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Die Zuger Stapi-Kandidaten malen sich ihre Stadt schön
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Die beiden Stadträte Vroni Straub und Karl Kobelt malen sich ihre Stadt rosa. (Bild: Montage wia)

Das etwas andere Interview zur baldigen Wahl Die Zuger Stapi-Kandidaten malen sich ihre Stadt schön

7 min Lesezeit 24.11.2018, 05:12 Uhr

In eineinhalb Wochen wird entschieden, wer die Stadt Zug künftig regieren wird. Die beiden Kandidaten kennt man mittlerweile zur Genüge, weshalb wir die beiden Stadträte mal so richtig aus der Reserve locken wollen. Ein schonungsloser Kampf zwischen Geografie-Quiz, Werbung fürs Gegenüber und dem regen Einsatz pinker Farbstifte entbrannte.

Wofür steht Ihre Politik? Langweilig. Warum sind Sie fürs Stadtpräsidenten-Amt besonders geeignet? Alles schon hundertmal gehört. Aus diesem Grund hat zentralplus die beiden übriggebliebenen Kandidaten Vroni Straub-Müller (CSP) und Karl Kobelt (FDP) zu einem eher unorthodoxen Interview eingeladen. Die Fragen knallhart, die Zeit begrenzt.

Wer mit der Beantwortung der Fragen beginnt, wird erwürfelt. Kobelt beginnt.

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zentralplus: Karl Kobelt, wir sitzen im Stadthaus am Kolinplatz. Wo befindet sich die nächstgelegene Gemeindegrenze von hier aus, wie weit ist das, und wie lange braucht man zu Fuss dorthin?

Karl Kobelt: Schweigt. Denkt nach. Und sagt dann vorsichtig: Ich denke gerade an die Stadtgrenze nach Baar. Gleich dort, wo die Baarer- zur Zugerstrasse wird, etwa bei der Coop-Tankstelle. Ich würde sagen, das sind 1,5 Kilometer, zu Fuss etwa 20 Minuten.

Gar nicht mal so schlecht. Nur hat sich Kobelt leicht in der Richtung vertan. Die richtige Antwort wäre gewesen: Arbach. Genauer gesagt die Rütihofstrasse, die genau 1,5 Kilometer Luftlinie vom Kolinplatz entfernt liegt. Zu Fuss braucht man dafür 23 Minuten.

zentralplus: Vroni Straub, das Gegenteil will ich von Ihnen wissen. Wo liegt die weitestentfernte Grenze der Gemeinde?

Vroni Straub: Sie denkt laut nach. Da wäre die Grenze zu Cham… Richtung Rotkreuz. Oder vielleicht doch den Berg rauf? Unterägeri vielleicht? Oder Menzingen? Ja, ich sage, die Grenze zu Menzingen.

Nun ja. Das ist ziemlich falsch. Gen Berg stimmt zwar, jedoch in eine andere Richtung. (Abgesehen davon, dass die Gemeinde Zug nicht direkt an Menzingen grenzt.) Die richtige Antwort ist zugleich eine fiese: das Zuger Alpli. Eine Enklave, eingekesselt von den Gemeinden Walchwil und Unterägeri sowie dem Kanton Schwyz. Luftlinie vom Kolinplatz: 9,25 Kilometer. Zu Fuss braucht man laut Google Maps knapp drei Stunden.

«Ich bin überzeugt, dass wir alle eine Prise Humor brauchen können im Leben.»

Karl Kobelt, Kandidat fürs Stadtpräsidialamt

zentralplus: Wir sind knallhart eingestiegen. Darum versuchen wir es mit einer vermeintlich leichteren Frage. Karl Kobelt, an welchem Stadtzuger oder welcher Stadtzugerin dürften sich die Zuger ein Beispiel nehmen?

Karl Kobelt: Ich würde sagen, an Greth Schell. Vroni Straub nickt eifrig, auch sie hat offenbar gerade an die Zuger Fasnachtslegende gedacht. Die Greth Schell musste im wahrsten Sinn des Wortes viel auf sich nehmen und hat grosse Lasten getragen. Ausserdem ist es eine humorvolle Geschichte und ich bin überzeugt, dass wir alle eine Prise Humor brauchen können im Leben.

