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«Die Zunft ist da bis zum letzten Atemzug»
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Zunftnarr Federer vor den Kanonieren   (Bild: Heinz Steimann )

Zunftnarr Peti Federer über die Luzerner Fasnacht «Die Zunft ist da bis zum letzten Atemzug»

12 Min 05.02.2017, 16:40 Uhr

«Fasnacht ist mein Leben» – und man glaubt es: Der Luzerner Peti Federer, Chottlebotzer, Zünftler, LFK-Vorstandsmitglied und dieses Jahr Zunftnarr der Zunft zu Safran. Er erklärt die spezielle Konstellation mit dem diesjährigen «Huerenaff» und warum in der Zunft nur gutbürgerliches Gedankengut erwünscht ist.

Es gibt Dutzende historische Figuren, die an der Luzerner Fasnacht eine Rolle spielen. Die wichtigste ist Bruder Fritschi. Er kündigt am Schmutzigen Donnerstag die Fasnacht an. Die eigentliche Krämer- und Handwerker Zunft «Zunft zu Safran», früher auch Gesellschaft zum Fritschi genannt, hat sich der Pflege dieses Brauchtums verschrieben. Fritschene, Kindsmagd, Pajazzo, Narr und Bauern – die Fritschifamilie ist im Laufe der Zeit gewachsen.

Das wichtige Oberhaupt in diesem Bunde ist der Fritschivater, der Zunftmeister. Er wird anlässlich des sogenannten Bots gewählt und steht während einer Fasnacht der ganzen Zunft vor. Sein offizieller Amtsantritt findet am «Bärteli-Essen» während der Inthronisierung statt. Und an dieser hat auch der Zunftnarr seinen grossen Auftritt, wie der diesjährige Zunftnarr Peti Federer erklärt. Obwohl erst geklärt werden muss, was denn dieser Zunftnarr wieder für eine Rolle spielt.

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zentralplus: Peti Federer, Sie sind dieses Jahr der Zunftnarr der Zunft zu Safran – was bedeutet das?

Peti Federer: Der gewöhnliche Narr ist Bestandteil der Fritschifamilie. Er hat jeweils am Schmutzigen Donnerstag seinen Auftritt und wird von Neuzünftlern dargestellt. Der Zunftnarr, der ich sein darf, ist ein Ehrenamt. Am Abend der Wahl des Fritschivaters darf dieser seinen persönlichen Narren ernennen. Zunftmeister ist Rolf Willimann und es ist wohl kein Zufall, dass er mich bestimmte. Er ist seit 15 Jahren Geschäftsführer des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK) und ich bin seit vier Jahren mit ihm in der Geschäftsleitung als Archivar. In unserer Zusammenarbeit haben wir uns kennen und schätzen gelernt.

Der Zunftmeister Rolf Willimann gemeinsam mit Zunftnarr Peti Federer.

Der Zunftmeister Rolf Willimann gemeinsam mit Zunftnarr Peti Federer.

(Bild: Heinz Steimann)

zentralplus: Was bedeutet Ihnen dieses Amt als angefressener Fasnächtler persönlich?

Federer: Es ist ein riesige Ehre und innerhalb der Zunft ist es hoch angesehen. Es gibt sogar eine Narren-Gewerkschaft, die ich nun als amtierender Narr präsidieren darf.

zentralplus: Und was sind konkret Ihre Aufgaben als Zunftnarr?

Federer: Die grösste Aufgabe ist eigentlich schon hinter mir: das «Bärteli-Essen», wo der Zunftmeister offiziell inthronisiert wird. Dort durfte ich für allgemeine Belustigung sorgen. Am Morgen des Anlasses läuft der Zunftnarr vorneweg und kündigt «brüelend» den neuen Zunftmeister an. Der ganz grosse Job ist dann die eigentliche Aufwartung des Zunftmeisters. Da bot ich eine grössere Produktion. Anschliessend kamen rund 20 Delegationen und überreichten Gratulationswünsche. Als Narr habe ich alles mit träfen Sprüchen kommentiert. Und das alles in Versen. In den letzten Wochen habe ich 17 A4-Seiten gedichtet. Ich habe noch im 4-Zeiler geträumt. Lacht.

«Witze unter der Gürtellinie sind nicht angebracht, den Gürtel zu treffen hingegen schon.»

zentralplus: Einem Narren haftet doch ein Blödel-Image an. Machen Sie viel Seich?

