Die Stadt Zug mag die E-Scooter, Baar hat die Nase voll
  • Gesellschaft
  • Verkehr
Zwischen Zug und Baar stehen praktisch immer E-Scooter im «Juhee». Das hat seinen Grund. (Bild: wia)

Diverse Anbieter, Apps und Wildparkiererei Die Stadt Zug mag die E-Scooter, Baar hat die Nase voll

5 min Lesezeit 5 Kommentare 07.10.2021, 05:02 Uhr

Von A nach B, ganz ohne Anstrengung und ohne Benzinverbrauch: Die Idee von E-Scootern klingt in der Theorie gut. Die Praxis sieht anders aus. Während die Stadt Zug den Gefährten seit über zwei Jahren treu ist, hat die Gemeinde Baar den Trottis abgeschworen. Und zwar aus mehreren Gründen.

Zwar stehen sie bereits seit rund zwei Jahren – mit Unterbruch – in der Stadt Zug und in der Umgebung im Weg herum. Nerven tun sie aber noch immer ein bisschen, die E-Scooter, wenn sie – mit Vorliebe am Stadtrand – quer auf der Fahrbahn stehen.

Aufmerksamen Einwohnerinnen dürfte es zudem aufgefallen sein: Das Erscheinungsbild der Gefährte hat sich in der kurzen Zeit ihrer Zuger Existenz verändert. Posierte im Frühjahr 2019 der Zuger Stadtrat Urs Raschle während einer Testfahrt noch freudig auf einem der Scooter, scheint die Begeisterung in der Bevölkerung mittlerweile etwas abgeflaut zu sein. Nicht zuletzt, weil deren Nutzung bis jetzt schon fünf verschiedene Apps benötigte.

Denn es dauerte nicht lange, bis der erste Anbieter Flash zu Circ umbenannt und dieser wiederum von Bird übernommen wurde, eine Firma, welche die Bewilligung für die Region Zug nicht übernehmen wollte. «Die Firma informierte uns, dass es sich für sie finanziell nicht lohne, in Zug zu bleiben», erklärt der zuständige Stadtrat Raschle.

Angepasste Konditionen sorgen für Ordnung

Dass die umstrittenen Gefährte im Frühling 2020 verschwanden, schien niemandem so richtig aufgefallen zu sein. Kein Wunder, traf es doch eine Zeit, in der alle sowieso nur aus dem Haus gingen, um zu spazieren oder einzukaufen.

Ein zweiter Versuch, die Flitzer in Zug zu etablieren, folgte im Sommer darauf. Im Juli 2020 fand die Berliner Firma Tier den Weg nach Zug (zentralplus berichtete). Es sei eine Zusammenarbeit, die gut funktioniere, beteuert Raschle. «Das dürfte auch damit zu tun haben, dass wir vor deren Ankunft in Zug die Konditionen angepasst haben. So hat Tier eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die Scooter primär dort abgestellt werden sollen, wo bereits Velos stehen.»

Urs Raschle findet: «E-Scooter gehören zu einem urbanen Stadtbild.»

Das funktioniere so weit ziemlich gut, sagt Raschle. «Auch gibt es eine interne Chatgruppe, in der man Scooter melden kann, welche an problematischen Orten stehen. Diese werden von der Firma ziemlich rasch umplatziert.»

Die Firma Tier wiederum ist zufrieden mit den Nutzungszahlen in Zug, wie Mediensprecher Florian Anders erklärt: «Wir freuen uns, dass unser E-Scooter-Service so gut angenommen wird. Von Anfang an sind das Interesse und die Nachfrage für klimaneutrale Mikromobilität im Kanton Zug sehr gross.» Konkrete Zahlen für die Stadt Zug könne man jedoch nicht verraten.

«Ich persönlich finde, die E-Scooter gehören zu einem modernen Stadtbild.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

Im Mai 2021 liess sich Mitbewerber Lime in Zug nieder. «Mit diesem haben wir dieselbe Vereinbarung. Doch gibt es da noch Verbesserungspotenzial», sagt Raschle. Ausserdem gebe es nach wie vor Menschen, die «überhaupt nicht glücklich sind» mit den E-Trottinetts. «Doch sind die Reklamationen deutlich zurückgegangen. Und die Nutzer sind froh über das Angebot. Auch ich persönlich finde, die E-Scooter gehören zu einem modernen Stadtbild», so der Mitte-Stadtrat. «Sofern es eine Verhältnismässigkeit gibt.»

