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Die Sterne und die Gotthard-Stars zum Greifen nah
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Hauptattraktion beim «Pilatus on the Rocks»: die Tessiner Band Gotthard. (Bild: zvg / Stefan Hänni)

Ausverkaufte Zweitauflage «Pilatus on the Rocks» Die Sterne und die Gotthard-Stars zum Greifen nah

5 min Lesezeit 25.08.2019, 12:18 Uhr

Drei gutgelaunte Bands, das vermutlich am schönsten gelegene Kleinstadion der Welt und das Licht des Sonnenuntergangs auf der Bühne: «Pilatus on the Rocks» bot am Samstag einen Konzertabend vom Feinsten, bei dem 1’100 Fans hautnah an ihren Stars dran waren.

Was, wenn es geregnet hätte? Das wäre bei der zweiten Auflage von «Pilatus on the Rocks» eine überaus garstige Sache geworden. Denn um Mitternacht, als die letzten Musikfans die Bahnen nach Kriens und Alpnachstad bestiegen, war es auf den 2’132 Metern Höhe des Luzerner Hausbergs nur noch 10 Grad warm. 

Doch vorher herrschte spätsommerliche Hitze und es wurde heftig gerockt. Der Thuner Bluesmann Philipp Fankhauser hatte für einmal nicht die undankbare Aufgabe des Aufwärmers, denn die Angereisten waren bereits um 18.30 Uhr bester Laune: Die atemberaubende Fahrt von Kriens oder Alpnachstad auf Pilatus Kulm ist ja bereits ein Highlight für jeden Bergfan.

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Gute Stimmung: 1’100 Fans kamen ans «Pilatus on the Rocks». (Bild: hae)

Dabei hatte Fankhauser im grellen Sonnenschein fast noch ein wenig mit dem Feuer gespielt und den Wetterumschwung quasi heraufbeschworen. Denn der Blueser wollte unbedingt: «It’s gonna rain» anstimmen. War das eine Provokation? 

«Wir haben furchtbar Freude!»

Philipp Fankhauser, Thuner Bluesmann

Wohl kaum, denn dieser Blues ist einfach eine der schönsten Nummern Fankhausers, und seine kompakt spielende Band um den Luzerner Marco Jencarelli – Bandleader, Produzent und überdies Gewinner des «Swiss Blues Awards» 2018 – kam richtig in Fahrt. Da staunte selbst Fankhauser in seinem türkisfarbigen Anzug und blickte mit guter Laune ins Sonnenuntergangslicht: «Wir haben furchtbar Freude!»

Selig lächelnd und schnippend: Bluesman Fankhauser mit Bandleader Marco Jencarelli (rechts). (Bild: hae)

Philipp Fankhauser war nicht der Einzige, der selig lächelte: Er war auch geblendet vom frenetisch klatschenden Publikum. Nein, es würde garantiert nicht regnen an diesem Abend, dem zweiten Konzertreigen der Luzerner Rock-Connaisseurs, hier oben auf dem Pilatus.

Nahe dran an den Stars: Fan mit dem Geschwisterduo Zibbz. (Bild: hae)

Die Fans erleben an diesem eintägigen Musikfestival eine ausserordentliche Nähe nicht nur zu den Sternen – sondern auch zu den Stars. «Gute Luft hier oben», sagt Bandleader Leo Leoni, als um 18 Uhr der Einmarsch der Gladiatoren stattfand und die Fans mit Handys Fotos machten. Die Tessiner Rockband Gotthard, Hauptattraktion von «Pilatus on the Rocks», bezog mit Köfferchen ihre Zimmer im Hotel Kulm. Oder dann am Merchandising-Stand: Hier liessen sich viele Musikliebhaber CDs der drei Bands signieren und stellten sich für Selfies an.

Konkurrenz für die Schwingfest-Konzerte

Mitveranstalter Rico Fischer konnte sich schon im Vorfeld freuen: «Ausverkauft! – Da wird es wohl sicherlich im Sommer 2021 eine dritte Auflage geben.» Das Festival findet nur alle zwei Jahre statt, 2017 waren bei der Erstausgabe von «Pilatus on the Rocks» Mando Diao Headliner gewesen, als Lokalmatadoren traten Dada Ante Portas und Henrik Belden auf (zentralplus berichtete).

