«Die Situation in der Gastrobranche hat uns stark getroffen»
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Geschäftsführerin Barbara Vogel leitet ihre Tee-Boutique seit 23 Jahren. (Bild: zvg)

Luzerner Tee-Boutique «L'art du thé» «Die Situation in der Gastrobranche hat uns stark getroffen»

5 min Lesezeit 20.12.2020, 11:30 Uhr

Die kalten Wintermonate laden dazu ein, sich mit einer heissen Tasse Tee vor den Kamin zu setzen. Doch woher kommt der Tee und welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf die Luzerner Teeproduktion? zentralplus hat bei der Boutique «L’art du thé» nachgefragt.

Die Teeboutique «L’art du thé» an der Burgerstrasse in Luzern sieht auf den ersten Blick aus wie eine altertümliche Apotheke: dunkle Holzregale und darauf unzählige etikettierte Dosen und Behälter. Damit zollt man indirekt der eigenen Vergangenheit Tribut.

Denn früher, erzählt uns Deborah Eggerschwiler-Vogel, die stellvertretende Geschäftsleiterin, fand Tee hauptsächlich in der Medizin Verwendung. «Man ging in die Drogerie, um Tee zu kaufen.» Eine Teekultur, wie man sie hierzulande mittlerweile kennt, hat sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt. «Heute gilt Tee als Genussmittel, das sich in verschiedenen Trends etabliert hat.» So seien in den letzten Jahren vermehrt vor allem Eistees, biologische Tees und Gesundheitstees für Wellness-Zwecke aufgekommen.

Deborah Eggerschwiler-Vogel agiert als stellvertretende Geschäftsleiterin und HR-Fachfrau. (Bild: zvg)

Europa ist eine Teewüste

Das Geschäft wird als Familienbetrieb geführt. Barbara Vogel hat den Laden vor 23 Jahren eröffnet und führt ihn – und die dazugehörige Fabrik in Ballwil – bis heute als Geschäftsleiterin. Ehemann Markus ist für die Technik zuständig und Tochter Deborah fungiert nebst der Funktion als stellvertretende Geschäftsleiterin auch als HR-Fachfrau. Insgesamt beschäftigen sie zurzeit acht Mitarbeiter.

Die Schweiz – und generell Europa – sind nicht gerade für eigene Teesorten bekannt, sieht man einmal von Kräutertees ab. «Das liegt am Klima», erklärt Deborah Eggerschwiler-Vogel. Teesträucher brauchen vor allem viel Wärme, Sonne und Wasser. «Und keinen Schnee», ergänzt sie und lacht. Zwar gibt es auch in Europa Teegärten, die würden den Produktionsbedarf allerdings nicht decken können.

Darum wird der Tee auch heute noch hauptsächlich aus asiatischen Ländern importiert. «Wir beziehen unsere Tees hauptsächlich aus China, Japan, Sri Lanka und Indien.» Immer mehr versuche man aber auch Produkte aus Ländern zu berücksichtigen, die teemässig noch «in den Kinderschuhen stecken» wie Eggerschwiler-Vogel sagt – beispielsweise Vietnam, Laos oder Thailand.

Privilegierte Teebauern

Für Deborah Eggerschwiler-Vogel ist auch die Beziehung zu den Teebauern vor Ort von grosser Bedeutung. Auch, weil immer wieder Kritik um die Behandlung und Vergütung von lokalen Bauern laut wird – beim Tee- wie auch beim Kaffeeanbau.

Eggerschwiler-Vogel lässt diese Kritik aber nicht gelten – zumindest nicht für «L’art du thé». «Das ist ein Schweiz-Problem», sagt sie. «Hier sieht man nur, wie wenig die Leute nach unseren Massstäben verdienen.» Vor Ort sehe man aber, wie privilegiert die Teebauern eigentlich sind. «Sie haben die Möglichkeit, bei den Teegärten zu wohnen und ihre Kinder können eine Schule besuchen.»

Man sei immer wieder vor Ort, um die Produktion zu überprüfen und mit den Leuten zu sprechen. «Wir unterstützen die Teegärten und die Bauern, indem wir direkt bei ihnen einkaufen und nicht bei Teebörsen.»

Made in Lucerne

In der Regel ist es Geschäftsführerin Barbara Vogel, die vor Ort reist und sich in den Teegärten umschaut und die Ware einkauft. Diese wird dann nach Luzern gebracht – meist über den Wasserweg, selten auch mit dem Flugzeug – und in der Fabrik in Ballwil weiterverarbeitet.

Gearbeitet wird da nach dem «one roof«-Konzept. Heisst: Die importierte Ware wird vor Ort gelagert, weiterverarbeitet und vertrieben. Auch die Teebeutel werden intern gefertigt. «Das ermöglicht uns, unterschiedliche Blattgrössen zu verarbeiten», erklärt Vogel-Eggerschwiler. Pro Sorte werden jeweils mehrere 100 Kilogramm Tee aufs Mal verarbeitet. Rund 12 Tonnen werden jährlich als Beuteltee abgepackt.

Die Teebeutel werden vor Ort produziert (Bild: zvg)

Schnell auf Corona reagiert

Daran hat sich auch während der Corona-Krise nichts geändert. Und trotzdem hat sich die Pandemie massgeblich auf das Geschäft ausgewirkt. Die erste Reaktion auf das Coronavirus war für die Unternehmerfamilie klar: «Wir haben gleich in grossen Mengen bestellt. So viel, wie nur möglich war und in unser Lager passte», erklärt Vogel-Eggerschwiler.

Das sei rückblickend auch die einzig richtige Reaktion gewesen. Kurz darauf seien nämlich die Häfen dichtgemacht worden. Diese Vorgehensweise sei dann auch der Grund gewesen, warum man seither keine Engpässe oder Lieferprobleme mehr gehabt habe.

Tee als Grundnahrungsmittel

Ohne Blessuren kam «L’art du thé» dann aber nicht davon. «Die Situation in der Gastrobranche hat uns stark getroffen. Da fiel ein ganzer Geschäftszweig grösstenteils weg.» Der Sommer sei für das Unternehmen zwar erfreulich gut gelaufen, könne aber nie wettmachen, was man wegen des fehlenden Gastroumsatzes verloren hat. Trotzdem: Lebensbedrohlich ist die Situation für das Geschäft zurzeit nicht.

Darüber hinaus sieht Vogel-Eggerschwiler zwei Vorteile für ihr Tee-Geschäft: «Tee gilt als Grundnahrungsmittel. Deswegen durften wir unsere Boutique auch während des Lockdowns offen haben.» Und man sei auch in der glücklichen Lage, relativ unabhängig und flexibel zu sein. «Da hat sich der Vorteil der In-House-Produktion gezeigt.»

Kein Ausbau geplant

Von Expansionsplänen zur Umsatzsteigerung will Vogel-Eggerschwiler aber nichts wissen. «Wir haben in der vergangenen Zeit Franchise-Anfragen erhalten und diese auch geprüft.» Eine Umsetzung kam aber nicht in Frage. «Unser Geschäft ist einzigartig und das soll auch so bleiben. Kunden kommen aus der ganzen Schweiz, um bei uns einzukaufen. Dieses Erlebnis möchten wir beibehalten.»

Bei einer Franchise, so fürchtet Vogel-Eggerschwiler, gehe das Herzblut verloren. Man ist mit der Einzelboutique an der Burgerstrasse vollauf zufrieden. «Es muss nicht immer alles grösser werden.»

Die altertümlich anmutende Boutique soll vorerst der einzige Verkaufsort bleiben. (Bild: zvg)

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