Diese Beiz geht ab, nicht nur dank Jamie Oliver
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Partner in der Beiz und Partner im Leben: Katharina Käser und Sebastian Rensing im OX'n. (Bild: hae)

Neue Trendbeiz in Schenkon Diese Beiz geht ab, nicht nur dank Jamie Oliver

7 min Lesezeit 26.01.2018, 18:27 Uhr

Schenkon hat seit kurzem eine Vorzeigebeiz: das OX’n. Pate standen das Amrein’s in Sursee, das Cervo in Zermatt und Jamie Oliver in London. Nach knapp vier Monaten Betrieb wird aber auch klar: Die Trendbeiz in der Pampa ist ein Wagnis. Doch sie wird bald aus dem Schatten ihrer grossen Vorbilder heraustreten.

Holz, Metall und Glas wirken von aussen etwas sehr cool für die Luzerner Landschaft. Doch drinnen setzt man im neuen Gebäude auf viel Atmosphäre: dezent das Licht, hoch die Räume, verlockend die Grillgerüche – und die Tische sind gut besetzt. Hier im OX’n in der Schenkoner Pampa will man sich für einen Abend nieder- und vor allem verwöhnen lassen.

Denn man hört nur Gutes: Sascha Ruefer, wortgewandter Fussball-Kommentator von TV SRG und nicht ohne Grund Wahlschenkoner, hat seinen Gastro-Geheimtipp unlängst öffentlich gemacht (zentralplus berichtete).

OX’n-Küchenchef Sebastian Rensing (27), er stammt aus der Region, und Gastgeberin Katharina Käser (28), eine Niederbayerin, sind ob des Lobes aus berufenem Mund fast ein wenig verlegen. Doch sie freuen sich, dass ihre Beiz nach dem Anfangsschub immer noch gut läuft: «Toll, wenn hier Auswärtige neben Ansässigen speisen, sich an der Bar Versicherungsdirektoren und Handwerker nahe kommen.»

Tanzen und reden, trinken und schlemmen: der Eröffnungsabend im OX'n.

Tanzen und reden, trinken und schlemmen: der Eröffnungsabend im OX’n.

(Bild: zvg)

Die Atmosphäre ist locker, die Leute lachen und diskutieren heftig, ohne dass es sehr laut wäre. Im oberen Stock feiert eine Geburtstagsgesellschaft.

Neu mitten im alten Dorfkern

Das Restaurant befindet sich mitten im alten Dorfkern, der sich sehr modern präsentiert: 2013 wurde hier der alte Ochsen abgerissen, nach 103 Jahren traditionsreicher Geschichte. Geschichte schreiben will seit drei Monaten das Paar Rensing/Käser im OX’n, neudeutsch für, klar: Ochsen.

Der Neubau des alten Gasthofes kostete rund 3,5 Millionen Franken. Sieben Investoren aus der Region ermöglichten dem umtriebigen Beizenpaar den Start, das sich in Zermatt kennen lernte.

Ihr Ziel war: gemütliches Ambiente, saubere und aufgeräumte Lokalität und zuvorkommendes junges Personal. Flugs in die Tat umgesetzt. Wer zu Gast ist, lässt sich gerne den Hausdrink – einen Moscow Mule mit Wodka und Ginger Beer – empfehlen. Umso schmucker, wie der anregende coole Drink im bronzenen Emailbecher daherkommt: gülden und lecker. Das hausgemachte Brot und ein nach bestem Heu riechendes erstklassiges Olivenöl verkürzen die Wartezeit. Die noch sehr jungen Beizer scheinen in Sachen Kreation von Wohlfühl-Atmosphäre schon alte Hasen.

Pfannenballett

Obwohl man nur drei jugendliche Köche mit Baseballkappen in der Schauküche in einer Art synchronem Pfannenballett hantieren sieht, läuft der Service für die doch gut 60 Gäste erstaunlich rund: Das Team ist eingespielt, war es doch schon im Luxushotel Cervo in Zermatt unter Chefkoch Rensing mit Messer und Pfanne im Sold. Und arbeitet jetzt für die maximal 130 möglichen Gäste pro Abend Akkord – mit einem Lächeln.

