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«Die Touristen kommen nun mal nicht mit dem Velo nach Luzern»
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Thomas Egli führt das Seehotel Hermitage seit 1990. (Bild: giw)

Mister Hermitage Thomas Egli tritt zurürck «Die Touristen kommen nun mal nicht mit dem Velo nach Luzern»

9 min Lesezeit 16.10.2017, 04:55 Uhr

Obwohl er über 28 Jahre das gleiche Haus führte, ist Thomas Egli das Konzept Stillstand fremd. Seit er 1990 die Direktion das Seehotels Hermitage übernahm, ist kein Stein auf dem anderen geblieben in der Branche. Nun übergibt er die Verantwortung – davor hat er aber noch einiges zu sagen, das die Stadt nicht gerne hören dürfte.

Kaum ein Hotelier in der Stadt Luzern ist so lange im Geschäft wie Thomas Egli. Der Direktor des Seehotels Hermitage leitet den Betrieb mit privilegiertem Seeanstoss im Seeburg Quartier seit bald 28 Jahren. Nun gibt er die operative Leitung auf Anfang nächsten Juni ab. Seit der Neueröffnung 1990 wirkt er im Betrieb, welcher die Luzerner Familie Kopp 1953 kaufte. Im Interview blickt er auf eine Karriere zurück, die geprägt war von einem unglaublichen Wandel der Branche.

zentralplus: Herr Egli, vor zwei Jahren bezeichnete Stadträtin Manuela Jost (GLP) das Hermitage als Juwel nach der Erneuerung von Restaurant und Küche. Haben Sie sich da gedacht: Besser kann es nicht mehr werden, Zeit für den Rücktritt?

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Thomas Egli: Ich glaube nicht. Besser kann man immer werden, das ist das Wesen eines Hotelbetriebs. Einerseits bei der Weiterbildung der Mitarbeiter, andererseits mit der Erneuerung des Hauses und der Angebote.

zentralplus: Die Bezeichnung hat Sie aber schon gefreut?

Egli: Natürlich, jede Auszeichnung und jeder Gästekommentar freut einem natürlich ganz besonders. Wir stehen im Internet ja inzwischen ständig unter Beobachtung. Die neue Zeit ist angebrochen. Man hat die Welt zum Dorf gemacht, jeder kann öffentlich seine Meinung kundtun.

Das Seehotel Hermitage am Rande der Stadt Luzern.

Das Seehotel Hermitage am Rande der Stadt Luzern.

(Bild: zvg)

zentralplus: Haben Sie sich je gewünscht, mal Hotels zu führen?

Egli: Nein, tatsächlich habe ich lange Zeit nicht gewusst, was ich machen soll. Nach dem Gymnasium kam dann die Frage auf. Die Welt der Hotellerie hat mich aber immer fasziniert, darum ging ich in einem Betrieb schnuppern. Da gefiel mir die Abwechslung zwischen Praxis und Theorie, auch später an der Hotelfachschule. Heute hat man ja mehrere Berufe in einem Leben, mit meinem Jahrgang ist das noch etwas anderes.

«Das ist ja keine One-Man-Show hier.»

zentralplus: 28 Jahre im gleichen Betrieb: Wie hat Sie das Hermitage verändert?

Egli: Jeder Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens. Man wird gelassener, man wird ruhiger, man wird weiser. Gewisse Situationen und Herausforderungen wiederholen sich eben. Gerade in der Hotelleriebranche ist es wichtig, nicht zu verwalten, sondern zu gestalten. Es gilt, immer am Ball zu bleiben und den Betrieb weiterzuentwickeln. Das ist ja keine One-Man-Show hier, ohne die 85 Mitarbeiter geht es nicht. Das Team ist also ein wesentlicher Faktor für den Erfolg.

Zur Person

Der 64-jährige Thomas P. Egli absolvierte die Ecole hôtelière de Lausanne. 1979 übernahm er die Position als Director of Sales & Marketing im Hilton Hotel Basel. Nach vier Jahren am Rheinknie wechselte der gebürtige Bieler ins Wallis und übernahm die Vizedirektion im Grand Hotel Zermatterhof. 1986 kam der heute 64-Jährige nach Luzern und führte bis 1989 das «Carlton Tivoli». Seit 1990 ist Egli Direktor im Seehotel Hermitage. Von 2008 bis 2016 war er Verbandsleitungsmitglied bei hotelleriesuisse.

zentralplus: Wird man nicht betriebsblind?

