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«Die Verunsicherung ist bei allen Mitarbeitern gross»
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Kurator Christoph Lichtin im Historischen Museum. (Bild: jwy)

Luzerner Museen droht die Schliessung «Die Verunsicherung ist bei allen Mitarbeitern gross»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 29.06.2017, 10:11 Uhr

Im Natur- und dem Historischen Museum Luzern könnten bald schon die Lichter ausgehen. Dieser Plan der Luzerner Regierung bedeutet unruhige Zeiten für das Personal – rund 65 Personen sind betroffen. Der Leiter der kantonalen Museen nimmt im Interview Stellung. So weit er denn darf.

Die Luzerner Regierung hat diesen Dienstag das Feld für kommende Budgetdebatten abgesteckt. Im Voranschlag 2018 besteht ein Handlungsbedarf von 62 Millionen Franken. 37 Millionen will die Regierung einsparen, die restlichen 25 Millionen sollen auf den Schuldenberg gekippt werden. Falls das Parlament dies jedoch ablehnt, hat die Regierung ein noch drastischeres Sparprogramm ausgearbeitet. Darin enthalten: die Schliessung der öffentlichen Museen, des Historischen und des Naturmuseums Luzern.

Christoph Lichtin, Leiter der kantonalen Museen und Direktor des historischen Museums, hat zentralplus die dringendsten Fragen schriftlich beantwortet. Maulkörbe hat der Kanton betroffenen Angestellten wie Lichtin nicht erteilt – dennoch ist seine Zurückhaltung in den Antworten deutlich spürbar. 

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zentralplus: Wann wurden Sie informiert, dass eine Schliessung des Museums droht?

Christoph Lichtin: Die Information erfolgte am Dienstagabend von unserer Vorgesetzten, der Dienststellen-Leiterin.

zentralplus: Was war Ihr erster Gedanke?

Lichtin: Ich war konsterniert. Ich hatte nicht mit einer solchen Zuspitzung der finanzpolitischen Debatte gerechnet.

«Einen grundsätzlichen Kommentar zur Finanzpolitik gebe ich nicht ab.»

zentralplus: Wie wurde die Massnahme Ihnen gegenüber begründet?

Lichtin: Gleich wie gegenüber der Öffentlichkeit: Falls die Schuldenbremse vom Kantonsrat nicht gelockert wird, gehört die Schliessung der beiden Kantonalen Museen zu einer der Massnahmen, um die finanzielle Schieflage des Kantons aufzufangen.

zentralplus: Waren Sie mit der Kommunikation seitens der Regierung zufrieden?

Lichtin: Diese Frage stellt sich mir nicht.

zentralplus: Was waren dann die ersten Schritte? Wann wurden die Mitarbeiter informiert?

Lichtin: Ich habe unverzüglich meine Kollegin Britta Allgöwer (Anm. d. Red.: Direktorin des Naturmuseums) informiert. Noch am Abend haben wir die Information an die Mitarbeiter vorbereitet und am Mittwoch früh verschickt.

Kurator und Direktor des Historischen Museums Luzern, Christoph Lichtin, in seinem Büro.

Kurator und Direktor des Historischen Museums Luzern, Christoph Lichtin, in seinem Büro.

(Bild: jav)

zentralplus: Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Lichtin: Die Verunsicherung ist bei allen gross. Man kann sich noch gar nicht vorstellen, dass diese Massnahme tatsächlich umgesetzt werden könnte. Einige sind seit Jahren für den Kanton tätig und fürchten jetzt um ihre Stelle.

zentralplus: Wo ortet man die Ursache für die finanziellen Probleme des Kantons?

Lichtin: Das ist in den letzten Monaten genügend erörtert worden. Einen grundsätzlichen Kommentar zur Finanzpolitik gebe ich nicht ab.

zentralplus: Wie viele Personen wären betroffen?

Lichtin: Es wären 45 Personen betroffen, die sich 19 Vollzeit-Stellen teilen. Dazu kommen die Ehrenamtlichen und die zehn Jugendguides, die in der Vermittlung tätig sind. Insgesamt sind rund 65 Personen direkt in die Tätigkeit der beiden Museen involviert.

«Derzeit können wir noch nicht sagen, welche Schritte wir unternehmen werden.»

zentralplus: Was tun Sie jetzt? Welche Möglichkeiten haben Sie?

Lichtin: Wir müssen abwarten, ob der Kantonsrat die Schuldenbremse lockert.

zentralplus: Wie stark dürfen Sie sich als Kantonsangestellte gegen die Schliessung wehren? Wie läuft hier die Absprache mit dem Kanton?

Lichtin: Wir stehen in engem Kontakt mit der zuständigen Dienststellen-Leiterin. Derzeit können wir noch nicht sagen, welche Schritte wir unternehmen werden.

zentralplus: Hat die angedachte Massnahme bereits konkrete Auswirkungen auf den Betrieb?

Lichtin: Die Massnahme wurde diesen Mittwoch öffentlich kommuniziert. Für uns gilt vorläufig der bestehende gesetzliche Auftrag für den Betrieb und die Ziele der beiden Museen. An diesem halten wir fest, bis ein politischer Entscheid die Voraussetzungen ändert. Unsere Aufgabe ist vorläufig weiterhin, spannende Inhalte und Programme zu bieten, das schulden wir den rund 100’000 Besucherinnen und Besuchern, die jährlich unsere Angebote wahrnehmen.

zentralplus: Angenommen, das Museum wird tatsächlich geschlossen – schauen Sie sich bereits nach Alternativen um, wie der Betrieb trotzdem weitergeführt werden?

Lichtin: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es diesbezüglich keine Überlegungen.

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2 Kommentare
  1. Sabine Reichlin, 30.06.2017, 08:57 Uhr

    Sarastro, sie verwechseln – wie so viele – die Stadt und den Kanton… Veloweg ist von der Stadt erstellt, die derzeit finanziell gut dasteht. Mit dem finanziellen Desaster beim Kanton, das zu oben beschriebenen folgen (u.a. mögliche Schliessung Museen) führt hat das nichts zu tun. Es wäre schön wenn Wutbürger sich vor der nächsten Tirade gegen “Planer und Beamte” zuerst informieren würden…

  2. Jörg Willi Dr.med.vet., 29.06.2017, 14:03 Uhr

    Es ist für mich unverständlich, wie auf der einen Seita massiv “gespart” (Dienstleistungen und Bildungsaufträge) und auf der andern bedenken- und hemmungslos Geld verschwendet wird (Veloweg mit teurem Eröffnungsevent, mehrfacher Bundesplatzumbau etc.) Für die Fehler, die unsere gutbezahlten Planer und Beamten begehen, darf einmal mehr das gemeine Volk bezahlen. Da fragt man sich, wozu man eigentlich wählen und abstimmen geht!