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Sie sind ein gutes Team, wenn es um die zu erledigenden Arbeiten rund um ihr Haus geht: Enea und Selina Gygax.

Sie leben mit 20 Tieren auf einem Hof in Kriens Die Oase am Stadtrand: Zu Besuch bei Familie Gygax

6 min Lesezeit 21.11.2021, 16:21 Uhr

Fünf Menschen und zwanzig Tiere wohnen auf dem «Sonnenaufgang» am Fusse des Pilatus. Die Gemeinschaft ernährt sich von Eiern, Gemüse und Fleisch vom eigenen Hof. Urban und naturnah – ein Alltag in zwei verschiedenen Welten.

Fünfzehn Hühner, zwei Wollschweine, zwei Pferde und fünf Menschen führen ein gemeinsames Leben. Ein Leben, das im Einklang mit der Natur steht. Ein Leben, das gemeinsam gelebt wird. Es scheint ein Geben und Nehmen zu sein, das die Wohngemeinschaft mit ihren Tieren auf ihrem Hof am Fusse des Pilatus pflegt.

Kein Nehmen und Nehmen. Der «Sonnenaufgang» ist seit vier Jahren ihr zu Hause – und weg will die Familie Gygax da nicht mehr so schnell.

Das Traumhaus am Fusse des Pilatus

Selina Gygax ist Mutter von zwei Kindern und lebt mit ihnen und ihrem Mann Simon Gygax auf dem kleinen Hof oberhalb von Kriens. Ein Freund der Familie ist mit ihnen vor vier Jahren ebenfalls in das Haus eingezogen. «Ich wusste schon als Kind, dass ich später auf einem Bauernhof leben will.» Selina Gygax wuch in einer Gross-WG in Dierikon auf – zwar naturnah, aber sie wurde urban erzogen. «Ich entwickelte sehr schnell eine Liebe für Pferde. Vor neun Jahren wurde mir ein neugeborenes Pferd quasi vor die Füsse gelegt, das ich in einem Stall mit anderen Pferden einstellte. Heute lebt es bei uns.»

«Es ist für uns wunderbar zu sehen, wie unsere Kinder natur- und tierverbunden und doch so stadtnah aufwachsen können.»

Selina Gygax

Gygax lernte ihren heutigen Mann kennen. Und schon nach kurzer gemeinsamer Zeit wurde den beiden klar, dass sie zusammenziehen möchten. «Also suchten wir gemeinsam mit einem befreundeten Paar nach einem Ort, an dem wir alle unseren eigenen Dingen nachgehen konnten.» Und so stiessen die vier auf den «Sonnenaufgang» über Kriens. «Wir sind gucken gegangen, wie das da aussieht und schnell war für uns klar: ‹Das wollen wir!›» Wenig später zogen sie auf den Hof.

Mittlerweile leben sie zu fünft auf dem Anwesen. Gygax und ihr Mann haben zwei Kinder bekommen, die auf dem Hof am Stadtrand aufwachsen. «Es ist für uns wunderbar zu sehen, wie unsere Kinder natur- und tierverbunden und doch so stadtnah aufwachsen können», so Gygax. Der Sohn, mittlerweile dreieinhalb Jahre alt, kann bereits seit einem knappen Jahr selber auf dem Pferd mitreiten. «Unsere Kinder lernten sehr schnell den Umgang mit Tieren, insbesondere mit Pferden.» Das sei ihr immer wichtig gewesen.

Das Traumhaus am Fusse des Pilatus from zentralplus on Vimeo.

Das Leben mit den Tieren

Die beiden Pferde und auch ihr Kater Grigio sieht die Familie klar als Haustiere, ja als Freunde. Die Wollschweine sollen im Winter geschlachtet werden. «Die gehören aber unserem Mitbewohner, da haben wir nichts zu sagen», erklärt Gygax. Da er eine Beziehung zu den Tieren aufgebaut hat, falle es ihm etwas schwer, diesen Entschied zu fällen.

Und die Hühner legen fleissig Eier, welche die Familie Freunden und Bekannten verkauft und für den Eigenkonsum verwendet. «Vor kurzer Zeit ist mein Lieblingshuhn Anna Pedemonte verstorben. Es war total ulkig und konnte sogar reiten!» Gygax lacht. «Uns ist der bewusste Konsum von tierischen Produkten, ja eigentlich allen Produkten sehr wichtig. Und was gibt es Tolleres, als Produkte konsumieren zu können, die von unserem eigenen Hof stammen oder die wir in unserem Garten pflücken?» Gygax zeigt uns den grosszügigen Garten.

