Die Supergroup, die eigentlich ein Experiment ist
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Ein Album in einem Tag arrangieren und aufnehmen - das geht!

«Why Foxes, Why?» mit neuem Album Die Supergroup, die eigentlich ein Experiment ist

3 min Lesezeit 20.04.2020, 19:00 Uhr

Die Luzerner Supergroup «Why Foxes, Why?» veröffentlicht am 24. April 2020 ihr Album «Hey! Folk of Death». Die Musiker mischen Tradition mit modernen Klängen und bringen eine spannungsgeladene Platte in unsere Wohnzimmer.

Man nehme eine Handvoll Bob Dylan, eine Prise Fleet Foxes, einen Teelöffel Mumford & Sons und lausche einmal gebannt dem Debut der sieben Zentralschweizer Füchse.

Why Foxes, Why? sind sieben Musiker, sieben Freunde und – wie sie selbst behaupten – sieben Spinner. Timo Keller, Sänger und Songschreiber der Band, lud letzten Herbst einige Freunde mitsamt ihren Instrumenten direkt ins «Studio vom Dach» in Luzern ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Musiker seine Songs weder gesehen noch gehört. Während zehn Stunden wurde dann an den Arrangements gefeilt. Am Abend war das Album im Kasten.

«Hey! Folk of Death» zählt zehn Songs. Gitarren, Banjo, Mundharmonika, Mandoline, Geige – die Vielschichtigkeit in der Instrumentierung ist bemerkenswert. Mit spannenden Klangeffekten schafft es die Band, traditionelle Folk-Elemente musikalisch in unsere Zeit zu übersetzen. Elektrische Gitarren und Synthesizer-Klänge hauchen Banjo und Fiddle mächtig Leben ein.

Die Band vermag es spielerisch ihre Songs in grosse Klangkulissen zu verpacken. Alle Bandmitglieder traten hierfür auch ein wenig aus ihrer stilistischen Komfortzone heraus. Das Album entzückt durch überraschende Vielseitigkeit, von Fingerpicking bis Rockgitarre ist alles mit dabei.

Die Vielfalt kommt nicht von ungefähr

Jeder der sieben Musiker feierte bereits Erfolge mit anderen Schweizer Formationen. Timo Keller ist erfolgreicher Produzent in seinem «Studio vom Dach» und steckt auch hinter der Band Hanreti. Sebastian Schwarz und Lukas Bircher spielen sich mit den beiden Bands Into Orleans und Maple Tree Circus durch die Schweiz. Silvan Koch spielt Piano und Akkordeon beim Schweizer Exportwunder Faber, Christian Winiker ist ein Tausendsassa, der seine Gitarre bei Luzerner Bands wie die Tin Shelter Crew spielt oder war Studiomusiker bei Julia Heart. Jwan Steiner ist Teil von One Lucky Sperm und GeilerAsDu; und der Bassist Stoph Ruckli wirkt mit bei Azz Jazz. Die Lyrics schrieb Bela Rothenbühler, das Engineering übernahm Jonas Beetschen.

Silvan Koch, Sebastian Schwarz, Stoph Ruckli, Timo Keller, Jonas Beetschen, Christian Winiker, Lukas Bircher, Jwan Steiner (v.l.n.r.)

Ein gelungenes Experiment

«Bruges», «Columbine», «Not in Philadelphia», «Prague’s to blame», «Dubrovnik», «Venice» – all diese Städte treffen in den Klangwelten von Why Foxes, Why? wirkungsvoll aufeinander. Die Texte zeigen Tiefgang, die Arrangements verspielte Details. «Dubrovnik» erklingt im tanzbaren Sommerkleid, «Venice» eher verträumt und nachdenklich.

Mit «Lucerne New Town» haben die sieben Jungs der Luzerner Neustadt eine Hymne geschrieben. Der Song lädt zum Mitsingen und Mittanzen ein. Die Aufnahme klingt authentisch. Man hat beim Hören schon fast das Gefühl, mit Why Foxes, Why? auf der Bühne zu stehen. Der Song versprüht pure Lebensfreude und zaubert wohl nicht nur Luzernern ein Lächeln ins Gesicht. Der Fakt, dass das gesamte Album in nur zehn Stunden arrangiert und aufgenommen wurde, macht die Songs umso spannender. Sich nicht zu hinterfragen, sondern der Kreativität freien Lauf zu lassen, ist also ein gelungenes Experiment.

Die Plattentaufe, die ursprünglich für den 1. Mai im Konzerthaus Schüür Luzern angesetzt war, muss aufgrund der aktuellen Lage verschoben werden. Die Vorfreude auf die Konzerte bleibt bestehen und mehrmaliges Hören von «Hey! Folk of Death» sollte gespannte Fans während dieser Corona-Zeit hoffentlich noch ein wenig trösten können.

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