Egli: Man muss offen bleiben für Neues. Eine Quelle meiner Inspiration sind natürlich Reisen. Ich bin viel auf der ganzen Welt gereist. Wenn man als Hotelier unterwegs ist, besucht man Betriebe mit innovativen und neuen Konzepten. Diese Eindrücke nehme ich dann wieder mit nach Hause. Neun Jahre war ich ausserdem im Verband der Hotelliervereinigung. Da ist man wirklich am Puls des Geschehens. Ich habe während dieser Zeit viel über die Probleme, aber auch die Erfolge der Branche erfahren.

zentralplus: Sie publizieren die Unternehmenszahlen nicht – aber wie läuft es – übergeben Sie Ihren Nachfolgern ein gesundes Haus?

Egli: Ich übergebe ein erfolgreiches, gesundes Haus. Mein Nachfolger kann hier etwas Tolles übernehmen.

«Der Markt an gut ausgebildeten Fachkräften ist heute beschränkt und ausgetrocknet.»

zentralplus: Sie stehen in Konkurrenz mit der ganzen Welt. Wie kann man da herausstechen?

Egli: Als einzelnes KMU-Hotel ist man natürlich auf das Standortmarketing von Schweiz Tourismus und Luzern Tourismus angewiesen. Und wenn dann die Gäste nach Luzern kommen, muss man sich positionieren. Da kommt die Lage ins Spiel. Wir sind das einzige Hotel der Stadt mit direktem Seeanstoss. Wir haben das gesamte Hotel so gebaut, dass alle Zimmer, alle Restaurants und Konferenzräume gegen den See und den Pilatus gerichtet sind.

Entscheidend scheint mir ausserdem, dass wir von Beginn weg bei der Digitalisierung dabei waren. Wir haben uns sehr früh mit Online-Buchungsplattformen, Social Media sowie der Digitalisierung des Betriebs auseindandergesetzt. Unsere Marketingaktivitäten bestehen heute zu 50 Prozent aus digitalem Marketing.

Als ich angefangen habe, gingen wir noch auf Verkaufsreisen für unser Hotel, warben bei Firmenbesuchen für das Hermitage und waren an Messen präsent. Das machen wir heute alles nicht mehr, das übernimmt das Internet für uns.

«Portale wie Booking.com sind unsere Partner, nicht der Feind.»

zentralplus: Sie waren neun Jahre engagiert in der Verbandsleitung von hotelleriesuisse und kennen die Tourismusbranche sehr gut. Wie steht denn die Luzerner Hotellandschaft heute da im Vergleich zu früher?

Egli: Die Hotellerie vor 20, 30 Jahren im Vergleich zu heute sind natürlich zwei Paar Schuhe. Vor 32 Jahren führte ich das damalige Hotel Carlton Tivoli, so bin ich nach Luzern gekommen. Das war damals nur während sechs Monaten zwischen Frühling und Herbst offen. Gleiches gilt unter anderem für das Hotel Europe und Royal. Das Geschäft war saisonal beschränkt auf sieben Monate. Heute kann man sagen, dass der Tourismus durchgehend läuft. Etwa auch dank dem KKL.

zentralplus: Wie beurteilen Sie den Zustand der Luzerner Hotellerie?

Egli: Ich weiss nicht, wie viele hundert Millionen Franken in den letzten Jahren investiert wurden. Es sind etliche. Was ich sagen will: Mit wenigen Ausnahmen machen heute alle Hotels in Luzern in der Sternekategorie einen guten Job. Alle haben investiert und bieten ein gutes Produkt an. Anders kann man auch gar nicht überleben.

zentralplus: Gibt es auch Herausforderungen?

Egli: Der Markt an gut ausgebildeten Fachkräften ist heute beschränkt und ausgetrocknet. Wir können das Personal nicht auswählen – im Gegenteil. Und wenn dann eine Fachperson keine guten Rahmenbedingungen vorfindet, dazu gehört längst nicht nur der Lohn, hat man als Arbeitgeber ein massives Problem.

zentralplus: Was bedeutet der Bürgenstock für die Luzerner Hotellandschaft?