Anm. der Red. Laut der Legende musste Margarethe Schell allabendlich ihren Gemahl in den Beizen ausfindig machen und hat den angetrunkenen Gespons jeweils in einer sogenannten Chärtze auf dem Rücken nach Hause geschleppt.

zentralplus: Die gleiche Frage geht an Sie, Vroni Straub:

Straub: Nun. Wenn nicht Greth Schell, dann nehme ich Peter Kolin, der erste Ammann der Stadt Zug. Er hat für Zug und auch für unser Wappen gekämpft, und ich glaube, genau das braucht es. Leute, die sich für diese Stadt einsetzen.

zentralplus: Karl Kobelt, in der Badi Seeliken steht eine Skulptur. Wer hat sie geschaffen, und wie heisst sie?

Kobelt: Der Künstler ist Henry Moore. Doch wie die Skulptur heisst, weiss ich nicht. Das Werk heisst Knife Edge Figure.

zentralplus: Auch für Sie, Frau Straub, gibt’s eine Kunstfrage. Zum Gedenken an die Vorstadtkatastrophe wurde 1995 ein Kunstwerk eingeweiht im Rigipark. Wer hat es gemacht und wie heisst das Werk?

Straub: Im Rigipark? Ich habe keine Ahnung. Auch diese Frage ist etwas gemein, denn, es handelt sich um ein sehr flaches, sehr unauffälliges Werk, das eher wie das Dach eines Wasserreservoirs anmutet. Das Monument heisst «Mémoire d’une strate» und stammt von Carmen Perrin.

So sieht es aus, das eher unbekannte Monument.

So sieht es aus, das eher unbekannte Monument.

(Bild: Wikipedia)

zentralplus: Vielleicht wird es nun einfacher. Die nächsten beiden Fragen beziehen sich auf Ihre berufliche Herkunft. Zuerst an Sie, Herr Kobelt, als Historiker. Welches ist die älteste Stadtzuger Zunft, die es noch heute gibt?

Kobelt: Überlegt kurz. Da muss ich völlig ins Blaue raten. Ich glaube, die Fischerzunft ist es nicht, daher sage ich die Bäckerszunft. 

Das ist falsch. es ist die Schneider-, Tuchscherer- und Gewerbeleute-Zunft, die 1408 gegründet wurde.

zentralplus: Vroni Straub, nun an Sie als ehemalige Hebamme. Wo genau in Zug wurde die aktuelle Bundesrätin Simonetta Sommaruga geboren?

Straub: Ich wusste zwar, dass Simonetta Sommaruga Wurzeln in Zug hat, doch dass sie hier geboren wurde, war mir nicht bekannt.

Offenbar kam Sommaruga im Marienheim neben der Badi Seeliken auf die Welt.

Kobelt hat die Nase vorne – noch…

Zugegeben, die Fragen waren schwierig. Der Zwischenstand: Karl Kobelt hat sich mit der halbwegs richtigen Distanz zur Grenze einen halben Punkt gesichert, einen ganzen zudem mit Greth Schell und einen weiteren halben Punkt mit Henry Moore. Sind 2 Punkte. Vroni Straub, die sich souverän den Peter Kolin auswählte, gönnen wir für die Antwort eineinhalb Punkte. – Als mögliche künftige Stadtpräsidentin auf den ersten Stadtzuger Ammann zu verweisen, finden wir geschickt! Darum 1,5 Punkte.

«Stopp! Zugerbergstrasse, Zeno, Zugertor.»

Vroni Straub bringt Karl Kobelt im Geografiespiel ins Schwitzen

Nun müssen die beiden Stadträte schnell sein. Denn auch vif reagieren gehört zum Regieren dazu. Wir legen den Kandidaten kurzerhand ein Geografiespiel vor die Nase. Die drei stadtbezogenen Kategorien: Strasse, bekannte Persönlichkeit, Beiz. Wir werfen einen Buchstaben – ein Z – in die Runde. Wer alle drei Felder mit dem gleichen Anfangsbuchstaben zuerst ausgefüllt hat, gewinnt die Runde.

Der erste Buchstabe, oh Wunder, ein Z:

Vroni Straub beginnt wie wild zu Schreiben, während Karl Kobelt von einer Blockade heimgesucht wird. Es dauert nicht lang, und Straub ruft Stopp! Zugerbergstrasse, Zeno, Zugertor. Nun gut. Wer Zeno ist, weiss offenbar nur Vroni Straub allein. Wir drücken jedoch ein Auge zu. Runde zwei.

