Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
«Die schönsten Tauben sind die flachen»
  • Kultur
  • Kultur
  • Kunst
99 Prozent Johnny Burn steckt in Mav Bun. (Bild: jav )

50 Fragen an Mav Bun alias «Johnny Burn» «Die schönsten Tauben sind die flachen»

11 min Lesezeit 27.07.2014, 05:00 Uhr

Der Komiker und Musiker Mav Bun stammt ursprünglich aus Südost-Malters. Und er zählt mittlerweile als «Johnny Burn» schon fast zu den Luzerner Stadtorginalen. Wir haben ihm 50 Fragen gestellt und dabei auch ernstere Seiten kennengelernt – ein Gespräch über Selbstironie, Heimat und Fakälsprache. Und darüber wie es ist, wenn keiner lacht.

Er singt von BMW und UHT, von seinem Pony und dessen Äpfeln. Er erzählt auf der Bühne, wie er den Abend am falschen Familienfest verbrachte, da Asiaten ja so schwer zu unterscheiden sind. Und wie er an Luca Hännis Jäggli schnüffelte. Dank seinen schrägen und witzigen Texten wurde aus Mav Bun der Musiker und Komiker «Johnny Burn». Wir treffen ihn zum Milchkaffee in der Helvetiabar in Luzern und sind gespannt, wie viele der 50 Fragen wir von Mav beantwortet bekommen – und viele von Johnny.

zentral+: 1. Wie viel Johnny Burn steckt in dir?
Mav Bun: Das sind 99 Prozent. Früher war es weniger, aber wir nähern uns immer mehr an. Ich bin immer mehr mich selbst auf der Bühne.

Unterstütze Zentralplus

2. Du machst Musik und Comedy, spielst Konzerte und trittst in Kleintheatern auf. Wie definierst du eigentlich deinen Job? Was trägst du bei Dokumenten unter Beruf ein?
Mav überlegt kurz. Entertainer.

3. Du hast am Luzerner Fest im Backstage an Luca Hännis Jacke gerochen, konnte man auf Facebook lesen. Wie roch die denn?
Verbraucht. Er schaut ganz ernst, bis er es nicht mehr aushält und lacht laut heraus.

4. Normalerweise stehst du vor allem auf Kleinkunst-Bühnen. Was müsste sich in der Kleinkunst-Szene verändern?
Ich finde es schade, dass noch immer so viele junge Leute diese Szene nicht wahrnehmen. Partys und Konzerte werden auch vom jungen Publikum gut besucht, aber in der Kleinkunst sind die Zuschauer eher älter.

5. Was ist der Vorteil in der Kleinkunst?
Für mich ist der Vorteil klar, dass die Leute im Publikum sitzen und zur Bühne hin schauen. Früher habe ich an jeder «Hundsverlocheten» gespielt – das härtet ganz schön ab. Bei Kleintheatern haben die Leute dafür bezahlt, dich zu sehen und konzentrieren sich ganz auf das Programm. Das ist toll, aber gerade alleine auf der Bühne auch eine echte Herausforderung. Du kannst dich hinter keinem anderen Bandmitglied verstecken, oder dich mal zurücklehnen. Du musst die ganze Zeit voll da sein.

6. Wie lange musst du denn voll da sein? Wie lange dauern deine Programme?
Meistens so 90 Minuten. Das ergibt sich aus dem Gerüst, welches ich fix vorbereitet habe. Aber wenn die Stimmung super ist, kann es auch bis zu zwei Stunden dauern. Wie letztens im Stadtkeller.

7. Mit wem würdest du gerne einmal auf der Bühne stehen?
Mit Helge Schneider. Er spricht mir oft direkt aus der Seele. Und er hat trotz seines Alters eine sehr erfrischende und überraschende Art.

8. Wann schreibst du deine Songs und Texte?
Früher schrieb ich vor allem in schlaflosen Nächten. Heute habe ich immer etwas zu schreiben dabei, oder ich mache mir Notizen auf dem Natel.

9. Und wer inspiriert dich dazu?
Meine Familie, Freunde, Themen aus Fernsehen und Zeitung, aber auch Tiere können mich inspirieren. Ich arbeite zum Beispiel gerade an einem neuen Song, in welchem es um Tauben geht. Die schönsten Tauben sind die flachen – auf der Strasse.

10. Schöner Text. Auf welche Zeile aus deinen Songs bist du besonders stolz?
Er überlegt kurz, nippt an seinem Milchkaffee. Dann scheint er sich entschieden zu haben. Er setzt sich gerade hin und sagt stolz: Im Winter heissi Marroni und im Sommer Johnny.