Das E-Trotti von Lime macht bei der Stadtgrenze ein Nickerchen.

Fressen oder gefressen werden

Viele Änderungen in kurzer Zeit, Anbieter kommen und gehen. Ist das nicht mühsam für die Stadt? «Das ist halt so in diesem sehr dynamischen Marktumfeld. Darin bewegen sich viele Start-ups, da heisst es fressen oder gefressen werden.»

Bei Tier jedenfalls fühlt man sich nicht bedroht vom fruchtigen Mitbewerber. «Da machen wir uns keine Sorgen und wir sind überzeugt, dass ein grösseres Angebot an Mobilitätslösungen dazu beiträgt, dass künftig mehr Menschen in Zug ihren privaten PKW für kurze Strecken stehenlassen und stattdessen nachhaltige Verkehrsmittel wie unsere Tier-Trottis nutzen», sagt Anders.

«Es entstand auf dem Gemeindegebiet sehr viel Unordnung.»

Zari Dzaferi, Baarer Gemeinderat

E-Scooter sind insbesondere dann praktisch, wenn man irgendwo gestrandet ist, wo kein Bus und keine Bahn fährt und man weitere Strecken, etwa nach Baar, zurücklegen muss. Nur: Was anfangs noch ging, ist heute nicht mehr möglich. Wer heute auf dem E-Scooter gen Baar gleitet, wird ernüchtert feststellen, dass an der Stadtgrenze Ende Feuer ist. Der Strom wird sanft abgestellt.

An der Stadtgrenze ist der Fahrspass vorbei

Der Grund dafür ist ein einfacher. Baar hat sich aus der Sache herausgenommen. «Der Gemeinderat hat beschlossen, keine weitere Konzession für die Anbieter von E-Scootern zu erteilen», erklären die zuständigen Exekutivmitglieder Zari Dzaferi und Jost Arnold. Die konkreten Gründe dafür: «Es entstand auf dem Gemeindegebiet sehr viel Unordnung, die Scooter wurden irgendwo abgestellt oder ins Grüne geworfen.» Zum Teil sei zudem die Sicherheit für Radfahrer und Fussgänger tangiert gewesen.

Es ist demnach zurzeit auch nicht vorgesehen, dass man E-Scooter auf Baarer Boden wieder zulassen wolle. Ein Angebot, mit dem der Gemeinderat einverstanden wäre, sei bisher von den Anbietern nicht eingegangen. «Seitens der Anbieter müsste in der App ganz klar definiert sein, in welchen Zonen die Scooter abgestellt werden dürfen», so Dzaferi. Solange jedoch das «free floating»-System gelte, seien die Anbieter jedoch nicht dazu bereit gewesen. Doch wolle man beobachten, wie sich das Angebot in Zukunft entwickeln werde.

Anders als Baar ist man den Trottis in den Gemeinden Cham sowie Risch-Rotkreuz wohlgesinnt. Letztere ist im Mai dieses Jahres – nach dem ersten Versuch vor zwei Jahren – wieder aufs E-Trottinett aufgesprungen. Dies mit einem etwas anderen Modell. Im Gegensatz zum Zuger «free floating»-Modell setzt Risch-Rotkreuz auf fixe Standorte, auf denen die Gefährte abgestellt werden müssen.

Hubprinzip in Rotkreuz funktioniert bisher

«Wir sind sehr zufrieden mit den ersten sechs Monaten in Risch. Derzeit stehen in der Gemeinde Risch 50 E-Trottinetts von Tier zu Verfügung. Obwohl das Hubprinzip für einige Nutzerinnen und Nutzer aufgrund der eingeschränkten Abstellmöglichkeiten als weniger attraktiv wahrgenommen werden kann, konnten wir in Rotkreuz feststellen, dass die meisten Fahrten durch aktive Nutzer, die unsere E-Scooters wöchentlich in Anspruch nehmen, getätigt werden», so Anders.