Egli: Für die Region ist der Bürgenstock ein Glücksfall. Denn das Resort trägt den Namen der Stadt in die Welt. Davon profitieren die touristische Zentralschweiz, aber auch andere Branchen.

Das Hermitage hat einen direkten Seezugang – ein exklusives Privileg für der Stadt Luzern.

Das Hermitage hat einen direkten Seezugang – ein exklusives Privileg in der Stadt Luzern.

(Bild: giw)

zentralplus: Fürchten Sie die Konkurrenz nicht?

Egli: Der Bürgenstock stellt keine Konkurrenz dar für das Hermitage. Das ist eine 5-Sterne-Deluxe-Anlage, da gibt es ganz andere Möglichkeiten. Damit können wir uns nicht vergleichen. (zentralplus berichtete).

zentralplus: Bisher konnten Online-Buchungsportale Hotelzimmer immer zum günstigsten Preis anbieten. Sie vertraten immer die Haltung, dass die Bestpreisgarantie der Onlinebuchungsportale aufgehoben gehört, nun gibt Ihnen die Politik recht. Was heisst das für Hoteliers?

Egli: Man hat nun diese Preishoheit zurückgewonnen. Das macht die meisten Hotels wieder glücklich. Dennoch sind Portale wie Booking.com unsere Partner, nicht der Feind. Wir bezahlen ihnen eine Kommission, damit diese unseren Betrieb bewerben. Mir ist es ja freigestellt, da mitzumachen oder nicht.

Wie diese Plattformen in Zukunft reagieren, wenn wir Zimmer auf der eigenen Seite günstiger anbieten, weiss ich nicht. Da gibt es theoretisch X Möglichkeiten, um das Hotel abzustrafen. Warum sollen diese Plattformen gratis Werbung machen, wenn die Gäste dann einfach direkt auf der Seite des Hotels buchen? Doch wie das in der Praxis aussieht, wird sich zeigen, da warten wir nun auch noch auf den Umsetzungsvorschlag des Bundesrates.

zentralplus: Ist die Schweizer Hotellerie ohne solche Plattformen überhaupt vorstellbar?

Egli: Über 35 Prozent der Buchungen beim Hermitage finden heute über solche Seiten statt – das ist in der Branche üblich. Das ist ein Drittel des Gesamtumsatzes – ohne geht es nicht.

zentralplus: Jürg Stettler, Direktor am Institut für Tourismuswirtschaft, regt an, eine Vorstellung über die Zukunft von Luzern zu entwickeln. Wie sieht Ihre Vision des Tourismus für Luzern aus?

Egli: Man ist auf dem richtigen Weg. In der Vergangenheit wurde Luzern als Gruppen-Destination betrachtet. Die früheren Verkehrsdirektoren wurden alleine nach der Anzahl der Logiernächte bewertet. Masse war das einzige Kriterium, die Wertschöpfung wurde kaum berücksichtigt. Das hat sich inzwischen geändert, die Qualität spielt vermehrt eine Rolle in Luzern.

«Ich verstehe nicht, wie man beim Inseli 32 Carparkplätze auflösen kann, ohne eine Alternative zur Hand zu haben.»

zentralplus: Was heisst das für die städtische Politik, insbesondere die Carproblematik?

Egli: Die Verkehrsprobleme verursachen ja nicht in erster Linie die Übernachtungsgäste, sondern die Tagestouristen, die mit dem Car in die Innenstadt gefahren werden. Die Hotellerie hat ein Interesse an einem qualitativ hochstehenden Tourismus, während die Uhrenbranche vor allem möglichst viele Tagestouristen nach Luzern locken will. Da muss man versuchen, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen – das ist die Herausforderung des Tourismusverbandes.

zentralplus: Braucht es denn beides – oder müssen Tagestouristen in Zukunft auch hier übernachten? Oder wie sollen diese Gegensätze angegangen werden?