«Ich spreche alle Schulsprachen.»

11. Was war bisher dein schlimmster Auftritt? Und weshalb?
Das war in Aadorf am «Die Krönung». Ich trat als letzter von zehn Künstlern auf. Viele Leute verliessen schon ihre Plätze. Und keiner hat gelacht. Das war richtig schwierig. Da hab ich halt über mich selber gelacht und versucht den Auftritt für mich selbst so gut wie möglich zu beenden.

12. Was war bisher die seltsamste Reaktion eines Zuschauers bei einem Auftritt?
Das Seltsamste und Unangenehmste ist, wenn ich Blickkontakt zu einem Zuschauer aufnehme und dieser keine Miene verzieht. Keine Reaktion. Da mache ich mir sofort ganz viele Gedanken. «Gefällt es ihm nicht? Warum bleibt er trotzdem? Muss er wegen Freunden da bleiben und findet es eigentlich doof?» Ich bin grundsätzlicher ein sensibler Mensch.

13. Ein sensibler Mensch also. Wann hast du denn das letzte Mal geweint?
Das war vor zwei Wochen. Aber weshalb sag ich nicht. Das ist privat.

14. Was wolltest du eigentlich als Kind werden?
Ich wollte immer Güselmann werden. Und zwar einer von diesen, welche hinten auf dem Güselwagen stehen dürfen. Das hat mich unheimlich beeindruckt. Meine Schwester und ich haben das als Kinder immer wieder nachgespielt.

15. Welche Musik gefällt dir?
Für mich muss Musik einfach berühren. Das kann jede Art von Musik sein, aber vor allem diese Herzschmerz-Songs mag ich sehr. Südamerikanischen Fado zum Beispiel. Und das hat jetzt nichts mit der WM zu tun.

16. Welche Musik magst du gar nicht?
Hits und diesen ewigen Radiosound mag ich überhaupt nicht. Solche Eintagsfliegenmusik finde ich schrecklich. Dieser Musik fehlt die Seele.

17. Welche Sprachen sprichst du?
Ich spreche alle Schulsprachen. Das heisst Schulitalienisch, Schulfranzösisch, Kindergartenenglisch und dann noch Kambodschanisch also Khmer.

18. ÖV oder Auto?
Halb, halb. Eigentlich ja eher Töff.

19. Bist du sportlich?
Ich bin mega sportlich. Das heisst ich schaue mir sehr gern Sportsendungen an. Er lacht. Nein, ich muss ständig meinen inneren Sauhund überwinden. Ich mache zu wenig, obwohl ich es ja jeweils merke, dass es mir gut tut. Seit ich einen Tennisschläger geschenkt bekommen habe, gehe ich nun aber öfters mal Tennisspielen. Früher hielt ich Tennis für einen elitären Sport. Aber durch die Familie meiner Freundin und meine Tante, die alle ziemlich gut spielen, komme ich langsam dazu.
Und Joggen war ich letztens auch nach drei Monaten mal wieder.

«Mein Plan B ist mein Freigeist.»

20. Wo stehst du politisch?
Ich interessiere mich zwar für Politik, aber ich könnte mich zu keiner Partei bekennen. Ich würde sagen, ich stehe ungefähr Mitte links.

21. Meer oder Berge?
Meer. Denn am Meer kann man einfach nur sein. Man darf faul sein.
 Berge sind selbstverständlich auch schön, aber sie sind anstrengend. Ich war mit 16 mit Freunden zwei Wochen durch die Alpen unterwegs. Jeden Tag haben wir einen Pass überquert und ich war einfach jedes Mal als Letzter oben. Mein Kommentar dazu war jeweils: «Ich bin zwar der Letzte der Gruppe, aber sicher der erste Kambodschaner auf diesem Pass.»

22. Wohin würdest du auswandern?
Nach Kambodscha. Das Land hat kulturell so viel zu bieten und ein grosser Teil meiner Verwandschaft ist dort. Da hätte ich dann einen Bungalow am Meer.

23. Wie viel Kambodschaner und wie viel Schweizer steckt in dir?
Das ist schwierig. Äusserlich bin ich kein typischer Schweizer. Trotzdem bin ich hier aufgewachsen und kenne nichts anderes. In der Mentalität fallen mir aber durchaus Unterschiede auf. Ich denke, im Vergleich mache ich mir weniger Gedanken um Sicherheit. Ich mache einfach, wofür mein Herz schlägt. Ich weiss, was ich will und bleibe immer dran, auch wenn es schwierig wird.

