Die Solidarität ist riesig: Zug erlebt einen Ansturm von Freiwilligen
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Gerade viele Junge engagieren sich nun in der Nachbarschaftshilfe. (Symbolbild: ida)

Hier finden Zuger Hilfe und Unterstützung Die Solidarität ist riesig: Zug erlebt einen Ansturm von Freiwilligen

4 min Lesezeit 2 Kommentare 12.04.2020, 12:00 Uhr

Jüngere erledigen für Ältere Einkäufe, holen Medikamente und sind für einen Schwatz zu haben: Im Kanton Zug hat sich aufgrund der Corona-Krise innert kürzester Zeit eine zentrale Anlaufstelle für Nachbarschaftshilfe organisiert. Wie das funktioniert – und die Hilfsangebote im Überblick.

Die Corona-Krise stellt unseren Alltag auf den Kopf. Doch sie hat ihr Gutes: Die Jüngeren helfen den Älteren, die «Stärkeren» greifen denen unter die Arme, die schwächer sind.

Um Menschen in der Risikogruppe zu helfen, wurde im Kanton Zug innert Tagen die zentrale Koordinationsstelle für Nachbarschaftshilfe gegründet. Ziel war es, «eine gute Power» zu entwickeln und die Ressourcen zu bündeln. Sprich, alle Gemeinden sowie Organisationen und Institutionen, die sich bereits im Bereich der Freiwilligenarbeit engagieren, zusammenzubringen. So erklärt es Thomas Bonati von der Sovoko-Geschäftsstelle. Der Lead dieser Koordinationsstelle liegt bei der Sozialvorsteherinnen- und Sozialvorsteher-Konferenz der Zugerischen Gemeinden (Sovoko).

Ihre Aufgabe ist es, Menschen zusammenzubringen: Helfer und Seniorinnen und Senioren sowie andere Personen aus der Risikogruppe, die jetzt Unterstützung brauchen.

Innert 48 Stunden ein KMU aufgebaut

Hier findest du Hilfe

Die zentrale Anlaufstelle ist die Sovoko. Du erreichst sie unter der Nummer 041 723 89 60.

Weitere Anlaufstellen:

Die rasche Ausbreitung des Corona-Virus, forderte schnelle Lösungen. «Wir haben innert 48 Stunden ein KMU auf die Beine gestellt», sagt Bonati. Täglich arbeiten fünf bis zehn Personen in der zentralen Koordinationsstelle aus allen elf Gemeinden und Partnerorganisationen. Zudem sind noch etwa 40 Schlüsselpersonen dezentral in den Gemeinden im Einsatz.

Im Aufbau der Organisation musste man in kurzer Zeit die internen Abläufe, die Datenverarbeitung und Öffentlichkeitsarbeit festlegen. Alle Helferinnen und Helfer unterzeichnen nun mit der Koordinationsstelle eine Vereinbarung. Sie dient dazu, sich selbst und Risikogruppen zu schützen. «Bei einigen Prozessen haben wir zudem mit dem Kantonsarzt Rücksprache genommen», sagt Bonati.

Jeder bekommt einen persönlichen Helfer

Gerade kläre man ab, ob in Ausnahmefällen innerhalb eines Haushalts mitgeholfen werden kann. Gerade bei Risikogruppen ist das sehr heikel. Auch mit Pro Senectute und der Spitex sei man im Austausch. Denn Bonati betont: «Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sind keine Blaulicht-Organisation und keine Spitex.»

Die zentrale Koordinationsstelle will den Menschen Sicherheit und gezielte Unterstützung geben. Menschen, die Hilfe brauchen, erhalten ihren persönlichen Helfer. Es bilden sich sogenannte Unterstützung-Tandems. Diese machen ab, worin die Hilfe besteht. Die Palette reicht vom Einkaufen bis zum Besorgen von Medikamenten.

Bonati erklärt, wie das Ganze abläuft: Beispielsweise kontaktiert Herr Müller aus Steinhausen die zentrale Koordinationsstelle für Nachbarschaftshilfe. Er weiss nicht, wie er sein Medikament holen kann. Die Koordinationsstelle nimmt Herr Müller in ihrer Kartei auf und sucht jemanden aus ihrem Helferpool, der aus der Nähe kommt und Herrn Müller das Medikament bringen kann. Die Koordinationsstelle bringt die beiden zusammen – danach können sich die beiden selbst organisieren.

Mehr Helfer als Hilfesuchende

Das Angebot hat Anklang. «Die Corona-Krise hat eine enorme Solidaritätswelle ausgelöst», sagt Bonati. In ihrer Kartei haben sie rund 900 Helferinnen und Helfer. Bereits 450 Tandems wurden gebildet. Er gibt mehr helfende Hände als Suchende – das freut Bonati.

