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Die «Taube» wird zum Leben erweckt
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Das Restaurant Taube in der Unter Altstadt: Bald lässt sich hier Tee trinken und wohnen. (Bild: pbu)

News aus der Zuger Gastroszene Die «Taube» wird zum Leben erweckt

5 min Lesezeit 2 Kommentare 02.04.2016, 05:00 Uhr

Totgesagte leben länger: Ein Sprichwort, das durchaus auf das Restaurant Taube zutrifft. Lange war es ruhig um das historische Haus in der Zuger Altstadt. Doch nun wird der Gaststätte neues Leben eingehaucht. Das sorgt nicht nur bei Archäologen für Freudensprünge.

Ein Café? Eine Bäckerei? Oder doch wieder eine Gaststätte? Das ehemalige Restaurant Taube ist in aller Munde – zumindest bei den Zuger Altstadtbewohnern. Seit das Plakat einer lokalen Bauunternehmung im Fenster hängt und deren Geschäftsfahrzeug regelmässig vor dem Gebäude anzutreffen ist, sind die Spekulationen in vollem Gange. Ein Besuch beim städtischen Baudepartement bringt nun Gewissheit: Ins ehemalige «Tübli» wird ein Teehaus einziehen.

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es mittlerweile her. Am 23. März 2013 wurden im Restaurant Taube in der Unter Altstadt die letzten Teller abgewaschen. Die altehrwürdige Stube mit Sicht auf den Zugersee schloss damals seine Tore, weil das Haus einer dringenden Sanierung bedurfte: Die Brandschutzvorschriften waren nicht mehr erfüllt, womit das Restaurant nicht mehr betrieben werden konnte. Und weil sich die Eigentümer uneins darüber waren, wie sie mit der Liegenschaft verfahren wollen, sah sich das damalige Wirtepaar Daniel und Therry Schäfer gezwungen, die «Taube» zu verlassen.

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«Dem Innenumbau steht nichts mehr im Weg.»

André Wicki, Zuger Bauchef

Unten Tee, oben Wohnung

Tempi passati. Denn nun scheint man sich über die zukünftige Nutzung geeinigt zu haben. Das «Tübli» steht kurz vor der Wiederbelebung. Das Umbaugesuch wurde bereits eingereicht und formell geprüft. «Dem Innenumbau steht damit nichts mehr im Weg», sagt André Wicki, Vorsteher des städtischen Baudepartements. Wicki betont, dass er eine Wiederbelebung der «Taube» sehr begrüssen würde. Was allerdings noch anstehe, sei ein entsprechendes Gesuch für eine allfällige Aussenbestuhlung. «Es ist davon auszugehen, dass ein solches Gesuch noch eingereicht werden wird», sagt Wicki. «Das bedarf dann einer erneuten Prüfung.»

Die Rückseite der «Taube». Für eine Aussenbestuhlung braucht's noch eine Bewilligung.

Die Rückseite der «Taube». Für eine Aussenbestuhlung braucht’s noch eine Bewilligung.

(Bild: pbu)

Wie sich dem Baugesuch entnehmen lässt, plant der Liegenschaftsbesitzer im ehemaligen «Tübli» ein Teehaus. Im Obergeschoss sind Wohnungen geplant. Damit entspricht das Vorhaben dem neuen Altstadtreglement, welches am 1. April 2016 in Kraft tritt und das für Erdgeschossräumlichkeiten in der Altstadt «publikumsattraktive Nutzungen» anstrebt (zentralplus berichtete). «Mit einem Teehaus wäre diese Vorgabe erfüllt», bestätigt Bauchef Wicki.

Hand in Hand mit den Archäologen

Markus Mende, der Besitzer der Liegenschaft, möchte sich zum Umbauprojekt nicht äussern. So ist momentan weder klar, wer das Teehaus einst führen wird, noch lässt sich genau sagen, wann die Lokalität erstmals ihre Türen öffnen wird. Über das federführende Architekturbüro CSL mit Sitz in Baar lässt sich jedoch in Erfahrung bringen, wie der aktuelle Stand der Dinge aussieht.

«Wir haben die Untersuchungszeit der Archäologen eingeplant und infolge der wertvollen Funde gerne verlängert.»

