«Die sinkende Achtsamkeit im privaten Umfeld spielt gegen uns»
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Alain Berset besuchte Gesundheitsdirektor Martin Pfister in Zug. (Bild: uus)

Berset stärkt Pfister den Rücken «Die sinkende Achtsamkeit im privaten Umfeld spielt gegen uns»

4 min Lesezeit 16 Kommentare 06.10.2020, 19:57 Uhr

Die Zuger Behörden sind besorgt wegen der steigenden Fallzahlen. Da kommt der Besuch von Gesundheitsminister Alain Berset (SP) bei Martin Pfister gerade recht. Im Zentrum stand das Contact Tracing, das zu bersten droht.

Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister zeigte sich am Montag besorgt über die steigenden Fallzahlen im Kanton und in der Schweiz. Nachdem die Zahl der positiv Getesteten in Zug pro 100’000 Einwohner im 7-Tage-Schnitt über zwei Wochen unter 20 blieb, stieg sie über das Wochenende sprunghaft auf 40 an (zentralplus berichtete). Am Dienstagmittag werden im Kanton 25 neue Fälle in den letzten 24 Stunden gemeldet. Schweizweit waren es rund 700 positive Tests.

Darüber hat sich Pfister am Dienstag auch mit Gesundheitsminister Alain Berset (SP) unterhalten. Der Bundesrat besuchte den Gesundheitsdirektor, um sich zum Thema Contact Tracing auszutauschen und auf eine Visite bei Roche Diagnostics in Rotkreuz vorbeizuschauen, wo Coronaschnelltests entwickelt werden. An der anschliessenden Pressekonferenz im Zuger Kantonsratssaal berichteten beide von ihrem gemeinsam verbrachten Nachmittag.

Die Tücken der Familienfeier

Die Situation sei im Moment keine einfache, hielt Bundesrat Berset schon eingangs fest. «Die Entwicklung in den Kantonen ist sehr unterschiedlich.» Der Bundesrat lobte ausdrücklich das Contact Tracing der Zuger, bezeichnete es als «vorbildlich»: «Ich bin beeindruckt, wie der Kanton Zug gearbeitet hat. Seit Beginn der Pandemie gab er auch in schwierigen Momenten das Tracing nicht auf.» Berset betonte, es seien ausschliesslich die Kantone, die das Contact Tracing bewerkstelligen könnten. «Dem Bund fehlen die Mittel und das Wissen dazu.»

Und dann spielte er Pfister den Ball zu: «Schwierig ist es gerade jetzt im privaten Kreis.» Bei der Geburtstagsfeier mit Freunden ist die Achtsamkeit schnell weg, das Einhalten der Regeln geht vergessen. «Das spielt im Moment gegen uns: dass man diese Achtsamkeit im privaten Umfeld verliert.»

Genau das hatte Martin Pfister am Montag bei seinem Appell an die Zuger Bevölkerung schon betont: Sie solle Hygiene- und Abstandsregeln wieder besser beachten. Pfister gab denn auch zu verstehen, dass die Zuger Behörden nicht daran denken, trotz steigender Fallzahlen das Prunkstück der Zuger Pandemiebekämpfung zu schwächen. «Wir wollen das Contact Tracing auf jeden Fall aufrechterhalten», zeigte Pfister die Marschrichtung an.

Zuger wollen am Mittwoch mögliche Massnahmen verkünden

Das Contact Tracing der Zuger funktioniert offenbar noch gut, droht aber durch die steigenden Fallzahlen an seine Grenze zu kommen. Pfister nahm Bersets Pass an, bedankte sich für die Anerkennung. «Aber jetzt müssen wir eine Verhaltensänderung hinkriegen in der Bevölkerung. Sonst müssen wir die hart erkämpften und errungenen Erfolge wieder einschränken.»

«Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass bei einem Anstieg der Fallzahlen rechtzeitige Massnahmen nötig sind, um eine Wirkung zu erzielen»

Martin Pfister, Zuger CVP-Regierungsrat

Welche «einschneidenden Massnahmen» man ergreifen will, sollten die Zahlen positiver Tests weiter nach oben schnellen, diesbezüglich hielt sich der Zuger Gesundheitsdirektor weiter bedeckt. «Der Regierungsrat hat sich heute erneut darüber beraten und wird am Mittwoch kommunizieren.»

