Die Universität Luzern krempelt in Sachen Diversity um
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Fordern mehr Gleichberechtigung: Das feministische Hochschulkollektiv der Uni Luzern. (Bild: ash)

Strategie verabschiedet Die Universität Luzern krempelt in Sachen Diversity um

4 min Lesezeit 6 Kommentare 17.08.2021, 05:01 Uhr

Die Universitätsleitung hat eine sogenannte Diversity-Strategie verabschiedet, mit der ein barriere-, belästigungs- und diskriminierungsfreier Ort geschaffen werden soll. Was diese Strategie beinhaltet – und warum vieles noch offen ist.

Sie ist die erste ihrer Art: die Diversity-Strategie der Universität Luzern. Diese formuliert Ziele und Grundprinzipien zum Umgang mit Diversität, Vielfalt und mit der Unterschiedlichkeit von Menschen. Denn die Uni findet: Jeder, der die Uni besucht – sei das als Studentin oder Mitarbeiter – soll einen barriere-, belästigungs- und diskriminierungsfreien Ort finden. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Weltanschauung oder sexueller Orientierung soll jeder «anerkannt und wertgeschätzt» werden.

Die Universitätsleitung hat diese Strategie vor einem Jahr verabschiedet. Darauf aufbauend hat sie dieses Jahr erste Umsetzungsmassnahmen und Empfehlungen beschlossen und eingeleitet. Weitere Massnahmen sind in Prüfung.

Diese Massnahmen stehen zur Debatte

Unter anderem prüft die Uni folgende Massnahmen:

  • das Angebot einer Notfall-Kinderbetreuung
  • beim Beurteilen von Qualifikationen im Zusammenhang mit Berufungen und Einstellungen sollen künftig familiäre Lebensumstände berücksichtigt werden
  • die Option, dass in Formularen, Dokumenten und Umfragen der Uni nicht nur «männlich» oder «weiblich», sondern auch nichtbinäre Geschlechtsidentitäten angekreuzt werden können – wie beispielsweise «divers»
  • Getränkeautomaten durch barrierefreie Anlagen umtauschen, damit sie auch vom Rollstuhl aus benutzt werden können
  • Mitarbeitenden den Zugang zu Informationen zu geben, mit dem Ziel, die Lohnsystemtransparenz zu verbessern
  • die Einführung einer «einheitlich gendergerechten und inklusiven» Schreibweise für die offizielle Kommunikation
  • Informations- und Sensibilisierungsangebote zum Thema sexuelle Belästigung
  • ein Ratgeber zum Thema Elternschaft und Schwangerschaft für Studium und Beruf

Weiter hat sich beispielsweise die Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät dazu verpflichtet, eingeführte Massnahmen, die das Geschlechter-Gleichgewicht bei Lehraufträgen verbessern wollen, systematisch zu überprüfen. Die Rechtswissenschafliche Fakultät erwägt beim Ausschreiben einer Professur, ob die Stelle im Jobsplitting besetzt werden kann.

Setzt die Uni also künftig auf den Genderstern? Und müssen sich daran auch Studierende in ihren Arbeiten halten? Zu den verschiedenen Massnahmen kann die Uni derzeit keine detaillierteren Angaben machen. Vieles sei noch nicht spruchreif, so Mediensprecher Portmann.

Die meisten Massnahmen werden erst noch überprüft

Es scheint, als ob die Uni Schritt für Schritt in Richtung gelebte Inklusion gehen möchte. Mediensprecher Lukas Portmann schreibt, dass man bei Themen wie Chancengleichheit, Gleichstellung sowie Schutz vor Diskriminierung und sexueller Belästigung «schon einiges erreicht habe». «Aber es bleibt noch einiges zu tun, wir wollen diesen Weg beharrlich weitergehen und vermehrt das Augenmerk auch auf das Thema Diversität legen.»

So gut die neuen Massnahmen auch klingen mögen: Die meisten sind erst noch in Prüfung beziehungsweise in Ausarbeitung. Ob sie auch tatsächlich alle umgesetzt werden, wird sich zeigen.

Die neue Diversity-Strategie kommt nicht von ungefähr

Wie er ausführt, gab es keinen konkreten Anlass für die Erarbeitung der Diversity-Strategie. Auch dass diese just 20 Jahre nach der Gründung der Uni oder just ein Jahr nach dem grossen Frauenstreik verabschiedet wurde, sei ein Zufall. «Viel mehr passierte dies im Zuge der Bestrebungen der Universität für mehr Chancengleichheit», sagt Portmann.

«Es gibt Themenfelder, bei denen wir ganz am Anfang stehen. So etwa LGBTQ oder Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Ethnie oder Nationalität.»

