Diese fünf architektonischen Bijous aus Zug sind nicht mehr schützenswert
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Das Haus Letzi 1 in Zug wurde im Kern 1604 oder kurz danach errichtet. (Bild: mam)

Ein Jahr nach der Abstimmung Diese fünf architektonischen Bijous aus Zug sind nicht mehr schützenswert

3 min Lesezeit 1 Kommentar 26.11.2020, 05:00 Uhr

Die Zugerinnen haben vor einem Jahr an der Urne entschieden, den Denkmalschutz zu lockern. Infolge des neuen Gesetzes wurden einige historische Bauten vom Denkmalschutzinventar ausgeschlossen. Wir zeigen dir fünf Beispiele.

Ziemlich genau vor einem Jahr stimmte das Zuger Stimmvolk einem «massvollen Denkmalschutz» zu. Der Souverän wollte einen Denkmalschutz, der sich mit privaten Interessen sowie Wachstum und Verdichtung vereinbaren lässt (zentralplus berichtete).

«Seither waren das Amt für Denkmalpflege und die Direktion des Innern, aber auch das Zuger Verwaltungsgericht nicht untätig», schreibt Felix Gysi, der Präsident des Zuger Heimatschutzes, in einem Leserbrief. Und weiter: «Auf Verwaltungsebene wurden in den letzten neun Monaten mindestens 15 Objekte als nicht mehr schützenswert aus dem Inventar entlassen.»

Wir haben fünf markante Beispiele herausgepickt, die inzwischen nicht mehr unter Denkmalschutz stehen.

Salamifabrik in Unterägeri

(Bild: Industriegeschichte-Zug)

Die Salamifabrik in Unterägeri wurde 1893 von Alfred Iten erbaut, wie die «Zuger Nachrichten» in einem Bericht zum 100-Jahr-Jubiläum schreiben. Während 35 Jahren wurden in diesem Gebäude verschiedene Wurstwaren wie Salami oder Mortadella hergestellt. Die «Alte Salami» wie die Fabrik auch genannt wird, diente während des Zweiten Weltkriegs als Unterkunft für Flüchtlinge aus Deutschland. Heute befindet sich in der ehemaligen Salamifabrik eine Ludothek.

Gasthaus Rössli Cham

(Bild: Screenshot Google Maps)

Das Gasthaus Rössli wurde im 18. Jahrhundert gebaut. «Es entspricht dem Typus eines ländlichen, gemauerten Gasthauses mit Charakter und prägt das Bild am Bärenplatz», schreibt der Zuger Heimatschutz.

Bauernhaus Letzi Zug

Das Haus wurde in seinem Kern 1604 oder kurz danach errichtet, wie Holzuntersuchungen belegen. Die Kritiker des neuen Denkmalschutzgesetzes benutzen dieses Gebäude als Beispiel für den Heimatverlust. Doch für die Besitzerin hätte die denkmalgerechte Renovation den finanziellen Ruin bedeutet (zentralplus berichtete).

Trafostation Mittenägeri

(Bild: Screenshot Google Maps)

Die Trafostation steht an der Alten Landstrasse in Mittenägeri. Gebaut wurde sie 1928. Es handelt sich um einen schlichten Turm auf quadratischem Grundriss mit einem Pyramidendach. In einer Trafostation wird die elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz in jene vom Niederspannungsnetzen transformiert, damit der Strom zur allgemeinen Versorgung genutzt werden kann.

Alte Schmiede Hünenberg

(Bild: Blumengalerie Mattmann)

Die Schmiede wurde 1873 von Melchior Luttiger in der Chamerstrasse in Hünenberg erbaut. Vor allem die von der Schreinerei Johann & Jakob Villiger geschnitzten Türen zeichnen das Gebäude aus, wie es bei der Gemeinde auf Anfrage heisst.

Heimatschutz-Präsident Gysi nennt in seinem Leserbrief weitere ehemalige Denkmäler: Darunter ein Gasthaus, diverse Wohn- und Geschäftshäuser, Bauernhäuser oder ein markantes Bürogebäude aus der Nachkriegszeit.

Der Präsident des Zuger Heimatschutzes geht davon aus, dass weitere Gebäude aus dem Inventar der schützenswerten Gebäude verschwinden werden. «Obwohl die Prüfung der Vereinbarkeit des neuen Denkmalschutzgesetzes mit dem übergeordneten Recht vor Bundesgericht noch immer läuft, wird es mit den Entlassungen aus dem Inventar schützenswerter Objekte und mit den Nichtunterschutzstellungen wohl in diesem Tempo weitergehen», bedauert er. «Warum?», fragt sich Gysi. Und gibt gleich selbst Antwort: «Weil wir uns unser Erbe einfach nicht mehr leisten können. Armes Zug.»

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 26.11.2020, 10:58 Uhr

    Konservieren oder profitieren? Diese Frage spaltet das Bürgertum in zwei Fraktionen: Die Wertkonservativen und die Neoliberalen. Die Waage hat sich unter dem Druck der Geldsäcke immer mehr auf die Seite der Zweiteren verschoben, ganz ausgeprägt im Kanton Zug, dem Paradies der Steuerpiraten. Schade um das architektonische Erbe früherer Zeiten! Ich hoffe noch immer, dass das Bundesgericht die forschen ZugerInnen zurechtweisen wird.

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