«Es gibt viel zu tun – aber es macht unglaublich Spass!»

Sebastian Rensing, OX’n-Küchenchef

Lächeln fällt auch Sebastian Rensing nicht schwer: Nach fünf Wanderjahren ist der Koch via London und Zermatt wieder in seiner Heimatregion ansässig geworden. «Sebi», wie ihn alle nennen, stammt aus Mauensee, heute wohnt er in Eich, dem Schlafdorf am Sempachersee. Und tatsächlich ist Rensing fast nur zum Schlafen dort, weil er Verantwortung für rund 20 meist Teilzeitangestellte hat. «Es gibt viel zu tun – aber es macht unglaublich Spass!»

Das sieht man ihm abends gegen 23 Uhr auch an. Zwischen Gästeverabschieden und Kücheaufräumen steht Rensing Rede und Antwort. Ein Leuchten huscht dabei immer wieder über sein Gesicht, auch wenn die Augen müde sind.

Würze in der schönen Vielfalt: Die Vorspeisen sind bunt und nahrhaft.

Würze in der schönen Vielfalt: Die Vorspeisen sind bunt und nahrhaft.

(Bild: hae)

Dass dem Team auch das Kochen Spass macht, sieht man auf den Tellern. Zum Beispiel die Vorspeise: Köstlicher Burrata fliesst über Tomaten und Feigen, der Rucolasalat ist mit Mais im Teig konterkariert, der warme Lachs dampft auf dem Avocado-Bett.

«Das ist Sünde!»

Freudenjauchzer am Nebentisch

«Das ist Sünde!», schnappen wir einen Freudenjauchzer am Nebentisch auf, als dort bereits die grossen Fleischhappen auf der Holzplatte serviert werden. Man nimmt sich an unserem Tisch Zurückhaltung beim Appetizer trotz äusserst kreativer Küche vor.

Weisse Amaryllis-Blüten leuchten vom Tresen, das sieht sehr schick aus. Die Gäste verhalten sich äusserst unkompliziert: Am Nebentisch werden die Knochen von Hand gehalten und mit offensichtlichem Genuss abgenagt. «Sharing is caring – Teilen ist Gernhaben» heisst das OX’n-Konzept: Wie beim Chinesen üblich soll man als Tischgemeinschaft alle Gerichte teilen. Der Tisch wird so zur Gemeinschaft, das Dinner zur Tasting-Party.

Das Tierische bekommt seine himmlische Seite

Dasselbe gilt beim Hauptgang. Auf dem Holzbrett lockt die butterzarte rosa Kalbsflanke, sie liegt sanft über der krossen Schweinskotelette – und alles riecht wunderbar nach dem Holzkohlegrill, wo das Tierische seine himmlische Seite abbekommt. Saucen, drei werden gereicht, braucht’s da gar nicht. Der Rauchgoût genügt vollauf.

Gerne lässt das OX’n-Team auch in Vergessenheit geratene Fleischstücke brutzeln: Die Entrecôtes von alten Kühen oder Schulterstücke heissen dann «Old Cow» und «Flat Iron» – jeder Macho-Ironman wird darauf abfahren und sagen: Beef her!

Beilagen gibt’s dazu auch: Es werden Wurzelgemüse, Ratatouille und Süsskartoffelstampf zum Fleisch serviert. Oder die Cervo Fries mit Parmesan und Trüffelöl, in Anlehnung ans Rezept im Zermatter Hotel, wo sich die Hipster im Winter jeweils auf der grossen Terrasse zum Après-Ski treffen.

«Der Gast soll sich bei uns ungezwungen fühlen.»

Katharina Käser, Empfangsdame und Organisatorin

Immer wieder schwenkt der Blick ins hohe Rund, die Lampen beleuchten die freche Architektur. Natürliche Materialien standen beim Hausbau im Zentrum: Stahl, Kupfer, Chrom und Nickel sind für ihren Korrosionsbestand bekannt, sie ergänzen den Holz- und Glasbau prächtig. Es dominiert ein freundlicher Mix von modern und trotzdem heimelig, man ist im OX’n gemütlich aufgehoben. Katharina Käser sagt: «Wir wollen Gastgeber sein, und der Gast soll sich bei uns ungezwungen fühlen.»

