1200 Velounfälle in Luzern: Das ist die Schattenseite des Corona-Velobooms
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2020 wurden mehr Velofahrerinnen tödlich verletzt. (Bild: Adobe Stock)

Mehr Verkehrstote 1200 Velounfälle in Luzern: Das ist die Schattenseite des Corona-Velobooms

3 min Lesezeit 4 Kommentare 22.03.2021, 05:00 Uhr

Die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahrzehnten rückläufig. Das Jahr 2020 bricht diesen Trend: Sowohl die Zahl der Toten wie auch der Schwerverletzten nahm gegenüber dem Vorjahr merklich zu. Auch im Kanton Luzern. Dies nicht trotz Pandemie und der dadurch eingeschränkten Mobilität, sondern wohl gerade deswegen.

Insgesamt wurden vergangenes Jahr 227 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet. Das sind 40 Personen mehr, als im Vorjahr (187). Auch die Zahl der im Verkehr Schwerverletzten nahm um fast 50 Personen auf total 3793 zu, wie das Bundesamt für Strassen mitteilt.

Den Zahlen des Bundes ist aber zu entnehmen, dass es vor allem bei den Velofahrern zu einem deutlichen Anstieg der Toten und Verletzten gekommen ist.

Starke Zunahme der Schwerverletzten

29 Personen verloren beim Velofahren ihr Leben, 13 mehr als im Vorjahr. Ein deutlicher Anstieg sei im Innerortsbereich feststellbar, schreibt der Bund. Dort kamen 19 Menschen ums Leben, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 10 Personen entspricht.

Schwer verletzt wurden 934 Personen. Das sind über 100 Personen mehr als im Vorjahr (802). Noch nicht mit einberechnet sind dabei die Opfer von Unfällen mit E-Bikes. Beim noch relativ jungen Verkehrsmittel nehmen die Zahlen mit steigender Popularität kontinuierlich zu. So wurden 2020 15 Personen beim E-Bike-Fahren getötet (2019: 11). Stark zugenommen hat die Zahl der schwerverletzten E-Bike-Nutzenden: 2020 waren es 521 Personen, 2019 gerade mal 355. Die meisten Unfälle mit E-Bikes waren Schleuder- oder Selbstunfälle, schreibt der Bund.

Versicherung registrierte 1200 Velounfälle in Luzern

In Absprache mit dem Bund werden die kantonalen Zahlen erst nächste Woche veröffentlicht, wie die Luzerner Polizei auf Anfrage mitteilt. Einen soliden Hinweis auf die Entwicklungen im Kanton Luzern geben jedoch die Zahlen der Unfallversicherung Suva wieder.

Demnach registrierte die Suva im Kanton Luzern rund 2’200 Unfälle im Strassenverkehr, davon 1’200 mit Velos, wie es auf Anfrage heisst. Insgesamt haben die Verkehrsunfälle im Kanton Luzern 2020 um 4 Prozent zugenommen. Dies ist hauptsächlich auf den starken Anstieg der Velounfälle (plus 24 Prozent) zurückzuführen. Ohne diese wäre gar eine Abnahme der Gesamtunfallzahl (minus 13 Prozent) zu verzeichnen gewesen.

Die Zahlen sind jedoch nicht direkt vergleichbar: In den Statistiken des Bundes sind nur Verkehrsunfälle mit Bestandesaufnahme durch die Polizei enthalten, in den Zahlen der Suva dagegen sämtliche Unfälle mit Beteiligung unfallversicherter Personen. Dennoch ist die Tendenz klar: Die Zahl der Velounfälle hat besorgniserregend zugenommen.

Folge des Velobooms

Den Grund für die Zunahme der Velounfälle vermutet der Bund bei der Corona-Pandemie. Insgesamt wurde das Verkehrsaufkommen zwar gedrosselt, gerade während und direkt nach dem Lockdown im Frühling 2020 haben aber viele Menschen vermehrt das Velo genutzt.

Die mit einem Velo und E-Bike zurückgelegten Distanzen hätten im zweiten und dritten Quartal deutlich zugenommen, schreibt der Bund mit Verweis auf eine entsprechende ETH-Studie. «Dies dürfte das Unfallgeschehen mit beeinflusst haben», so das Fazit des Bundesamtes für Strassen.

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4 Kommentare
  1. Maryonbicycle, 23.03.2021, 16:28 Uhr

    Stand heute bei Ampel auf rot vor dem Nölliturm, mit dem Fahrrad unterwegs. Links an mir vorbei rauschte ein E-Bikefahrer mit gelber Nummer, auf dem Gehsteig! Und setzte die Fahrt auf diesem weiter fort bis zum Löwengraben, im Höllentempo! Solches Verhalten schadet der Akzeptanz von uns Velofahrer*innen. Es sind nicht immer die Autofahrer*innen schuld, auch nicht die mangelnde Infrastruktur für Velofahrer*innen…

  2. Heinz Marbach, 22.03.2021, 11:18 Uhr

    Folge des Velobooms? Nein, primär eine Folge der nachwievor katastrophalen Infrastruktur für Velofahrer und der Unachtsamkeit vieler Autofahrer. Nicht selten werde ich von telefonierenden Autofahrern abgedrängt. Wie oft ich viel zu knapp überholt werden weiss ich gar nicht mehr. Das Velo gilt in der Verkehrsplanung anscheinend immer noch als lästiges Hindernis…

    1. Heinz Gadient, 22.03.2021, 18:09 Uhr

      Von Heinz zu Heinz – sie haben absolut recht. Die Velo-Infrastruktur, gerade in Luzern ist eine Katastrophe. Und in diesem Winter hatte es ja wieder mal Schnee, und wohin wird dieser oft gepflügt? Genau – auf den Velostreifen.

  3. Andy Bürkler, 22.03.2021, 09:56 Uhr

    Mit 29 Personen sind wahrscheinlich mehr gesunde Jüngere am Velo als an Corona gestorben.
    Wo bleiben die Anti-Velo-Massnhamen?
    Wo sind die täglichen Fallzahlen dazu in allen Medien?

    Ja, das ist ironisch gemeint, aber kurz darüber nachdenken kann nicht schaden.

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