Einmarsch der Gotthard-Gladiatoren: Nick Maeder mit rotem Koffer, Leo Leoni trägt eine Gitarre. (Bild: hae)

Zwar hatten Rico Fischer und die Pilatusbahnen im Vorfeld noch ein wenig gebibbert, denn just an diesem Wochenende spielten ja bekanntlich Schweizer Bands wie Hecht, Lo & Leduc oder Nickless am Zuger Schwingfest – und das gratis. Doch nicht alle lieben die grossen Menschenaufläufe, und hier liessen sich die Bands fast schon im intimen Rahmen erleben.

Lokalmatadoren und ein vermisster Dauergast

Auch Lokalmatadoren traten – nebst dem Reigen von Sonne, Wolken und Dohlen – auf dem Pilatus auf. Die Geschwister-Gruppe Zibbz war nach der Babypause von Frontfrau Co als Trio wieder live zu erleben, nachdem die aus Gisikon stammende Band beim Eurovision Song Contest (ESC) 2018 im Halbfinal gescheitert war (zentralplus berichtete).

Zwischen den Umbaupausen nutzten viele der Festivalbesucher die Gelegenheit, um auf den markanten Esel zu kraxeln und den Sonnenuntergang zu bewundern. Weitblick über fünf Seen – nur der Steinbock von vor zwei Jahren liess sich leider heuer nicht mehr blicken. Gotthard rockten zum Abschluss dann wohl doch zu laut. Wenn auch unplugged …

Grandiose Kulisse: rechts die Bühne mit Gotthard, links der Esel, auf den viele Fans hochkraxelten. (Bild: hae)

Die Tessiner waren gut drauf, dermassen im Plauderton, dass man an Lausbuben in Rockeruniform dachte. Gaben sie sich dermassen locker-lässig, weil sie endlich mal wieder aus Leo Leonis Studio raus durften? Dort nimmt die Band derzeit ein neues Album auf. Und Bandboss Leoni wird Freude haben, bald wieder richtig hart rocken zu können: Er mag die Balladen eigentlich nicht besonders.

Dennoch war es schön zu erleben: Gotthard müssen nicht die harten Macker markieren. Sie haben zur Genüge bewiesen, dass sie auch mit einem neuen Sänger überleben – Nick Maeder ersetzte vor acht Jahren Frontmann Steve Lee nach dessen Tod. Auch wenn sie sich nicht neu erfinden: schnörkelloser Rock lebt wunderbar neben melodiösen Balladen. Und auch heute noch ist Mitsingen angesagt beim Deep-Purple-Cover «Hush», der Hymne «One Life, One Soul» oder dem sitzend vorgetragenen Hit «Heaven».

Fotos vom Gipfel nach dem Rockgipfel

Es war ein Musikfest vorab für eine etwas ältere Generation, die sich nicht mehr so gerne auf den Wiesen und in den Zelten der grossen Openairs tummelt: Am «Pilatus on the Rocks» musste sich denn auch niemand wie an anderen Orten mit Schlamm, Hitze oder Gedränge abmühen.

Dies trotz eines enormen logistischen Aufwandes: Der Transport der bandeigenen Bühnenelemente – 4,5 Tonnen schwer! – brauchte 21 Materialfahrten rauf auf den Berg. Der Aufbau begann bereits eine Woche vor dem Konzertabend.

«Pilatus on the Rocks» ist ein Festival, das sich nach zwei Ausgaben hat etablieren können – mit einer genauso atemberaubenden Kulisse wie der leider aufgegebene Zürcher Musikreigen «Live at Sunset» und das mondäne «Zermatt unplugged». Viele Fans übernachteten gleich auf dem Pilatus und posteten auf den sozialen Medien morgendliche Fotos vom Gipfel nach dem Rockgipfel.

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner des «Pilatus on the Rocks».

Lokalmatadoren: Zibbz. (Bild: zvg / Stefan Hänni)

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