«Das sind prägende Erfahrungen, die man in seinem Lebenslauf mitnimmt.»

Thomas Bonati, Sovoko-Geschäftsstelle

Dass sich Hunderte bei ihnen gemeldet haben, zeigt ihm zwei Dinge: Längst noch nicht jeder ist auf Hilfe angewiesen. Das heisst, die sozialen Netze funktionieren vielerorts gut. «Viele haben jedoch Mühe, passende Hilfe aus dem eigenen Umfeld zu aktivieren.» Für diese sei die Nachbarschaftshilfe enorm wichtig. «Und das nicht nur in der Corona-Krise.»

Die Alten lehnen sich zurück, die Jungen springen in die Bresche

Mit der Corona-Krise zeichnet sich ein Generationenwechsel ab. «Früher waren es vor allem Seniorinnen und Senioren, die Freiwilligenarbeit in der Nachbarschaftshilfe leisteten. Jetzt haben wir einen grossen Anteil an jungen Leuten, die helfen wollen.»

Für einmal können sich also die Senioren, die sich sonst engagieren, zurücklehnen. Wie nachhaltig dieses Engagement ist, wird sich zeigen. Doch Bonati ist optimistisch, dass Jüngere ihre Einsätze nach der Corona-Krise weiterführen werden: «Sie realisieren, wie nur schon kleine Erledigungen – wie ein Einkauf – für jemand anderes eine grosse Freude bereiten kann. Das sind prägende Erfahrungen, die man in seinem Lebenslauf mitnimmt.»

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2 Kommentare
  1. mebinger, 12.04.2020, 13:04 Uhr

    Vorgezogene Corona-Schlussbilanz

    Im Sommer werden die Corona-Analysen nur so auf uns niederprasseln. Aber Hand aufs Herz, es braucht nicht viel Mut und Verstand, um nachträglich zu analysieren und ich veröffentliche deshalb jetzt schon die Schlussbilanz!

    Wir werden feststellen, dass Corona «in der Wirkung» eine ganz normale Grippewelle darstellte, welche massiv weniger Opfer gefordert hat als die saisonale Grippe 2015.
    Wir werden uns verwundert die Augen reiben, weil der für Mai vorausgesagte Ansturm auf die Spitäler ausblieb. Die Experten und Politiker werden uns eintrichtern, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hätten und nicht hätten voraussehen können, dass alles nur halb so schlimm sei (Obwohl die BAG-Daten dies seit Wochen klar belegen).
    Wir werden uns keine grundlegenden Fragen stellen über die Folgen der jahrelangen auf Angst basierenden Politik, die aus uns freien Bürgern ein verängstigtes folgsames Herdentier gemacht hat. Wir werden die Sparpolitik nicht hinterfragen, welche unser Gesundheitssystem so herabgefahren hat, dass es bei einer ernsthaften Gefahr sofort kollabieren würde. Wir werden mit einer sinnlosen Steuerpolitik weiterhin dem Sozialstaat die Substanz entziehen und Steuern senken, eine Senkung, welche dem Kleinen nichts bringt und somit auch den Konsum nicht ankurbelt. Unsere Politik wird weiterhin die Kleinen schikanieren und den Konzernen entgegen dienen. Sie wird sich aber verwundert die Augen reiben, weshalb so viele Gewerbetreibende nun Konkurs anmelden und viele Startups sich gar nicht mehr trauen was Neues an zu fangen. Die Konzerne werden sich über die Milliardengewinne während des Lockdowns freuen und vor allem befriedigt feststellen, dass viele kleine Konkurrenten nicht mehr da sind. Und wir werden weiter statt einheimisch Saisonales, geschmacklose Erdbeeren aus Süd Spanien kaufen und nicht mehr zum Hofladen gehen.

    Was zu hundert Prozent jetzt schon gesagt werden kann ist, das kein einziges politisches Gremium zur Verantwortung gezogen wird, für den abgerichteten Schaden und alle werden versuchen uns klar zu machen, dass der Lockdown Schlimmeres verhindert hat und wird werden ganz brav das glauben, obwohl die Zahlen klar belegen, das dem nicht so ist.

    Wir bleiben so unkritisch wie bisher, da wir so besser regier- und manipulierbar sind, was unsere Politiker freut, die sich feige von ihrer Arbeit gedrückt haben und nicht fähig sind einfachste Statistiken zu analysieren!

    1. Andrea Stahl, 12.04.2020, 13:45 Uhr

      Bravo. Man könnte es nicht besser prognostizieren. Und wir werden uns selbst feiern, wie solidarisch wir doch in dieser „Krise“ gewesen sind und uns einreden, dass dies jeden Preis wert ist, den wir aufgrund der masslosen Überreaktion in Zukunft zahlen müssen.

2021-01-19 21:34:54.421555