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«Die Stadt Luzern ist untervertreten»
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Nur einer von zehn Nationalräten stammt bisher aus der Stadt. Das soll sich ändern, finden die Kandidaten. (Bild: zvg)

Stadt gegen Land bei Nationalratswahlen «Die Stadt Luzern ist untervertreten»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 01.10.2015, 13:00 Uhr

Gleich 51 Kandidaten aus der Stadt Luzern wollen in den Nationalrat. Und als Bewohner der bevölkerungsreichsten Gemeinde sollten sie eigentlich gute Chancen haben. Aktuell kommt aber nur einer von zehn aus der Stadt. Ein Experte erklärt, warum. Und die Kandidaten, ob sie etwas dagegen unternehmen.

Der Stadt-Land-Graben ist heiss diskutiert. Es ist offensichtlich, zwischen der Stadt Luzern und etwa dem Entlebuch gibt es gewaltige Unterschiede. Aber statt klischeehaft Chinesen mit Kühen zu vergleichen, analysiert zentral+ die politischen Folgen des Grabens. Rund 80’000 und damit ein Fünftel aller Wähler des Kantons Luzern sind in der Stadt Luzern beheimatet. Doch die Verteilung der Nationalratsmandate ist einseitig. Mit dem Grünen Louis Schelbert stammt genau ein Amtsträger aus der Stadt Luzern – entsprechend neun von ausserhalb.

Stadt gegen Land? Agglo nicht vergessen

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Oliver Dolder, Politexperte

Oliver Dolder, Politexperte

(Bild: zvg)

Politexperte Olivier Dolder von Interface Politikstudien in Luzern erklärt die Untervertretung der Stadt damit, dass der Kanton Luzern politisch seit jeher ländlich dominiert ist. Nur die Stadt zu berücksichtigen, genüge aber nicht, denn die meisten Nationalräte (Birrer-Heimo, Estermann, Fischer, Müri, Schilliger) leben heute in der Agglomeration, also auch einem eher urban geprägten Raum. Dolder erklärt, dass die Parteizugehörigkeit viel entscheidender sei als die regionale Nähe zu einem Kandidaten. «Ein SVP-Wähler aus Kriens wird kaum eine SP-Frau aus Kriens wählen. Viel eher die SVP-Kandidatin aus dem hintersten Ecken des Kantons.»

Auswirkungen auf die Wahlkämpfe der Kandidaten habe der Heimatort kaum. «Man macht dort am effizientesten Werbung, wo das Potenzial am grössten ist», so Dolder. Es sei zwar so, dass Kandidaten in ihrer Heimatgemeinde oft besser abschneiden als in anderen Gemeinden. «Aber Wahlen gewinnt man nicht in einer einzelnen Gemeinde, sondern im Kanton», hält Dolder fest. Im Kanton Luzern sind nur geringe Sitzverschiebungen zu erwarten, die SVP könnte auf Kosten der GLP einen Sitz gewinnen (zentral+ berichtete). Dies würde dazu führen, dass sich die Kandidaten in erster Linie mit den Kandidaten auf der eigenen Liste streiten. «Wer gewählt werden will, muss Mitbewerber aus der eigenen Partei überflügeln.»

Stadtluzerner Kandidaten mobilisieren überall

Die Präsidentin der CVP Stadt Luzern und Nationalratskandidatin Andrea Gmür sieht die Situation gelassen. «Im Nationalrat vertritt man nicht seine Heimatgemeinde, sondern den ganzen Kanton Luzern.» Wobei auch sie zugibt, dass es schön wäre, eine bürgerliche Vertretung aus der Stadt Luzern im Nationalrat zu haben. Dass man auf dem Land die Leute aus dem eigenen Wahlkreis bevorzugt, könne sein, meint Gmür. Im Hinblick auf ihren Wahlkampf erklärt sie, dass sie nicht gross auf das Etikett der Städterin setzt. «Ich kandidiere auf der CVP-Liste und möchte in erster Linie meine Politik – auch in Bern – weiterverfolgen.»

Andrea Gmür, CVP

Andrea Gmür, CVP

«Die Stadt ist für die SVP ein schwieriges Pflaster.»

