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Die wilden Siebziger der Luzerner Kunstszene
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Die erste Sekunde der «ersten hundert Tage der siebziger Jahre» an Silvester auf Pablo Stählis Armbanduhr. (Bild: zvg )

Ausstellung von Pablo Stähli im Bellpark Kriens Die wilden Siebziger der Luzerner Kunstszene

2 min Lesezeit 23.04.2015, 05:05 Uhr

Luzern war auch in den siebziger Jahren kein Kunstmekka. Ein Galerist hätte es jedoch beinahe dazu gemacht. Pablo Stähli, der heute in Brasilien lebt, stellt seine Kunst im Museum Bellpark aus. Und dabei gewährt er auch private Einblicke.

Er gehörte zu den prägenden Figuren jener freien und experimentierfreudigen Kunstszene, die sich zu Beginn der 70er Jahre in Luzern neu formierte. Und durchaus zeittypisch schlüpfte Pablo Stähli dabei in verschiedene Rollen: Er war Verleger, Fotograf, auch Dokumentarist, um sich später als Galerist zu etablieren. Er arbeitete auch mit Künstlern wie Markus Raetz, Urs Lüthi, Dieter Roth, Luciano Castelli, Fischli/Weiss zusammen, bevor diese international bekannt wurden.

Einblick ins Privatarchiv

Bei dieser vielfältigen Tätigkeit hatte Stähli stets die Kamera dabei und hielt die Ereignisse auf seinen Fotografien fest. So entstand ein Fundus von Bildern mit Künstlerporträts, Ausstellungssituationen, Fotos von Atelierbesuchen und privaten Anlässen. Für das Museum im Bellpark kommen diese Arbeiten wieder zum Vorschein.

Pablo Stähli

Stählis ungewöhnliche Karriere startete 1961 mit einer Buchhändlerlehre in Bern. Über die Mitarbeit bei der legendären Werbeagentur GGK in Basel und der Arbeit für den «Kunstkreis»-Verlag in Luzern gelangte er zur Kunst. 1970 begann er mit kleineren Ausstellungen in sporadisch verfügbaren Räumlichkeiten an der Furrengasse und im Dachgeschoss des Wohnhauses der Stählis am Metzgerrainle in Luzern. 1972 folgte die Eröffnung der Galerie Stähli in eigenen Räumen am Mühlenplatz - der eigentliche Start von Stählis Galerieprojekt.

Seither organisierte er zahlreiche Ausstellungen, gründete mehrere Galerien, Vereine und auch ein Schulprojekt in Brasilien. 2004 schloss er die Firmen in Europa und wanderte nach Brasilien aus, wo er heute lebt.

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Die Ausstellung «Die ersten hundert Tage der siebziger Jahre», die am Samstag in Kriens startet, bietet erstmals die Möglichkeit, einen vertieften Einblick in das Privatarchiv des Galeristen und Verlegers Pablo Stähli zu erhalten.

Die Ausstellung greift damit ein altes Konzept wieder auf. Dieses bestand ursprünglich darin, dass zwischen Pablo Stähli, Balthasar Burkhard und Markus Raetz Nachrichten, Postkarten und witzige Einfälle über eine Zeitspanne von 100 Tagen ausgetauscht und als Werk ausgestellt werden sollten. Eine Arbeit zwischen «Date Painting» und Konzeptkunst über das anbrechende Jahrzehnt; angetrieben durch das sich ändernde Kunstverständnis der Zeit. Es ist damit symptomatisch für den Aufbruch, der Anfang der 70er Jahre auch die Luzerner Kunstszene erfasst hatte. Eine Stadt, die damals und auch heute keine Stadt der Kunstsammler und Galeristen ist. Diese Szene findet noch immer hauptsächlich in Basel und Zürich statt.

Dokumentation einer Aufbruchszeit

Einen Hauptaspekt spielen in der Ausstellung Stählis Fotografien, die ergänzt werden mit Korrespondenz und Dokumenten, Polaroids und Autorenarbeiten der Künstler. Sie vermitteln einen lebendigen Eindruck der Atmosphäre, in der die damaligen Auseinandersetzungen um einen neuen Kunstbegriff stattgefunden haben. Auch in Luzern hatte sich eine Reihe reger Geister zusammengetan, um in diversen Aktionen, Performances und einer konzeptuellen Erweiterung des Kunstbegriffs die Grenzen der etablierten Kunst auszutesten und zu überschreiten.

Zwischen den Mitgliedern dieser Szene bildete sich ein weitgefächerter Austausch und eine witzige Korrespondenz, wie sich an der Ausstellung auch zeige, verprechen die Kuratoren.

Pablo Stähli mit Humordienstmütze, 1969 - Aufnahme mit Selbstauslöser

Pablo Stähli mit Humordienstmütze, 1969 – Aufnahme mit Selbstauslöser

(Bild: zvg)

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