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Bedeutend mehr Autos auf der kleinen Strasse: Die Moosstrasse ist während den Stosszeiten ständig verstopft. (Bild: cha)

Mehr Verkehrsbelastung in der Neustadt «Die Situation ist äusserst bedenklich»

3 min Lesezeit 3 Kommentare 13.01.2015, 05:47 Uhr

Die durchgezogene Busspur auf der Pilatusstrasse verlagert den Verkehr in die Moosstrasse. Der Mehrverkehr belastet allerdings nicht nur die Nerven der Autofahrer. Lokale Gewerbe leiden unter der erheblichen Verkehrsbelastung und deren Konsequenzen. Ein schleichender Prozess, der erste Opfer fordert.

Wer mit dem Auto von der Neustadt zum Bahnhof gelangen will, muss seit drei Monaten einen Umweg in Kauf nehmen. Aufgrund der verlängerten Busspur ist das Abbiegen von der Pilatusstrasse zum Bahnhof nicht mehr möglich. Die Ausweichroute führt über die Moosstrasse, den Bundesplatz und die Zentralstrasse. Die Folge: Die Verkehrsbelastung auf der betroffenen Strecke hat deutlich zugenommen. Während sich die Autofahrer zu den Stosszeiten auf der Moos- und Zentralstrasse im Stehen üben, hat die Verkehrssituation in der Neustadt für anliegendes Gewerbe weitreichende Konsequenzen.

Einerseits ist es die schlechtere Erreichbarkeit für Detailhändler und Gewerbe. Andererseits verstärkt der Mehrverkehr das bekannte Parkplatzproblem im Gebiet der Moos- und Bundesstrasse sowie dem Bundesplatz.

Donnini schliesst nach 60 Jahren

Der Mehrverkehr fordert bereits sein erstes Opfer. Die Papeterie Donnini lockt derzeit mit Rabatten auf das gesamte Sortiment. Der Grund: Das traditionelle Unternehmen an der Bundesstrasse 34 muss schliessen. Während rund 60 Jahren verkaufte das Familienunternehmen Büromaterialien. Zwar sei die Verkehrssituation nicht der alleinige Grund für die Geschäftsaufgabe, habe jedoch massgeblich dazu beigetragen, sagt Beat Donnini. Er führte die Papeterie in dritter und letzter Generation.

«Die Situation ist äusserst bedenklich», sagt André Bachmann, Vorstandsmitglied der City-Vereinigung und Co-Präsident der IG Wirtschaft und Mobilität auf Anfrage. Das Angebot auf dem Marktplatz Stadt Luzern werde mit jedem geschlossenen Detailhändler ärmer. «Viele Fachgeschäfte sind in der Altstadt bereits verschwunden, die teilweise durch Filialbetriebe ersetzt wurden. Diese Tendenz schwappt nun zunehmend auf die Neustadt über», so Bachmann.

«Insbesondere Parkmöglichkeiten sind wichtige Faktoren der Standortqualität»

André Bachmann, Vorstandsmitglied der City-Vereinigung

Schlechtere Parkmöglichkeiten

Zwar dürfe die Schliessung der Papeterie Donnini nicht nur auf die schlechtere Erreichbarkeit reduziert werden. «Mobilität und insbesondere die Parkmöglichkeiten sind wichtige Faktoren der Standortqualität.» Die Parksituation entwickle sich schleichend negativ und beeinflusse zahlreiche Unternehmen in ihrer Entwicklung, gibt André Bachmann zu bedenken.

Bis zu 600 Parkplätze weniger

Im gleichen Atemzug mit der Favorisierung des Projekts «Parkhaus Musegg» hat der Stadtrat bekannt gegeben, bis zu 600 Parkplätze in der Innenstadt aufzuheben (zentral+ berichtete). Problematisch ist, dass es in der Neustadt kaum Parkhäuser gibt und die mobile Kundschaft auf Parkplätze angewiesen ist.