Der Buchstabe: G. Los. Erneut beginnt Vroni Straub eifrig zu schreiben. Ihr auf den Fersen ist nun jedoch Kobelt. Doch – was ist sie schnell! – ruft die Stadträtin bald Stopp. Grienbachstrasse, Gregor Bruhin, Guggital. Tadellos. Immerhin, Kobelt hat bereits die General-Guisan-Strasse sowie den Gusti Villiger notiert – einer Persönlichkeit aus der Kulturszene.

Wie uns Vroni Straub später verrät, hat sie naturgemäss einen Vorsprung, spielt sie das Geografiespiel doch rege mit ihrer Familie in den Skiferien. Item. Der Fall ist klar: Vroni Straub 2, Karl Kobelt 0. Ergibt einen Zwischenstand von 3,5 Punkten (Straub) zu 2 (Kobelt).

Grossmut ist nun gefragt

Als Stadtpräsident oder Stadtpräsidentin muss man sich jedoch nicht nur in der Stadt auskennen. Man muss sich auch in andere Leute hineinfühlen können und andere Meinungen vertreten. Darum stellen wir die beiden Kandidierenden kurzerhand ins Rampenlicht. Sie dürfen Werbung machen. Doch nicht für sich selber, sondern für ihr Gegenüber.

zentralplus: Karl Kobelt, warum wäre Vroni Straub eine gute Stadtpräsidentin?

Vroni Straub freut sich über die durchaus wohlwollenden Worte. Fast fragt man sich, ob der Wahlkampf nicht immer so ablaufen sollte. Wobei das auch ziemlich in die Hosen gehen kann, wenn sich die Kontrahenten nicht mögen. Was hier offenbar aber nicht der Fall ist, wie auch die kommende Antwort zeigt.

zentralplus: Vroni Straub, warum wäre Karl Kobelt ein guter Stadtpräsident?

 

Nicht nur die beiden Anwärter fürs Präsidialamt sind gerührt von den wohlwollenden Worten, welche die beiden Räte füreinander übrig haben. Und das eine Woche vor dem grossen Wahl-Showdown. Auch zentralplus ist positiv überrascht. Wir verteilen den Kontrahenten je 4 saftige Punkte.

Der Zwischenstand: Vroni Straub 7,5 Punkte, Karl Kobelt 6 Punkte.

Bitte malen Sie sich Zug schön

Last but not least dürfen sich unsere beiden Stapi-Anwärter in Kreativität üben. Jeder Stadtrat erhält einen rosa Farbstift, jeder malt sich seine Stadt Zug rosa. Wir wollen nämlich wissen: Wo in der Stadt Zug gibt’s noch Verbesserungspotenzial? Wo dürfte die Realität einen rosa Farbstich vertragen? Beide legen los. Nach zwei Minuten ist Schluss.

Karl Kobelt zeigt sein Werk:

 

Karl Kobelt plädiert mit seinem Werk für Vielfalt in der Stadt Zug.

Karl Kobelt plädiert mit seinem Werk für Vielfalt in der Stadt Zug.

(Bild: wia)

Und er sagt dazu: «Ich wünsche mir eine Stadt, die gekennzeichnet ist von Vielfalt und durch Zufriedenheit. Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Wirtschaft und im Gewerbe …» Und weiter:

Nun zeigt Vroni Straub ihre Zeichnung:

Vroni Straubs Werk: Sie wünscht sich für die Stadt Zug mehr Freiraum.

Vroni Straubs Werk: Sie wünscht sich für die Stadt Zug mehr Freiraum.

(Bild: wia)

Straub erklärt zu ihrem Bild Folgendes:

 

Eine schwierige Entscheidung. Während Vroni Straub etwas konkreter argumentiert, äussert sich Karl Kobelt sehr allgemein, betont in seinem Wunsch jedoch auch das Gute, das die Stadt Zug bereits bietet. Wir verleihen Vroni Straub für ihren Vorschlag nach mehr Freiraum 2 Punkte. Karl Kobelt erhält von uns 2,5 Punkte. Warum? Wer unter Druck und innert weniger Minuten auf seinem Papier Bäume, See, Strassen, grosse, kleine und lachende Menschen malt, dem gebührt dieser Bonus.

Der Schlussstand: Straub hat 9,5, Kobelt 8,5 Punkte eingeheimst. Die Stadträtin gewinnt das Battle also knapp.

Ob dieses Resultat auch das Wahlverhalten der Stadtzuger Bevölkerung widerspiegelt, bleibt offen. Jedenfalls bis zum 2. Dezember, wenn sich entscheidet, ob die Stadt künftig von einer CSP-Frau oder einem FDP-Mann regiert wird.

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