Das Leben in zwei Welten

Es ist ein Novembertag, die Vegetation hält sich in Grenzen. «Ihr seid eigentlich nicht zum richtigen Zeitpunkt hier. Alles ist karg. Im Sommer zeigt sich unser Hof hingegen von seiner besten Seite», meint Gygax. Tatsächlich blicken wir auf eingewinterte Pflanzen und auf solche, die den Winter wohl nicht überleben werden. Verschiedenste Gemüsesorten wachsen im Garten der «Sonnenaufgang»-Bewohnenden. «Um nur von unserem eigenen Gemüse leben zu können, bräuchten wir wohl grosse Gewächshäuser, die es uns erlauben würden, während des ganzen Jahres ernten zu können. Von Selbstversorgung sind wir noch weit weg.»

«Ich könnte mir kaum wieder ein anderes Leben vorstellen als hier.»

Selina Gygax

Dennoch verfügt das Grundstück über ein kleines Gewächshaus, das von den Bewohnenden eigens aus alten Fensterscheiben eines Gebäudes aus der Stadt Luzern gezimmert wurde. «Hier drinnen wachsen Tomaten und Salate. Die Salate sogar im Winter.» Heisst es. «Ich könnte mir kaum wieder ein anderes Leben vorstellen als das hier. Ich bin eine Mischung aus Stadt- und Landkind. Wenn ich mich für etwas von beidem entscheiden müsste, wäre es wohl das Land. Auch wenn wir hier alle die Nähe zur Stadt so wunderbar finden.» Innert zehn Minuten sei sie vom Hof am Bahnhof, wie sie schätzt.

«Es waren einfach wir, unsere Tiere und die Natur, die den Sommer gemeinsam gemeistert haben. Das hat sich sowas von unglaublich echt angefühlt.»

Selina Gygax

Etwas weiter weg als der Bahnhof ist die Option, vom Ertrag des Angebauten und der Tiere zu leben. «Das wollten wir auch gar nicht, es war nie das Ziel. Und das wäre bei uns gar nicht möglich», führt Gygax aus. Deshalb haben sie alle im Haus nebst ihrer häuslichen Leidenschaft einen anderen Alltag, der ausserhalb der eigenen vier Gartenzäune stattfindet. Gygax arbeitet Teilzeit als Angestellte bei der Spitex Zug, ihr Mann Simon hat ein eigenes Beschriftungsatelier namens Pictum an der Luzerner Gibraltarstrasse. Und der Mitbewohner von ihnen arbeitet ebenfalls selbstständig als Naturgartenspezialist und tingelt von Kunde zu Kunde.

Das Leben auf der Alp

Den vergangenen Sommer hat die Familie auf einer Alp verbracht. Auf der Tossenalp im Entlebuch kümmerten sie sich während mehrerer Monate um das dortige Vieh, um ihre Pferde, zwei Schweine, vier ihrer Hühner und um das Land. «Das Schöne war, dass wir mal für ein Zeitchen nichts von der ganzen Corona-Sache mitbekommen haben. Es waren einfach wir, unsere Tiere und die Natur, die den Sommer gemeinsam gemeistert haben. Das hat sich sowas von unglaublich echt angefühlt», so Gygax. Und auch den Kindern scheint es gefallen zu haben, wie der dreijährige Sohn nickend und lächelnd bemerkt. Seit Herbst sind sie wieder zurück zu Hause, in ihrer Winterresidenz.

«Es war ein riesiges Glück und ein Privileg, dass wir diesen Hof im Internet ausgeschrieben gesehen haben», erklärt Gygax weiter. «Und wir sind froh, dass beispielsweise meine Mutter oder auch meine Tante uns oft besuchen kommen, um uns mit den Tieren zu helfen. Und schliesslich haben wir noch unsere Kinder. Der ältere dreijährige Sohn Enea hilft gerne im Stall aus.» Er wisse ganz genau, wo auf dem Hof angepackt und geholfen werden kann. «Es ist einfach köstlich hier.»

Serie über alternative Wohnformen

Nicht alle wohnen in einem Umfeld, das für die Mehrheit als «normal» gilt. In unserer Serie «Alternative Wohnformen» zeigen wir auf, wie abenteuerlich, kreativ oder schlichtweg anders Menschen in Luzern leben. Der Besuch im «Riedi» in Ebikon macht den Auftakt zur Serie, der zweite Teil führte uns in eine Jurte.

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