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«Die Sprüche kommen dann noch»
  • Politik
Wir haben es wieder getan. Einen Politiker vor dem Bahnhof in Zug fotografiert. Zu unserer Verteidigung: In die andere Richtung war Fasnacht. Hier im Bild: Luzian Franzini. (Bild: fam)

Zuger wird Präsident der Jungen Grünen Schweiz «Die Sprüche kommen dann noch»

5 min Lesezeit 09.02.2016, 09:11 Uhr

Schon wieder ein Zuger im Parteipräsidium der Jungen Grünen. Wieso das? Und was hat der 18-jährige Luzian Franzini vor? Die Welt retten? Das sehen wir uns genauer an.

Er hat gerade die Matura gemacht, jetzt will er Präsident einer nationalen Partei werden – respektive ist es schon. Co-Präsident, um genau zu sein. Der Zuger Luzian Franzini übernimmt das Steuer der Jungen Grünen Schweiz vom abtretenden Andreas Lustenberger.

zentral+: Luzian, wieso zieht es dich ausgerechnet in die Politik – stattdessen wär’s doch Zeit für ein Austauschjahr, feiern und reisen, wie das fast alle anderen 20-Jährigen nach der Matura tun.

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Luizan Franzini: Das stimmt schon, und ich konnte bereits im Herbst einen längeren Auslandaufenthalt verwirklichen. Doch mein politisches Engagement bedeutet mir sehr viel, es würde mir etwas fehlen, wenn ich es nicht mehr hätte. Bei dem Elend auf dieser Welt kann und will ich nicht teilnahmslos zuschauen.

zentral+: Und hast du auch was auf dem Kasten? Traust du dir das zu?

Franzini: Ja (lacht). Ich bin ein Teamplayer und habe schon einige politische Erfahrungen gesammelt, etwa bei der Einreichung unserer Wohnraum-Initiative. Offenbar hat meine Bewerbung die Jungen Grünen überzeugt.

zentral+: Wie hat deine Familie auf die Wahl reagiert?

Franzini: Naja, die Sprüche kommen dann noch an den Familienfesten, wenn die Jungen Grünen Vorstösse lancieren. Meine Familie ist, ausser meinen Eltern, sehr bürgerlich. Da wird dann schon gestichelt: Was habt ihr euch dabei wieder gedacht? (lacht).

«Ich bin vielleicht kein ‹Fundi›, dem man seine politische Gesinnung sofort ansieht, doch der Umweltschutz ist eines der zentralen Themen meiner politischen Arbeit.»

zentral+: Wie grün bist du wirklich?

Franzini: Mein Lebensstil ist ökologisch nicht perfekt, ich schaue zwar bewusst auf meine Mobilität, benutze konsequent öV und das Velo, aber ich bin zum Beispiel kein Vegetarier, ich esse Fleisch. Das ist mit einem grossen Ressourcenverbrauch verbunden. Ich muss reduzieren, damit wir unseren Nachkommen einen sauberen Planeten hinterlassen können. Ich bin vielleicht kein «Fundi», dem man seine politische Gesinnung sofort ansieht, doch der Umweltschutz ist eines der zentralen Themen meiner politischen Arbeit. Die Jungen Grünen unterscheiden sich nicht nur bei der Auswahl ihrer Kernthemen, sondern auch bei der Art ihrer Politik von anderen jung-linken Gruppierungen. Wir bringen Fakten und Lösungen, anstatt mit provokativen, medial wirksamen Slogans zu agieren.

zentral+: Also hast du in deiner Jugend keine Farbbälle an die Glencore-Zentrale geworfen?

Franzini: (grinst) Nein, das passt nicht zu mir.

zentral+: Was willst du mit den Jungen Grünen Schweiz erreichen?

Franzini: Es stehen viele wichtige Themen an, in denen ich mich einbringen kann. Und es stehen viele Kampagnen an. Die Grünen haben eine Wahlschlappe erlebt, jetzt geht es darum, sie wieder zu stärken. Wir von den Zuger Grünen können der Partei eine neue Ausrichtung geben.

zentral+: Die Zuger Grünen sind im Vergleich zu den anderen kantonalen Parteien stärker nach links ausgerichtet, nach der Wahlniederlage im Jahr 2015 wurden Stimmen laut, die eine Rückkehr aufs monothematische Ökologie-Thema forderten. Da passt du ja schlecht dazu.