Egli: Schwierig, die Lösung habe ich auch nicht. Es wäre ja illusorisch, den Tagestourismus aus der Stadt zu verbannen. Fest steht: Die Verkehrsproblematik muss angegangen werden. Ich verstehe nicht, wie man beim Inseli 32 Carparkplätze auflösen kann, ohne eine Alternative zur Hand zu haben. Das ist nicht der richtige Weg.

Ich bin beim Komitee Museggparking dabei – das Projekt wäre eine grosse Chance gewesen, um eine Verkehrsberuhigung zu erreichen. Imponiert hat mir auch die Idee einer Metro von Ibach in die Innenstadt. Da könnte man die Tagesgäste nach Ibach fahren mit dem Car.

zentralplus: Die wirtschaftlichen Bedingungen für den Tourismus sind grundsätzlich gut in Luzern, die Anzahl Tagesgäste nimmt stetig zu. Doch im Austausch mit der Politik scheint es Probleme zu geben.

Egli: Wir haben unbestreitbar ein Verkehrsproblem in Luzern, aber Verbote waren noch nie der richtige Weg, es braucht Lösungen. Und man kann diese nicht auf die lange Bank schieben. Etwas anderes bleibt gar nicht übrig, was haben wir in Luzern für eine andere Industrie, die wichtig ist, als den Tourismus. Dessen Stellenwert muss man sich bewusst sein.

Da braucht es eine Offenheit, auch vonseiten der Kreise, die am liebsten gar keine Autos mehr hätten in der Stadt. Die Touristen kommen nun mal nicht mit dem Velo nach Luzern. Wenn wir als Hotel ein Problem haben, warten wir auch nicht zwei Jahre, bis wir eine Lösung haben, sondern gehen das mit Priorität an.

zentralplus: Das touristische Luzern wird vermehrt das Ziel von ausländischen Investoren – behält die Familien-Aktiengesellschaft Hermitage seine Unabhängigkeit?

Egli: Ich kann Ihnen nicht sagen, ob sich die Familie je trennen würde von dem Haus. Sie haben sich grundsätzlich verpflichtet, indem permanent investiert wurde in den vergangenen Jahren.

«Es gibt noch soviel zu tun und zu sehen. Auf diese Freiheiten freue ich mich.»

zentralplus: Dennoch, Gelder kommen zunehmend aus dem Ausland, teilweise auch aus fragwürdigen Quellen.

Egli: Das ist eben die globalisierte Welt. Nicht nur Hotels, generell sind zahlreiche Schweizer Firmen in ausländischen Händen. Ob dies nun eine gesunde Entwicklung ist, werden wir sehen.

zentralplus: Wer tritt nun in Ihre grossen Fussstapfen?

Egli: Das kann ich noch nicht verraten. Wir haben uns für einen jüngeren Hotellier entschieden. Die Stabsübergabe findet im Juni statt. Ich bleibe aber noch im Verwaltungsrat, aber ich werde mich nicht mehr in das operative Geschehen einmischen.

zentralplus: Sie können die Zügel loslassen?

Egli: Ich glaube schon. Aber fragen Sie mich im nächsten Juni nochmals.

zentralplus: Und nun, werden Sie wieder Ihrer Leidenschaft für das Reisen nachgehen oder suchen Sie eine neue berufliche Herausforderung?

Egli: Zuerst gilt es, diese Aufgabe sauber abzuschliessen. Bereits wurde ich für verschiedene Projekte angefragt, da habe ich mich noch nicht entschieden. Sicher will ich etwas mehr geniessen und all das machen, wofür ich in den vergangenen Jahren nicht so Zeit hatte.

Meine Frau und ich planen weniger Fernreisen, sondern möchten in verschiedene europäische Hotspots wie Rom oder Hamburg eintauchen. Also an einem Ort bleiben und von dort Land und Städte erkunden. Es gibt noch soviel zu tun und zu sehen. Auf diese Freiheiten freue ich mich.

zentralplus: Und was machen Sie, wenn Sie eine freie Minute haben?

Egli: Nun, ich habe drei inzwischen erwachsene Kinder und meine Freizeit habe ich immer in die Familie investiert. Wir sind Wasser- und Skisportler, wandern viel, reisen um die Welt.

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