Die Zahlen stimmen wieder
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Die Chollerhalle wird überregional immer bekannter. (Bild: any)

Chollerhalle Zug Die Zahlen stimmen wieder

5 min Lesezeit 20.06.2013, 07:00 Uhr

Vor rund drei Jahren steckte das Zuger Kulturhaus Chollerhalle tief in der Tinte und musste mit Geldern der öffentlichen Hand gerettet werden. Mittlerweile hat ein neuer Manager die Pleite abgewendet. Aber auch er ist auf dem Boden der Wirklichkeit gelandet.

König Pop regiert in der Chollerhalle. Meistens, jedenfalls. Element of Crime hat gespielt, Marc Sway war eben hier. Arrangiert hat dies der Winterthurer Kulturmanager Andreas Gröber (43), der das Zuger Kulturzentrum seit bald zwei Jahren leitet und mittlerweile eine solide künstlerische Linie etabliert hat.

Dazu musste er erst ausprobieren, welche Veranstaltungen in Zug überhaupt ein Publikum finden. «Schweizer Pop und Rock-Acts laufen sehr gut, auch Funk und Soul», sagt er. So spielten Baby Jail, Bliss, Stress, Plüsch, immer wieder auch Stiller Has oder Züri West in der Halle. Wobei Bewährtes zieht, Experimente eher rar sind. «Je spannender die Musik, desto weniger Leute kommen», erklärt Gröber. «Ich würde gern mehr Jazz veranstalten, aber dazu müssen wir erst mal das Geld einspielen, um eine solche Veranstaltung querzufinanzieren.»

Alternative für Stubenhocker

Örtliche Besonderheiten erschweren ihm das Programmieren: «Aufstrebende Rockbands müssen in Zürich auftreten, und wenn das nicht klappt, gehen sie nach Luzern.» Ein Auftritt in Zug fördere die Bekanntheit wenig.

Ausserdem sei das Zielpublikum wählerisch. «Je älter die Leute werden, desto lieber bleiben sie zu Hause», sagt der Kulturmanager. Die Chollerhalle richtet sich an über 25-Jährige. «Aber die Generation bis 30 fehlt in Zug völlig.»

Gesamthaft fanden im vergangenen Jahr 147 Veranstaltungen statt (gegenüber 92 im Jahr zuvor), davon 56 als Vermietungen. Die Eigenveranstaltungen wurden von 8551 Besuchern frequentiert (gegenüber 6299 im Jahr 2011). Will heissen: Die Besucherzahl ist um 35 Prozent gestiegen. Knapp die Hälfte der Anlässe waren Musik-Konzerte, an zweiter Stelle folgten die Tanzveranstaltungen. 

Die Statistik zeigt zudem, dass das Kulturzentrum überregional immer bekannter wird: Bald die Hälfte der Besucher kommt bei grossen Veranstaltungen nicht aus dem Kanton Zug, ein Viertel nicht mal aus der Zentralschweiz. 

Finanzen liefen aus dem Ruder

Mit seiner Arbeit hat es Andreas Gröber geschafft, Ruhe in die Chollerhalle und in ihr Umfeld zu bringen. Die Zahlen stimmen wieder: 2012 erscheint «eine hellrote Null» in der Rechnung. Damit nimmt langsam eine Entwicklung ihren Abschluss, die 2005 mit dem Umzug von der Spinni-Halle in Baar in einen Neubau im Choller zwischen Zug und Cham ihren Anfang genommen hatte (siehe Box).

Das neue Haus ist um einiges grösser als die alte Spinni-Halle. Der erste Kulturmanager Stefan Widmer, der sich allein um alle künstlerischen und verwalterischen Belange gekümmert hatte, geriet an seine Grenzen. Das Programm im Stil eines Kulturcafés musste angepasst werden, galt es doch nun einen Saal für 1000 Personen zu bespielen. Dennoch färbten sich die Zahlen rot. Die IG Kultur Zug, die damals noch Betreiberin der Chollerhalle war, knabberte ihr Vermögen an, um die Jahresrechnung ausgeglichen zu gestalten.

Flucht nach vorne

Widmers Nachfolger als künstlerischer Leiter, Peter Holdener, suchte sein Heil in einer Art Vorwärtsstrategie. Er verbreiterte das Spektrum des Programms, baute kräftig aus, legte vermehrt Gewicht auf Comedy und Blues-Veranstaltungen, scheiterte aber in kaufmännischer Sicht. Sein anspruchsvolles Programm liess sich durch Eintrittsgelder nicht annähernd finanzieren.

