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Die Supertalente verlassen den FCL und die ehemaligen kehren nicht zurück
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Ruben Vargas wechselt zum FC Augsburg. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger )

Planung des Kaders bleibt herausfordernd Die Supertalente verlassen den FCL und die ehemaligen kehren nicht zurück

5 min Lesezeit 3 Kommentare 06.07.2019, 16:28 Uhr

Sie sind die aktuellen Supertalente des FC Luzern und ziehen bei erster Gelegenheit weg nach Deutschland: Ruben Vargas (20) und Bradley Fink (16). Hingegen haben Fabian Lustenberger und Pirmin Schwegler ihre Karriere in der Bundesliga abgeschlossen. Doch die Luzerner kehren nicht zum Stammklub zurück. Woran liegt’s?

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Produkt FC Luzern strahlt derzeit eine überschaubare Attraktivität aus. Auf den Spieler- als auch den Zuschauermarkt.

Spieler mit Innerschweizer Herkunft, ob sie nun am Anfang oder im Herbst ihrer Karriere stehen, verbinden ihre Zukunftspläne nicht mit dem FC Luzern. Und der Besucherschnitt in der Swissporarena ist erstmals seit deren Eröffnung 2011 unter 10’000 gefallen. Es sind Besorgnis erregende Fakten.

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Geld allein erklärt nicht alles

Warum gelingt es dem FC Luzern nicht, ein starkes Signal auszusenden? Indem er Hochbegabungen wie Ruben Vargas (zu Augsburg) und Bradley Fink (zu Dortmund) länger in den eigenen Reihen hält, damit bei den Zuschauern Freude und Identifikation auslöst und sie letztlich noch teurer verkaufen könnte? Und warum kommt der FCL bei seinen früheren Exporten wie Fabian Lustenberger und Pirmin Schwegler nicht mehr in die Kränze?

Weniger Geld im Bieter-Kampf um die Routiniers ist zwar ein Grund. Aber er erklärt die Ausgangslage nur unzureichend. Mittlerweile hat im FCL offenbar zaghaft ein Umdenken stattgefunden. Mittlerweile tönt die offzielle Auskunft so: «Was die beiden Spieler Pirmin Schwegler und Fabian Lustenberger angeht, gibt es verschiedene Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass die Spieler nicht den Weg zurück nach Luzern gefunden haben. Dies muss man so akzeptieren», lässt sich Sportchef Remo Meyer auf Anfrage von zentralplus schriftlich zitieren.

Talente vor Vargas stagnierten

Bei den Hochbegabungen liegt die Unzulänglichkeit im FC Luzern offensichtlich im Übergang zwischen Ausbildung und Weiterentwicklung. Die Messlatte dabei ist ein zumindest fähiger Super League-Spieler. Der FCL hatte schon ein paar Talente vor Vargas, der nach einer guten Super-League-Saison bereits das Weite sucht – doch diese sind nach ein paar bemerkenswerten Einsätzen in ihrer Entwicklung stagniert.

Da sind zum Beispiel ein Filip Ugrinic, der an den FC Emmen nach Holland ausgeliehen worden ist. Ein Remo Arnold, der sich in der nächsten Saison beim FCL durchzusetzen versucht. Ein Nicolas Haas, der sein sportliches Glück in Italien bislang vergeblich suchte. Oder früher ein Dejan Sorgic (Thun) oder ein Alain Wiss. (St. Gallen). Sie haben sich bei den Luzernern nicht in dem Ausmass entfalten können, wie es eigentlich ihrem Talent entsprochen hätte. Und das Aufzählen genannter Spieler erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fabian Lustenberger ist der letzte FCL-Junior, der sich sein Brot in eine der vier besten Ligen Europas (England, Spanien, Italien und Deutschland) über Jahre hinweg verdiente. Er verliess den FCL vor 12 Jahren.

Finks Unterschied zu Dortmund

Thomas Fink, der Vater des nach Dortmund abgewanderten Supertalents Bradley, konterte kürzlich das Unverständnis von FCL-Nachwuchschef Genesio Colatrella für eben diesen Transfer (zentralplus berichtete). Er hält fest: «Der FCL kann betreffend Infrastruktur und Anzahl topqualifizierter Manpower nicht mit einem BVB mithalten. Soviel Realitätssinn muss man bei aller Liebe zum FCL haben.»

