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«Die Stadt ist sich nicht über die wirtschaftliche Bedeutung des FCL bewusst»
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FCL–CEO Marcel Kälin ist ein gefragter Mann. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

FCL-CEO Marcel Kälin ist ein Jahr im Amt «Die Stadt ist sich nicht über die wirtschaftliche Bedeutung des FCL bewusst»

5 Min 1 Kommentar 30.09.2017, 18:06 Uhr

Marcel Kälin ist für die Geschicke beim FC Luzern verantwortlich. Seine Vision ist, mit Identifikation mehr Besucher an die FCL-Spiele zu locken. Doch eigentlich wurde er geholt, um mehr Geldgeber an Bord zu holen. Was hat er in seinem ersten Jahr erreicht?

Die Überraschung war gross, als der FC Luzern Marcel Kälin vor einem Jahr als neuen CEO vorstellte. Den 51-Jährigen hatte niemand als Nachfolger für den geschassten Ruedi Stäger auf der Liste. Der Auftrag an ihn war klar: Es müssen mehr Sponsoren an Bord geholt werden (zentralplus berichtete).

Am 1. Oktober 2016 war Kälins erster Arbeitstag. 365 Tage später ist es Zeit für eine erste Bilanz. Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter sagt: «Wir sind mit der Performance von Marcel Kälin sehr zufrieden.» Kälin verfolge die vom Verwaltungsrat vorgegebenen Ziele und stelle den FCL nach unternehmerischen Grundsätzen auf. Einen Verdienst streicht Studhalter besonders hervor: «Das FCL-Umfeld wird neuerdings als ruhig wahrgenommen.»

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Ständige Personalwechsel sollen ein Ende haben

Kälin erzählt fasziniert von seinem Job. Sein Fazit: «Sportlich haben wir die Ziele nicht ganz erreicht, wirtschaftlich haben wir gute Entscheide getroffen.» Der FCL sei auf gutem Weg. «Ich spüre, dass wir Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen müssen, um als verlässlicher Partner wahrgenommen zu werden.» Dazu gehöre auch die Gewissheit, dass etwas Nachhaltiges entstehe. Denn Kälin sagt klar: «In der Vergangenheit gab es zu viele Wechsel beim FC Luzern.»

«Die grössten Geld-Vernichter im Sport sind falsche Personalentscheide.»

Marcel Kälin, FCL-CEO

Von Personalwechseln war auch Kälins erste Zeit geprägt. Finanzchef, Stadionmanager, Sportkoordinator – alle Posten mussten neu besetzt werden. «Sechs Monate war ich Feuerwehrmann», sagt Kälin. Er habe mehrere Rekrutierungen durchgeführt. Und er ist mit seinen Entscheiden zufrieden: «Die grössten Geld-Vernichter im Profifussball sind falsche Personalentscheide.» Mit Remo Meyer etwa haben wir einen Volltreffer gelandet. «Er bringt zusätzliche fussballerische Kompetenz ein, denkt unternehmerisch und hat klare Prinzipien», urteilt Kälin.

«Persönlich freut es mich aber auch, dass ich mit Finanzchef Richi Furrer und Stadionsmanager Dani Böbner zwei Personen in wichtigen Führungspositionen neu im Team habe, welche neben wirtschaftlicher Kompetenz auch eine Fussball-DNA besitzen und den FCL mit viel Herzblut vorbildlich leben», so Kälin weiter.

Sind beim FCL am Ruder. Von links: Trainer Markus Babbel, Medienchef Max Fischer, Sportkoordinator Remo Meyer und CEO Marcel Kälin.

Sind beim FCL am Ruder. Von links: Trainer Markus Babbel, Medienchef Max Fischer, Sportkoordinator Remo Meyer und CEO Marcel Kälin.

(Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

 

Studhalter schwärmt vom neuen CEO

Zwischenzeitlich gab es Gerüchte, Kälins eifrige Art stosse bei der Geschäftsstelle nicht nur auf Gegenliebe. «Jeder Wechsel bringt Veränderungen mit sich. Ich setze mich für Eigenverantwortung und kundenorientiertes Denken ein. Jeder beim FCL muss ein Unternehmer sein.» Kälin sagt klipp und klar: «Wir müssen die Kostenstruktur optimieren und effizienter werden. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen.»

«Für das Generieren von mehr Erträgen ist zwingend Identifikation mit dem FCL notwendig.»