Dermassen hip präsentiert sich der OX’n, dass man sich in London wähnt. Kein Wunder, denn der Küchenchef hat dort in einem der 17 Restaurants von Koch-Wunderkind Jamie Oliver (42) gewirkt: im Barbecoa St Paul’s. «Zweimal im Monat tauchte Jamie Oliver in unserem Steakhouse auf – ein trotz allem Erfolg zugänglicher und witziger Chef», erinnert sich Sebastian Rensing gerne.

«Von der Weide», «aus dem Garten»

Rensing hingegen wirbelt jeden Tag in der Küche des OX’n. Mittags gibt er mit seiner Küchenbrigade drei Menüs heraus, eines «von der Weide» und ein vegetarisches «aus dem Garten», dazu einen Viergänger als Business Lunch. Preise: ab 19.50 Franken.

«An der Bar trifft man sich zum coolen Umtrunk, im oberen Stock zur heissen Feier – und im Restaurant zum gemütlichen Essen.»

Währschafte Kost ist angesagt, denn die drei Betreiber – nebst dem Paar Rensing/Käser auch Sebastians Bruder Samuel Rensing, der sich hinter den Kulissen um die Finanzen und die Administration kümmert – wollen keinen Gourmettempel in Schenkon etablieren. Sondern ihr Haus für alle möglichen Zielpublika offen halten: «An der Bar trifft man sich zum coolen Umtrunk, im oberen Stock zur heissen Feier – und im Restaurant zum gemütlichen Essen», sagt Katharina Käser, Empfangsdame und Organisatorin.

Ein Bild wie von Edward Hopper: über dem Essen meditierende Gäste, im Hintergrund die Küche.

Ein Bild wie von Edward Hopper: über dem Essen meditierende Gäste, im Hintergrund die Küche.

(Bild: hae)

In der Küche sind nur frische und nach Möglichkeit regionale Ingredienzien gut genug – und die Weine stammen nur aus Europa. «Wir wollen auch andere am OX’n teilhaben lassen und liessen uns von Freundinnen und Bekannten helfen», erklärt das OX’n-Paar.

So ertüftelten sie mit Samuel Rensing, als Vorstand des Alumni-Weinvereins der Universität St. Gallen ein Weinkenner, das Konzept des einzigartigen sogenannten «Weinkennerpasses»: Jeder fünfte Wein auf der Liste wurde von einem dem Restaurant freundschaftlich verbundenen Kunden bestückt. Gute Zusatz-Idee für die finanziell doch angespannte Situation der Jungunternehmer: Diese Weinkenner leisteten gleich auch noch die Getränke-Vorfinanzierung, eine Art vinifiziertes Crowdfunding.

Clevere Schachzüge, um einen solch grossen Betrieb am Laufen zu erhalten. Denn die zwei wissen, dass in Zürich jeder zweite Gastbetrieb nach drei Jahren wieder aufgeben muss. Obwohl, so viel Konkurrenz wie in der Limmatstadt hat es in der Umgebung des OX’n dann doch nicht. Ein Grund mehr, es in der Heimat von Sebastian Rensing zu wagen anstatt in der reizüberfluteten Stadt.

Zu Gast im Amrein’s in Sursee

Wo geht das Paar denn hin, wenn es auch mal auswärts essen möchte? Ins Amrein’s nach Sursee, dekoriert mit 16 Gault-Millau-Punkten: Dort hat Sebastian Rensing das erste Mal mit Kochtopf und Besteck «geschnuppert». Als 17-Jähriger. Zehn Jahre ist das her.

Rensings OX’n komplementiert das Angebot des Surseer Trendlokals und hält sich im Austausch mit den Amreins. Das hat man im Städtchen bereits zur Kenntnis genommen. Äusserst wohlwollend.

Drei Menüs für drei Geschmäcker: die Mittagskarte im OX'n.

Drei Menüs für drei Geschmäcker: die Mittagskarte im OX’n.

(Bild: hae)

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