Vater Fink spricht damit die individuelle Förderung der Hochbegabungen während und wohl erst recht nach dem Durchlaufen der Nachwuchsförderung im FCL an. Das war auch für Ruben Vargas ein wesentlicher Grund, den Super Ligisten hinter sich zu lassen – auch wenn das sein schlauer Berater bloss zwischen den Zeilen antönte.

Für den FCL ist es natürlich doppelt schmerzhaft, ein Ausnahmetalent wie Bradley Fink abtreten zu müssen – und das erst noch gegen ein geringes Entgelt. Von 90’000 Euro haben deutsche Portale geschrieben, doch diese Höhe der Entschädigung bestritt FCL-Nachwuchschef Genesio Colatrella bisher. Viel höher wird der Betrag kaum ausfallen. Laut Vater Fink besass der Sohn noch keinen Vertrag mit dem FCL.

So hält der FCL dagegen

Vor dem Hintergrund, dass ein Mitglied einer U-Mannschaft den FCL einen tiefen fünfstelligen Betrag im Jahr kostet, sind mit dem Erlös für Bradley Fink nicht einmal die Ausgaben für ein halbes Team gedeckt. Darum stellt sich die Frage: Wieviel Sinn macht es, jährlich einen Millionenbetrag in die FCL-Nachwuchsförderung zu stecken, wenn die Ausnahmetalente auf schnellstem Weg verduften? Wenn sich die Investition nicht besser monetarisieren lässt? Es mag ein Grund sein, warum sich FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg seit diesem Monat vom früheren FCB-Präsidenten Bernhard Heusler beraten lässt.

In der sportlichen FCL-Führung sehen sie den Einbau von Talenten in die erste Mannschaft als ausreichend an: «Es ist natürlich nicht so, dass es dem FC Luzern nicht gelingt, seine Talente im Verein zu behalten. Zum einen werden Perspektivspieler aus dem Nachwuchs mit Profiverträgen ausgestattet (zuletzt waren dies Darian Males und Marco Burch), zum anderen werden beim FC Luzern konsequent Nachwuchsspieler in die 1. Mannschaft integriert (unter anderem Silvan Sidler, Remo Arnold, Idriz Voca und Stefan Knezevic im aktuellen Team).»

FCL-Sportchef Remo Meyer ist für den Umgang mit den Talenten mitverantwortlich.

Dass dies nicht immer gelinge, gehöre jedoch zum Fussballgeschäft dazu und der Verein sei auch entsprechend darauf vorbereitet. «Dass man nach den Leistungen von Ruben Vargas damit rechnen musste, dass der Spieler bei anderen Vereinen Interesse geweckt hat, war abzusehen. Der Spieler wollte zudem den Schritt ins Ausland wagen und entsprechend haben sich beide Seiten auf diesen Transfer geeinigt», hält Remo Meyer fest.

Penalty für den FCL-Sportchef

Dabei steht der Sportchef, der neben der ersten Mannschaft vor allem auch für den FCL-Nachwuchs federführend verantwortlich ist, in naher Zukunft vor seiner eigentlichen Meisterprüfung: Die U15 und U16 der Luzerner sind Meister und Cupsieger geworden. Und die U18 ist erst im Final um den Gewinn der Meisterschaft an den Young Boys gescheitert. Der FCL muss also einige überdurchschnittliche begabte Talente in seinen Reihen haben.

Um es in der Fussballersprache auszudrücken: Remo Meyer braucht bloss noch den Penalty zu verwerten, um das Image des FC Luzern nachhaltig steigern zu können.

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3 Kommentare
  1. Dario, 11.07.2019, 11:38 Uhr

    Sorry, der FCL hat ein Haufen Amateuren in der Teppichetage.

  2. Eric, 07.07.2019, 12:14 Uhr

    Betreffend den Zuschauerzahlen: vielleicht liegt es auch ein bisschen an euch und an der LZ. Eure Berichte sind oft sehr negativ. Es ist OK mal kritisch zu berichten, aber wie wäre es mal wenn ihr das positive sieht und nicht immer das negative sucht?

    1. Frankie goes out of Arena, 08.07.2019, 09:36 Uhr

      Bei dem Kindergarten ist es richtig schwer, etwas positives zu finden. Daher entsprechen die Berichte durchaus der Realität!