Wäre ein Hubprinzip nicht auch für Baar denkbar? Dzaferi äussert sich dazu wie folgt: «Das Angebot von Rotkreuz müsste konkret für den Baarer Boden und die hiesigen Bedürfnisse geprüft werden. Dazu ist man bislang nicht gekommen.»

Augen auf: An der Stadtgrenze zwischen Zug und Baar sind Tier-Sichtungen wahrscheinlich.

Du bist noch kein Möglichmacher? Als Möglichmacherin kannst Du zentralplus unterstützen. Mehr erfahren.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

5 Kommentare
  1. kaalro, 07.10.2021, 11:36 Uhr

    Wenn es diese Scooter nicht geben würde, kaum Jemand würde diese vermissen. Wer täglich die Velowege benutzt sieht es selber, nur ein Ärgernis diese unmotiviert herumliegende Gefährte. Jetzt wo es wieder dunkel ist, kaum zu sehen vor Allmen wenn diese zur Hälfte im Wiesland liegen. Billige Produktion in China oder dgl. später Elektroschrott, man kann ja wieder neue bestellen. Ist das weniger CO2?, nein nicht wirklich, die Anbieter wollen in der Wohlfühlgesellschaft einfach schnell Geld verdienen. Wenn es nicht klappt kommt der nächste Schrei – und wo Nachhaltigkeit oder Nutzen?

    7 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  2. smokymale, 07.10.2021, 10:51 Uhr

    Klar, die Stadt Zug begrüsst alles was kein Auto ist.
    Aber sind wir doch mal ehrlich, diese E-Scooter stehen selten mal «anständig» auf dem Trottoir, die liegen überall herum. Herauszufinden wer so achtlos mit den Scooten umgeht um sie büssen zu können erscheint mir nicht möglich da man nicht weiss ob andere die Dinger umschmeissen. Von daher wäre ich dafür dass diese Scooter wieder verschwinden. Oder kann jemand beweisen wieviel diese wirklich benutzt werden?

    3 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  3. Stefan W., 07.10.2021, 08:28 Uhr

    Es ist schon recht unfair sich an den Anbietern zu stören, schliesslich sind es die Leute die alles überall wegwerfen und stehen lassen! Ein Mietauto-Anbieter wird schliesslich auch nicht für das verhalten der Fahrer verantwortlich gemacht oder gerügt! Büsst die Leute nicht den Anbieter!

    1 👍 Gefällt mir 1 👏 Applaus 2 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  4. Heinz Durrer, 07.10.2021, 08:00 Uhr

    Die Bereitstellung von eScooter gehört nicht zur Aufgabe eine Stadtregierung. Wenn man diesen Gedanke weiterspinnen würde, dann wäre der nächste Schritt wohl die Bereitstellung von eAutos usw. ? Die Stadt soll Voraussetzungen schaffen, übrigen meine ich damit auch Baaar, dass sämtliche Beteiligte im Strassenverkehr ausgewogen Platz erhalten und der Verkehr flüssig läuft.
    Wenn eScooter privat bezahlt werden und nicht vom Steuerzahler, dann würden diese auch nicht an jeder Ecke rumstehen.

    3 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 1 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  5. Jeremy Niklaus, 07.10.2021, 07:54 Uhr

    Was da als umweltfreundlich verkauft wird, ist in wenigen Jahren nichts als Elektroschrott. Genau wie die E-Bikes und E-Autos. Mit der E-Mobilität geht nicht nur ein massiv höherer Stromverbrauch einher, sondern es entsteht auch ein neues, gigantisches Entsorgungsproblem im Ausmass von Hunderten Tonnen pro Jahr.
    Viele dieser E-Scooter verschwinden übrigens in Flüssen und Seen, wie entsprechende Reinigungen in grossen deutschen Städten gezeigt haben.

    2 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter

Mach jetzt zentralplus möglich

Unterstütze mit einem freiwilligen Abo

Schon über 350 Personen stehen ein für Medienvielfalt in der Zentralschweiz. Denn guter Lokaljournalismus kostet Geld. Mit deinem freiwilligen Abo machst du zentralplus möglich. Wir sagen danke. Hier mehr erfahren

×
×
jährlich monatlich
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
CHF60.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
CHF180.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
CHF360.00 / Jahr
zentralplus unterstützen