Federer: Natürlich dürfen wir blödeln, es gilt die Narrenfreiheit. Das war auch die grosse Angst des Zeremonienmeisters. Er sagte mir mehrmals, denke an deine Zeit. Da er aber selbst auch mal Narr war, konnte ich ihm den Spiegel hinhalten und sagte: «Lieber Zeremonienmeister, du weisst genau, der Narr kümmert sich einen feuchten Dreck darum.»

Die Kanoniere und links der Zunftnarr mit Konfetti in der Waffe.

Die Kanoniere und links der Zunftnarr mit Konfetti in der Waffe.

(Bild: Heinz Steimann)

zentralplus: Diese Verse – wie sind die vom Stil her?

Federer: Natürlich probiert man mit Sprüchen die Leute zu kitzeln. Es sollte aber nicht ins Lächerliche oder Plumpe abdriften. Witze unter der Gürtellinie sind nicht angebracht, den Gürtel zu treffen hingegen schon.

zentralplus: Ihre Zunft betreibt sehr viel Symbolik oder täuscht der Eindruck?

Federer: Das Verrückte ist, vieles ist gar noch nicht alt. Etwa, dass der Bruder Fritschi über den See auf dem Nauen kommt, gilt als grosse Tradition, fand aber erst 1989 zum ersten Mal statt. Vorher schaute der Bruder Fritschi noch aus dem Rathaus heraus. Aus Sicherheitsgründen musste man aber auf den Kapellplatz ausweichen. Anderes Beispiel: Dass der Fritschi-Umzug drei Mal um den Fritschibrunnen führt, hat man erst vor 25 Jahren eingeführt.

zentralplus: Eine weitere Figur ist der Huerenaff. Dieses Jahr hat Metzgermeister Urs «Doggi» Doggwiler diese Ehre erhalten. Seit 30 Jahren seid ihr beide Chottlebotzer. Etwas Besonderes?

Federer: Das ist einfach eine Top-Geschichte. Uns verbindet so viel, wir haben ja auch mal gemeinsam in der TV-Sendung «Verkehrte Welt» mitgemacht, reisten in das amerikanische Lucerne und waren dort eine Woche als Feuerwehrmänner tätig. Es freut mich natürlich ausserordentlich, dass er nun Huerenaff sein darf.

zentralplus: Was ist seine Aufgabe?

Federer: Der Huerenaff geht auf ein Trinkgefäss zurück. In den 1940er-Jahren war das ein Geschenk eines Zunftmeisters: ein Gefäss mit einem «hurenden», also kauernden Affen darauf. Das hat also nichts mit einer Dirne oder so zu tun. Ein Huerenaff ist im Luzerner Sprachgebrauch einfach ein glatter Cheib. Seit 1988 wird innerhalb der Zunft der Lustige Huerenaff erkoren. Das ist wirklich nur ein Ehrenamt. Am Schmudo-Fritschi-Umzug wird Doggi als Fähnrich die Lustigen Huerenaffen, einer mit Affenmasken verkleideten Gruppe, anführen.

In «Verkehrte Welt» besuchten Peti Federer und Urs Doggwiler Lucerne in Kalifornien.

In «Verkehrte Welt» besuchten Peti Federer und Urs Doggwiler Lucerne in Kalifornien.

(Bild: SRF)

zentralplus: Zünfte haben in gewissen Kreisen ein eher zwiespältiges Image und werden als geschlossene Gruppen, ja fast Geheimbünde bezeichnen. Wie ist das bei der Zunft zu Safran?

Federer: Die historischen Zünfte hatten im Mittelalter wichtige Aufgaben. Man musste als Gewerbler Mitglied in einer Zunft sein, um seinem Handwerk nachgehen zu können. Und die Zünfte waren damals auch die erste Art der Sozialversicherungen. Man verbriefte sich mit zwei Krügen Wein oder einem Pfund Wachs. Falls also damals etwa ein Dachdecker vom Dach stürzte, kümmerte sich die Zunft anschliessend ums Geschäft und Familie. Später war es so, dass die Politik und Wirtschaft stark mit den Zünften verflochten war, mitunter in Luzern, was dazu führte, dass die meisten Zünfte nicht überlebten.

