit 3 Kommentare 09.04.2020, 05:03 Uhr

Wer das Areal am Luzerner Pilatusplatz überbauen darf, steht nun fest. Doch auch die fünf Ideen, die dem Siegerprojekt «Lu Two» des Zürcher Architekturbüros Joos & Mathys auf den Fersen waren, sind sehenswert.

Die Würfel sind gefallen. Das wohlklingende Bauprojekt «Lu Two» hat sich gegen 23 Kontrahenten durchgesetzt und soll nun auf dem Pilatusplatz umgesetzt werden (zentralplus berichtete).

Insgesamt sechs Projekte waren es, die bei der Jury in die engere Auswahl kamen und letztlich mit einem Preis von je 35’000 Franken dotiert wurden. Folgende Ideen hatten aber das Nachsehen.

Platz 2: «Häuser am Pilatus»

Bei diesem Projekt waren Lokalmatadore am Start. Roman Hutter Architektur GmbH in Luzern verfasste das Projekt, das «Lu Two» am dichtesten auf den Fersen war. Der Name, ganz allürenlos: «Häuser am Pilatusplatz».

Bauträger der zwei geplanten Bauten wäre die Raiffeisen Pensionskasse Genossenschaft gewesen. Anders als beim Siegerprojekt hätten die Architekten hier zwei Gebäude realisiert. Ein Langhaus, welches als Wohnhaus mit öffentlicher Erdgeschossnutzung konzipiert gewesen wäre, sowie ein Turmkörper.

Im Schlussbericht wird zu diesem Projekt geschrieben: «Die Wohnungen mit zweigeschossigen Wohnräumen sind attraktiv, aufgrund der Schallschutzanforderungen jedoch nicht bewilligbar.» Ausserdem hätte sich die Jury «an der Ecke im architektonischen Ausdruck einen stärkeren Akzent erhofft».

Die beiden Häuser wären als Holzbauten mit Betonkern konzipiert gewesen.

Häuser am Pilatusplatz als Visualisierung.

So hätte das Erdgeschoss des Wohnhauses aussehen können:

Platz 3: «Playtime»

Auch das drittplatzierte Projekt stammt von Luzerner Architekten. Lussi + Partner hätten unter der Federführung der Eberli Sarnen AG als Investor das fröhlich klingende Gebäude «Playtime» realisieren wollen.

Verspielter Name, verspieltes Projekt, befand die Jury: «Der Neubau fasziniert durch seine spielerische Leichtigkeit und seine moderne Ausdruckskraft.» Dies nicht zuletzt durch das zweigeschossige und «sehr transparent gestaltete Erdgeschoss», das die Durchlässigkeit des Raums vor Ort unterstreiche.

Was der Jury bei diesem Projekt gefehlt hat: «Differenziertere Aussagen zum Aussenraum rund um das Gebäude Mühlebachweg 8» – will heissen, um das im Hof stehende Fachwerkhaus.

Tatsächlich wirkt das Gebäude sehr luftig.

Platz 4: «Pilatushof»

Aus Kriens kommt das Projekt, das auf dem vierten Platz landete. Dahinter steckt das Architekturbüro Masswerk. Als Investor hätte die Anliker AG gewirkt.

Die Architekten dieses Projekts haben nicht nur vorwärts-, sondern auch zurückgeblickt. Und zwar auf die städtebauliche Planung von 1866 mit «einer für diese Zeit typischen orthogonalen Blockrandtypologie». Entstanden wäre daraus ein polygonales Hochhaus, das gemäss Jury «am heutigen vom Verkehr geprägten Pilatusplatz, ein markantes Zeichen setzt». Diese jedoch vermissten eine stärkere repräsentative Gestaltung der Fassade.

Im Dachraum hätten sich die Architekten ein Restaurant gewünscht. Dass dieses Projekt ein anregendes Quartierleben ermöglicht hätte, begrüsst die Jury. Der «abrupte Übergang von Hochhaus zu bestehender Bebauung entlang der Pilatusstrasse» machte sie jedoch nicht ganz glücklich.

