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Die Vision einer modularen Bühne

2 min Lesezeit 05.06.2014, 05:31 Uhr

Obwohl selbst Christof Engelhorn nie persönlich begegnet, erlaube ich mir vorzustellen, was sich der Mäzen mit der 120 Millionen Franken Donation wünschte.

Nach vielen Gesprächen mit dem Intendanten des Lucerne Festivals, Michael Haefliger, entschloss sich Engelhorn 2007 dazu, ein flexibles Musiktheater zu ermöglichen.

Es darf davon ausgegangen werden, dass Engelhorn das demokratische Fundament der Schweiz kannte und es ihm auch bewusst war, dass es für eine Salle Modulable die Zustimmung der Politik und der Bevölkerung benötigt, da ja der weiterführende Betrieb zu Lasten der öffentlichen Hand gefallen wäre.

Wenn jemand ein Projekt mit 120 Millionen Franken unterstützt, dann hat er eine Vision. Und diese Vision war die Einmaligkeit einer modularen Bühne. Würde ein solcher Mensch seine Donation tatsächlich zurückziehen, nur weil auf dieser modularen Bühne ein Sprechtheater aufgeführt würde? Auch wenn es diese 125 Veranstaltungstage, wie die Gegenseite betont, Sprechtheater geben würde? Und überhaupt: Wären dann 100 Sprechtheater erlaubt? Oder nur 99?

2010 hätte Luzern ein weiteres Kulturhaus nicht tragen können. Doch heute ist das Projekt in eine Gesamtplanung integriert, die Salle Modulable bekommt eine eigene Rolle auf dem Spielfeld der Luzerner Kultur. Was hätte sich Herr Engelhorn wohl eher gewünscht: Ein Kulturhaus, welches das Gleichgewicht der Luzerner Kultur in Frage stellt oder ein Gebäude, das sich als Teil einer gemeinsamen Kulturstrategie integriert? Musiktheater und Oper sind in diesem Fall ja nicht ausgeschlossen, also würde sich der Urwunsch von Christof Engelhorn und Michael Haefliger ja erfüllen.

Generell stellt sich die Frage, wie realistisch es ist, einem Kulturhaus vorzuschreiben, welche Inhalte gespielt werden dürfen. Klar, wo Subventionsgelder fliessen, da gilt es Leistungsvereinbarungen zu treffen. Aber gerade die Kultur befindet sich in einem ständigen Wandel und die Häuser sind auf die Freiheit angewiesen, sich auf diese Veränderungen einzustellen. Wie wäre das dann bei einer Salle Modulable? Oper und Musiktheater auf Gedeih und Verderben? Und das soll im Sinne eines Christof Engelhorns sein, der Luzern für die Verwirklichung einer Vision mit 120 Millionen Franken unterstützen wollte? Hauptsache Oper – ob es funktioniert oder nicht? So flexibel die Salle Modulable in ihrem Innern sein soll, so flexibel sollte sie sich doch auch auf einer inhaltlichen Ebene bewegen können.

Das Theater hat in der Salle Modulable bereits Einzug gehalten. Denn was nun in dieser Sache veranstaltet wird, ist nichts anderes. Es wäre zu hoffen, dass der Vorhang dieser Vorstellung baldmöglichst fällt, damit sich Christof Engelhorn in seinem Grab wieder zurück drehen kann.

 

 

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