Die Tanznacht40 ist der Knaller bei den Partygängern
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Das Dukes während einer Tanznacht40-Veranstaltung: Der Club ist voll und die Stimmung gut. (Bild: Tanznacht40/Amir Muri)

Warum das Zuger Partyvolk immer älter wird Die Tanznacht40 ist der Knaller bei den Partygängern

5 min Lesezeit 14.04.2018, 16:31 Uhr

Schaut man sich bei den Nachtklubs in der Region um, scheinen Ü-Parties zu florieren. Sowohl im Zuger Topas als auch im Dukes in Sihlbrugg ist die Veranstaltungsreihe «Tanznacht40» beheimatet. Es gibt gute Gründe, weshalb deren Betreiber zunehmend auf eine ältere Zielgruppe setzen.

Allzu reich bestückt ist die Region Zug nicht mit Nachtclubs. Doch schaut man sich in den Veranstaltungskalendern um, fällt eines auf: In den meisten Clubs stehen Ü-Partys auf dem Programm. In der «Lounge & Gallery» gibt es zweimal pro Monat die «Zuger ü30 Kultparty» für Feierwütige, die beim Mauerfall schon auf der Welt waren.

Noch zehn Jahre höher ist das Mindestalter bei der von Marcel Giger ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe «Tanznacht40». Diese findet an zahlreichen Standorten, über die Deutschschweiz verteilt, statt. Dazu zählen auch das «Topas» in Zug und das «Dukes» in Sihlbrugg.

Freitags herrscht tote Hose

Letzteres setzt auch ausserhalb der ü40 tendenziell auf ein älteres Publikum, wie Betreiber Markus Huber erklärt. «Wir sind standortbedingt nicht ganz einfach mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Und da es die ‹ältere Generation› vor allem auf das Tanzen und nicht aufs Trinken abgesehen hat, bietet es sich an, uns mit dem Auto zu besuchen.» Auto und Alkohol vertrage sich eben schlecht.

«Die Jungen setzen heute mehr auf Lebensqualität und leben gesünder.»

Helena Todorovic, Betreiberin Topas

Auch habe Huber festgestellt, dass sich der Ausgang immer mehr auf den Samstag konzentriert. «Heutzutage herrscht freitags tote Hose. Vor 20 Jahren hattest du noch 800 Leute am Donnerstag.» Dann seien jeweils für das gesamte Wochenende Pläne geschmiedet worden. «Heute kann man alles auf Facebook nachschauen und sich herauspicken, was einem gefällt», erzählt er.

Tanznacht40 zieht am meisten

Die Tanznacht40 ist seit rund zwei Jahren Gast im Dukes. «Der allmonatliche Anlass ist seither ein sicherer Event», sagt Huber. Das Besondere im Dukes sei der zusätzliche «Housefloor» in der oberen Etage, während unten sowohl alte Hits als auch Songs aus den aktuellen Charts laufen. «Die DJs gehen dabei explizit auch auf Songwünsche ein», erklärt Huber, der das Dukes seit 21 Jahren betreibt.

Markus Huber (links) betreibt seit über 20 Jahren das Dukes in Sihlbrugg.

Markus Huber (links) betreibt seit über 20 Jahren das Dukes in Sihlbrugg.

(Bild: Screenshot SRF)

Das Dukes sei jedes Mal voll, wenn die Tanznacht40 auf dem Programm steht. «Tatsächlich ist es jeweils die bestbesuchte Veranstaltung», sagt der 51-Jährige. Gleich klingt es bei Helena Todorovic, die bei den meisten Zugern nur als Helena bekannt ist. Sie ist seit 2005 Betreiberin des Clubs Topas in Zug. «Die Tanznacht40 schwingt bei uns obenauf, was die Gäste betrifft», bestätigt sie. Vor knapp zwei Jahren holte sie die Veranstaltungsreihe in ihren Club.

