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«Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen»
  • Kultur
  • Rezension
(Bild: Sarah Brühlmann)

Standup Philosophy im Kleintheater Luzern «Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen»

3 min Lesezeit 11.05.2017, 13:47 Uhr

Am Mittwochabend bilanzierten die drei Philosophen Yves Bossart, Roland Neyerlin und Rayk Sprecher im Rahmen ihrer Veranstaltung «Standup Philosophy». Dabei ging es um Kurioses, Emotionales und auch Ernstes aus dem letzten Quartal. Im Kleintheater Luzern kamen aber auch die grossen Fragen der Menschheit nicht zu kurz.

Yves Bossart, Redakteur und Moderator der Sternstunde Philosophie beim Schweizer Fernsehen, Roland Neyerlin, Inhaber der Philosophischen Praxis Luzern, und Rayk Sprecher, Philosoph und Dozent an der Universität Luzern: drei Philosophen, drei unterschiedliche Lebensläufe und ein Rückblick auf das erste Quartal des Jahres 2017. Die Aussicht auf diesen unterhaltsamen philosophischen Abend lockte ein breites Publikum an – egal ob jung oder alt, Philosoph oder nichts dergleichen. Der Saal des Kleintheaters war beinahe komplett ausverkauft.

Aktualitäten und grosse Fragen

Die Philosophen verstanden es, das Publikum für sich zu gewinnen. Bereits mit einem Sketch zu Beginn, bei dem sie das Publikum infrage stellten, ernteten sie erste Lacher und brachen das Eis.

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Yves Bossart führte als Moderator durch den Abend. Abwechselnd trugen die drei Texte zu den unterschiedlichsten Aktualitäten vor, manchmal im Stehen, manchmal sitzend, mit Accessoires oder einfach so. Niemals wirkte die Aufführung steif oder statisch, sie waren stets in Bewegung. Kein Medium, das sie nicht genutzt hätten – zur Unterstützung ihrer Texte kamen unter anderem eine Pauke, eine Zeitung und der Beamer zum Einsatz. Einige Texte – wie beispielsweise Roland Neyerlins Geschichte über seine Erfahrungen im Jenseits oder Yves Bossarts Gedanken über Tinder und die wahre Liebe – wurden von Bossart mit Klavierspiel begleitet.

Zur Pause wurde dem Publikum eine Schulung zum richtigen Verfassen philosophisch klingender Sätze zuteil: Abstrakt sollen sie sein, metaphorisch, kurz, dunkel und voller Gegensätze. Die Zuschauer erhielten die Aufgabe, während der Pause solche selbst erdachten Sätze auf Bierdeckel des Kleintheaters zu schreiben und abzugeben. Einige davon wurden nach der Pause von Bossart und Sprecher vorgelesen und man versprach, aus den restlichen einen Programmpunkt in der nächsten Ausgabe der Standup Philosophy zu machen.

Von der Luzerner Messe über Veganismus und Glutenintoleranz bis hin zu Tinder und dem Sterben der schönen, deutschen Sprache wurde alles angesprochen.

Die drei Philosophen bewiesen ein Händchen für gute Themenwahl und verknüpften Aktualitäten, mit denen sich jeder im Publikum identifizieren konnte, mit den grossen Fragen über Kirche, selbstständiges Denken oder auch das Glück des Vergessens. Neyerlin gab sogenannte Hammersätze wie «Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen» oder «Wenn der Gürtel passt, ist der Bauch vergessen» zum Besten, die das Publikum gleichermassen zum Lachen brachten wie auch zum Nachdenken anregten.

US-Präsident Trumps Frisur wurde auf die Schippe genommen.

US-Präsident Trumps Frisur wurde auf die Schippe genommen.

(Bild: Sarah Brühlmann)

Natürlich durfte auch ein kurzer Sketch zu US-Präsident Donald Trump nicht im Programm fehlen, obwohl die drei – so Bossart lachend – gehofft hatten, ohne diesen auszukommen. Dementsprechend waren nicht Trumps Person oder seine bisherigen Eskapaden Thema, sondern seine ikonische Frisur und die Frage, ob überhaupt so etwas wie Realität existiert.

Lust auf mehr

Der Abend war bestens durchdacht und trotzdem spontan genug, um ihn für die Philosophen so unterhaltsam zu machen wie für das Publikum. Yves Bossart, Roland Neyerlin und Rayk Sprecher brachen mit dem Klischee des unnahbaren, abgehobenen Philosophen und brillierten publikumsnah, humorvoll und wortgewandt. Sie nahmen sich selbst nicht zu ernst, das aktuelle Weltgeschehen noch viel weniger, und inspirierten ihre Zuhörer.

Belohnt wurden Bossart, Neyerlin und Sprecher am Ende mit nicht enden wollendem Applaus – noch zwei Mal kehrten sie auf die Bühne zurück, um sich erneut zu verbeugen.

Die drei Philosophen verabschiedeten sich von einem begeisterten Publikum.

Die drei Philosophen verabschiedeten sich von einem begeisterten Publikum.

(Bild: Sarah Brühlmann)

Die Mischung aus Standup Comedy und philosophischer Vorlesung funktionierte bestens. Für das Publikum verging die Zeit wie im Flug, und das Format hat grosses Potenzial für mehrere Aufführungen. Bossart kündigte an, dass es im September dieses Jahres eine weitere Ausgabe der Standup Philosophy im Kleintheater geben werde, und bereits beim Verlassen des Saales beschlossen die ersten Zuschauer, auch dann wieder dabei zu sein.

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