Es gibt nebst der Zunft zu Safran nur noch ganz wenige solche Vereinigungen. In Zürich oder Basel ist dieses Phänomen noch viel ausgeprägter. Bei uns geht es in erster Linie um das Brauchtum und die Liebe zur Tradition. Selbstständig erwerbend muss man schon lange nicht mehr sein. Der Leumund muss stimmen und die Liebe zu Luzern. Wir haben eine tolle Durchmischung.

zentralplus: In den Aufnahmekriterien steht, man müsse über «gutbürgerliches Gedankengut» verfügen. Jeder kann also nicht Mitglied werden.

Federer: Ja, das ist schon so. Man muss aber kein Mitglied einer Partei sein. Man könnte darüber philosophieren, wo bürgerlich beginnt und wo es endet. Ich denke, das ist eine Prägung aus der Geschichte und der Tradition. Vor x Jahrzehnten hat man übrigens immer schön abgewechselt zwischen einem liberalen und einem konservativen Fritschivater. Die politische Bedeutung war damals viel grösser. Als Zunft nehmen wir heute keinen Einfluss, aber dass wir viele Gewerbler in unseren Reihen haben und Mitglieder oder ehemalige Zunftmeister politisch aktiv sind, wird teilweise argwöhnisch betrachtet.

zentralplus: Also funktioniert euer Netzwerk durchaus?

Federer: Gut, da könnte ich auch in den Lions Club oder die Wirtschaftskammer gehen. Oder in die Studentenverbindung, den Fussballclub oder die Guggenmusig. Die Zunft geht wohl noch etwas tiefer, weil man das Leben lang dabeibleibt. Das wird bis ins hohe Alter gepflegt. Die Zunft ist da, selbst wenn man mit den Füssen voran aus der Kirche kommt. Bei unseren rund 450 Mitgliedern haben wir – von den Verstorbenen abgesehen – zwischen null und einem Austritt pro Jahr.

«Die politische Bedeutung ist das eine, die kulturelle aber viel wichtiger.»

zentralplus: «Gutbürgerliches Gedankengut» in der «linken» Stadt – wie lange geht das noch gut?

Federer: Lacht. Öffentlich möchte ich nicht viel dazu sagen. Am traditionellen Zunfthöck Ende August kommen immer Vertreter der Kantonsregierung und des Stadtrates. Und ja, ein Linker kommt vielleicht mit etwas mehr Schweissperlen.

zentralplus: Aber Sie sehen die Akzeptanz der Fasnacht und der Zünfte weiterhin als ungebrochen an?

Federer: Ich glaube schon. Die politische Bedeutung ist das eine, die kulturelle aber viel wichtiger. Man geht also nicht in die Zunft, um zu politisieren. Aber auch nicht die Fasnacht, das ist genauso ein Fehlschluss. Wir sind eine historische Zunft, im Gegensatz zur Wey-Zunft etwa oder vielen Zünften auf dem Land. Das möchte ich keinesfalls werten an dieser Stelle.

zentralplus: Was ist mit den Frauen in den Zünften?

Federer: Schöne Frage, die immer wieder kommt. Bei uns muss man männlichen Geschlechts sein. Die Emanzipation ist noch nicht übergeschwappt. Ohne zu verallgemeinern möchte ich die Haltung meiner doch modernen Frau dazu erwähnen. Sie sagt klar, sie will nicht dabei sein, es soll uns Männern gehören. Ich weiss nicht, ob es mit Frauen funktionieren würde, wahrscheinlich schon. Aber ein wirkliches Thema war es noch nie – einen Input von Frauen-Seite gab’s auch noch nie. Historisch gesehen waren natürlich Frauen in Zünften und zwar genau in dieser Mittelalter-Zeit, wenn der Mann verstorben ist.

zentralplus: Auf dem Land kenne ich viele Zünfte, die auch Zunftmeisterinnen hatten.

Federer: Letztlich soll es doch jede Organisation so handhaben, wie es für sie stimmt. Wenn ich als Frau mir eine Vereinigung suche, dann ist die Zunft zu Safran keine Option. Es gibt auch Spasszünfte, die Frauen beheimaten. Die «Zunft zu Wurst» etwa besteht nur aus Frauen.

«Selber würde ich mich auch als ‹Verkleidoman› bezeichnen.»

zentralplus: Gibt es als Zünftler auch Pflichtstoff? Ich denke, es gibt Prickelnderes als der Besuch einer Altersfasnacht.

