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Die Streithähne vom Sempachersee kämpfen weiter
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Das Hotel «Birdland» neben der Bahnhaltestelle Sempach-Neuenkirch: Hinter der Fassade tobt ein langwieriger und hässlicher Streit. (Bild: bic )

Zwist im Hotel «Birdland» in Sempach-Station Die Streithähne vom Sempachersee kämpfen weiter

5 min Lesezeit 26.06.2018, 14:10 Uhr

In einem tief gehenden Konflikt zwischen dem Inhaber und dem Pächter des Hotels «Birdland» in Sempach-Station ging es letzte Woche vor dem Kantonsgericht um angebliche Verleumdung, Steuerbetrug und sogar eine Verschwörung. Eines wurde deutlich: Eine einvernehmliche Lösung scheint völlig unrealistisch.

Im Hotel «Birdland» in Sempach-Station hängt der Haussegen schief. S.*, der Eigentümer der Liegenschaft, und Pächter Johann Peter Bachmann liegen sich in den Haaren.

Grund für den Konflikt waren länger dauernde Gleisarbeiten der SBB, die in der Hochsaison fast den ganzen Sommer 2016 über während der Nacht direkt neben dem Hotel stattfanden. Wegen der starken Lärmemissionen liefen Bachmann zahlreiche Gäste davon, wodurch dem Hotel rund 200’000 Franken entgingen.

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Tiefe gegenseitige Abneigung

Seither ist Feuer unter’m Dach. Bachmann warf dem Hauseigentümer vor, seiner Informationspflicht nicht nachgekommen zu sein. Denn dieser wurde als Besitzer der Liegenschaft über die Bauarbeiten schon weit im Voraus informiert, hatte es jedoch unterlassen, Bachmann darauf hinzuweisen, damit dieser entsprechend hätte reagieren können.

In der Folge trafen sich die beiden vor dem Bezirksgericht Willisau. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Eines scheint aber klar: Es wurde seither viel Geschirr zerschlagen. Letzte Woche kreuzten die beiden vor dem Luzerner Kantonsgericht nun erneut die Klingen. Dieses Mal ging es indes um die Klärung eines anderen Sachverhalts.

«Herr S. wirft mir immer wieder Knebel zwischen die Beine.»

Johann Peter Bachmann, Pächter des Hotels

An der Verhandlung ging es um den Vorwurf der Verleumdung und der Rufschädigung ging. Der Eigentümer soll Bachmann wiederholt als «Verbrecher» betitelt haben, worauf dieser die Justiz einschaltete. Die Vorwürfe, mit denen sich die Geschäftspartner gegenseitig eindeckten, sind happig.

Vor, während und nach der Verhandlung trat die gegenseitige Abneigung der beiden Männer in Erscheinung. Die Opponenten, die sich während des Prozesses weitgehend hinter ihren Anwälten verschanzten, grüssten sich nicht, würdigten sich keines Blickes, geschweige denn, dass sie sich die Hand gaben. Dass sich die beiden mit aller Härte bekämpfen, wurde immer deutlicher, je länger der Prozess dauerte.

«Herr S. ist seit längerem versucht, das ‹Birdland› in den Ruin zu treiben», sagte Bachmanns Anwalt vor dem Richter. Bachmann seinerseits vermerkte am Rande der Verhandlung gegenüber zentralplus: «Herr S. wirft mir immer wieder Knebel zwischen die Beine.» Um ihn loszuwerden, wie er vermutet. Bachmann hat einen Pachtvertrag über 35 Jahre.

Angeblich viele Mängel im Hotel

«Im Pachtvertrag steht, dass das Hotel nie ganz fertiggebaut wurde und dass es deshalb zahlreiche Mängel gibt, die behoben werden müssen.» S. ziere sich aber darum, diese endlich zu beheben. Deshalb funktioniere der Hotelbetrieb nicht immer reibungslos und es komme immer wieder zu ungemütlichen Situationen, schildert Bachmann die festgefahrene Lage.

«Ich habe viel mehr Betten als Frühstückstische und im Dachgeschoss, wo sich ein Konferenzraum befindet, gibt es bis heute keine Toiletten für die Frauen», erklärte Bachmann. Hinzu kämen fehlende Trennwände zwischen den Zimmern auf den Balkonen. Dies sei eines Vier-Sterne-Betriebs unwürdig.

Bachmann glaubt, dass S. die Sorgen um die ständigen Forderungen Bachmanns durch einen Konkurs der Betreiberfirma loswerden will. In etwa so lässt sich die Haltung des Pächters interpretieren.