24. Hast du denn trotzdem einen Plan B, falls es mit der Musik und der Comedy doch einmal nicht mehr funktionieren sollte?
Nicht wirklich. Wenn es irgendwann nicht mehr klappen sollte, dann wird sich bestimmt wieder ein Türchen öffnen. Ich glaube mein Plan B ist mein Freigeist.

25. Was macht für dich Luzern aus?
Luzern ist eine wunderschöne Stadt. Deshalb ist sie auch diese Touristenstadt. Für mich aber ist Luzern einfach meine Heimat.

26.  Wie wohnst du denn in deiner Heimat?
In der Luzerner Neustadt in einer Altbau-3-Zimmer-Wohnung mit meiner Freundin.

27. Möchtest du einmal Familie haben?
Ja, und dabei mindestens zwölf Kinder. Mav lacht und wiegelt ab. Nein, aber ich möchte doch eine grosse Familie und einen Hund.

28. Hast du einen grünen Daumen?
Leider nein. Wir haben zwar ganz viele Pflanzen zuhause, doch meine Freundin kümmert sich um diese. Da sie gerade eine Weile im Tessin war, geht es unseren Pflanzen aber momentan richtig schlecht. Sie stehen schwer auf der Kippe. Ich hoffe, meine Freundin kann sie noch retten.

«Eventuell bin ich in der analen Phase steckengeblieben.»

29. Was ist das Dümmste, das je über dich geschrieben wurde?
Das war nach einem Auftritt im Bourbaki mit meiner Band, den BunsenbrennerBoys. Da las ich am nächsten Tag, das Konzert sei extrem langweilig gewesen. Ich war überrascht und verwirrt, da ich das Gefühl hatte, das Publikum sei begeistert gewesen. Im Weiteren stand da aber etwas von einem Song, den ich an diesem Abend gar nicht gespielt hatte. Da war mir klar, dass ich diese Berichterstattung nicht wirklich ernst nehmen musste.

30. Das Beste?
Als nach dem Luzerner Fest mein Bild mit dem Titel «Luzern verzückt Zehntausende» auf der Titelseite der Luzerner Zeitung stand. Da hab ich mich richtig gefreut.

31. Warum hast du eigentlich immer so viel Fäkalsprache in deinem Programm?
Mav wirkt erstaunt. Er zieht die Augenbrauen hoch und überlegt. Nun, Fäkalsprache – das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Naja, das ergibt sich einfach. Eventuell bin ich in der analen Phase steckengeblieben. Ich muss wohl noch einiges aus meiner Kindheit verarbeiten. Er lacht und hebt den Zeigefinger. Aber ich habe mich gebessert. 

32. Passend dazu die nächste Frage: Was hattest du gestern zu Mittag?
Wir waren im Tessin und sind erst spät aufgestanden. Da war das Ganze eher ein Zmorgen und Zmittag in einem. Also Spiegelei, Brot, Käse und Salamettli.

Mav Bun

Mav Bun lebt in der Stadt Luzern. Seit über zehn Jahren ist der 35-Jährige als Johnny Burn unterwegs und hat sich mittlerweile auch über die Kantonsgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Ein grosser Schritt war dabei der Publikumspreis des Swiss Comedy Awards. Ausserdem tritt er auf diversen Kleinkunstbühnen und Konzertbühnen auf und war im Mai 2014 auch beim «grossen Migrantenstall» von SRF zu sehen.

33. Bier oder Wein?
Das ist situationsabhängig. Aber wenn Wein, dann Weisswein.

34. Wie viele Facebook-Fans hast du?
Das weiss ich sogar, da es momentan eine lustige Zahl ist. 2’223 oder so. Darf ich nachschauen? Er nimmt sein Handy vom Tisch und sieht auf Facebook nach. Es sind 2236. Seit dem Luzerner Fest hat sich viel getan.

35. Dein Lieblingsfilm?
Letzte Woche habe ich einen super Film gesehen, aber der Name ist mir entfallen. Es war ein französischer Film mit einem Schwarzen, der sich um einen Gelähmten kümmert…

36. Intouchables?
Genau. Der ist super. Und sonst finde ich «Leg dich nicht mit Zohan an» auch grossartig. Der ist blöd, aber extrem witzig.

37. Wann hast du entdeckt, dass du witzig bist?
Das war relativ spät. Ungefähr mit 18 hatte ich mich das erste Mal vor ein paar Freunde hingestellt und etwas mit der Gitarre improvisiert. Und das kam tatsächlich gut an.