Federer: Jetzt muss ich gleich ganz vehement intervenieren. Darauf freue ich mich enorm. Als Neuzünftler war ich dort schon dabei. Die Bescherungsfahrten sind eine grosse Aufgabe der Zünfte, die Fasnacht in die Heime zu bringen. Das ist weit weg von «müssen». Die Menschen dort sind teilweise ans Bett gefesselt und dieser Tag, wenn der Fritschivater mit dem Bruder Fritschi vorbeikommt, bedeutet den Leuten sehr viel. Da wird geflachst und vor allem sehr viel getanzt. Ich mache mich schon darauf gefasst, dass wir stundenlang tanzen werden. Das ist eine Tätigkeit der Zünfte, die nicht an die grosse Glocke gehängt wird, aber wo wir eine grosse soziale Verantwortung wahrnehmen. Der Fritschivater bringt auch immer ein Geschenk mit.

Die Familie des Zunftmeisters Rolf Willimann umrahmt von vielen Gästen.

Die Familie des Zunftmeisters Rolf Willimann umrahmt von vielen Gästen.

(Bild: Heinz Steimann)

zentralplus: Sie gelten als Fasnachts-Urgestein. Wie kam es dazu?

Federer: Wenn ich sage, die Fasnacht ist mein Leben, dann würden mir das meine Bekannten glauben. Das Fasnachts-Virus ist tief in mir drin. Das Schöne ist doch, dass jeder die Fasnacht so leben kann, wie er will. Ich bin seit 29 Jahren bei den Chottlebotzer, heute bin ich Ehren-Tambourmajor. Das Faszinierende an der Guggenmusik ist nebst dem Musizieren die geballte Kreativität und natürlich die Geselligkeit. Wenn wir bei unserem Kaffeewagen auf dem Kapellplatz ein «Zgragge-Teeli» geniessen, dann ist das «meine Fasnacht». Aber auch die Umzüge, die Einzelmasken, die Vorfasnacht, es gibt so viele schöne Dinge, die mich faszinieren. Zusammengefasst ist es ein riesiges Tohuwabohu, zu einem gewissen Mass chaotisch, archaisch, nicht organisiert. Und trotzdem gibt’s Strukturen. Und was immer wieder erstaunt: wie hervorragend dieser Anlass bei dieser grossen Menge an Besuchern funktioniert. Es passiert ja wirklich sehr wenig.

zentralplus: Stichwort Kreativität: Da steigern sich gewisse Fasnächtler richtig in etwas hinein und versuchen sich ständig zu übertrumpfen.

Federer: Auch dort spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, wo die Messlatte liegt. Einer geht in den Estrich und kramt einen alten «Tschoppen» mit einem «Grend» hervor. Und jemand anders investiert Stunden ins Nähen, Kleistern und vieles mehr. Da werden auch Unmengen Geld investiert. Selber würde ich mich auch als «Verkleidoman» bezeichnen, die Sujets sind mir sehr wichtig.

zentralplus: Ein «Grend» ist ein alter Fasnachtsbrauch. Ebenso das Intrigieren, wenn man in der Beiz mit fremden Menschen das Kalb macht. Dieser geht allerdings zunehmend verloren. Empfinden Sie das als Verlust oder ist es einfach der Lauf der Zeit?  

Federer: Persönlich finde ich es natürlich schade. Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass es immer weniger Fasnachtsbeizen gibt. Es hat aber auch damit zu tun, dass die Figuren, die Koryphäen mit den Einzelmasken, langsam aussterben. Ich bedauere das enorm, denn ich finde es total schön. Unsere Fasnacht ist eine junge Sache und noch immer im stetigen Wandel. Nicht alles wurde schlechter, aber der Verlust des Intrigierens ist schade. Es gibt Dörfer, die das gezielt pflegen. Ich habe mir in den letzten Jahren auch immer mal wieder in Basel einen Schnitzelbank-Abend reingezogen.

zentralplus: Wie sieht die Fasnacht in 30 Jahren aus? Eine grosse Techno-Meile an der Bahnhofstrasse?

Federer: Ich bin überzeugt, dieser Trend wird sich legen. An vielen Plätzen haben sich Interessengruppen gebildet und schauen für eine bessere Organisation. Der letzte Stein, der fehlte, war die IG Bahnhofstrasse.

«Ein Fasnächtler ‹ölet› gern, damit der Töff rundläuft.»

zentralplus: Es gibt Leute, die mit der Fasnacht nichts anfangen können. Was sagen Sie zu denen?