Philipp Studhalter, FCL-Verwaltungsratspräsident

Doch das alles hat noch nichts mit der Anforderung an Kälin zu tun, mehr Geldgeber zu finden. «Die wichtigsten Kaderpositionen sind neu besetzt. Nun können wir aktiv mit der neu geschaffenen FCL-Verkaufsabteilung unter der Leitung von Roland Wermelinger auf Sponsoren zugehen.» Der FCL-CEO hat einen klaren Plan, wie das klappen soll: «Wir haben erkannt, dass wir uns mehr zeigen müssen.» Der FCL stosse bei der Bevölkerung auf Begeisterung. «Wir müssen noch mehr Identifikation schaffen, für klare Werte einstehen und diese leben. So können wir Vertrieb und Verkauf steigern.»

Das sieht auch VR-Präsident Studhalter so: «Für das Generieren von mehr Erträgen ist zwingend Identifikation mit dem FCL notwendig. Dies hat Marcel Kälin schnell erkannt.» Er sei massgeblicher Treiber der FCL-Vision und setze die strategische Ausrichtung um.

Wohin geht’s in dieser Saison

Und wie sieht es aus mit neuen Geldgebern? Schliesslich beträgt das strukturelle Defizit noch immer zwei Millionen Franken pro Jahr. Weder Studhalter noch Kälin lassen sich in die Karten blicken. Kälin: «Wir müssen seriös und nachhaltig arbeiten, dann haben wir Erfolg.»

Der FCL-CEO spricht lieber über das Erreichte als über die offenen Baustellen. «Wir haben unser Kader verjüngt. Die Perspektive, Transfergewinne zu erzielen, ist besser geworden.» Sportlich habe sich der FCL nach der Baisse im Frühjahr gefangen. «Das knappe Scheitern im Kampf um Platz drei hat gezeigt, was in Luzern möglich ist.»

Nach der Niederlage gegen Lausanne spielt der FCL diesen Sonntag in Thun. Kälin mag nicht von einem wegweisenden Spiel sprechen. «Natürlich wollen wir immer gewinnen, aber wir wissen, dass der Fussball unberechenbar ist.» Nach vorne wie nach hinten sei in der aktuellen Phase der Saison alles sehr eng beisammen.

FCL-Präsident Philipp Studhalter (links) gratuliert seinem neuen CEO Marcel Kälin.

FCL-Präsident Philipp Studhalter (links) gratuliert seinem neuen CEO Marcel Kälin.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Kälin verspricht Treffpunkt vor dem Stadion

Mithelfen, sportlich erfolgreich zu sein, soll beim FCL der neue Verteidiger Reto Ziegler. Der ehemalige Nati-Spieler wurde diese Woche verpflichtet: «Wir konnten ihn nur engagieren, weil wir wirtschaftlich fit sind», erklärt Kälin. Die finanziellen Möglichkeiten hätten bei diesem Transfer nur eine untergeordnete Rolle gespielt. «Genau diese Flexibilität müssen wir gewährleisten können», so der CEO.

Helfen würden dem FCL auch mehr Zuschauer in der Swissporarena. Ein Ziel, das sich Kälin auf die Fahne geschrieben hat. «Eine Analyse der Saisonabo-Besitzer hat gezeigt, dass 80 Prozent aus der Stadt und der Agglo Luzern stammen», sagt Kälin. «Wir wollen jedoch die ganze Innerschweiz ansprechen.» Damit dies gelinge, müsse man den Spielbesuch attraktiver gestalten.

Die Stadt ist sich noch immer nicht über die wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung des FCL bewusst.»

Marcel Kälin, FCL-CEO

«Wir wollen einen Treffpunkt beim Stadion. Die Stadt ist sich noch immer nicht über die wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung des FCL bewusst», so Kälin. «Der FCL ist Kultur. Die Stadt darf behaupten, dass die Gelder aus der Billettsteuer zweckgebunden für Sport und Kultur eingesetzt werden.» Immerhin liefere der Verein rund 600’000 Franken Billettsteuer ab und der FCL habe nichts davon. «Hier stimmt es nicht. Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und zuversichtlich, dass wir bald Resultate präsentieren können.»

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1 Kommentare
  1. Hansjörg Kaufmann, 01.10.2017, 13:21 Uhr

    Als FCL-Fan, der bei jedem Spiel am TV dabei ist, freut mich jeder Punkt und die gute Entwicklung mit Markus Babel. Im Stadion bin ich leider nicht mehr wegen dem Pyros und dem gigantischen Polizeiaufgebot in und ums Stadion. Die Billetsteuer macht nicht die Hälfte aus, die wir Steuerzahler für den oben erwähnten Polizeiaufwand bezahlen. Es ist weit über eine Million CHF. Wenn das Umfeld wieder stimmt, bin ich auch wieder im Stadion und bezahle gerne 5-10 Franken mehr, aber nicht mit der Steuerrechnung.