Hier wäre ein polygonales Hochhaus geplant gewesen.

Platz 5: «Tomli»

Vom Basler Büro Bachelard Wagner stammt das Projekt «Tomli», der Investor dahinter: die Mobimo AG.

Bei diesem Projekt aufgefallen sei der Jury, wie präzise die Architekten das Entwicklungsareal analysiert hätten. Geplant war ein in sich isolierter Bau, der aber durch seine Geometrien zum bestehenden Block passe.

«Mittels eines Knicks über Eck und durch unterschiedliche Grundrissgeometrien werden zwei Strassengeometrien mit dem Gebäudevolumen am Platz vereinigt», lobt die Jury. Das Haus erfülle denn auch musterhaft die meisten der geforderten Kriterien. Aber: «Das Gebäude hat in seiner Gesamtheit eine Anmutung eines grossen Wohnhauses», so der Schlussbericht. Es fehle an neuer Identität.

Das Haus grenzt nicht direkt an die Nebenbauten, sondern ist in sich isoliert.

Rang 6: «Levare»

Für dieses Projekt haben sich zwei Luzerner Architekturbüros zusammengeschlossen. Iwan Bühler GmbH und Scheitlin Syfrig haben für «Levare» gemeinsame Sache gemacht, Bauträger wäre die Halter AG gewesen.

Mit seinem rostroten Ton ist es das farbigste der sechs Projekte. Geplant gewesen wäre ein sechseckiger Gebäudekörper, der einen kräftigen Akzent setzt. Städtebaulich hätte das gut funktioniert, findet die Jury, denn auch das Freiraumkonzept sei stimmig.

Weniger zufrieden war die Jury jedoch mit der Fassade. «Die unterschiedlichen und geschossweise versetzten Öffnungen lassen den Betrachter ein Wohnhaus mit spezifischen und differenzierten Grundrissen erwarten.» Dies entspreche jedoch nicht der inneren, «höchst flexiblen Logik des Gebäudes», weshalb die Fassade zu einer formalen Spielerei verkomme. Für ein innerstädtisches Geschäfts- und Wohnhaus erscheine dies nicht angemessen.

Das Hotel Anker hätte ein auffälliges Gegenüber erhalten können.

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3 Kommentare
  1. Paul Bründler, 09.04.2020, 11:02 Uhr

    Besonders schräg finde ich ja das Projekt „Playtime“.
    Wenn man schon den Bezug zu Jacques Tatis gleichnamigem Film macht, der ja als „Modernismuskritik“ gilt, warum lernt man dann nichts daraus?
    Aus Wikipedia: „Die Modernismuskritik ist ein immer wiederkehrendes Merkmal der Filme Tatis, in Playtime aber feiert sie einen Höhepunkt. Vor allem die Unpersönlichkeit, Konformität und Sterilität der Moderne wird kritisiert,…“
    Und deshalb präsentiert man jetzt ein Projekt, welches an „Unpersönlichkeit, Konformität und Sterilität“ nicht mehr zu überbieten ist? Ein Fall für den Psychiater?
    Die anderen Projekte sind aber auch nicht besser.
    In der Architektur wird es Zeit für neue Ideale (oder alte?).

  2. Andy Bürkler, 09.04.2020, 10:17 Uhr

    Von diesen Projekten ist tatsächlich das „Siegerprojekt“ noch das am wenigsten hässlichste.
    Aber man hat schon ganz klar dein Eindruck, dass die Architekten heute in einer eigenen Blase leben, welche mit dem empfinden normaler Menschen nichts mehr zu tun hat.
    Die Architekten scheinen in einem Hamsterrad zu laufen und sich und ihren Kollegen etwas zu beweisen zu müssen.
    Absolut verboten sind offenbar: Wärme, menschliche Dimensionen, Individualität und Verspieltheit.

  3. CScherrer, 09.04.2020, 08:03 Uhr

    Architekten ausser Rand und Band. Nichts begriffen. Potthässliche Klötze, welche sowas von austauschbar sind. Gucken die Architekten einander ab? Sehr schlechte und enttäuschende Arbeiten.

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