Hauseigentümer: «Gegen mich gibt es ein Komplott»

Nach den Aussagen Bachmanns zu schliessen, war wohl auch die angebliche Verwendung des Wortes «Verbrecher» in Zusammenhang mit dessen Namen ein Versuch, ihm zu schaden. Eigentümer S. bestritt vor Gericht indes vehement, Bachmann jemals so genannt zu haben.

Vielmehr witterte er seinerseits einen Versuch Bachmanns, ihn anzuschwärzen. Dabei machte er aber nicht nur diesem schwere Vorwürfe, sondern auch einem geladenen Zeugen, mit dem er ebenfalls im Streit liegt. In diesem Zwist geht es um viel Geld.

«Alle Leute, die behaupten, dass ich Herrn Bachmann als Verbrecher bezeichnet habe, schulden mir Geld.»

Der Eigentümer der Liegenschaft

«Ich glaube, dass es gegen mich ein Komplott gibt», monierte S. vor dem Richter. Brisant an der Aussage: Im Zuge der Verhandlung stellte sich heraus, dass der Zeuge und Hotelpächter Bachmann gut befreundet sind und schon mehrmals zusammen private Ferien unternommen haben.

Ein ominöser Vorfall im Hotel

Wie kam es überhaupt dazu? Auslöser für den «Verbrecher-Streit» waren Gipserarbeiten an einer Wand im Hotel in Sempach-Station. Ein Angestellter des Zeugen und Freundes von Pächter Bachmann führte diese aus.

Als es darum ging, wer für die Rechnung aufkommen muss, soll S. laut Bachmann gegenüber dem Handwerker folgenden verhängnisvollen Satz gesagt haben: «Es ist mein Hotel, darum bezahle ich. Herr Bachmann ist der grösste Verbrecher und schuldet mir noch eine Stange Geld.»

Am Telefon hat der Arbeiter die Situation seinem Chef und Freund Bachmanns geschildert. Dieser wiederum erzählte es Bachmann weiter, worauf dieser S. wegen Verleumdung anklagte.

Wurde der Hausbesitzer falsch verstanden?

Gegenüber dem Richter bestand S. indes darauf, dass er vom Handwerker, der nur gebrochen Deutsch spricht, falsch verstanden worden sei. Der Handwerker war ebenfalls als Zeuge geladen. Für die Befragung wurde ein bosnischer Dolmetscher beigezogen.

Soll die Liegenschaft verkauft werden?

Diesen Monat wurde publik, dass die Liegenschaft «Hotel Birdland» verkauft werden soll. Eigentümer S. soll mit der Veräusserung der Immobilie liebäugeln, ohne jedoch Pächter Bachmann davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Gegenüber der «Luzerner Zeitung» dementierte S. indes die Verkaufsabsicht. Laut Bachmann wäre ein Verkauf indes ohnehin unproblematisch. Dies aufgrund des für 35 Jahre gültigen Pachtvertrages.

S. stellte den ominösen Satz aus seiner Sicht richtig: «Die Rechnung bezahle ich, sonst bin ich wieder der Verbrecher.» Der Name Bachmanns sei dabei nie gefallen. Und er schloss mit einem saftigen Statement: «Alle Leute, die behaupten, dass ich Herrn Bachmann als Verbrecher bezeichnet habe, schulden mir Geld.»

Diese Version, dass er das Ganze falsch verstanden habe, bestätigte der Handwerker vor Gericht. Bachmanns Anwalt glaubte ihm indes nicht und unterstellte S., den Arbeiter zu einer Falschaussage gedrängt zu haben. Denn dieser sei als mittlerweile selbstständiger Unternehmer von dessen Aufträgen abhängig. Wem das Gericht letztlich Glauben schenkt, wird sich zeigen.

Anzeige wegen Steuerbetrugs

Während der Verhandlung offenbarte sich noch ein weiterer Konflikt zwischen den zwei Hauptprotagonisten. Der Prozess förderte zu Tage, dass S. Hotelpächter Bachmann in Nidwalden wegen Steuerbetrugs in hohem Umfang angezeigt hat. Dies, «um mich als dessen Geschäftspartner zu schützen, sollte sich der Verdacht erhärten», wie er sagte. 

Bachmanns Anwalt wiederum tat den Vorwurf als absurd ab: «Bisher konnte mir die zuständige Staatsanwältin nicht glaubhaft darlegen, welche Verfehlungen mein Mandant diesbezüglich genau verübt haben soll.» Eher sei dies wohl ein weiterer Versuch von S., den Pächter seines Gasthauses in den Ruin zu treiben. Der Streit im und um das Hotel «Birdland» wird die Gerichte wohl also noch einige Zeit beschäftigen.

*Name der Redaktion bekannt

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