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Die SP greift an und setzt Manuela Jost unter Druck
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Die SP will mit Beat Züsli und Judith Dörflinger ins Rennen um die Stadtratssitze steigen. (Bild: les)

Luzerner Stadtratswahlen versprechen Spannung Die SP greift an und setzt Manuela Jost unter Druck

4 min Lesezeit 24.09.2019, 18:23 Uhr

Mit Judith Dörflinger visiert die Stadtluzerner SP im März 2020 einen zweiten Stadtratssitz an. Obwohl sich die Kandidatur offiziell nicht gegen eine bestimmte Person richtet, ist klar: Am meisten zittern muss die grünliberale Manuela Jost. Wieso der GLP-Parteipräsident dennoch zuversichtlich ist.

Während der Wahlkampf für den National- und Ständerat noch im vollen Gang ist, schielt die Stadtluzerner SP bereits auf die Wahlen im kommenden Frühling. Dann wählen die Luzerner Gemeinden ihre Exekutiven neu. In der Stadt will die SP einen zusätzlichen Sitz erobern. Sie schickt neben Stadtpräsident Beat Züsli auch Judith Dörflinger ins Rennen (zentralplus berichtete).

«Wir wollen einen Stadtrat, der mutig vorangeht und wirklich anpackt», begründete Parteipräsident Claudio Soldati diesen Dienstag vor den Medien. «Über diese Eigenschaften verfügt der aktuelle Stadtrat nicht.» Er nennt als Beispiele die Umsetzung der beiden angenommenen Initiativen für eine autofreie Bahnhofstrasse und ein carfreies Inseli. «Die SP sieht sich in der Pflicht mehr Verantwortung zu übernehmen», sagt Soldati.

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Dörflinger setzte sich intern durch

Judith Dörflinger erklärt, dass das letzte Jahr sie politisch geprägt hat. «Themen wie die Klimaerwärmung und Gleichstellung stehen endlich wieder weit oben auf der politischen Agenda», so die 50-Jährige. Dörflinger war von 2013 bis 2017 Mitglied des Stadtparlaments. Da sie inzwischen als Schulleiterin bei der Stadt Luzern angestellt ist, war das politische Mandat nicht mehr mit dem Job vereinbar.

«Wir haben mit mehreren Personen gesprochen, in erster Linie mit Frauen.»

Claudio Soldati, SP-Präsident

«Ich bringe die notwendige Entschlossenheit und den Durchhaltewillen mit», erklärte sie. «Ich möchte die Herausforderungen dieses Amtes annehmen und visionär, aber nicht blauäugig die Zukunft unserer Stadt mitgestalten», sagt Dörflinger. Es habe sich relativ schnell herausgestellt, dass sie die ideale Kandidatin sei, erklärte Claudio Soldati. «Wir haben mit mehreren Personen gesprochen, in erster Linie mit Frauen», so der Parteipräsident.

Mit Dörflingers Kandidatur kommt Dampf in den Stadtratswahlkampf, denn sämtliche Bisherige treten erneut an (zentralplus berichtete). Die Sitze von Beat Züsli (SP), Martin Merki (FDP) und Adrian Borgula (Grüne) dürften nicht gefährdet sein, sie schafften es vor vier Jahren im ersten Wahlgang. Auch der CVP-Sitz von Franziska Bitzi, die im Herbst 2016 als Nachfolgerin von Stefan Roth gewählt wurde, wackelt kaum. Am stärksten ins Visier gerät die Grünliberale Manuela Jost.

Muss GLP-Jost nun zittern?

«Die SP bezweckt mit dem Zweierticket keinen Angriff auf bestimmte Stadträte», sagte Claudio Soldati an der Medienkonferenz. Dies kann die Partei zwar beteuern, an der Ausgangslage ändert es aber nichts. Die GLP-Stadträtin musste bei den letzten Wahlen in den zweiten Wahlgang und verfügt klar über die kleinste Fraktion im Rücken.

Darauf angesprochen erklärt Soldati: «Am Schluss entscheidet die Bevölkerung. Wir wollen eine Auswahl bieten.» Sowohl Dörflinger als auch Züsli teilen diese Haltung. «Die Amtierenden wissen, dass man sich bei Wahlen behaupten muss», erklären sie.

«Für die dynamische Entwicklung der Stadt Luzern ist es wichtig, dass der Stadtrat nicht weiter polarisiert wird.»

Marcel Dürr, GLP-Präsident

Interessant in diesem Zusammenhang: Die SP unterstützte bei den letzten Wahlen im zweiten Wahlgang Manuela Jost. Viel zu reden gab damals ein umstrittener Geheimdeal (zentralplus berichtete). Die bürgerlichen Parteien unterstützten damals im zweiten Wahlgang Stefan Roth und Peter With (SVP).

Dass sich die SP für die Zeit nach Manuela Jost in Position bringen wird, wurde erwartet. Jetzt strebt sie bereits im kommenden Frühling eine Mehrheit von SP und Grünen im Stadtrat an.

Manuela Jost wird also wieder nach Unterstützung Ausschau halten. Das bürgerliche Lager unterstützte Jost bereits 2012. Damals versuchte die SP bereits einmal, einen zweiten Sitz zu erobern – mit einem gewissen Beat Züsli.

GLP bleibt optimistisch

Marcel Dürr, neuer Parteipräsident der städtischen Grünliberalen, ist sich der schwierigen Ausgangslage bewusst: «Da sich alle Mitglieder des Stadtrates zu einer Wiederwahl stellen, zielt das Vorhaben auf die Abwahl eines bestehenden Mitglieds, vorwiegend wohl gegen unsere Stadträtin Manuela Jost.»

Baudirektorin Manuela Jost musste bislang immer in den zweiten Wahlgang.

Die GLP rechnet ihrer Stadträtin aber gute Chancen auf die Wiederwahl aus. Dies aufgrund ihres Leistungsausweises und ihrer Rolle als Brückenbauerin, wie Dürr erklärt. Er zeigt sich überzeugt, dass die Positionen der Grünliberalen von einem wachsenden Teil der Luzerner Bevölkerung geteilt wird. «Dies zeigt sich in den aktuellen Wahlergebnissen und Wahlumfragen», sagt Dürr.

Eine Mehrheit von Grünen und SP in der Exekutive betrachtet Dürr kritisch. «Für die dynamische Entwicklung der Stadt Luzern ist es wichtig, dass der Stadtrat nicht weiter polarisiert wird, sodass konstruktive Ansätze möglich bleiben.»

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