Lukas Portmann, Mediensprecher

Die Anfänge gehen ins Jahr 2016 zurück. Damals hat die Uni als Massnahme im Aktionsplan Chancengleichheit die Entwicklung einer Diversity-Strategie aufgenommen. «Trotz des im Leitbild festgehaltenen Bekenntnisses der Universität Luzern zu Diversität, zum aktiven Einsatz für Chancengleichheit und gegen Diskriminierung bleibt noch einiges zu tun auf diesen Gebieten», so Portmann.

Gerade im Bereich LGBTQ und Diskriminierung aufgrund Hautfarbe noch viel zu tun

Das haben Analysen aus den Jahren 2017 und 2020 zu den Geschlechtsverhältnissen gezeigt. Beispielsweise lag der Frauenanteil bei den ordentlichen und ausserordentlichen Professuren im Jahr 2007 gerade einmal bei 28,9 Prozent. 13 Jahre später – im Jahr 2019 – sieht es nicht ausgewogener aus. Im Gegenteil: Da lag der Frauenanteil nämlich bei 25,8 Prozent. Dabei strebt die Universität eine ausgeglichene Geschlechtervertretung gemäss dem Statut seit 2001 an. «Die Zahlen zeigen, dass die Universität Luzern noch weit von diesem Ziel entfernt ist», schreibt die Fachstelle für Chancengleichheit der Uni in einer Broschüre. Konkrete Quoten, um den Frauenanteil bei Professuren zu erhöhen, sucht man in der Diversity-Strategie aber vergebens.

Mit ein Grund, weswegen sich im Frühling 2019 im Hinblick auf den nationalen Frauenstreik Studentinnen und Mitarbeiterinnen zum «feministischen Hochschulkollektiv» zusammentaten. Mit dem Ziel einer «feministischen Perspektive an der Uni». Will heissen: familienfreundliche Rahmenbedingungen, eine geschlechtergerechte Sprache. Eine Uni, «die Geschlechtertypen nicht rekonstruiert, sondern dekonstruiert», schreibt das Kollektiv auf Instagram.

«Es gibt Themenfelder, die bis jetzt kaum überarbeitet wurden und bei denen wir ganz am Anfang stehen», so Mediensprecher Lukas Portmann. «So etwa LGBTQ oder Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Ethnie oder Nationalität.» So war die Uni Luzern lange Zeit eine der wenigen Unis in der Schweiz, die keine Studierendenorganisation für LGBTQ-Studierende hatte. Im September 2018 gründete sich dann die «Queer Unity», welche regelmässig zu einem Stammtisch, einem Spielabend oder Picknick lädt.

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6 Kommentare
  1. Lucommenter, 18.08.2021, 20:24 Uhr

    Es gibt Hochschulen, die machen Schlagzeilen mit akademischen Spitzenleistungen und es gibt andere Hochschulen, die machen Schlagzeilen mit Gendersternchen, Vegi Mensas und nichtbinären Formularen.

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  2. Peter Bitterli, 17.08.2021, 17:39 Uhr

    Ich möchte die schönen Formulierungen, die der Chefredaktor der deutschen „Welt“ heute für die wohlstandsverwahrloste, geschichtsvergessene Generation der „Woken“ in seinem Land findet, niemandem vorenthalten. Sie lässt sich mit doppeltem Recht auf die scheindebattierenden Träumer im Kleinstaat übertragen:
    „Die intellektuellen und kulturellen Eliten haben den Denkhorizont auf die Reichweite ihres Lastenfahrrads reduziert. Ähnliches passiert in den Oberseminaren, Kulturinstitutionen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der eine Art reine Lehre und eine Moral glorifiziert, die nur noch in ein paar rot-grünen „Emiraten“ funktioniert und schon im Rest der Republik nicht mehr.“
    Wow! Danke. Endlich!

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  3. Paul, 17.08.2021, 17:01 Uhr

    Aiaaa! Wenns nichts wichtigers gibt….. dann nur zu…. Macht doch noch quoten von allem und jedem oder jedes und auch jobs für welche die nichts arbeiten wollen… studienplätze für iq benachteiligte …

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  4. Peter Bitterli, 17.08.2021, 15:53 Uhr

    In Afghanistan manifestieren sich reale Probleme. Die „Uni Luzern“ ist zum Fremdschämen. Die Degeneration kann kaum noch weiter fortschreiten. Das dort sich beschäftigende akademische Prekariat ist das letzte seiner Art.

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  5. Rashid Dostum, 17.08.2021, 14:19 Uhr

    Eine feministische und kulturmarxistische Fakultät für die Uni Luzern! Jetzt!
    Dieser millionenteure Wurmfortsatz der Bildungslandschaft kann ohnehin nicht noch tiefer sinken.

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  6. Leo, 17.08.2021, 11:11 Uhr

    Happy happy place! Die Uni würde sich besser gegen ihre befangen und compliancewidrig handelndende Direktoren ins Zeug legen. Da herrscht der eigentliche Nachholbedarf.

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