Federer: Jemand geht halt lieber Ski fahren oder jassen. Man findet die Fasnacht gut oder nicht. Gottlob gibt es noch solche, die über diese Tage arbeiten. Soll doch jeder das machen, was er will. Hauptsache, ich kann die Fasnacht so lange betreiben, wie ich will.

zentralplus: Wie viele Kafischnaps trinken Sie zwischen Schmudo und Aschermittwoch?

Federer: Soll ich in Dutzend antworten? Selbstverständlich ist es so, dass das eine oder andere «Teeli» fällig ist. Gerade wenn ich mit den Chottlebotzer unterwegs bin, relativiert sich das allerdings ständig. Nach einem Auftritt oder einem Umzug hat man das Gefühl, wieder topfit zu sein. Die Musigen schauen aber auch zueinander. Und trotzdem muss man gar nicht abstreiten, dass mal jemand den Kopf anschlägt. Bei mir ist es auch etwas eine Altersfrage. Überlegt. Obwohl: Man wird älter, aber nicht zwingend vernünftiger. Bei den wirklich aktiven Fasnächtlern wird es aber nicht exzessiv. Bei Jüngeren ist es leider manchmal der Fall. Aber allgemein: Ein Fasnächtler «ölet» gern, damit der Töff rundläuft. Und ich sage immer, wir können auch mit Alkohol lustig sein.

Zur Person

Peti Federer ist 47 Jahre alt, verheiratet, und hat zwei Mädchen (11 und 15 Jahre alt). Seine Frau sei seit 20 Jahren bei den Chottlebotzern aktiv und teile seine Leidenschaft, sagt er. Beruflich ist er seit 2008 selbstständig bei Federer Training und macht Führungs- und Verkaufstrainings sowie Teambildung und Coachings.

zentralplus: Welches ist die beste Guggenmusig in Luzern?

Federer: Ich bin ich ein absoluter Gegner eines Rankings und auch stolz darauf, dass ich in der Geschäftsleitung des Luzerner Fasnachtskomitees erreichen konnte, dass die Umzugsprämierung abgeschafft wird. Ein angefressener Fasnächtler braucht keine Rangliste. Ich gebe zu, wir Chottlebotzler erreichten schon erste Ränge und freuten uns, aber grundsätzlich ist es ein Blödsinn. Vergleichen ist zwar menschlich, aber unter den wirklichen Fasnächtlern gibt es keinen Konkurrenzkampf. Ich kenne sehr viele aus zig Vereinen, Formationen, man schätzt einander und hat Freude, wenn jemand etwas Schönes und Originelles gemacht hat.

zentralplus: Sie sind während der Fasnacht ein gefragter Mann und amten etwa beim Regional-TV als Experte.

Federer: Genau, beim Fritschi-Umzug und dem Monsterkorso bin ich nun zum sechsten Mal dabei. Dass ich dort als Zunftnarr erscheine, wissen die wohl noch gar nicht. Lacht. Aber ich werde mit grosser Freude im Narrenkostüm im Kommentatorenkabinchen sitzen. Mein Ziel ist es, zu jeder Fasnachtsgruppe irgendeine spezielle Geschichte, einen Insider, auf Lager zu haben.

zentralplus: Woher kommt Ihr grosses Fasnachtswissen?

Federer: Die Fasnacht interessiert mich einfach enorm. Ich lese viele Bücher, obwohl es genau gesagt kaum Literatur über die Luzerner Fasnacht gibt. In den letzten Jahren und Jahrzehnten gibt es noch ein paar Urgesteine, einen Silvio Panizza oder Lorenz Fischer, der seit 60 bis 65 Jahren Fasnacht machte. Wenn ich so jemandem zuhöre, bin ich so etwas von fasziniert. Genauso wenn jemand von seinem Vater erzählt, und was «die damals noch gscheret» haben.

zentralplus: Glauben Sie, diese Geschichte der Fasnacht wird einmal aufgezeichnet?

Federer: Wahrscheinlich wird das noch meine Lebensaufgabe. Lacht. Die letzten Jahre war ich Archivar im LFK und auch da ist mir aufgefallen, wie wenig die Fasnacht dokumentiert ist. Wir reden hier von einem riesigen Kulturgut, aber einem halben Dutzend Bücher darüber. So träume ich von einer Art «Hard Rock Cafe» in Luzern, aber alles mit fasnächtlichen Utensilien und Geschichten – sozusagen ein wandelndes Fasnachtsmuseum.

Weitere Schnappschüsse des Zunftnarren sehen Sie in unserer Bildergalerie:

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