Peter With, Präsident SVP Stadt Luzern

Der kantonale SP-Präsident und Natioanlratskandidat David Roth hofft, dass die Kandidaten unabhängig von der Gemeindeherkunft, aufgrund ihrer Fähigkeiten gewählt werden, sagt er auf Anfrage. Er stellt aber fest: «Die Stadt Luzern ist eigentlich untervertreten, weil die städtischen Wähler unabhängiger von der Gemeindezugehörigkeit wählen.» Auf dem Land sei das anders. «Man wählt Leute aus der eigenen Gemeinde, die man kennt, oft unabhängig von deren Parteizugehörigkeit.» Spezielle Wahlkampfaktionen macht Roth deswegen aber nicht. «Ich mache dort Wahlkampf, wo die Leute mir helfen. Etwa mit dem Zur-Verfügung-Stellen eines Plakatstandortes.» Dies sorgte aber bereits für Ärger – 35 Plakate Roths wurden mutwillig zerstört (zentral+ berichtete).

David Roth, SP

David Roth, SP

SVP muss auf dem Land reüssieren

«Die Stadt ist insbesondere für die SVP ein schwieriges Pflaster», sagt deren Stadtparteipräsident und Nationalratskandidat Peter With. «Der Stadt-Land-Graben ist durchaus spürbar und wir wissen, wo wir am meisten Potenzial haben.» Den Wahlkampf legt die SVP allerdings auf den ganzen Kanton aus. «Es ist wichtig, nicht nur in seinem eigenen Wahlkreis zu fischen», sagt With. Die SVP besuche mit ihrer Kampagne «SVP on Tour» sämtliche Luzerner Gemeinden und habe gute Resonanz. Angesprochen auf seine eigenen Wahlchancen kommt von With erst ein Lachen. «Um auf der SVP-Liste in die vorderen Ränge zu kommen, muss man viele Panaschierstimmen holen. Dies gelingt nur, wenn man bereits über viele Jahre in der Politik tätig und dementsprechend anerkannt ist», gibt er schliesslich zu Protokoll. Withs Eintritt in die Politik erfolgte 2004 mit dem Eintritt in den Littauer Einwohnerrat, heute sitzt er im Grossen Stadtrat der Stadt Luzern.

Peter With, SVP

Peter With, SVP

«Jede Stimme zählt gleich viel.»

Louis Schelbert, Nationalrat Grüne

Die Frage nach dem Effekt des Stadt-Land-Grabens scheint umstritten. «Ob ich als Stadtluzerner einen Vor- oder Nachteil habe, ist schwierig zu beurteilen», sagt FDP-Kandidat Damian Hunkeler. «Man muss die Stimmen sowohl in der Heimatgemeinde als auch ausserhalb holen.» Der Heimvorteil sei aufgrund der grossen Konkurrenz in der Stadt vielleicht etwas kleiner, so Hunkeler. «Schlussendlich gilt es, über das persönliche Netz möglichst viele Stimmen genieren zu können.»

Damian Hunkeler, FDP

Damian Hunkeler, FDP

Der Grüne Städter im Nationalrat

Und als was sieht sich der einzige Stadtluzerner Nationalrat Louis Schelbert – als Städter oder als Grüner? «Das kommt etwas auf das Thema an», sagt er. Aber gerade in Umwelt- und Energiefragen würden sich die Anliegen der Stadt mit seinen ökologischen Überzeugungen weitgehend decken. Ihm falle aber auch auf, dass vor acht Jahren noch drei Stadtluzerner, Georges Theiler, Pius Segmüller und er, im Nationalrat waren. «Die Glocken der Heimat spielen bestimmt eine Rolle. Und dies auch über die Parteigrenzen hinweg.» Er persönlich versuche alle Räume zu besuchen. «Jede Stimme zählt gleich viel», sagt er. «Und schliesslich vertritt man den ganzen Kanton Luzern.»

Louis Schelbert, Nationalrat Grüne

Louis Schelbert, Nationalrat Grüne

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1 Kommentare
  1. Denis Kläfiger, 01.10.2015, 16:54 Uhr

    Die BDP hat 6 von 10 Kanidaten und Kandidatinnen die aus der Stadt Luzern sind! Warum wurde die BDP dazu nicht auch befragt? Sie gehört schliesslich auch zu den Parteien im Kanton.