Der mangelhaften Parksituation in der Neustadt schliesst sich Markus Gehrig, Besitzer der Drogerie und Farben AG, an. Sein Geschäft liegt unmittelbar an der Moosstrasse. Er sagt: «Der Verkehr ist schon extrem während den Stosszeiten.» Zwar habe er bezüglich der Kundschaft in den letzten drei Monaten keinen grossen Unterschied gemerkt. Vielmehr mache dem Geschäft jedoch die Parksituation zu schaffen. Gehrig präzisiert: «Immer wieder beschweren sich Kunden, dass sie keine Möglichkeit haben, in unmittelbarer Nähe des Geschäfts zu parkieren. Und wer will schon einen 15 Kilogramm schweren Farbkübel mit dem Bus oder zu Fuss nach Hause tragen?»

Was kann die Politik tun?

«In erster Linie könnte hier die Politik entgegenwirken, indem sie sich bewusst wird, dass die Einzelmassnahmen zwar als verträglich erscheinen, das Gesamtpaket jedoch dramatische Auswirkungen haben kann», so der Co-Präsident der IG Wirtschaft und Mobilität. Bachmann nimmt auch die Stimmbürger sowie die Vertreter im Detailhandel und Gewerbe in die Pflicht: «Erstere sind gefragt, bei Abstimmungen die Weichen entsprechend zu stellen. Die Gewerbevertreter ihrerseits müssen sich bereit erklären, politische Arbeit zu leisten.» Fragen der Mobilität müssten mit der Agglomeration gelöst werden. «Denn es sind ja auch Kunden ausserhalb der Stadt Luzern, die wir bei uns begrüssen möchten.»

Weitere Geschäfte im Gebiet der Moosstrasse haben bisher keine auffallende Auswirkung auf die Zahl der Kundschaft erlebt. Allerdings zeigt sich, dass der Abschnitt zunehmend an Attraktivität für die Detailhändler verliert. So ist zum Beispiel seit mehreren Monaten bereits der Kiosk bei der Einmündung Moosstrasse/Dornacherstrasse zur Vermietung ausgeschrieben. Und auch für die anliegenden Räume – in denen zuvor ein Tattoo-Studio eingemietet war – wird ein Nachmieter gesucht.

Und obwohl die meisten Detaillisten von der neuen Verkehrsführung bisher keine Konsequenzen zu spüren bekommen haben, dürfte die «schleichend negative Entwicklung der Parkmöglichkeiten» künftig für grössere Probleme sorgen.

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3 Kommentare
  1. Michael Töngi, 13.01.2015, 14:19 Uhr

    Mir ist nich bekannt, dass in den letzten Jahren en masse Parkplätze aufgehoben wurden. Zudem gibt es ein Parkhaus in der Winkelriedstrasse. Wo sollten denn zusätzlichen Parkplätze hin?
    Das echte Problem ist doch die Konkurrenz der Zentren wie der Pilatus-Markt oder diese Mall in Ebikon.

  2. Steffi Bergmann, 13.01.2015, 14:17 Uhr

    Ich kann Stefan Jäggi nur zustimmen. Das grösste Übel ist wirklich die Bequemlichkeit. Ein Arbeitsweg von 900 Metern muss mit dem Auto zurückgelegt werden. 50 Meter vom Parkplatz zum Laden laufen ist zuviel verlangt. In der Bernstrasse hat es für Schubi und Denner zig Parkplätze. Aber die Leute müssen auf dem Trottoir Parken, so das man als Fussgänger teilweise sogar auf die Strasse ausweichen muss.

  3. Stefan Jäggi, 13.01.2015, 10:46 Uhr

    Seit mehr als 25 Jahren wohne ich in der Stadt Luzern. Ich habe nie ein Auto besessen, sondern bin Mobility-Mitglied. 99% meiner Einkäufe kann ich zu Fuss erledigen, Grosseinkäufe in Einkaufszentren der Agglomeration kommen nicht in Frage. Falls ich einmal einen schweren Gegenstand transportiert haben muss, hilft mir ein Taxi oder der Velokurier. Das Problem liegt nicht beim Fehlen der Parkplätze, sondern bei der Bequemlichkeit der Kunden.