38. Du warst also als Kind nicht der Klassenclown?
Nein, ich war als Kind sehr ruhig und schüchtern. Erst in der Oberstufe bin ich langsam aufgetaut.

39. Was ist immer lustig?
Ich amüsiere mich immer sehr über meine eigenen Missgeschicke. Die passieren auch nicht ganz selten. Erst letzte Woche bin ich auf der Suche nach meiner Brille zurück in die Bäckerei gerannt und hatte sie dabei auf dem Kopf.

40. Wo hört bei dir der Spass auf?
Sobald Leute angegriffen werden. Bei Rassismus hörts auch auf.

41. Du kannst dir da aber relativ viel erlauben?
Ja, das liegt aber an meiner Selbstironie. Es verträgt viel, wenn man sich selbst auf die Schippe nehmen kann. Aber man macht schnell einen Schritt zu viel. Ich bin zwar ziemlich sicher, dass ich noch nie zu weit gegangen bin.

42. Wirst du oft erkannt?
In Luzern schon. Aber ich finde es noch angenehm und überhaupt nicht mühsam. Es kommt aber noch immer jedes Mal sehr überraschend. Wie letztes Wochenende nach dem Baden, als ein Junge mich beim Fussball-Spielen beinahe über den Haufen gerannt hat. Als ich mich entfernte, hörte ich, wie seine Kollegen zu ihm sagten: «Jetzt hast du fast den Johnny Burn umgebracht.» Da freue ich mich. Ich denke, das heisst, ich mache etwas richtig. Also bisher sind es keine negativen Reaktionen.


«Ich werde es wieder aus diesem emotionalen Tief heraus schaffen.»

43. Wovor hast du Angst?
Ich hab ein bisschen Platzangst. Deshalb ist die Bühne auch der perfekte Ort für mich.

44. Was ist Luxus für dich?
Wenn ich meine Zeit frei einteilen, und meinen Tagesablauf selbst bestimmen kann.

45. Was steht auf deinem Nachtisch?
Eine Vase mit Plastikblumen, eine Feuchtigkeitscreme für meine Haut – sonst kratze ich mich in der Nacht – und meistens ein Buch. Momentan ist es zwar noch in der Tasche, da wir erst gestern aus dem Tessin zurückgekommen sind. Es ist «Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand».

46. Warum machst du auf beinahe allen Fotos eine Grimasse?
Tue ich das? Mav wirkt erneut erstaunt. Dann sieht er aus, als würde er gerade geistig seine Fotoalben durchgehen. Das kann tatsächlich sein. Eventuell ist das ebenfalls das Kind in mir. Auf Familienfotos musste ich früher immer ganz ernst sein, das wird jetzt kompensiert.

47. Was planst du mit Johnny Burn noch so alles?
Johnny wird Moderator seiner eigenen Comedy-Show. Ab September werde ich jeden letzten Donnerstag im Monat im Madeleine in Luzern zwei, drei Künstler einladen. Ich selbst werde dabei durch den Abend führen. Es soll aber nicht eine offene Bühne werden, sondern eine Plattform zum Austausch von Künstlern, die bereits ein Programm entwickelt haben. Viele Städte haben solche Shows und ich finde, Luzern würde das ebenfalls gut tun.

48. Welches war dein erster Auftritt? Und wie war der so?
Das war im Gleis 5 in Malters, als ich ungefähr zwanzig war. Also vor fünfzehn Jahren. Ich hatte einen Hellraumprojektor dabei und während meines Auftritts projizierte ich schräge Folien. Es war ein Riesenerfolg.

49. Und fast zum Schluss noch eine Frage zur Auflösung deiner One-Man-Boygroup. Wie fühlt es sich an, wenn man sich auflöst?
Mav setzt einen leidenden Gesichtsausdruck auf und versucht ernst zu bleiben. Es ist hart. Extrem hart. Vor allem tut es weh, es auszusprechen. Meine Auflösung hat viele Gründe: Das synchrone Tanzen, das nicht mehr funktioniert hat, natürlich auch musikalische Differenzen. 
Aber ich werde es wieder aus diesem emotionalen Tief heraus schaffen. Ganz bestimmt.

50. Und ganz zum Schluss: Möchtest du noch etwas loswerden?
Er überlegt, sein Blick bleibt lange auf dem Blumenstrauss an der Bar hängen. Plötzlich strahlt er mich an. Ja, ich möchte noch sagen, ich finde das haben wir gut gemacht.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare