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Die Zeit von Cold Reading ist gekommen
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  • Rezension
Cold Reading tauften ihre neue Platte in der Luzerner Schüür. (Bild: Kim Schaerer Photography/kimschaerer.ch)

Plattentaufe in der Luzerner Schüür Die Zeit von Cold Reading ist gekommen

3 min Lesezeit 08.03.2020, 12:27 Uhr

Die alternative Rockband Cold Reading zeigte am Samstag in der Schüür endlich das Produkt ihrer zweijährigen Arbeit: das Konzeptalbum «ZYT». Für das Publikum hiess das: ab auf eine Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Der Raum wird dunkel, fünf schwarze Schatten finden sich auf der Bühne ein. Im Hintergrund werden Grafiken an die Wand projiziert und der erste Teil des zehnminütigen Hörspiels ertönt. Die Zuschauer frieren ein und schauen gebannt auf die Bühne.

«…and then he was alone.»

Und mit einem Knall beginnt die Musik. Bass und Schlagzeug bilden den Puls, der von der Gitarre, dem Keyboard und dem Gesang unterstützt wird. Bereits bei den ersten Tönen schwingt die Energie von der Bühne auf das Publikum über. Was wird das Publikum noch erwarten?

Das Publikum taucht in den Sog ein

An diesem Samstagabend zuerst die Gitarrensolos von Pillowism, dann die experimentellere Musik von Ja Ja Dickicht und anschliessend die pulsierenden Beats von Cold Reading, die von der kraftvollen Stimme von Michael Portmann unterstützt, ihre Geschichten erzählen. Das zuerst noch zurückhaltende Wippen mit dem Fuss und dem Kopf verwandelt sich langsam in eine ganzkörperliche Bewegung.

Die Band zieht das breit gemischte Publikum in den Sog ihrer Musik. Alle zusammen tauchen in den verschiedenen Zeiten und die verschiedenen Töne ein.

Ein nicht nur rein musikalisches Konzept

Die Wucht der Musik wird vom Lichtspiel und den projizierten Grafiken unterstützt. Der Effekt, dass die Musiker während des Konzerts von hinten beleuchtet werden, verstärkt den Fokus auf die Musik. Keiner sticht heraus – fünf gleichwertige Silhouetten, die zusammen den Saal von der Schüür mit Tönen und Vibrationen füllen. Die Grafiken im Hintergrund stimmen das Publikum jeweils auf den nächsten Song ein.

Aber was ist eigentlich das Konzept der Luzerner Band? Der Titel der neuen Platte verrät das Hauptthema: Zeit. Gegliedert ist das Album in drei Teile: Past Perfect, Present Tense und Future Continuous. Sie werden von einem zehnminütigen Hörspiel begleitet. Und genauso baute sich der Abend auf.

Drei musikalische Teile, die jeweils als Intro einen Teil des Hörspiels beinhalten und so den nächsten (Zeit-)Abschnitt des Konzertes einleiten. Es handelt von einem Ausgestossenen und wurde als Ergänzung für ihr dreiteiliges Stück «Through the Woods» geschrieben.

Ist «ZYT» zeitlos?

Nach drei Stunden Musik neigt sich die Plattentaufe dem Ende zu. Jedenfalls, wenn es nach den Musikern auf der Bühne geht. Das Publikum aber fordert mehr: Erst nach zwei Zugaben sind alle zufrieden.

Auch wenn die Stücke den einzelnen Zeiten – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gewidmet sind: Der zeitliche Rahmen, um sie zu hören, ist unbegrenzt. Cold Reading schafft, woran viele Bands gescheitert sind: Ein Konzeptalbum zu produzieren und zwar eines, das die Zuhörer in seinen Bann zieht.

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