Die Zahl der Luzerner Kinder, die daheim unterrichtet werden, hat sich verdreifacht
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Immer mehr Luzerner Eltern möchten ihre Kinder zu Hause unterrichten. (Bild: Pixabay)

Mehr Homeschooling-Anfragen wegen Corona Die Zahl der Luzerner Kinder, die daheim unterrichtet werden, hat sich verdreifacht

3 min Lesezeit 04.11.2020, 15:58 Uhr

Der Fernunterricht während des Lockdowns war für viele Eltern eine Zusatzbelastung. Manche sind aber auf den Geschmack gekommen – und wollen ihren Nachwuchs weiterhin selber unterrichten. Ganz so einfach ist das aber nicht.

Während des Lockdowns im März haben die Eltern ihre Kinder daheim unterrichtet, mit ihnen Aufgaben gemacht und den Schulstoff wiederholt. Für manche war es eine Last, für andere eine Bereicherung. In den zwei Monaten darauf gingen jedenfalls beim Luzerner Bildungsdepartement vermehrt telefonische Anfragen zu Privatunterricht ein.

«Eine Mehrheit davon stellte sich vor, dass Privatunterricht analog dem Fernunterricht während des Lockdowns weitergeführt werden könnte», sagt dazu Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. «Privatunterricht bedeutet jedoch, die gesamte Verantwortung für die Bildung der Kinder zu übernehmen ohne die Unterstützung durch die Lehrpersonen der Volksschule, und unterscheidet sich somit wesentlich vom damaligen Fernunterricht», stellt er klar. Insgesamt seien deshalb nur wenige zusätzliche Gesuche gestellt worden.

Die Zahl der Gesuche steigt – der Löwenanteil geht aber zur Schule

Die Zahl der Luzerner Kinder, die daheim unterrichtet werden, nimmt seit Jahren zu. In den letzten fünf Jahren hat sie sich gar verdreifacht.

Die Zahlen der Lernenden mit Privatunterricht in den einzelnen Schuljahren (Stichtag jeweils der 1. September) lauten wie folgt:

Vincent relativiert die Zahlen allerdings: «Obwohl die Anzahl der Lernenden mit Privatunterricht in den vergangenen Jahren markant gestiegen ist, ist die Anzahl im Vergleich zur Gesamtschülerzahl im Kanton Luzern gering.»

Hohe Anforderungen an unterrichtende Eltern

Einer der Gründe dürfte sein, dass die Hürden relativ hoch sind. «Privatunterricht erteilende Eltern müssen eine gleichwertige Ausbildung vorweisen wie Lehrpersonen an den öffentlichen Schulen», erklärt Vincent. Werden eigene Kinder auf Stufe Primarschule unterrichtet, muss der Vater oder die Mutter eine Ausbildung abgeschlossen haben, die einen direkten Zugang zur Universität ermöglicht. Heisst: Sie müssen die eidgenössisch anerkannte Matura oder einen Fachhochschulabschluss haben.

Um auf Stufe der Sekundarschule eigene Kinder unterrichten zu dürfen, braucht es ein entsprechendes Lehrdiplom. «Für eine Bewilligung zur Erteilung von Privatunterricht wird weiter auch die Vertrauenswürdigkeit und die Lehrplankonformität vorausgesetzt», erklärt Vincent. Wer kein Lehrdiplom hat, muss seine «fachdidaktische und methodische Kompetenz» nachweisen. 

Die Ausbildung der Kinder wird den Eltern aber auch dann nicht einfach überlassen. Die unterrichtenden Eltern müssen ein Coaching durch eine erfahrene Primarlehrperson vorweisen können. Auch die Planungsunterlagen werden geprüft. Zudem wird ein Unterrichtsbesuch durchgeführt.

Manchmal stecken negative Schulerfahrungen dahinter

Warum aber haben offenbar immer mehr Eltern das Bedürfnis, ihre Kinder selber zu unterrichten? «Als Hauptgrund für Privatunterricht wird von den Eltern die Übernahme der Verantwortung für die schulische Bildung ihrer Kinder genannt», sagt Charles Vincent. Privatunterricht werde als natürliche Fortsetzung der bereits begonnenen Bildung ihrer Kinder gesehen – und dieser Prozess soll auch im Schulalter von den Eltern unterstützt und begleitet werden.

«Ein weiterer genannter Grund sind negative Erfahrungen in der Schule», räumt der Dienststellenleiter ein. Diese negativen Erfahrungen mit der Schule würden sehr vielfältig beschrieben: Missglückter Schulstart, negative Erfahrungen mit der Lehrperson, zu aufwendige Hausaufgaben oder nicht erfüllte Erwartungen der Eltern an eine begabungsgemässe Förderung.

Manche Kinder würden sich in der Schule zudem nicht wohlfühlen und einem grossen Druck ausgesetzt fühlen. «Als Ziel des Privatunterrichts wird bei negativen Erfahrungen in der Schule häufig angegeben, dass die Lernenden mit Privatunterricht die Freude am Lernen wiederfinden sollen», sagt Vincent.

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