Partygäste werden älter

«Wir hatten immer öfter ‹ältere› Partygäste, die spontan zu uns gekommen sind», erzählt sie. Insgesamt sei das tanzwütige Volk eher älter geworden. Eine Feststellung, die auch der ehemalige Pravda-Pächter Philipp Waldis gemacht hat (zentralplus berichtete). «Da die Nachfrage das Angebot bestimmt, haben wir es mit der Tanznacht40 versucht», begründet Helena. Die erste Ausgabe sei ein voller Erfolg gewesen.

«Ein Erfolgsfaktor ist, dass die Leute wissen, sie sind unter ihresgleichen und müssen nicht fürchten, ihre Kinder im Club anzutreffen», so Todorovic, die auch die Panorama Schiffbar in Zug führt. Zudem wisse man, was man musikalisch bekommt. «An der Tanznacht40 wird beispielsweise kein Techno laufen», versichert sie. Vor allem die ältere Generation wolle wissen, was auf sie zukommt. Es gäbe kaum mehr Zufallsgäste. «Insbesondere die Generation ü40 plant alles sehr genau.»

Helena Todorovic betreibt neben dem Topas auch noch die Panorama Schiffbar beim Landsgemeindeplatz.

Helena Todorovic betreibt neben dem Topas auch noch die Panorama Schiffbar beim Landsgemeindeplatz.

(Bild: zVg Helena Todorovic)

Junge hängen nicht mehr in den Clubs ab

Währenddem die über 40-Jährigen mit dem Mix aus alten und aktuellen Hits zufrieden zu sein scheinen, seien die jüngeren Clubbesucher anspruchsvoller, was die Musik anbelangt. Früher habe es laut Helena relativ fixe Trends geben: Techno, Hip Hop, Elektro. Heute sei dies weniger ausgeprägt. «Wir versuchen, möglichst jeden Musikgeschmack abzudecken mit unseren Veranstaltungen», sagt sie. Momentan gefragt seien unter anderem Old School, Deep- und Tech House.

«Da bei den Tankstellen bis spätabends noch Alkohol gekauft werden kann, gehen die Jungen dort jeweils ‹vorglühen›.»

Markus Huber, Betreiber Dukes

Doch trotz aller Flexibilität wird es immer schwieriger, die jungen Erwachsenen zum Clubbesuch zu bewegen. «Die Zeiten haben sich in den letzten 20 Jahren geändert. Die Jungen setzen heute mehr auf Lebensqualität und leben gesünder», erklärt Helena Todorovic. Das Rumhängen in den Clubs bis zum Morgengrauen habe abgenommen.

Dazu trage auch das begrenzte Budget der Jugendlichen bei. «Wenn du mit 40, 50 Franken durch das Wochenende kommen musst, überlegst du dir zweimal, ob du in den Club gehen willst», so die Zugerin. So zögen es denn viele Teenager vor, irgendwo draussen am See oder bei Freunden zuhause den Abend zu verbringen.

Wie sollen die Clubs reagieren?

Für zu teuer hält Helena das Zuger Nachtleben jedoch nicht. «Die Eintrittspreise sind absolut moderat und auch die Getränkepreise bewegen sich in normalem Rahmen.» Markus Huber hingegen hat ein Problem erkannt, was alkoholische Getränke anbelangt.

Tanznacht40 im Topas: ein Erfolgsgarant in nicht einfachen Zeit für die Clubs.

Tanznacht40 im Topas: ein Erfolgsgarant in nicht einfachen Zeit für die Clubs.

(Bild: zVg Topas)

Es geht um das Stichwort Tankstellenshops: «Die Politik hat diesbezüglich viel kaputtgemacht. Da bei den Tankstellen bis spätabends noch Alkohol gekauft werden kann, gehen die Jungen dort jeweils ‹vorglühen›.» Entsprechend würde er ein Alkoholverkaufsverbot für Tankstellen ab 20 Uhr begrüssen.

Es stellt sich also die Frage, wie die Jungen wieder vermehrt in die Clubs gelockt werden können. Helena Todorovic gibt zu, dass es nicht einfach ist, darauf eine Antwort zu finden. «Es stellt sich mir die Frage, was ein Club ausser einem guten Programm bieten kann.» An den Eintrittspreisen könne es nicht liegen. «Ich finde es auch den falschen Weg, Leute mit Gratis-Getränken zu locken.»

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