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Die Zuger, ein Volk von Kiffern?
  • Gesellschaft
Eine Statistik von «Sucht Schweiz» zeigt auf: In Zug werden aussergewöhnlich viele Bussen wegen Cannabiskonsums verteilt. (Bild: Montage wia )

Eine Statistik von Sucht Schweiz lässt aufhorchen Die Zuger, ein Volk von Kiffern?

2 min Lesezeit 15.02.2018, 19:08 Uhr

Sucht Schweiz macht bekannt, dass die Zuger im schweizweiten Durchschnitt am häufigsten wegen Cannabiskonsum gebüsst werden. Und zwar mit Abstand. Was ist der Grund? Wohnen in Zug etwa besonders viele Kiffer?

Ein Artikel des «Tages Anzeigers» vom Mittwoch über Sucht in der Schweiz weist Erstaunliches auf. Gemäss einer abgebildeten Statistik der Organisation Sucht Schweiz stellt die Polizei in Zug nämlich mehr als doppelt so viele Bussen für den Konsum von Cannabis aus, als der Durchschnitt der Schweizer Kantone.

Vergleicht man Zug mit dem Kanton Basel-Land, ist der Unterschied drastisch. Zug verteilt, aufgerechnet auf 100’000 Einwohner, 50 Mal mehr Ordnungsbussen wegen Kiffen. So waren es im Kanton Zug 2015 etwas mehr als 500 Bussen, im Kanton Basel-Land hingegen nur etwa 20. Der Schweizer Schnitt liegt bei etwa 230 Bussen.

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Die Statistik von Sucht Schweiz weist Interessantes auf: Im Kanton Zug werden klar am meisten Bussen wegen Cannabiskonsum verteilt.

Die Statistik von Sucht Schweiz weist Interessantes auf: Im Kanton Zug werden klar am meisten Bussen wegen Cannabiskonsum verteilt.

(Bild: Sucht Schweiz)

Wie kommt das? Sind die Zuger Polizisten einfach rigoros? Oder sind die Zuger allesamt leidenschaftliche Kiffer? Wir haben bei der Zuger Polizei nachgefragt.

Jeder Kanton setze andere Schwerpunkte

Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Polizei, erklärt: «Die Frage, warum im Kanton Zug die Anzahl der Bussen so hoch ist, können wir nicht abschliessend beantworten. Gemäss unserer Statistik wurden 2016 rund 665 Ordnungsbussen wegen Cannabiskonsum ausgestellt. Die Zahlen der anderen Kantone kennen wir nicht.»

«Stellen die Einsatzkräfte im Rahmen ihrer Patrouillentätigkeit Widerhandlungen fest, wenden sie das Gesetz konsequent an.»

Judith Aklin, Mediensprecherin Zuger Polizei

Jeder Kanton setze bei der Kriminalitätsbekämpfung andere Schwerpunkte – dies könne laut Aklin mitunter ein Grund dafür sein, dass die Fallzahlen teilweise weit auseinanderlägen. «Die Zuger Polizei ist im öffentlichen Raum sehr präsent. Stellen die Einsatzkräfte im Rahmen ihrer Patrouillentätigkeit Widerhandlungen fest, wenden sie das Gesetz konsequent an. Auch werde die Polizei hin und wieder telefonisch darüber benachrichtigt, wenn gekifft werde», so die Mediensprecherin weiter.

Wer die Busse nicht akzeptiert, wird angezeigt

Seit dem 1. Oktober 2013 wird der Konsum von Cannabis schweizweit mit Ordnungsbussen abgehandelt, so Aklin. «National- und Ständerat haben Ende September 2012 beschlossen, dass der Cannabiskonsum von Erwachsenen mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft wird. Die entsprechende Revision des Betäubungsmittelgesetzes trat ein Jahr später in Kraft.»

Werde eine Busse wegen Cannabiskonsum nicht akzeptiert, erfolge eine Verzeigung an die Staatsanwaltschaft, welche das ordentliche Strafverfahren einleitet.

Eine Statistik, die es mit Vorsicht zu geniessen gilt

Sven Schendekehl, Mitglied des Vereins Legalize it!, der sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt, hat seine Bedenken, was die Aussagekraft der Statistik von Sucht Schweiz angeht.

«Die Schwierigkeit ist, dass alle 26 Kantone unterschiedlich gegen Cannabisbesitzer und -konsumenten vorgehen dürfen. Die Abweichungen in der Statistik sind daher gross. Bei dieser Grafik sieht man nur die Ordnungsbussen. Sprich: Wie hoch die Zahl der Verzeigungen ist, welche einen grossen Teil der Verfolgung von Übertretungen ausmacht, bleibt unklar.»

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