Öffentliche Hand zahlt über 500’000 Franken

2009 steckte der Karren im Dreck – es fehlten über 150‘000 Franken in der Kasse. Das Loch stopfte man später mit ausserordentlichen Beiträgen der Gemeinden Baar und Zug sowie des Kantons und veranstaltete eine Sparübung. Wobei zu sagen ist, dass die Chollerhalle recht üppig unterstützt wird: Bei einer Bilanzsumme von 1,2 Millionen Franken erhält sie von der öffentlichen Hand über 500‘000 Franken, womit die Löhne und ein grosser Teil der Nebenkosten gedeckt sind.

Die unternehmerische Herausforderung besteht darin, mit Kulturveranstaltungen keinen Verlust zu machen und die Halle für Firmenanlässe zu vermieten, um so zu zusätzlichen Geldern für den Kulturbetrieb zu kommen.

Friedliches Nebeneinander

Mittlerweile sind nicht nur die Finanzen wieder im Lot, auch mit den andern Zuger Kulturveranstaltern klappt die Zusammenarbeit mittlerweile gut. Mit der Theater- und Musikgesellschaft (TMGZ), die im Theater Casino Zug Kultur veranstaltet, hatte es in den Anfangsjahren programmatisch Überschneidungen und wohl auch eine leise Rivalität gegeben. «Das ist kein Problem mehr, denn personell hat sich alles stark verändert», sagt Samuel Steinemann, Intendant bei der TMGZ. «Die Absprachen funktionieren sehr gut, wir haben uns sehr schnell verstanden und auf unsere angestammten Tätigkeitsfelder zurückbesonnen.»

Mit dem benachbarten Jugendkulturzentrum Galvanik, das – frisch umgebaut – vergangenes Jahr wieder eröffnet wurde, besteht ein enger Kontakt. «Vom Programm her gibts wenig Gemeinsamkeiten», sagt Gröber, «aber wir tauschen uns aus und leihen uns gegenseitig Stühle und anderes.»

Ende gut, alles gut

Beim der heutigen Trägerschaft, dem Verein Chollerhalle, ist man sehr zufrieden mit der Entwicklung des Kulturhauses. Denn das Programm besteht nicht nur aus Mainstream-Veranstaltungen, sondern auch aus kulturellen Nischenveranstaltungen und experimentellen Beiträgen, viele davon mit regionalem Bezug, wie es auch in einer Leistungsvereinbarung mit den öffentlichen Geldgebern festgehalten ist.

Vereinspräsident Peter David Weber stellt zufrieden fest: «Die Chollerhalle kann ihr zur Eröffnung im Jahr 2005 definiertes Leitbild vollumfänglich erfüllen.» In Zukunft wolle man mehr Mitglieder für den Trägerverein gewinnen und die Zahl der Vermietungen für Privat- oder Firmenanlässe steigern.

Derzeit laufen zudem die Neuverhandlungen der Submissionsvereinbarung – es geht um die Sicherung der Subventionen fürs Kulturhaus. Mit dem Kanton Zug, der mit 230‘000 Franken den grössten Beitrag leistet, haben die Gespräche eben begonnen. Gemäss Stephan Schleiss (SVP), dem Zuger Bildungs- und Kulturdirektor, würden die neusten Zahlen aber noch genau unter die Lupe genommen. Insgesamt sei er aber mit der finanziellen Sanierung des Kulturhauses zufrieden. Die Chollerhalle habe im Spektrum der Kulturveranstalter eine Lücke geschlossen. «Vom Kanton aus sollen sich nämlich die Profile der Zuger Konzertveranstalter ergänzen, damit wir für alle Interessierten unabhängig von Alter oder Musikgeschmack einen ‹Ausgehort› anbieten können.»

Knatsch ist programmiert

Neben dem Kanton unterstützen Baar (65‘000 Franken) und die Stadt Zug die Chollerhalle mit nennenswerten Beiträgen. Und in der Stadt Zug wird wohl auch die nächste Schlacht um Kulturgelder geschlagen werden. Denn seit Ende 2010 ist der Zuger Stadtrat links-grün dominiert, was zur Folge hat, dass das mehrheitlich bürgerliche Stadtparlament oftmals versucht, der Regierung in die Suppe zu spucken.

So hatte es schon kurz nach den letzten Wahlen den vorgeschlagenen Beitrag für die Chollerhalle von 230‘000 Franken um 30‘000 Franken gekürzt. Der symbolischer Akt zeigt: In der Kulturbranche endet der Kampf um Geld und Unterstützung nie, und manchmal gehts dabei nicht mal um Kultur.

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