Franzini: Das stimmt, wir sind eher links, und dass ich ins Präsidium der Jungen Grünen gewählt wurde, zeigt ja auch, dass es Kräfte gibt, die eine konsequent linke Ausrichtung der Jungen Grünen wünschen. Wir sind das linke Gewissen der Mutterpartei, das ist unsere Aufgabe. Meine Motivation ist es grundsätzlich, den Menschen über das Geld zu stellen, das ist ein soziales und linkes Anliegen. Die momentane Wirtschaftspolitik geht schlicht nicht auf: Es wird zwar überall bei den Staatsausgaben gespart, damit die Steuern tief gehalten werden können, aber der Wettbewerb um die Gunst der Unternehmen kennt schlussendlich nur Verlierer. Dabei ist gerade die Bildung das wichtigste Kapital der Schweiz. Es braucht einen Diskurs über die grundsätzliche Ausrichtung unserer Wirtschaft. Und ich möchte auch vor allem den jungen Leuten aufzeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen ihrem tagtäglichen Leben, zum Beispiel der Höhe ihres Lohnes, und dem Kräfteverhältnis der Parteien im Parlament.

zentral+: Du löst Andreas Lustenberger ab, wieso ist nun schon wieder ein Zuger im Präsidium der Jungen Grünen?

Franzini: Ich denke, Zug ist ein spezieller Ort für junge Menschen mit ökologischen und sozialen Anliegen: Mit seinen internationalen Rohstoffhandelsfirmen bildet sich hier vielleicht ein besonders starkes Bewusstsein für globale Zusammenhänge und ökologisch-soziale Politik. Wir sind hier sehr stark verwurzelt, sind eigentlich die linke Kraft im Kanton.

zentral+: Das sieht die Zuger SP wohl anders, allerdings gibt es zwischen den Jungen Grünen und der JUSO in Zug ein starkes Bündnis – wirst du diese Zusammenarbeit auch schweizweit zu erreichen versuchen?

Franzini: Das stimmt, in Zug arbeiten die beiden Jungparteien sehr eng zusammen, wir haben die Wohnungs-Initiative zusammen lanciert, helfen uns beim Unterschriftensammeln. Ich habe zum Beispiel auch auf der Strasse Unterschriften für die JUSO-Initiative gegen Nahrungsmittelspekulation gesammelt, weil ich das Anliegen sehr wichtig finde. Schweizweit ist dies leider nicht überall verwirklichbar, es gibt auch Kantone, in denen die beiden linken Jungparteien überhaupt nicht miteinander umgehen können.

zentral+: Was macht denn das gute Verhältnis der Jungparteien in Zug aus?

Franzini: Wir kennen uns gegenseitig gut und haben schon erfolgreich zusammengearbeitet, und unsere Anliegen sind oft kompatibel. Ich habe zum Beispiel für die Nahrungsmittelspekulations-Initiative sogar einmal Telefondienst gemacht, obwohl das gar nicht mein Ding ist, die Leute am Feierabend noch zu nerven. Es darf einfach nicht sein, dass das Wohlergehen von Familien in Drittweltländern davon abhängig ist, ob ein Händler hier auf ein Nahrungsmittel spekuliert oder nicht. Das können sich die Leute hier gar nicht vorstellen, was das in einem Drittweltland auslöst, wenn Grundnahrungsmittel plötzlich 70 Prozent teurer sind, und was das für eine arme Familie mit Kindern bedeutet.

zentral+: Für dich stehen gleich mehrere Wechsel auf dem Plan. Wie geht das alles gleichzeitig?

Franzini: Das stimmt, ich werde diesen Herbst in Genf mein Studium der Internationalen Beziehungen beginnen und gleichzeitig in Bern mit der Arbeit als Co-Präsident der Jungen Grünen anfangen. Ich denke, das geht zusammen, aber klar: Es ist beides fordernd. Andreas Lustenberger hat beispielsweise ein ganzes Jahr sein Studium unterbrochen, um das Asylgesetzreferendum durchzuziehen. Es kommt immer darauf an, wie fest man sich engagieren kann. Wir sind zum Glück drei Co-Präsidenten, da verteilt sich die Arbeitslast.

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