Dan Semrad, Architekt

Geschäftsführender Partner Dan Semrad gibt Auskunft: «Die Umbaupläne, die dem aktuellen Baugesuch beiliegen, werden einer neuerlichen Bearbeitung unterzogen, weil wir neue und wichtige Erkenntnisse aus der Untersuchung der Archäologen gewonnen haben und diese in die architektonischen Überlegungen einbinden wollen. Das ist der Grund dafür, dass wir die Pläne momentan nicht publizieren. Zurzeit sind wir damit beschäftigt, das Konzept für die Nutzung des Hauses zu erarbeiten», erklärt der Architekt. Gut zwei bis drei Monate Zeit werde das in Anspruch nehmen. Und mit dem eigentlichen Einrichten der neuen Lokalität und den Wohnungen werde man voraussichtlich nach den Sommerferien beginnen.

Das Prozedere entspricht dem normalen Ablauf. Viele Gebäude in der Zuger Altstadt stehen auf dem Inventar für schützenswerte Gebäude oder sind denkmalgeschützt – so auch die «Taube». Bevor also Handwerker und Innenausbauspezialisten zur Tat schreiten, nehmen sich Kantonsarchäologen und Denkmalschützer des Hauses an. «So ist das Vorgehen bei solchen Häusern», erläutert Armin Thürig vom Zuger Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Architekt Semrad fügt an: «Wir haben die Untersuchungszeit der Archäologen eingeplant und infolge der wertvollen Funde gerne verlängert.»

Bei der Bauuntersuchung habe man nämlich einige erfreuliche Entdeckungen gemacht. «Wir fanden am Gemäuer Spuren, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Damit lässt sich viel über die hiesige Baugeschichte in Erfahrung bringen», freut sich Grabungstechniker und Untersuchungsleiter Thürig und spricht in diesem Zusammenhang von einem zusätzlichen «Mosaikstein» in der Zuger Stadtgeschichte.

«Wir wollen dem Haus seinen Charakter zurückgeben.»

Dan Semrad, Architekt

Neues altes Federkleid

Diese Erkenntnisse sollen denn auch in die Umbauarbeiten einfliessen, konstatiert Architekt Dan Semrad, der als Student selbst viel Zeit im Gebäude verbracht habe: «Es ist ein Herzensprojekt. Wir wollen dem Haus seinen Charakter zurückgeben. Es erzählt eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht. Das werden wir in die Architektur integrieren.» Heisst konkret: Das Ursprungsgemäuer soll mittels Restauration wieder sichtbar werden, die Mauerverkleidungen aus den Achtzigerjahren kommen weg. Mehr möchte Semrad noch nicht verraten.

Am eigentlichen Vorhaben wird dies allerdings nichts ändern. «Es bleibt bei den Wohnungen im Ober- und beim Teehaus im Erdgeschoss», bestätigt Semrad. Die Brandschutzprobleme werden damit hinfällig, weil das Gebäude komplett neu um- und aufgebaut wird.

Viele Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt zwar unbeantwortet. Noch ist unklar, wer die Stube führen und wie das Interior dereinst aussehen wird. Ob das Haus seinen Namen behält, steht ebenfalls in den Sternen. Eines lässt sich jedoch bereits heute mit Gewissheit sagen: Die «Taube» wird schon bald in neuem (Feder-)Gewand erstrahlen – und der Zuger Altstadt ein grosses Stück Geschichte zurückgeben.

Was denken Sie zu den Umbauplänen der «Taube»? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit!

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2 Kommentare
  1. René Freiermuth, 02.04.2016, 08:30 Uhr

    Die meisten Häuser stehen Im Inventar für schutzenswerte Gebäude. Einige wiederum sind denkmalgeschützt. Bei den schützenswerten Häuser kann die Denkmalpflege lediglich Empfehlungen bezüglich Umbauten einfliessen lassen. Die Entscheidung und Bewilligung liegt bei der Stadt. Anders verhält es sich bei denkmalgeschützten Häusern. Hier kann die kantonale Denkmalpflege Auflagen machen und beteiligt sich auch an den Mehrkosten, welche daraus entstehen können.

    1. Philipp Bucher, 02.04.2016, 10:57 Uhr

      Sehr geehrter Herr Freiermuth

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und die Richtigstellung. Der Artikel wurde zwischenzeitlich entsprechend angepasst.

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