Übertreiben die Zuger Behörden?

Unabhängig davon, welche möglichen Massnahmen der Zuger Regierungsrat präsentieren wird, scheinen sich einige Zuger die Frage zu stellen: Was soll das Theater? Während der Bundesrat und der Regierungsrat auf einer Linie zu sein scheinen, räuspern sich die kritischen Stimmen. Das zeigt auch ein Blick in die Kommentarspalten von zentralplus.

So wird der Zuger Gesundheitsdirektion etwa «Übertreibung» unterstellt: «Es wird wieder eine künstliche Gefahr dahergeredet, wo gar keine ist», schreibt etwa ein User. De facto weist Zug aktuell zwei Hospitalisationen auf – bei 25 Neuinfektionen innerhalb von den letzten 24 Stunden. Ist das genug, um die Schrauben anzuziehen?

«Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass bei einem Anstieg der Fallzahlen rechtzeitige Massnahmen nötig sind, um eine Wirkung zu erzielen», entgegnet Pfister, mit der «Übertreibung» konfrontiert. Denn gerade sprunghafte Anstiege gefährden das Contact Tracing am stärksten.

Homeoffice ist offenbar kein Coronakiller

Massnahmenkritische Geister führen weiter ins Feld, dass der Kanton Zug als Arbeitgeber seit Anfang Juni das Homeoffice weitgehend aufgehoben hat und verstärkt wieder Präsenzzeiten einführt. Dieser Punkt wurde in den Kommentarspalten von zentralplus mehrfach vorgetragen: Oft würde nur noch ein Tag pro Woche akzeptiert, während man die Bevölkerung dazu auffordere, die Regeln besser einzuhalten.

Pfister äussert sich diplomatisch: «Es ist grundsätzlich jedem Amt des Kantons selbst überlassen, welchen Umgang es mit Homeoffice pflegen will.». Um anzufügen: «Wenn die räumlichen Bedingungen ein Arbeiten vor Ort unter Einhaltung der Abstandsregeln zulassen, ist nichts dagegen einzuwenden.» Diese zweite Aussage ist in der Tendenz eher «Pro-Bürozeit» zu werten.

Aus Pfisters Sicht gibt es derzeit schlicht keine Alternative zum Contact Tracing: «Wir appellieren jetzt an die Bevölkerung, die einfachen bestehenden Regeln einzuhalten, sodass hoffentlich eben keine einschneidenden Massnahmen nötig werden.»

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16 Kommentare
  1. Guellemaetteli, 07.10.2020, 17:22 Uhr

    Natürlich ist es verständlich dass der Gesundheitsdirektor, was die Selbstverantwortung der Zuger betrifft zuerst, von sich und seiner Familie, aus geht. Da ist es nur selbstverständlich, dass er kein Vertrauen in das Selbstverantwortungsgefühl von Zuger Bürgern hat.

  2. Matthias Jauch, 07.10.2020, 15:07 Uhr

    Zuerst hatten Sie zu wenig Masken, und deshalb beschworen dass diese Masken nichts nützen, und nun müssen Sie die Maskenpflicht einführen damit Sie diese scheiss Überkapazität an Masken wieder los werden…

  3. Hans Peter Roth, 07.10.2020, 14:37 Uhr

    Ich vertraue den Erkenntnissen der Wissenschaft: Die Erde ist rund und Covi-19 eine gefährliche Pandemie. Wer anderes behauptet, soll die wissenschaftlichen Beweise auftischen (keine selbsternannten Experten!!!)

    1. Matthias Jauch, 07.10.2020, 15:12 Uhr

      Na ja, welcher Wissenschaft? Aber da bist Du wohl am besten aufgehoben wenn Du dich mal führ die nächsten 12 bis 24 Monate isoliert.

    2. Guellemaetteli, 07.10.2020, 17:45 Uhr

      Ich hätte da noch eine Literaturempfehlung für die Zeit der Isolation: Leo Tolstoi, Wieviel Erde braucht der Mensch?

    3. Bruno Hensler, 09.10.2020, 10:26 Uhr

      Auch von mir eine Literaturempfehlung: Die öffentlich zugänglichen Statistiken des BAG. Wer nach diesem Studium noch immer von einer gefährlichen Pandemie spricht sollte seine Selbstisolation am besten für die nächsten 20 Jahre planen.

  4. mebinger, 07.10.2020, 07:42 Uhr

    Ja, wir müssen unser Verhalten ändern, wie es Martin Pfister unser Zuger Oberfanatiker fordert und endlich diese Hysterie der Corona-Verschwörer mit ihrer konsequenten Weigerung Fakten zu akzeptieren ignorieren und einfach leben, ohne Abstand, ohne depperte Regeln zu befolgen, denn es ist und bleibt ein Fehlalarm. Martin, Du musst mir 2023 keine Wahlunterlagen sende, den ich wähle keinen einzigen Bisherigen

    1. Hensler, 07.10.2020, 09:38 Uhr

      Genau so ist es! Herr Pfister übernimmt ab Heute die Verantwortung für sämtliche Insolvenzen, Ladensterben und Entlassungen im Kanton Zug. Auch ich werde keinen einzigen dieser unfähigen Politiker wieder wählen. Herr Pfister, sie sind eine Schande für unseren Kanton!

    2. Guellemaetteli, 07.10.2020, 14:13 Uhr

      Diesen Kommentaren kann ich mich nur anschliessen. Herr Pfister, wühlen Sie doch weiter in verstaubten Dokumenten – Sie verstehen sich doch ein wenig auf Geschichte. haben Sie es doch erfolgreich zum ewigen Geschichtsstudent gebracht. Den Mangel an Führungspersönlichkeit machen Sie natürlich dadurch nicht Wett, auch wenn Sie gegenüber ihrem Kollegen Villiger es soweit bringen auf vier zu zählen. Oder hat Ihr CVP-Kollege es doch schon auf vier gebracht – es geht ums zählen der Kinder…
      Aber vielleicht sind es ja auch bei Villiger schon sieben, oder zehn…
      Aber Mathe war noch nie die Stärke der CVP Zug.

    3. Guellemaetteli, 07.10.2020, 14:35 Uhr

      Ich bin ja mit mebinger öfters nicht gleicher Meinung, aber was mir an Ihm gefällt ist dass er sich jeweils dezidiert eine eigene Meinung bilden, und diese auch vertreten kann. Danke mebinger

  5. Roli Greter, 07.10.2020, 06:55 Uhr

    Ist mit „der sinkenden Achtsamkeit“ der fehlende Mundnasenschutz und derzu geringe Abstand gemeint?

    Es ist ein Theater sondergleichen und die junge Generation darf die Bühne hinterher saubermachen. Intelligente Menschen haben längst begriffen dass es weder eine Pandemie gibt und demVirus verhältnismässig zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

    1. realist, 07.10.2020, 07:24 Uhr

      sie dürfen ihre meinung kundtun, keine frage….aber! mir scheint ihre wahrnehmung aufgrund ihrer aussage doch sehr verzerrt…..

    2. Hensler, 07.10.2020, 07:38 Uhr

      @realist: Was soll denn bitte an dieser Aussage verzerrt sein? Sie entspricht der Realität, was übrigens die Zahlen des BAG klar belegen. Wer etwas anderes behauptet, darf sich definitiv selbst nicht “realist” nennen.

    3. Roli Greter, 07.10.2020, 08:03 Uhr

      Können Sie das bitte etwas genauer ausführen?

      Der erste Absatz meines Kommentars bezieht sich auf das Verhalten von den Herren Berset und Pfister, wer das Bild zum Artikel anschaut weiss was damit gemeint ist.

      Zum zweiten Absatz empfehle ich Ihnen sich darüber zu informieren wie eine Pandemie definiert ist. Viel Spass bei der hilfreichen Lektüre

  6. Hensler, 06.10.2020, 23:56 Uhr

    Versuchen Herr Pfister und sein Dr. Hauri von ihren eigenen Problemen abzulenken?

    1. Roli Greter, 07.10.2020, 08:22 Uhr

      So scheint es Herr Hensler.

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