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Die Nutzniesser der Luzerner Bieraffäre
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Luzerner Bier einst und heute – denn früher hiess auch die Brauerei Eichhof so. (Bild: zvg/Montage zentralplus )

Wie Luzerner Bier und Eichhof profitieren Die Nutzniesser der Luzerner Bieraffäre

4 min Lesezeit 1 Kommentar 28.07.2017, 13:36 Uhr

Der Gerichtsbeschluss zum «Lozärner Bier» hat das Image des Littauer Unternehmens arg geschwächt. Gewinner der Affäre düften die Konkurrenten sein. Vor allem Luzerner Bier, denn der Namensstreit ist schon alt. Doch bereits hat auch Eichhof reagiert und nutzt den Fall für eine augenzwinkernde Werbung.

Das «Lozärner Bier» mit Sitz in Littau hat vor Gericht verloren: Die Etikette des Lagerbiers führt die Kunden in die Irre – da es gar nicht aus Luzern stammt, sondern in Schaffhausen gebraut wird (zentralplus berichtete). Das lässt die Konkurrenz jubeln, allen voran das «Luzerner Bier».

Die Brauerei aus dem Tribschenquartier braut nämlich seit Bestehen vor Ort – und der Streit um die Etikette des Konkurrenten aus Littau lässt die Leute den Unterschied zwischen den beiden Bieren erkennen. «Vielen Leuten hat es die Augen geöffnet», sagt Luzerner-Bier-Geschäftsleiter David Schurtenberger und fügt an: «Unsere Marke hat durch die Affäre sicher einen Imagegewinn.»

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Negative Rückmeldungen auch bei Luzerner Bier

Die Verwechslungsgefahr war immer gross. Welches ist nun welches – Luzern oder Lozärn? «Ein paar Kunden von ‹Lozärner Bier› haben sich zu uns verirrt, ein paar von Luzerner Bier haben aus Versehen die Littauer Version gekauft – ich denke, das hat sich stets ausgeglichen», sagt Schurtenberger. Und jetzt, nach dem Urteil: Hat sich da die Situation geklärt? «Vielleicht ein wenig, aber die Verwirrung beim normalen Konsumenten ist nach wie vor gross.»

«Wir haben uns stets am längeren Hebel gewähnt.»

David Schurtenberger, Geschäftsleiter Luzerner Bier

Dies zeigt sich dadurch, dass selbst nachdem die Sachlage in den Medien breit abgehandelt wurde, Schurtenberger negative Rückmeldungen von Kunden erhält. «Ja, es gibt Leute, die sich bei uns melden, weil sie meinen, wir brauen nicht in Luzern.» Im Kreuzfeuer der Kritik bekommt also selbst die Brauerei Luzern, wie das Unternehmen heisst, ein paar Treffer ab.

Auch Eichhof reagiert

Aber auch beim grossen Konkurrenten Eichhof, der seit der Übernahme durch Heineken auffälig seine Tradition und Verbundenheit mit Luzern hochhält, reagiert man auf das Urteil. «Nicht überall, wo Luzern drauf steht, ist auch Luzern drin», heisst es in einer neuen Werbung von Eichhof in den sozialen Medien – dazu ein Zwinkersmiley. Zudem hat Eichhof kürzlich in seinen Archiven seine eigene Vergangenheit als «Luzerner Bier» (bis 1960) ausgegraben (zentralplus berichtete).

Hofft man also auch bei Eichhof auf einen Imagegewinn? «Die mediale Aufmerksamkeit ist für uns eine gute Chance, um klar zu machen, dass wir früher und auch heute in Luzern brauen», sagt Urs Frei, Leiter Unternehmenskommunikation bei Heineken Schweiz. Das sei seit er Übernahme etwas in Vergessenheit geraten, darum nutze man die Gelegenheit, um mit einem Augenzwinkern dafür zu sensibilisieren. Als direkter Profiteur des Gerichtsurteils sieht Urs Frei Eichhof aber dennoch nicht: «Ich gehe nicht davon aus, dass deswegen jemand explizit mehr Eichhof trinkt.»

Diese Werbung läuft etwa zwei Wochen:

Eichhof reagiert auf «Lozärner Bier»-Urteil mit dieser Werbung auf Facebook.

Eichhof reagiert auf «Lozärner Bier»-Urteil mit dieser Werbung auf Facebook.

(Bild: Screenshot)

Stets am längeren Hebel gewähnt

Zurückhaltender in Sachen Kommunikation ist man beim heutigen Luzerner Bier. Man hält sich während der ganzen Affäre auffällig bedeckt. Offensive Werbeaktionen oder gar Häme gegenüber dem Konkurrenten blieben aus. Dabei ist dieses Urteil doch eigentlich ein Sieg für die Tribschen-Brauerei. «Unsere allgemeine Kommunikationsstrategie ist eher zurückhaltend. Auch werbetechnisch sind wir eher zurückhaltend», erklärt Schurtenberger.

Daher passe die Zurückhaltung ins Konzept, die auch eine Nachwirkungen des Streits um den Namen aus dem Jahr 2011 ist. Die «Lozärner Bier AG» beschwerte sich beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum über den Namen der Tribschen-Brauerei. Die Klage wurde abgewiesen. «Wir haben uns stets am längeren Hebel gewähnt, da wir lokal brauen», so der Brauereileiter.

Langfristig positiver Effekt

Auf die Frage, ob dieses Gerichtsurteil nun den Durchbruch für «Luzerner Bier» im Lokalen Bier-Vormachtsstreit bedeutet, sagt Schurtenberger: «Bisher konnten wir noch keinen Effekt feststellen.» Vielleicht gebe es langfristig einen positiven Effekt. «Das wird aber unsere Brauerei nicht gleich sprengen», lacht der Bierbrauer. Der Nachfrage könne man durchaus auch künftig nachkommen.

Bei Biertrinkern scheint die Regionalität jedenfalls ein wichtiges Kriterium zu sein. Dies Zeigen die Reaktionen in sozialen Medien. Facebook-User Gian Brügger schreibt: «Wo Luzern drauf steht, soll Luzern drin sein.»

Zurückhaltend kommuniziert auch das «Lozärner Bier»: Sie haben sich bis heute nicht zum Urteil geäussert.

 

Das «Luzerner Bier» und das «Lozärner Bier» haben übrigens im zentralplus-Biertest sehr gut abgeschlossen.

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1 Kommentare
  1. Kurt Dreyer, 08.09.2017, 15:35 Uhr

    Ich hätte einen Nachtrag zur Sommerlichen Luzerner Biergeschichte:
    Zwar macht Eichhof in ihrer Werbung klar, dass in Luzern gebraut wird, was aber verschwiegen wird, dass die Maische ins Bündnerland gekarrt und anstatt mit Pilatuswasser mit Calandawasser abgefüllt wird. Die abgefüllten Flaschen werden dann zurück nach Luzern transportiert und hier verteilt. Ist das nun ein Luzerner Bier?